Darmverschluss-Behandlung: OP oder Medikamente?

17. September 2018

„Die Sonne soll über einem Darmverschluss nie auf- oder untergehen“, besagt eine alte Chirurgenweisheit. Anders ausgedrückt: Ein Darmverschluss ist eine Notfallsituation, die eine sofortige Behandlung erfordert. Dabei muss nicht immer eine OP bei einem Darmverschluss durchgeführt werden. In einigen Fällen ist eine Behandlung mit Medikamenten möglich.

Darmverschluss – was tun?

Bei einem Darmverschluss ist eine sofortige Behandlung durch Medikamente oder durch einen operativen Eingriff erforderlich

Diagnostiziert der Arzt einen Darmverschluss (Ileus), muss sofort gehandelt werden. Typische Darmverschluss-Symptome, anhand derer der Arzt seine Diagnose stellt, sind ein geblähter Bauch, Übelkeit, Erbrechen, krampfhafte Bauchschmerzen und fehlender Stuhlgang. Entscheidend für die weitere Vorgehensweise ist, ob es sich um eine mechanische Störung oder einen funktionell-paralytischen Ileus handelt. Bei einem paralytischen Darmverschluss, also einer Lähmung der Darmbewegung, kann eine konservative Therapie mit Medikamenten ausreichen. Dagegen ist bei einem mechanischen Darmverschluss, bei dem ein Hindernis die Darmpassage versperrt, meist eine sofortige OP notwendig.

Notfall Darmverschluss
Ein Darmverschluss stellt für den Patienten eine lebensbedrohliche Situation dar. Das Sterblichkeitsrisiko liegt bei 5 bis 25 Prozent und steigt mit jeder unbehandelten Stunde um einen weiteren Prozentpunkt. Deshalb sind eine schnelle Diagnose und Therapie entscheidend.

Darmverschluss: Alles Wichtige über die OP

Nicht immer ist das Aufschneiden des Bauches notwendig. Der Arzt entscheidet je nach Ursachen und Lage des Verschlusses im Verdauungstrakt, ob ein chirurgischer Eingriff durchgeführt werden muss. Handelt es sich um einen Dickdarmverschluss oder ist Darmgewebe bereits abgeschnürt (zum Beispiel durch Verklebungen oder Verwachsungen im Bauch), ist eine OP sogar unumgänglich. Deshalb sollten Patienten bei Verdacht auf einen Verschluss auch nichts mehr essen oder trinken.

Was wird bei der Operation gemacht?

Vor der Operation bekommt der Patient Antibiotika, Flüssigkeit und Elektrolyte per Infusion verabreicht. Antibiotika deshalb, um eine mögliche Infektion mit Darmbakterien, die bei dem chirurgischen Eingriff in den Bauchraum gelangen können, vorzubeugen. Danach versetzt der Anästhesist den Patienten in Vollnarkose und saugt mit einer Magensonde, einem kleinen Schlauch der durch Mund oder Nase geschoben wird, den Magen leer. Nun öffnet der Chirurg per Längsschnitt den Bauch, um an den Ort des Verschlusses zu gelangen. Je nach Ursache des Hindernisses löst er Verwachsungen oder Verdrehungen, entfernt Fremdkörper oder schneidet krankheitsbedingte Auswucherungen wie Tumoren heraus.

Mögliche Komplikationen bei einer Darmverschluss-OP

Das Risiko der Darmverschluss-OP ist abhängig vom Umfang des Eingriffes. Muss der Chirurg mehr Gewebe oder ganze Darmabschnitte entfernen, ist dementsprechend auch das Risiko erhöht. Wie bei jeder größeren Operation im Bauchbereich können folgende Komplikationen auftreten:

  • Verletzungen anderer Organe und Nerven
  • Wundinfektion (Entzündung der Wunde durch Bakterien)
  • Blutvergiftung (Erreger gelangen in den Blutkreislauf)
  • Aufreißen der Naht
  • Entzündung des Bauchfells (durch das Eindringen von Darminhalt in die Bauchhöhle)
  • Absterben von Teilen des Darms

Häufig bilden sich infolge einer Operation auch Verwachsungen, die wiederum einen Darmverschluss auslösen können. Aus diesem Grund empfehlen Mediziner diesen Patienten, besonders auf typische Darmverschluss-Anzeichen zu achten.

Darauf müssen Sie nach der Darmverschluss-OP achten

Nach der Operation muss sich der Darm erst wieder erholen und ganz langsam an die Nahrungsaufnahme gewöhnen. Bis zu fünf Tage wird der Patient über einen Tropf ernährt und dann ganz langsam an feste Nahrung herangeführt. Der Operierte bekommt in der Regel als erstes Tees und Suppen sowie leicht verdauliche Kost. Mit diesen Tipps ernähren Sie sich nach der Darmverschluss-OP richtig:

  • gründlich Kauen
  • Mahlzeiten pürieren
  • mehrere kleinere Portionen über den Tag verteilt essen
  • Obst und Gemüse ohne Schale essen
  • blähende Lebensmittel vermeiden
  • Nüsse und Obst mit Kernen meiden

Wie lange ein Patient im Krankenhaus bleiben muss, hängt von der individuellen Genesung ab. In der Regel werden die Patienten jedoch nach ein bis drei Wochen wieder entlassen. Auch nach der Entlassung sollten Operierte sich noch eine gewisse Zeit schonen und mit körperlich anstrengenden Tätigkeiten warten, bis die Operationswunde komplett verheilt ist.

Alternative zur OP: Darmverschluss mit Medikamenten behandeln

Im Vergleich zu der mechanischen Ursache des Verschlusses steht bei einem paralytischen Darmverschluss die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung im Vordergrund. Da auch Medikamente eine Darmlähmung bewirken können, erfragt der Arzt zunächst, welche Arzneistoffe der Patient einnimmt. Eventuell kann bereits das Absetzen bestimmter Wirkstoffe zu einer Verbesserung führen.

Medikamente sind jedoch nicht nur potenzielle Verursacher eines paralytischen Darmverschlusses, sondern werden auch zur Behandlung eingesetzt. Dabei verabreicht der Arzt vor allem Medikamente, die die Darmbewegung wieder fördern (Prokinetika), die eine anregende Wirkung auf den Darm haben und die ausgefallene Motorik wieder zum Laufen bringen. Zudem bekommt der Patient krampflösende Mittel und Schmerzmittel.

Einem Darmverschluss vorbeugen

Um sich die ganzen Behandlungen eines Darmverschlusses zu ersparen, wäre es da nicht am besten, durch eine geeignete Vorbeugung erst gar keinen zu bekommen? Das stimmt zwar, ist aber leider nur bedingt möglich. Ganz allgemein reduziert ein gesunder Lebensstil und eine ballaststoffreiche Ernährung das Risiko eines Darmverschlusses. Ballaststoffe, zum Beispiel enthalten in Erbsen, Brokkoli und Bohnen, fördern die Verdauung und wirken Verstopfungen entgegen. Dafür ist aber auch ausreichendes Trinken (mindestens 1,5 Liter pro Tag) notwendig, damit die Ballaststoffe aufquellen können. Besonders Personen, die bereits eine Bauchoperation hinter sich haben, sollten ihren Lebensstil entsprechend anpassen.

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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin