Was sind die Ursachen von Durchfall?

17. September 2018

Wenn Sie öfter als drei Mal pro Tag Stuhlgang haben und dieser dünn oder flüssig ausgeschieden wird, spricht der Arzt von Durchfall (medizinisch: Diarrhoe oder Diarrhö). Diarrhö ist keine Krankheit, sondern ein Signal des Körpers, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Ursachen, die dahinterstecken können, sind vielfältig.

Das wichtigste auf einem Blick:
Akuter Durchfall ist meist auf Infektionen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten zurückzuführen und klingt nach spätestens zwei Wochen wieder ab. Chronische Diarrhö ist dagegen häufig ein Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Erkrankung des Darms oder der Bauchspeicheldrüse.

Infektiöser Durchfall: Die Übeltäter sind Viren und Bakterien

Oft ist akuter Durchfall auf Infektionen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten zurückzuführen

Bei kurzen Durchfallintervallen handelt es sich in der Regel um infektiöse Durchfallerkrankungen. Hauptverursacher sind Viren und Bakterien. So unangenehm Durchfall auch ist: In den meisten Fällen verlaufen infektiöse Durchfallerkrankungen harmlos und müssen nicht behandelt werden. Eine Stuhluntersuchung kann Klarheit schaffen, ob Viren oder Bakterien die Ursache des Durchfalls sind.

Ansteckende Darmviren als Durchfall-Verursacher

Darmviren können heftigen Durchfall hervorrufen und werden durch direkten Kontakt übertragen. Anfällig sind vor allem öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime. Die folgenden Viren sind die häufigsten Erreger von Durchfallerkrankungen:

  • Rotaviren
    Betroffen sind überwiegend Säuglinge und Kleinkinder. Die Viren sind sehr ansteckend und werden durch die Berührung eines Gegenstandes übertragen, der mit infektiösen Körperflüssigkeiten, wie Speichel, Urin oder Stuhl, infiziert ist. Dementsprechend lässt sich eine Verbreitung der Durchfallerkrankung in Kinderkrippen oder Kindergärten kaum vermeiden. Ältere und immungeschwächte Menschen sind ebenfalls verstärkt betroffen. Die Hauptsaison der Rotaviren ist in den Wintermonaten Dezember bis April, da sich die Erreger im warmen, trockenen Klima der geheizten Wohnungen leichter verbreiten. Eine Erkrankung kann sich zwei bis sechs Tage hinziehen.
  • Noroviren
    Der Norovirus ist hoch ansteckend und betrifft alle Altersgruppen. Vorzugsweise verbreitet er sich in den Wintermonaten und sorgt für regelrechte Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen. Ist jemand von dem Virus betroffen, erwischt es nicht selten die ganze Familie. Abgeschlagenheit, Kopf- und Bauchschmerzen sowie schwallartiges Erbrechen und heftige Durchfälle kennzeichnen die Krankheit. Normalerweise ist die akute Phase nach zwei Tagen ausgestanden.
  • Adenoviren
    Neben dem Rota- und Norovirus ist das Adenovirus die häufigste Ursache von Durchfall beim Kleinkind. Eine Darminfektion durch Adenoviren verläuft mit Fieber, Bauchschmerzen und wässrigem Durchfall. Sie klingt jedoch meistens nach wenigen Tagen wieder ab.

Welche Bakterien können Durchfall verursachen?

Gerade in der Urlaubszeit ist der Wunsch nach Entspannung und Erholung groß. Doch ausgerechnet bei der lang ersehnten Reise ins Ausland erkranken viele Menschen an Durchfall. Warum ist das so? Mangelnde Hygiene in Urlaubshotels und hohe Temperaturen sind ideale Bedingungen für Bakterien. Deshalb ist auf Reisen vor allem beim Buffet Vorsicht geboten. Aber auch in Deutschland gibt es Bakterien, die eine Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) auslösen können. Die häufigsten Bakterien sind:

  • Campylobacter

In der sommerlichen Grillsaison geht Durchfall häufig auf das Konto des Bakteriums Campylobacter. Der Erreger kommt hauptsächlich in Geflügelfleisch vor, aber auch Rohmilch kann zu Campylobacter-Durchfall führen. Zwei bis fünf Tage nach Ansteckung treten Beschwerden wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Bauchschmerzen sowie Durchfälle auf. Wichtig ist deshalb, das Fleisch immer richtig durchzubraten. Erst bei 74 Grad Celsius werden die Keime abgetötet.

