Durchfall-Medikamente: Tabletten, Tropfen und Co.

In der Apotheke gibt es viele geeignete Durchfall-Medikamente, die im Akutfall schnelle Hilfe versprechen. Diese Mittel unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkstoffe und Wirkungsweisen stark voneinander. Neben chemisch-synthetischen Präparaten gibt es Tabletten und Tropfen gegen Durchfall auf pflanzlicher Basis. Sehen Sie hier die Vor- und Nachteile auf einen Blick!

Mit Elektrolytlösungen gleichen Sie Wasser- und Salzverluste aus

Die wichtigste Maßnahme bei Durchfall ist viel zu trinken

Der Körper verliert bei Durchfall viel Flüssigkeit und damit wichtige Mineralien. Damit Betroffene nicht austrocknen (dehydrieren), lautet die wichtigste Maßnahme bei Durchfall (Diarrhö): viel trinken. Besonders geeignet sind Elektrolytmischungen aus der Apotheke. Sie sind in Pulverform, als Flüssigkeit im Beutel oder als Tabletten erhältlich und werden im Trinkwasser aufgelöst. Bei fertigen Mischungen liegt gleich das richtige Mengenverhältnis von Mineralsalzen und Zucker vor. So geben Sie dem Körper rasch die Mineralstoffe zurück, die er für wichtige Stoffwechselvorgänge braucht. Bei Babys und Kindern sowie Senioren muss besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, da sie stärker von akuter Austrocknung gefährdet sind.

Pro und Contra des Durchfall-Medikaments Loperamid

In vielen rezeptfreien Durchfall-Medikamenten ist der Wirkstoff Loperamid enthalten. Er hemmt die Darmmuskeltätigkeit (Motilitätshemmer) und stoppt rasch den Durchfall. So hat der Körper länger Zeit, Wasser und Elektrolyte aufzunehmen. Vor allem vor oder während einer langen Flugreise kann eine solche Durchfall-Tablette die Rettung sein. Deshalb ist es sinnvoll, ein Durchfall-Medikament in der Reiseapotheke zu haben – allerdings wird durch den Wirkstoff auch die Ausscheidung von Krankheitserregern gehemmt. Ohne ärztliche Überwachung sollte Loperamid daher nie länger als zwei Tage angewendet werden. Kinder unter zwölf Jahren sollten den Wirkstoff grundsätzlich erst nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.

Antibiotika und Durchfall: Fluch und Segen

Das Verhältnis zwischen Darm und Antibiotika ist schwierig: Denn Durchfall zählt zu den unangenehmen Nebenwirkungen einer Antibiotika-Therapie. Antibiotika bekämpfen Bakterien, indem sie die kleinen Lebewesen daran hindern, sich zu vermehren, oder sogar töten. Der Einsatz von antibiotischen Medikamenten ist vor allem bei bakteriellen Infektionen wie Blasenentzündungen erforderlich. Das Problem dabei: Da der Wirkstoff nicht zwischen den natürlichen Darmbakterien und den krankheitserregenden Keimen unterscheiden kann, greift ein Antibiotikum auch Bakterien der gesunden Darmflora an. In etwa 30 Prozent aller Antibiotika-Behandlungen ist Antibiotika-assoziierter Durchfall daher eine Begleiterscheinung.

Antibiotika sind daher bei Durchfall meistens keine gute Wahl. In der Regel sind andere Medikamente zu Behandlung besser geeignet. Doch es gibt auch Ausnahmen: Antibiotika sind notwendig, wenn Bakterien die Ursachen des Durchfalls sind. Beispielsweise werden Infektionen mit Shigellen, die mit blutigen Durchfällen, Bauchkrämpfen, Fieber und Erbrechen einhergehen, mit Antibiotika behandelt. Wenn die Ursache des Durchfalls Salmonellen oder bakteriell verursachte Reisekrankheiten wie zum Beispiel Typhus sind, werden ebenfalls oft Antibiotika verschrieben.

Allgemein werden Antibiotika bei Durchfall aber selten angewendet, da der Darm bei einer Durchfallerkrankung ohnehin stark beansprucht ist und der Arzneistoff die geschädigte Darmflora zusätzlich belastet.

Die Wirkung von probiotischen Bakterien

Neuere Studien zeigen, dass auch die Behandlung mit Probiotika bei Durchfall von Vorteil sein kann. Probiotika sind lebensfähige Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze, die sich positiv auf die Verdauung auswirken. Als Durchfall-Medikamente können sie in Form von Kapseln eingenommen werden. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des internationalen Forschungsnetzwerkes Cochrane Collaboration werteten die Wirksamkeit von Probiotika bei akutem Durchfall von 63 Studien mit insgesamt 8000 Teilnehmern aus und kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Dauer von Durchfallerkrankungen durch den Einsatz probiotischer Bakterien verkürzt.1

Auch Hefe zählt zu den Probiotika. Die enthaltenen Pilze sind nützlich, da sie andere Pilzstämme, die Krankheiten auslösen können, verdrängen. Hefe-Präparate aus der Apotheke können sowohl akut als auch vorsorglich, zum Beispiel vor einer Reise, eingenommen werden. Bei Diarrhö während einer Antibiotikabehandlung hat sich medizinische Hefe gegen Durchfall ebenfalls bewährt.

Pflanzliche Mittel bei Durchfall

Pflanzliche Präparate und bestimmte Lebensmittel können ebenfalls eine lindernde Wirkung bei Durchfall haben. Diese Extrakte von Heilmitteln sind in einigen Durchfall-Medikamenten enthalten:

  • Uzarawurzel
    Die Uzarawurzel ist ein altes Heilmittel der Ureinwohner Südafrikas, das Ende des 19. Jahrhunderts durch Reisende nach Europa gelangte. Seitdem ist die Uzarawurzel ein beliebter Wirkstoff gegen Durchfall, weil sie die Darmbewegungen verringert ohne das Organ komplett zu lähmen. Der Inhaltstoff, der aus der Uzarawurzel gewonnen wird, kann in Form von Tropfen oder Tabletten verabreicht werden. Für Patienten, die ein Medikament gegen Herzschwäche (Herzglykoside) einnehmen, ist das Mittel nicht geeignet.
  • Eichenrinde
    Die Heilwirkung von Eichenrinden-Tee ist seit Jahrtausenden bekannt und mittlerweile auch wissenschaftlich bewiesen. Die Rinde der Eiche besitzt einen hohen Anteil an Gerbstoffen, die im Darm mit Eiweißen reagieren. Dadurch verdichtet sich die Oberfläche des Darms. Diese Schutzschicht erschwert giftigen Stoffen und Krankheitserregern das Durchdringen der Schleimhäute und bewirkt, dass sie schließlich absterben. Des Weiteren wird der Entzug von Flüssigkeit vermindert, wodurch sich die Darmflora wieder erholen kann und der Stuhlgang wieder fester wird.
  • Blutwurz (Tormentill)
    Ebenfalls geeignet bei Durchfall ist eine Behandlung mit Blutwurz, entweder als Tee oder Tinktur. Der Wurzelstock ist in Mittel- und Osteuropa heimisch. Wie die Eichenrinde ist auch Blutwurz reich an Gerbstoffen, welche die Darmschleimhaut abdichten und die Darmmuskulatur zusammenziehen lassen.

Daneben gibt es noch weitere Naturheilmittel und Teesorten, mit denen Durchfall natürlich behandelt werden kann. Lesen Sie hier den Überblick zu Behandlungsmöglichkeiten bei Durchfall.

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1 Allen, S.; Martinez, E.; Gregorio, G.; Dans, L. (2010): Probiotics for treating acute infectious diarrhoea. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. Online verfügbar unter: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD003048.pub3/full