Divertikulitis: Behandlung mit Antibiotika und Homöopathie

17. September 2018

Die Behandlung einer Divertikulitis richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Eine kompliziere Divertikulitis muss in den meisten Fällen chirurgisch behandelt werden. Bei einer unkomplizierten Divertikulitis reicht hingegen meist eine vorrübergehende Diät sowie eine Therapie mit Antibiotika aus. Ob die Gabe von Antibiotika bei einer unkomplizierten Divertikulitis tatsächlich notwendig ist, ist unter Experten jedoch umstritten. Informieren Sie sich hier, wann Antibiotika angewendet wird und welche pflanzlichen Heilmittel die Homöopathie empfiehlt.

Unkomplizierter Divertikulitis mit oder ohne Antibiotika behandeln?

Bei einer unkomplizierter Divertikulitis wird meist mit Medikamenten behandelt

Führen Ausstülpungen an der Darmschleimhaut, sogenannte Divertikel, zu Beschwerden, sprechen Mediziner allgemein von einer Divertikelkrankheit. Die häufigste Form ist die Divertikulitis. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der sich die Divertikel entzündet haben. Betroffene leiden typischerweise an starken Schmerzen im linken Unterbauch, Stuhlunregelmäßigkeiten sowie Fieber. Je nachdem, ob die Divertikulitis zu schwerwiegenden Komplikationen führt, können jedoch noch weitere Symptome hinzukommen.

In etwa 75 Prozent der Fälle verläuft eine Divertikulitis unkompliziert. Bei einer unkomplizierten Divertikulitis wird in der Regel nicht operiert, sondern eine Behandlung mit Medikamenten vom Arzt angeraten. Dabei entscheidet der Arzt im Einzelfall, ob eine ambulante Behandlung infrage kommt oder der Patient zur Vorsicht im Krankenhaus beobachtet werden sollte.

Überblick über Behandlungsmethoden je nach Schweregrad der Divertikelkrankheit

SchwereBehandlung
unkomplizierte Divertikulitis
  • vorrübergehender Nahrungsverzicht
  • eventuell Therapie mit Antibiotika
komplizierte Divertikulitis
(Darmdurchbruch, Fistel- Abszessbildung, andauernde Entzündung)
  • Operation

 
Bei einer unkomplizierten Divertikulitis empfehlen internationale Leitlinien routinemäßig Antibiotika sowie eine kurze Fastenphase und Bettruhe. Jedoch ist die Studienlage bezüglich der Notwendigkeit von Antibiotika bei einer unkomplizierten Divertikulitis unzureichend. Neuere Studien1 bezweifeln einen signifikanten Nutzen der Antibiotikatherapie. Vielmehr, so die Meinung der Experten, sollten Antibiotika nur bei einem schweren Verlauf der Erkrankung zum Einsatz kommen. Anstatt dem Patienten voreilig Antibiotika zu verabreichen, empfehlen neuere Konzepte, nicht sofort zu dem Wirkstoff zu greifen. Demnach ist bei einer unkomplizierten Divertikulitis ohne Komplikationen eine Kombination aus Schmerzmitteln, entkrampfenden Medikamenten sowie eine spezielle Ernährungsempfehlung besser geeignet. Auch die Wirksamkeit einer Nulldiät bei einer akuten Entzündung, um den Darm ruhigzustellen, kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Bei dieser Diät darf überhaupt keine feste Nahrung aufgenommen werden. Da aber durch das Fasten der Körper zusätzlich stark beansprucht wird, ist in einem solchen Fall ein klinischer Aufenthalt unbedingt notwendig.

Sowohl nach einer chirurgischen als auch antibiotischen Behandlung sollten Patienten auf eine sehr leichte, ballaststoffarme Kost und auf ausreichend Flüssigkeit achten. Durch das zugeführte Wasser quellen die Ballaststoffe auf und führen nicht zu einer Verstopfung.

Homöopathie und alternative Behandlungsmethoden bei Divertikulitis?

Da eine Divertikulitis auch zu Komplikationen wie einem gefährlichen Darmdurchbruch führen kann, ist eine ärztliche Behandlung erforderlich. Begleitend können – am besten in Absprache mit dem behandelnden Arzt – jedoch homöopathische Mittel den Heilungsprozess unterstützen und einzelne Symptome lindern:

  • Gegen Fieber, das bei einer akuten Divertikulitis auftreten kann, können beispielsweise fünf bis sechsmal am Tag fünf Globuli Stramonium C15 oder Belladonna eingenommen werden.
  • Auch Unterleibsschmerzen sind ein charakteristisches Leiden bei Divertikulitis. Hierbei versprechen unter anderem die Globuli Stramonium C15, Chamomilla C15, Magnesium phosphoricum oder Colocynthis C5 Besserung. Es können fünf bis siebenmal täglich 5 Kügelchen verabreicht werden.
  • Bei Blähungen wird vor allem Nux vomica C5 empfohlen. Im Akut-Fall dürfen im Stundentakt je 5 Globuli angewendet werden.
  • Bei Durchfall infolge einer Divertikulitis rät die Homöopathie hingegen zu Ipecacuanha C9 (dreimal täglich 5 Globuli).

Auch Schüßler-Salze sind eine beliebte Heilmethode in der Homöopathie gegen Divertikel. Besonders das Schüßler-Salz Nr.1 (Calcium fluoratum) verspricht, das Bindegewebe zu festigen und dadurch die Wahrscheinlichkeit von Ausstülpungen zu verringern.

Daneben können auch bestimmte Heilpflanzen einen positiven Effekt auf den Darm ausüben. Gerbstoffhaltige Pflanzen wie Eichenrinde und Heidelbeeren kräftigen den Darm und wirken Entzündungen der Schleimhaut entgegen. Die Pflanzen können zum Beispiel als Tee getrunken werden. Ein weiteres pflanzliches Mittel bei Divertikulitis ist Kamillentee. Denn Kamille beruhigt Magen und Darm und hat eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung.

Wichtig: Divertikulitis ist eine schwerwiegende Erkrankung, die in vielen Fällen nicht ohne eine medikamentöse oder sogar operative Behandlung durch die Schulmedizin auskommt. Deshalb sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Mit Ballaststoffen den Darm entlasten

Die Ernährung spielt bei der Divertikulitis eine besondere Rolle. Eine sehr ballaststoffarme Ernährung, zum Beispiel aus vielen Fertiggerichten, gilt als eine mögliche Ursache für die Entstehung von Divertikeln. Deshalb raten Mediziner vorbeugend vor allem zu einer ballaststoffreichen Ernährung.

Während einer akuten Divertikulitis, die mit Antibiotika oder anderen Medikamenten behandelt wird, muss der Patienten hingegen konkrete Nahrungsvorschriften einhalten. Die Ernährungsumstellung erfolgt in drei Phasen:

  • 1. Phase: keine Ernährung
    Während einer akuten Entzündung dürfen Patienten nichts essen. Sie werden im Krankenhaus künstlich ernährt. In den nächsten ein bis zwei Tagen folgt ein langsamer Kostaufbau. Die Patienten bekommen vor allem Tees, Suppen und Zwieback.
  • 2. Phase: ballaststoff- und fettarme Ernährung
    In der nächsten Woche raten die Ärzte zu ballaststoff- und fettarmen Lebensmitteln. Dazu zählen unter anderem: Zwieback, Wurstwaren, Obstsäfte, Käse, Honig, Milchprodukte und Fleischbrühe.
  • 3. Phase: langsamer Übergang zu ballaststoffreicher Kost
    Ist die Entzündung wieder vollständig ausgeheilt, empfehlen Ärzte und Ernährungsberater zu einer langfristigen Umstellung der Essgewohnheiten. Bereits vorhandene Divertikel können zwar durch eine Ernährungsumstellung nicht mehr rückgängig gemacht werden, es gibt jedoch Hinweise, dass die Aufnahme von vielen Ballaststoffen die Wahrscheinlichkeit von Entzündungen verringert.

Ballaststoffe sind wertvolle Bestandteile in pflanzlichen Nahrungsmitteln, die zum Beispiel in Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen enthalten sind. Außerdem regen sie die Darmtätigkeit an und verhindern Verstopfung. Erwachsenen wird eine Tagesmenge von 30 bis 40 Gramm Ballaststoffen empfohlen, die zur Hälfte aus Getreide und zur Hälfte aus Obst und Gemüse stammen.

Hinweis:
Die Umstellung zu einer ballaststoffreichen Ernährung sollte langsam erfolgen. Bei Menschen, die sich lange Zeit ballaststoffarm ernährt haben, führt die Umstellung eventuell zu Blähungen, die den Darm zusätzlich belasten.
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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin