Reizdarm mit Homöopathie behandeln

Das Reizdarmsyndrom ist eine chronische Darmerkrankung, bei der keine organischen Ursachen gefunden werden können. Man weiß jedoch, dass die Psyche einen Einfluss hat. Stress und Ängste können die Entstehung der Beschwerden begünstigen. Aus diesem Grund kann die Homöopathie, die auch die seelischen Auswirkungen einer Erkrankung berücksichtigt, eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zu Medikamenten bei einem Reizdarm sein.

Homöopathische Behandlung des Reizdarmsyndroms

In Bezug auf Homöopathie gibt es erhebliche Meinungsunterschiede. Deren Wirksamkeit konnte medizinisch bisher nicht nachgewiesen werden. Dennoch vertrauen sehr viele Menschen auf Globuli, Schüßler Salze und Co. Im Gegensatz zu Medikamenten verfolgt die Homöopathie einen ganzheitlichen Ansatz. Nicht nur bestimmte Symptome sind Ziel der Behandlung, sondern auch Auswirkungen, die die Krankheit auf den Menschen insgesamt hat. So wird die Behandlung den sehr individuellen Empfindungen und auch seelischen Zuständen der Patienten angepasst.

Reizdarm behandeln – welche Möglichkeiten gibt es?
Das Reizdarmsyndrom beeinträchtigt den Alltag von Betroffenen stark. Bisher ist die Erkrankung noch nicht ursächlich behandelbar, die Beschwerden lassen sich aber lindern.
Zu den Therapien

Gerade beim Reizdarm, bei dem keine organische Ursache ausgemacht werden kann, können anstatt oder ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten auch Mittel der Homöopathie angewendet werden. Da die Wirkstoffe bei homöopathischen Mitteln wie Globuli oder Schüßler Salzen extrem stark verdünnt sind, gelten sie als sehr schonende Behandlungsmöglichkeit beim Reizdarm.

Wichtig:
Eine Behandlung mit Mitteln aus der Homöopathie ist erst sinnvoll, wenn der Arzt die eindeutige Diagnose Reizdarm gestellt hat, weil hinter den typischen Beschwerden (Durchfall, Bauchschmerzen, Verstopfung, Blähungen) auch ernsthafte organische Erkrankungen stecken können. Und auch wenn homöopathische Mittel in der Regel sehr gut verträglich sind, sollte die Behandlung mit einem Arzt oder Heilpraktiker abgesprochen werden.

Welche Mittel der Homöopathie sind beim Reizdarm geeignet?

Viele Menschen mit Reizdarm vertrauen auf homöopathische Mittel wie Globuli

Homöopathische Mittel können als Tropfen, Tabletten oder Globuli-Kügelchen eingenommen werden. Bei den meisten Substanzen gibt es verschiedene Potenzen, die die Verdünnungsstufe angeben. Für die eigene Anwendung sind vor allem die Potenzen D12 und D6 geeignet. Bei der Potenz D wird das homöopathische Mittel im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt. Die Zahl hinter der Potenz gibt an, wie oft der Verdünnungsvorgang durchgeführt wurde. Bei einer D6-Potenz sechsmal, bei einer D12-Potenz entsprechend zwölfmal.

Folgende Wirkstoffe der Homöopathie haben sich beim Reizdarm bewährt:

  • Argentum nitricum wird bei Erbrechen oder Durchfall in stressigen oder aufregenden Situationen eingenommen.
  • Chamomilla recutita kann vor allem bei starken Magenkrämpfen oder häufigem Aufstoßen eingenommen werden, wenn die Ursache Ärger beziehungsweise Aufregung ist oder der Betroffene feststellt, dass sich die Beschwerden bei Anstrengung oder nachts verstärken.
  • Colocynthis ist vor allem bei Gefühlen wie Zorn, Entrüstung oder Demütigung das Mittel der Wahl und wird bei Bauchschmerzen, Durchfall und Muskelkrämpfen angewendet.
  • Ignatia, der Wirkstoff aus den getrockneten Samen der Ignazbohne, zählt zu den Mitteln, wenn Kummer und Sorgen auf den Bauch schlagen und Magenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen hervorrufen.
  • Natrium chloratum, das auch als Kochsalz verwendet wird, kann bei wechselnder Verstopfung und Durchfall helfen, insbesondere wenn Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit die Auslöser dieser Symptome sind.
Zur Einnahme von Globuli beim Reizdarm
Die Einnahme der Globuli richtet sich beim Reizdarm nach den akuten Symptomen und der Höhe der gewählten Potenz und sollte unbedingt mit einem Arzt oder Therapeuten abgesprochen werden. Bei akuten Beschwerden werden in der Regel bei D6-Potenzen stündlich fünf Globuli beziehungsweise eine Tablette verabreicht. Ab dem zweiten Tag wird die gleiche Menge auf alle zwei Stunden und am dritten Tag auf dreimal täglich reduziert. Bei D12-Potenzen sollten am ersten und zweiten Tag vier- bis fünfmal täglich fünf Globuli (oder eine Tablette) eingenommen werden und ab dem dritten Tag zweimal täglich fünf Globuli. Homöopathische Mittel werden nur so lange eingenommen, wie die Beschwerden andauern.

Globuli für einzelne Reizdarm-Symptome

Daneben können Globuli bei einem Reizdarm auch den entsprechenden Hauptbeschwerden angepasst werden. Am besten eignen sich – je nach den individuellen Symptomen – folgende homöopathische Mittel:

Hauptsymptom: Durchfall

  • Aloe (Liliengewächs): bei Durchfall mit starken Blähungen, Winden und sich heiß anfühlendem Anus
  • Arsenicum album (weißes Arsenik): wird bei wässrigem und übelriechendem Durchfall empfohlen, vor allem wenn Übelkeit oder Erbrechen hinzukommen
  • Podophyllum peltatum (Maiapfel): bei starkem Durchfall, der zu Erschöpfung führthalt

Hauptsymptom: Bauchschmerzen

  • Belladonna (Tollkirsche): bei plötzlich auftretenden Magenschmerzen, vor allem auch bei hohem Fieber
  • Chamomilla recutita (echte Kamille): wird zur Behandlung von leichteren Bauchschmerzen eingesetzt
  • Colocynthis (Bittergurke) bei Durchfall und kolikartigen Bauchschmerzen
  • Dioscorea villosa (Yamswurzel): hat sich bei Magen-Darm-Problemen bewährt und gilt in der Homöopathie als Mittel der Wahl bei starken Krämpfen und Schmerzen, die auch in die Rückenmuskulatur ausstrahlen können
  • Magnesium phosphoricum (phosphorsaures Magnesium): ist bei krampfartigen Bauchschmerzen geeignet
  • Nux vomica (Brechnuss) bei Darmproblemen und Bauchschmerzen aller Art

Hauptsymptom: Blähungen

  • Asa foetida (Stinkasant): kann bei starken Blähungen, die mit übelriechenden Winden einhergehen, helfen
  • Carbo vegetabilis (Holzkohle): bei Blähungen, die Bauchkrämpfe verursachen
  • Lycopodium (Bärlapp): wenn die Blähungen kolikartige Schmerzen verursachen

Hauptsymptom: Verstopfung

  • Alumina (Tonerde): kann bei sehr trockenem, hartem Stuhl helfen
  • Graphites (Reißblei): geeignetes Globuli bei Verstopfung durch das Reizdarm-Syndrom
  • Silicea (Kieselsäure): vor allem für Kinder geeignet, die an Verstopfung leiden
Gut zu wissen:
In einigen Fällen kann es bei der Behandlung mit homöopathischen Mitteln auch zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen. Diese kurzzeitige Verschlechterung dauert jedoch nur wenige Tage an und ist ein Zeichen dafür, dass der Heilungsprozess einsetzt.

Therapie mit Schüßler Salzen beim Reizdarm

Neben Globuli können Menschen, die an Reizdarm leiden, auch zu Schüßler Salzen greifen, um die Beschwerden homöopathisch zu behandeln. Diese sind in der Apotheke zum Beispiel in Tablettenform erhältlich. Schüßler Salze lassen sich gerade bei chronischen oder immer wiederkehrenden Beschwerden begleitend zu Mitteln aus der Schulmedizin einnehmen. Die Einnahme sollten Sie mit einem Therapeuten besprechen. Gegen Durchfall können beispielsweise Kalium phophoricum (Nr. 5), Magnesium phophoricum (Nr. 7) oder Natrium chloratum (Nr. 8) helfen, bei Verstopfung mit hartem Stuhl Natrium sulfuricum (Nr. 10). Bei Blähungen eignen sich zum Beispiel die Salze Natrium phophoricum (Nr. 9) und Kalium sulfuricum (Nr. 6).

„Heiße Sieben“ Zur akuten Anwendung eignet sich — vor allem bei Magnesium phophoricum (Nr.7), aber auch bei anderen Salzen — das Auflösen der Tabletten in heißem Wasser. Geben Sie hierfür fünf bis zehn Tabletten in eine Tasse und gießen Sie diese mit kochendem Wasser auf. Die Lösung kann schluckweise getrunken werden.
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