Magengeschwür: Alles Wichtige zur Behandlung

10. Oktober 2018

Erst galt ihre Theorie als absurd, später erhielten sie den Nobelpreis: In den 80er Jahren machte ein australisches Forscherteam eine bahnbrechende Entdeckung, die später zur Behandlung des Magengeschwürs eine bedeutende Rolle spielen sollte. Sie entdeckten das unscheinbare Bakterium Helicobacter pylori als Ursache der Magenerkrankung. Dies veränderte die Therapie des Magengeschwürs grundlegend.

Behandlung des Magengeschwürs – Innovation in der Medizin

Arzt bespricht mit Patienten, welche Behandlungen bei Magengeschwüren möglich sind

Stress, eine falsche Ernährung und insbesondere Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten galten lange Zeit als Hauptauslöser für Magengeschwüre. Die Medizin versuchte die Beschwerden mithilfe von Schonkost zu lindern. Aufwendige Magenoperationen, bei denen ein Teil des Magens entfernt wurde, mit dem Ziel, dadurch die Säureproduktion zu reduzieren, gehörten lange Zeit ebenfalls zur Standardtherapie.

Das änderte sich erst in den 80er Jahren. 1983 entdeckten die beiden australischen Mediziner Barry Marshall und John Robin Warren das Bakterium Helicobacter pylori als vorrangige Ursache für das Magengeschwür. Viele Wissenschaftler nahmen die Entdeckung der beiden jedoch zunächst nicht ernst: Wie sollte schon ein Bakterium in der aggressiven Magensäure überleben?

Das Bakterium Helicobacter pylori hat dafür eine clevere Strategie: Es umhüllt sich mit einer neutralisierenden Ammoniak-Hülle und schafft es somit, sich auf der Magenschleimhaut festzusetzen. Bei fortschreitender Entzündung der Magenschleimhaut kann dann ein Magengeschwür entstehen, das mit unspezifischen Symptomen wie Magendruck, Schmerzen im Oberbauch oder gelegentlicher Übelkeit einhergeht.

Diese relativ neuen Erkenntnisse haben wichtige Fortschritte bei der Behandlung des Magengeschwürs gebracht. Mittlerweile erfolgt die Therapie überwiegend konservativ (ohne Operation).

Magengeschwür: Darum ist eine Therapie wichtig

Bei einigen Patienten heilt ein Magengeschwür nach etwa zwei bis drei Monaten ohne ärztliche Behandlung von alleine wieder ab. Jedoch dauert der Heilungsprozess wesentlich länger als mit Therapie und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls ist ohne Behandlung relativ hoch (40 bis 80 Prozent).1 Außerdem kann ein unbehandeltes Magengeschwür zu Komplikationen führen. Eine Magenblutung oder ein Magendurchbruch stellt einen medizinischen Notfall dar, der eine sofortige medizinische Versorgung benötigt.

Eradikations-Behandlung bei einem Magengeschwür durch Helicobater pylori

Konnte der Arzt das Bakterium durch einen Antikörpertest (durch die Identifizierung bei Gewebeentnahmen) oder einen Atemtest feststellen, leitet er in der Regel eine Eradikations-Therapie ein. Der lateinische Begriff „eradicare“ bedeutet übersetzt „etwas ausradieren, völlig zum Verschwinden bringen“. Das bezeichnet sehr treffend das Ziel der Magengeschwür-Therapie – nämlich die Krankheitserreger im Magen komplett abzutöten.

Dafür verschreibt der Arzt dem Patienten eine Kombination aus drei Medikamenten:

  • zwei verschiedene Antibiotika (um das gut geschützte Bakterium zu bekämpfen) sowie
  • einen Protonenpumpenhemmer (um die Säureproduktion im Magen zu verringern und das Abheilen des Geschwürs zu fördern).

Gelegentlich kommen statt zwei auch drei Antibiotika zum Einsatz. Diese müssen sieben bis zehn Tage eingenommen werden.2 Die Behandlung gilt als sehr erfolgversprechend: Das Risiko eines Magengeschwür-Rückfalls liegt nach erfolgreicher Therapie bei nur zwei Prozent.3 Ob die Antibiotika die Bakterien vollständig entfernen konnten, sollte der Arzt bei einer Untersuchung frühestens vier Wochen nach dem Absetzten der Medikamente mittels Magenspiegelung kontrollieren. In einigen Fällen können Antibiotikaresistenzen für einen Fehlschlag verantwortlich sein. Was der Arzt dann tun kann, ist ein anderes Antibiotikum gegen das Magengeschwür auszuprobieren.

Gut zu wissen:

Die Behandlung mit Antibiotika ist immer mit möglichen Nebenwirkungen verbunden. Dazu gehören im Falle einer Eradikations-Behandlung beispielsweise Bauchschmerzen, Durchfall, Pilzinfektionen auf Haut und Schleimhäuten oder allergische Hautausschläge. Lassen Sie sich deshalb vorab genau über diese Nebenwirkungen von Ihrem Arzt informieren.

Behandlung von Komplikationen des Magengeschwürs

Viele Patienten bemerken ein Magengeschwür erst, wenn Komplikationen auftreten. Dann reicht eine medikamentöse Therapie oft nicht mehr aus. Blut im Stuhl ist immer ein Alarmsignal, bei dem Betroffene einen Arzt aufsuchen sollten. Dazu kann es kommen, wenn durch das Magengeschwür ein Blutgefäß verletzt wird. Der Arzt versucht in diesem Fall zunächst, die Blutung zu stillen. Eine Möglichkeit besteht darin, die Blutungsquelle bei einem endoskopischen Eingriff durch Stromstöße zu veröden. Alternativ muss sie operativ verschlossen werden. Bei starken Blutungen benötigt der Patient außerdem eine ärztliche Überwachung sowie gegebenenfalls Bluttransfusionen.

Was können Sie sonst noch bei einem Magengeschwür tun?

Begleitend zur medikamentösen Therapie, empfiehlt der Arzt dem Patienten auch den Alkohol- und gegebenenfalls den Zigarettenkonsum einzuschränken.

Zudem können Hausmittel dazu beitragen, akute Magengeschwür-Beschwerden zu lindern. Folgende Hausmittel finden bei einem Magengeschwür häufig Anwendung:

  • Süßholzwurzelextrakt: Die Süßholzwurzel, aus der übrigens Lakritze hergestellt wird, kann die Schleimhaut im Magen beruhigen und Schmerzen im Bauch lindern. In der Apotheke sind verschiedene Präparate mit dem Saft der Süßholzwurzel erhältlich. Alternativ können Sie sich einen Tee (ein Teelöffel geschnittene Süßholzwurzeln pro Tasse) aufgießen.
  • Kamillentee: Kamille besitzt entzündungshemmende Eigenschaften und stärkt die Schleimhäute. Eine Tasse Tee können Sie ganz einfach selbst zubereiten: Geben Sie einen Teelöffel Kamillenblüten in eine Tasse und gießen Sie sie mit kochendem Wasser auf. Nach etwa zehn Minuten sieben Sie die Blüten ab.
  • Wärme: Ein angewärmtes Kirschkernkissen oder ein feuchtwarmes Tuch auf dem Bauch empfinden Betroffene bei Bauchschmerzen ebenfalls häufig als sehr angenehm.
  • Brokkoli: Die Studienlage ist bisher zwar noch nicht ausreichend, aber Brokkoli wird oftmals als Hausmittel bei einem Magengeschwür empfohlen. Das grüne Gemüse enthält den Inhaltsstoff Sulforaphan, der zumindest im Reagenzglas gut gegen das Helicobacter-Bakterium wirkt. Um diesen wertvollen Inhaltsstoff beim Kochen nicht zu verlieren, sollte Brokkoli nur ganz kurz angedünstet und noch „knackig“ gegessen werden.

Eine Schonkost gilt mittlerweile als veraltet, im Gegenteil – strenge Diäten können die Beschwerden sogar verschlimmern.4 Sie sollten jedoch dennoch auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten und Nahrungsmittel meiden, die Sie nicht vertragen. Auch Stress ist bei einem Magengeschwür eher kontraproduktiv. Gönnen Sie sich regelmäßig eine Pause und viel Schlaf. Ebenso können Yoga oder Meditationsübungen beim Entspannen helfen.

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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin