Reizdarm: Was ist darunter zu verstehen?


Allgemein fassen Mediziner unter Reizdarm verschiedene Krankheitszeichen zusammen, die allesamt mit einer chronischen funktionellen Störung des Verdauungstrakts zu tun haben. Das heißt, die Nahrung passiert den Darm entweder zu langsam oder zu schnell — die Funktionsweise ist also beeinträchtigt. Zu den krankheitsbedingten Beschwerden zählen beispielsweise  

Charakteristisch für das Reizdarmsyndrom ist außerdem, dass der Facharzt (Gastroenterologe) im Rahmen einer Untersuchung keine eindeutigen (organischen) Ursachen für die Beschwerden findet.

In der Regel verläuft die Krankheit von Person zu Person unterschiedlich und kann beispielsweise durch Stress- und Angstzustände (etwa aufgrund beruflicher oder privater Probleme), eine Störung im Darmmikrobiom (fehlende Balance zwischen nützlichen und schädlichen Bakterienkulturen im Darm) oder einen gestörten Serotoninhaushalt (Botenstoff, der Nervensystem im Darm anspricht und Verdauung beeinflusst) ausgelöst werden. Ein schwerer Verlauf ist in den meisten Fällen aber eher unwahrscheinlich. 

Kann Reizdarm Rückenschmerzen auslösen?


Mit Rückenschmerzen verbinden viele Betroffene häufig eine falsche und einseitige Haltung, mangelnde Bewegung oder Verletzungen — doch auch Vorgänge im Darm können bei Rückenschmerzen als eine mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.  

Anatomisch gesehen liegt der Dickdarm sehr nahe an der tiefliegenden Rumpf- und Rückenmuskulatur beziehungsweise am stärksten Beugemuskel des Hüftgelenks (Musculus iliopsoas). Auch die Lendenwirbelsäule befindet sich in dieser Körperregion.

Liegt nun zum Beispiel eine Darmerkrankung — wie etwa Morbus Crohn oder das Reizdarmsyndrom — vor, besteht die Möglichkeit, dass sich der gereizte Darm über die angrenzenden Nerven (beispielsweise den Sakralnerv) auch auf die umliegende Muskulatur im unteren Rücken auswirkt. Dort können durch die Reizungen Muskelverspannungen auftreten, die mitunter Rückenschmerzen zur Folge haben. 

Gut zu wissen:

Deutschlandweit leiden etwa 12 Millionen Menschen an Reizdarm, wobei Frauen in der Regel öfter betroffen sind als Männer.1 Damit gehört dieses Krankheitsbild zu einer der häufigsten chronischen Magen-Darm-Krankheiten.

Insbesondere wenn bei Reizdarm eine Verstopfung und somit durch ausbleibenden Stuhlgang eine langanhaltende Überfüllung des Darmtrakts vorliegt, kann die angesammelte Masse an Darminhalt auf den Sakralnerv drücken. Rückenschmerzen im Lumbalbereich, also entlang der Lendenwirbelsäule, sind in diesem Zusammenhang nicht unüblich. 

Da mit dem Reizdarmsyndrom auch Symptome wie Bauchschmerzen einhergehen, nehmen Betroffene oftmals eine leicht nach vorne gebeugte beziehungsweise gekrümmte Haltung ein. Dabei entspannt sich die Bauchdecke, wodurch eine kurzeitige Linderung der Schmerzen im Bauch empfunden wird.

Eine solche Haltung wird in der Medizin auch Schonhaltung genannt. Problematisch dabei ist jedoch, dass sie auf Dauer eine übermäßige Belastung für die Rückenmuskulatur darstellt. Dementsprechend können auch auf diese Weise Rückenschmerzen entstehen. 

Behandlung von Rückenschmerzen bei Reizdarm


Grundsätzlich gibt es für die Therapie von Schmerzen im Rücken eine Reihe unterschiedlicher Methoden. Diese reichen etwa  

  • von manueller oder Physiotherapie,  
  • über Bewegungs- und Entspannungsübungen,  
  • bis hin zu professionellen Massagen oder  
  • gesonderten Programmen zur Rückenschulung.  

Bei Letzteren wird Betroffenen beispielsweise ein rückenfreundliches Verhalten im (Büro-)Alltag vermittelt. Auch Schmerzmittel werden mitunter verschrieben, um für eine kurzfristige Schmerzlinderung zu sorgen. 

Vor dem Hintergrund des Reizdarms, reicht es jedoch nicht aus, nur das Symptom Rückenschmerz in den Fokus zu nehmen. Die eigentliche Ursache — der Reizdarm — bleibt davon unberührt und kann nach wie vor zu Beschwerden führen.

Für eine erfolgreiche Behandlung muss also insbesondere auch gegen die zugrundeliegende Erkrankung vorgegangen werden, auch wenn beim Reizdarmsyndrom — aufgrund des chronischen Charakters — keine vollständige Heilung angestrebt werden kann. Vielmehr zielen Ärzte hier auf eine langfristige und dauerhafte Linderung der Symptome ab. 

Da für die Entstehung des Reizdarmsyndroms noch keine fundierten und eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, gestaltet sich die Untersuchung und Therapie entsprechend schwierig. Wichtig ist es hier — gemeinsam mit dem behandelnden Arzt (Gastroenterologe) — eine individuelle Behandlung zu finden, die für Sie funktioniert und Ihre Symptome lindert. Was jeweils hilft, variiert von Person zu Person.  

Zu den gängigen Therapieansätzen gehören beispielsweise: 

  • vermeiden von Lebensmitteln, die den Darm belasten und Blähungen verursachen können (etwa Kohlgemüse, Zwiebeln, Bohnen, scharfe Gewürze, Kaffee
  • Ernährungsumstellung bei Nahrungsmittelunverträglichkeit (in Absprache mit dem Arzt) 
  • Reduktion von Stress- oder Angstsituationen 
  • psychotherapeutische Maßnahmen zur Konflikt- und Stressbewältigung (zum Beispiel Gesprächstherapie) 

Darüber hinaus kommt auch hier eine medikamentöse Therapie in Betracht. In erster Linie wird diese jedoch zur Symptombekämpfung bei Reizdarm eingesetzt. So verschreibt der Arzt unter anderem krampflösende Präparate bei starken Bauchschmerzen, sogenannte Antidiarrhoika bei Durchfall und Laxantien gegen eine vorliegende Verstopfung.

Für die Unterstützung eines möglicherweise angeschlagenen Darmmikrobioms und zur Linderung der Beschwerden können zum Beispiel auch Probiotika oder pflanzliche Mittel eingesetzt werden.   

In Fällen mit langanhaltenden Beschwerden, greifen Mediziner mitunter auf sehr gering dosierte Antidepressiva zurück. Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass besonders starke Symptome nicht selten mit depressiven Verstimmungen oder Ängsten einhergehen.2 

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