Ursachen und Diagnose bei chronischem Durchfall

17. September 2018

Im Vergleich zu akutem Durchfall (Diarrhö), der meist nur ein bis zwei Tage andauert, bestehen die Beschwerden bei chronischem Durchfall länger als 14 Tage. Ein langanhaltender Durchfall kann viele Ursachen haben. Auf jeden Fall sollte er ärztlich untersucht werden, denn er kann ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein.

Was sind die Ursachen von ständigem Durchfall?

Da Durchfall den Körper dehydriert, ist es wichtig, die Ursache herauszufinden

Es ist wichtig, die Ursachen von Durchfall möglichst schnell zu finden. Denn Durchfall entzieht dem Körper ständig Flüssigkeit, Mineralien und andere wichtige Nährstoffe. Dies kann zu Untergewicht und Mangelerscheinungen führen. Gerade bei Babys und Kleinkindern muss chronischer Durchfall deshalb schnellstmöglich behandelt werden, da er sonst zu Entwicklungsstörungen führen kann. Geht der Durchfall nach mehreren Tagen nicht weg, kann dies vielfältige Ursachen haben.

Darmerkrankungen als Ursache von chronischem Durchfall

Wiederkehrende oder permanent aktive entzündliche Erkrankungen des Darms sowie der Bauchspeicheldrüse können chronischen Durchfall auslösen. Solche Erkrankungen sind zum Beispiel:

  • Morbus Crohn: In Deutschland leiden rund 300.000 Menschen an Morbus Crohn, einer Erkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann und wie Colitis ulcerosa in Schüben verläuft. Diese Schübe äußern sich in langanhaltendem Durchfall und Bauchkrämpfen.
  • Colitis ulcerosa: Dabei handelt es sich um eine chronische, meist schubweise verlaufende Entzündung des Dickdarms. Sie ist gekennzeichnet durch häufigen Durchfall mit Blut- und Schleimbeimengungen. Dazu kommen Schmerzen, oftmals im linken Oberbauch.
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): Chronischer Durchfall kann auch die Folge einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sein. Betroffene verlieren dabei oft viel Gewicht.

Infektionen sind häufig die Ursache von akutem Durchfall, bei chronischem Durchfall hingegen eher selten. Eine Ausnahme ist die sogenannte Whipple-Krankheit. Die seltene Infektionskrankheit wird durch den Erreger Tropheryma Whippelii verursacht, der den Dünndarm befällt. In der Folge entstehen Mangelzustände und Durchfälle. Die Krankheit muss mit einer lang andauernden Antibiotika-Therapie behandelt werden und kann im schlimmsten Fall tödlich enden.

Eine weitere Erkrankung, die den Darm stark belastet und ständigen Durchfall bewirken kann, ist die Divertikulose. Bei dieser Erkrankung des Darms stülpt sich die Darmwand teilweise nach außen. Diese Ausstülpungen (Divertikel) treten sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm auf. An sich sind diese Ausbuchtungen harmlos, doch können sie zu starken Beschwerden führen, wenn Speisereste dort zurückbleiben und sie sich entzünden. Die Symptome richten sich stark nach dem Stadium der Erkrankung, ein häufiges Symptom ist heftige Diarrhö. Die Gefahr einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter.

Auch bei einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms ist chronischer Durchfall möglich. Mediziner sprechen von dem sogenannten Blindsacksyndrom. Dabei breiten sich Bakterien aus dem Dickdarm fälschlicherweise im Dünndarm aus. Ursache ist häufig eine Darmoperation. Die Erkrankung muss nicht zwangsweise Symptome auslösen, wässriger Durchfall ist aber eine mögliche Begleiterscheinung. Die Therapie kann sowohl medikamentös als auch durch einen chirurgischen Eingriff erfolgen.

Als Volkskrankheit kann mittlerweile das Reizdarm bezeichnet werden. Eine häufige Ursache für ständigen Durchfall ist das Reizdarmsyndrom (RDS), eine funktionelle Störung des Darms. Zum Krankheitsbild gehören immer wiederkehrende Darmbeschwerden. Die genaue Ursache ist bis jetzt nicht geklärt. Deshalb kann der Arzt die Diagnose nur durch das Ausschlussverfahren anderer Krankheiten geben.

Rebellion des Darms gegen Lebensmittel

Manche Menschen haben grundsätzlich das Problem, bestimmte Nährstoffe nicht richtig aufnehmen zu können. Schuld ist das sogenannte Malassimilationssyndrom. Die Verdauungsorgane können die Nahrung für den Organismus nicht richtig aufspalten oder über die Schleimhaut des Darms aufnehmen. Es resultieren daraus Mangelzustände, Gewichtsverlust und chronischer Durchfall.

Tritt Durchfall immer nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel auf, ist es sinnvoll, sich auf eine Unverträglichkeit der entsprechenden Lebensmittel testen zu lassen. Verantwortlich dafür sind zum Beispiel:

  • Eine Unverträglichkeit von Fruchtzucker: Betroffene vertragen vor allem Obst nicht gut.
  • Eine Laktoseintoleranz: Milchprodukte wie Joghurt oder Käse sind tabu.

Auch wenn sich ihre Symptome durchaus ähneln, muss eine Unverträglichkeit von einer Lebensmittelallergie unterschieden werden, die je nach Person und Nahrungsmittel beziehungsweise Zusatzstoffen unterschiedliche allergische Beschwerden hervorrufen kann. Während eine Unverträglichkeit durch das Fehlen eines wichtigen Enzyms oder eine andere Funktionsstörung im Darm entsteht, handelt es sich bei einer Allergie um eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Bereits Spuren von bestimmten Nahrungsmitteln wie Nüssen können heftige Symptome auslösen.

Einen Sonderfall stellt die Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) dar, weil sie weder eine Allergie noch eine klassische Unverträglichkeit ist. Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut aufgrund einer Überempfindlichkeit gegen Gluten. Gluten befindet sich unter anderem in Produkten aus Weizen, Roggen und Gerste und sollte deshalb von Betroffenen gemieden werden.

Sonstige Gründe für chronischen Durchfall

Ständiger Durchfall kann ebenso die Auswirkung von Stoffwechselerkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion, der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder der angeborenen Mukoviszidose sein. Krebserkrankungen wie Darmkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs können ebenfalls zu Diarrhö führen. Dazu kommt: Der Magen-Darm-Trakt wird bei der Behandlung von Krebs zusätzlich stark belastet.

Einige Patienten leiden nach einer Darm-Operation unter ständigem Durchfall: Durch die chirurgische Entfernung eines Teils des Dünndarms kann das sogenannte Kurzdarmsyndrom entstehen. Der Verlust eines Darmabschnitts bewirkt, dass die Verweildauer des Nahrungsbreis im Darm verkürzt wird – die Folge ist stark wässriger Stuhl.

Ständiger Durchfall: Das Gespräch mit dem Arzt

Was kann der Arzt bei chronischem Durchfall tun? Zunächst befragt der Arzt den Patienten gründlich, um somit der Ursache des Durchfalls auf den Grund zu kommen. Die Fragen können wie folgt lauten:

  • Wie lange besteht der Durchfall?
  • Gibt es jemanden in der Verwandtschaft, der unter chronischem Durchfall leidet?
  • Bestehen andere akute oder chronische Erkrankungen?
  • Werden Medikamenten eingenommen oder wird eine Strahlen- oder Chemotherapie (bei Krebserkrankungen) durchgeführt?
  • Treten die Beschwerden vor allem nach dem Essen auf?
  • Welche Form, Farbe und Konsistenz hat der Stuhl?
  • Kam der Durchfall plötzlich oder schleichend?

Nach dem Arztgespräch erfolgt eine körperliche Untersuchung. Stuhlproben, eine Blutuntersuchung, Stoffwechseltests und bildgebende Verfahren können Klarheit über die Ursachen geben. Die Behandlung wird der entsprechenden Diagnose angepasst. Bei den Ursachen, die mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung stehen, wie beispielsweise einer Lebensmittelallergie, kann eventuell eine Diät helfen. Bei einer chronischen Darmerkrankung können dagegen geeignete Medikamente oder eine Umstellung bisheriger Medikamente zu einer Verbesserung der Beschwerden führen.

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Monika Hortig
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Medizinredakteurin