Divertikulitis: Behandlung bei unkompliziertem und schwerem Verlauf

Nicht immer sind Divertikel, also Ausstülpungen der Darmwand, harmlos. Im Extremfall können sie zu einem gefährlichen Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung führen. Machen die Divertikel großen Ärger, kann es sein, dass eine Behandlung mit Medikamenten nicht mehr ausreicht. Aber wann wird die Divertikulitis mit Medikamenten behandelt und wann muss operiert werden? Hier bekommen Sie die Antworten.

Die unkomplizierte Divertikulitis

Der Befund von Divertikeln ist erst mal kein Grund zur Panik. In den meisten Fällen haben Menschen Divertikel, ohne dass sie diese überhaupt bemerken. Der Anteil an Divertikel-Trägern nimmt mit dem Alter zu. Nur bei einem Viertel dieser Betroffenen zeigen sich Symptome wie Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall und Fieber. Bei einer unkomplizierten Divertikulitis findet meist eine Behandlung mit Medikamenten wie Antibiotika statt. Aber auch Ernährungsempfehlungen, sowohl für eine akute Divertikulitis-Entzündungsphase als auch auf längere Sicht, nehmen in der Behandlung eine wichtige Stellung ein.

Menschen, die ständig Probleme mit Divertikeln haben, sollten ihre Essgewohnheiten grundlegend umstellen. Eine ballaststoffreichere Ernährung reduziert zwar nicht bereits bestehende Divertikel, sie schützt jedoch vor der Entstehung neuer Divertikel und verringert das Risiko von Entzündungen.

Daher ist eine Erhöhung des Ballaststoffanteils sinnvoll, um Divertikel und die Probleme, die sie verursachen können, vorzubeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt pro Tag etwa 30 Gramm Ballaststoffe. Viele Ballaststoffe sind zum Beispiel in Vollkornprodukten, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten enthalten.

Damit die Ballaststoffe im Darm auch gut quellen und nicht zu einer Verstopfung führen, ist ausreichend trinken – mindestens zwei Liter pro Tag – wichtig.

Tipp: So integrieren Sie Ballaststoffe ganz einfach in den Alltag

  • Mit Müsli (das reich an Getreideflocken wie Hafer, Mais oder Roggen ist) ballaststoffreich in den Tag starten.
  • Bei Brot und Nudeln lieber zu Vollkornprodukten greifen.
  • Zu jeder Mahlzeit als Beilage eine Portion Gemüse oder Obst essen. Feste Sorten wie Möhren oder Paprika haben mehr „Ballast“ als wässriges Gemüse wie Gurken oder Zucchini.

Welche Gründe sprechen für eine Operation?

Bei wiederum nur einem Bruchteil derjenigen, die Symptome zeigen, führt die Divertikulitis zu schweren Komplikationen, bei denen Betroffene nicht um eine Operation herumkommen. Zu den zwingenden Gründen einer Operation zählen unter anderem

  • ein Darmverschluss,
  • eine Fistelbildung (durch die Entzündung entstandene Verbindung zwischen dem Darm und anderen Organen),
  • eine Bauchfellentzündung (zum Beispiel durch das Platzen eines Divertikels) und
  • der Verdacht auf Dickdarmkrebs.
Muss bei einer Divertikulitis operiert werden, wird dabei der betroffene Darmabschnitt entfernt

Bei einem Verdacht auf diese Komplikationen ist eine sofortige ärztliche Untersuchung notwendig. Der Arzt entscheidet im Einzelfall, ob sofort operiert werden muss oder nicht. Ohne einen chirurgischen Eingriff können diese Situationen lebensbedrohlich sein. Bei Darmoperationen kommen sowohl Bauchschnitt als auch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) infrage. In der Regel werden Darmoperationen unter Vollnarkose durchgeführt.

Daneben gibt es noch weitere Gründe, die eine Operation zwar nicht zwingend notwendig machen, in einigen Fällen jedoch durchaus rechtfertigen. Zu den Fällen, bei denen Ärzte eine Operation in Erwägung ziehen, gehören:

  • Wenn der Patient immer wiederkehrende und anhaltende Divertikulitis-Symptome zeigt, die trotz medikamentöser Behandlung nicht besser werden.
  • Bei wiederholten Entzündungen der Divertikel, denn dabei kann es durch die Narben, die beim Abheilen entstehen, zu einer Verengung oder einem Verschluss des Darmes kommen. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Fisteln bilden, steigt mit der Anzahl wiederkehrender Schübe.
  • Bemerkt der Patient immer wieder helles Blut im Stuhl, führt dies ebenfalls manchmal zu der Entscheidung für einen operativen Eingriff.
  • Auch anhaltende Beschwerden beim Wasserlassen können ein Grund für eine Operation sein.

Bei einer Operation wird der betroffene Darmabschnitt (meist das Sigma, der untere s-förmige Teil des Dickdarms) entfernt. Wird nur ein sehr kleiner Dickdarmabschnitt entfernt, kann der Patient nach der Operation ein ganz normales Leben führen. Muss ein größeres Stück entfernt werden, kann der Darm dem Nahrungsbrei weniger Wasser entziehen, weshalb Betroffene einen breiigeren Stuhlgang nach dem Eingriff haben können. Da sich nach der Operation auch an weiteren Stellen des Darms Divertikel bilden können, wird auch operierten Patienten eine Nahrungsumstellung empfohlen.

Wichtig:
Ärzte treffen die Entscheidung für eine Operation immer auch im Hinblick auf Alter und Gesundheitszustand des Patienten. Bei einem 40-Jährigen, der dreimal im Jahr aufgrund von Divertikulitis-Schüben starke Schmerzen hat, kann eine Operation beispielsweise zu mehr Lebensqualität verhelfen. Bei einem 85-jährigen Pflegeheimbewohner, der nur einmal alle zwei Jahre einen Schub hat und die Antibiotika-Therapie gut verträgt, wird eine Operation hingegen weniger in Betracht gezogen.
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