Magengeschwür-Ursachen: Die wichtigsten Faktoren

In unserem Magen befindet sich eine Flüssigkeit, die so sauer ist, dass sie auch das eigene Gewebe angreifen könnte: der Magensaft. Das wird normalerweise durch sogenannten Magenschleim verhindert, den der gesunde Körper in angemessener Menge produziert.

Doch manchmal gerät das Verhältnis aus Magenschleim und Magensaft aus dem Gleichgewicht. Die Schleimhaut des Magens ist dann nicht mehr ausreichend gegen die aggressive Säure geschützt und kann ein Geschwür ausbilden. Wie aber kommt es dazu?  

Lange Zeit galten äußere Faktoren wie Stress und falsche Ernährung als wichtigste Magengeschwür-Ursachen. An diesen Ansichten hat sich jedoch seit der Entdeckung des Bakteriums Helicobacter pylori in den 1980er Jahren viel geändert.

Helicobacter pylori als Hauptursache für Magengeschwüre

Eigentlich ist der menschliche Magen mit seinem hochsauren Milieu gut gegen bakteriellen Befall geschützt. Doch das Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori) hat Strategien entwickelt, die es ihm ermöglichen, unseren Magen dennoch zu besiedeln. Dieser Mikroorganismus ist dabei so erfolgreich, dass etwa die Hälfte der gesamten Weltbevölkerung die Infektion in sich trägt. In den Entwicklungsländern wird die Infektionsrate sogar auf bis zu 90 Prozent geschätzt1.

Eine der Überlebensstrategien von H. pylori basiert auf seiner Fähigkeit, sich selbst mit einer säureneutralisierenden Ammoniak-Wolke zu umhüllen. In dieser Wolke kann das Bakterium so lange überdauern, bis es ins Innere der Magenschleimhaut vordringen und sich dort festsetzen kann. Von dort aus steigert das Bakterium die Säureausschüttung im Magen und wird dadurch zur Ursache für Magengeschwüre.

Wie gefährlich ist die Helicobacter Infektion wirklich?

Der Zusammenhang zwischen einer Helicobacter Infektion und der Entstehung von Magengeschwüren ist heute klar bewiesen. Dennoch muss bei Weitem nicht jeder, der das Bakterium in sich trägt, Magenprobleme entwickeln. Nur in etwa 10-20 Prozent der Fälle hat die Infektion gesundheitliche Auswirkungen, während bei einem Großteil der Infizierten keine der typischen Symptome wie Magenschmerzen oder Völlegefühl auftreteni.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal ist nicht jedes H. pylori Bakterium wie das andere. Mediziner unterscheiden aggressive und weniger aggressive Stämme. Wie schädlich ein Helicobacter Stamm für die Schleimhaut ist, ist im Erbgut des jeweiligen Bakteriums festgelegt. Auch lässt sich Helicobacter pylori nicht als alleinige Magengeschwür-Ursache definieren.

Die Infektion mit H. pylori kann in gewisser Weise als Grundvoraussetzung für die Ausbildung eines Magengeschwürs betrachtet werden. Damit die Erkrankung tatsächlich in Erscheinung tritt, müssen aber noch weitere Faktoren, wie die übermäßige Einnahme von Medikamenten mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibupropfen, hinzukommen.

Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Magengeschwür-Häufigkeit in Deutschland während der letzten Jahre etwa auf dem gleichen Stand geblieben ist, obwohl die H. pylori-Infektionen immer seltener werden. Der Grund ist, dass zeitgleich die Verwendung magenschädigender Arzneimittel immer weiter zunimmt.

Hoher Arzneimittelkonsum: Eine vermeidbare Magengeschwür-Ursache?

Bestimmte Arten von Medikamenten sind mit einem erhöhten Risiko für Schleimhautschäden und infolge dessen auch für Magengeschwüre verbunden. Dazu gehören:

  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR): Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR), auch Antirheumatika genannt, dienen der Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und Fiebersenkung. Dementsprechend groß ist ihr Einsatzgebiet. Die Wirkung dieser Stoffe basiert auf ihrer Fähigkeit, die beiden entzündungsfördernden Enzyme Cyclooxygenase-1 und 2 (COX-1 und COX-2) zu unterdrücken.

    Darauf beruht allerdings auch deren magenschädigende Nebenwirkung. Denn diese Enzyme sind unter anderem notwendig für die Bildung des Magenschleims, der den Magen vor der Einwirkung der Magensäure schützt.

    Zusammengefasst bedeutet das, dass Medikamente aus der NSAR Gruppe die Produktion von Magenschleim reduzieren und somit den körpereigenen Schutz des Magens schwächen. Eine übermäßige Einnahme dieser Medikamente gehört deshalb heute zu den häufigsten Magengeschwür-Ursachen. Die am meisten eingesetzten Wirkstoffe aus dieser Arzneimittelgruppe sind Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Diclofenac.
  • Corticosteroide: Eine zweite Wirkstoffgruppe von Medikamenten, die eine Magengeschwür-Ursache sein können, sind die Corticosteroide. Diese werden vor allem als Entzündungshemmer bei Erkrankungen wie dem allergischen Asthma sowie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) verschrieben. Ähnlich wie die NSAR reduzieren auch diese die Bildung von schützendem Magenschleim. Zusätzlich erhöhen sie aber auch die Produktion von Magensäure.

Wichtig ist, dass die schädliche Wirkung von Medikamenten aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika sowie der Corticosteroide bei mäßiger Einnahme relativ gering ist. Diese Arzneimittel werden erst dadurch zu einer möglichen Ursache für Magengeschwüre, dass sie häufig der Behandlung von chronischer Erkrankungen dienen und dadurch in hohen Dosen und über einen langen Zeitraum hinweg eingenommen werden.

Gut zu wissen

Ein Wirkstoff, der besonders oft Anwendung findet ist Acetylsalicylsäure (ASS). Dieser wird aufgrund seiner blutverdünnenden Wirkung nicht nur zur kurzfristigen Behandlung von Fieber und Schmerzen eingesetzt, sondern auch dauerhaft, zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Magengeschwüre und Stress: Gibt es einen Zusammenhang?

Das zentrale Nervensystem und die Verdauung stehen in enger Verbindung zueinander. Schon wenn wir Nahrung nur sehen, riechen oder schmecken bereitet sich der Magen auf die ankommenden Speisen vor und kurbelt die Absonderung von saurem Magensaft an.

Für die Verbindung zwischen den Sinneswahrnehmungen und den Reaktionen des Magens ist der Hirnnerv Nervus vagus (N. vagus) verantwortlich. Dieser Nerv steuert die Eingeweidetätigkeit, kann aber auch durch bestimmte emotionale Ereignisse aktiviert werden und bewirkt deshalb bei Stress, Ärger oder Wut eine verstärkte Produktion von Magensäure. Gefühle wie Angst oder Traurigkeit führen hingegen zur verminderten Bildung von Magensaft.

Fazit

Das Fazit daraus ist, dass Stress Magengeschwüre tatsächlich begünstigen kann, obwohl die psychosomatischen Ursachen für das Magengeschwür seit der Entdeckung des Bakteriums Helicobacter pylori in den Hintergrund getreten sind.

Kann falsche Ernährung ein Magengeschwür verursachen?

Koffein und Alkohol können Magengeschwüre begünstigen

Wie viel Säure die Magendrüsen absondern, kann auch durch die Art und Menge der von uns aufgenommenen Nahrung beeinflusst werden. Bestimmte Lebens- und Genussmittel wirken dabei direkt auf die Gesundheit unseres Magens.

  • Alkohol: in großen Mengen kann Alkohol die Magenschleimhaut schädigen sowie die Sekretion von Magensäure stimulieren.
  • Nikotin: kann die Durchblutung der Magenschleimhaut stören und ihre Regenerationsfähigkeit mindern. 
  • Kaffee: stimuliert ebenfalls die Freisetzung von Magensäure.

Neuere Studien deuten darauf hin, dass Lebensmittel, die Bitterstoffe wie Koffein oder Hopfen enthalten, die Säureproduktion im Magen regulieren können. Wie genau das funktioniert, ist allerdings noch nicht bekannt2.

Schließlich hat sich auch gezeigt, dass Magenprobleme durch frittierte Speisen sowie stark säurehaltige und scharfe Nahrungsmittel verstärkt werden können. Einen strikten Speiseplan zur Vermeidung von Magengeschwüren gibt es trotz alledem nicht, da die Auswirkungen der Ernährung auf die Gesundheit des Verdauungssystems individuell sehr verschieden sind.

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