  • Salmonellen

Salmonellen sind neben Campylobacter die häufigste bakterielle Ursache von Durchfall. Wie bei den Campylobacter-Bakterien handelt es sich auch hier um eine klassische Lebensmittelinfektion. Salmonellen lieben Eier, eierhaltige Speisen wie Mayonnaise oder Tiramisu und rohes oder nicht ausreichend durchgebratenes Fleisch. Das Robert-Koch-Institut beziffert die Zahl der Erkrankten in Deutschland im Jahr 2014 mit 16.222 Fällen.1

  • Kolibakterien

Kolibakterien (Escherichia Coli) sind ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Darmflora. Sie sind für die Zersetzung von Kohlenhydraten und Eiweißen sowie für die Abwehr von Krankheitserregern im Darm verantwortlich. Einige E. coli-Stämme sind aber alles andere als nützliche Helfer. Im Gegenteil - sie produzieren Giftstoffe und verursachen dadurch unterschiedlich ausgeprägte, teils blutige Durchfallerkrankungen, die im schlimmsten Fall tödlich enden. Einer der bekanntesten E. coli-Stämme ist EHEC, der zuletzt im Frühjahr 2011 zu stark erhöhten Krankheitsfällen führte.

Übersichtstabelle: mögliche Verursacher einer infektiösen Durchfallerkrankung
Erreger
Übertragungsweg
Zeit bis Ausbruch
Symptome
Dauer
Rotaviren
Schmierinfektion
1 bis 6 Tage
plötzlich auftretender, wässriger Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber
2 bis 6 Tage
Noroviren
Schmierinfektion, auch über Tröpfcheninfektion beim Erbrechen
6 bis 48 Stunden
Durchfall, Erbrechen, Übelkeit
meist nach 1 bis 2 Tagen überstanden
Adenoviren
Schmierinfektion
6 bis 48 Stunden
Durchfall, Erbrechen, Übelkeit
meist nach 1 bis 2 Tagen überstanden
Adenoviren
Schmierinfektion
5 bis 12 Tage
Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
unterschiedlich
Campylobacter
Nahrungsmittel (Geflügelfleisch + Rohmilch)
2 bis 5 Tage
wässriger, teils blutiger Durchfall, Gelenkschmerzen
bis zu einer Woche
Salmonellen
rohe Lebensmittel, zum Beispiel Eier
6 Stunden bis 72 Stunden
Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, Erbrechen, leichtes Fieber
mehrere Tage
Kolibakterien (Escherichia coli)
verunreinigtes Trinkwasser, Nahrungsmittel; Schmierinfektion
1 bis 10 Tage (je nach Bakterienstamm)
leichter Durchfall, Erbrechen
je nach Stamm, meist 1 bis 2 Tage

Darmerkrankungen als Ursache von Durchfall

Hinter chronischen Durchfällen können sich vergleichsweise harmlose Ursachen wie Reizmagen oder Reizdarm verbergen. Diarrhö kann aber auch Symptom einer behandlungsbedürftigen, schweren Erkrankung sein. Zu ihnen gehören beispielsweise:

  • Morbus Crohn: eine chronische Erkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann. Die Krankheit verläuft in Schüben. Das heißt es gibt Phasen, in denen Betroffene unter Symptomen wie Durchfall und krampfartigen Bauchschmerzen leiden, aber auch beschwerdefreie Zeiten.
  • Colitis ulcerosa: Bei der Colitis ulcerosa entzündet sich die Darmschleimhaut, was dort Geschwüre (Ulzerationen) hervorruft.

Durchfall durch Nahrungsmittel

Tritt Durchfall nach dem Essen auf, ist dies meist ein Versuch des Körpers, unerwünschte Nahrung schnellstmöglich wieder loszuwerden. Der Durchfall kann sowohl während, als auch kurz nach der Nahrungsaufnahme in Erscheinung treten. Meist kündigt sich Diarrhö mit krampfartigen Bauschmerzen an, die langsam in den Unterbauch wandern. Weitere Vorzeichen sind starke Blähungen und das Gefühl, auf die Toilette zu müssen.

Folgende Nahrungsmittel und Getränke erhöhen das Risiko von Durchfall:

  • fettreiche Speisen
  • sehr scharfes Essen
  • stark gezuckerte Speisen
  • koffeinhaltige Getränke
  • Alkohol

Bei chronisch auftretenden Symptomen nach dem Essen kann auch eine Lebensmittelunverträglichkeit vorliegen. Häufige Unverträglichkeiten sind beispielsweise Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder Fructoseintoleranz.

Durchfall als Nebenwirkung von Medikamenten

Zahlreiche Medikamente verursachen als Nebenwirkung Durchfall, wenn sie die Darmflora ungünstig beeinflussen. Zu diesen Medikamenten zählt die Gruppe der Antibiotika. Die Wirkstoffe können hier nicht zwischen „guten“, natürlich vorhandenen Darmbakterien und „schlechten“ bakteriellen Erregern unterscheiden und greifen deshalb beide an. In der Folge kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten.

Auch bei der Behandlung mit Zytostatika, eine Wirkstoffgruppe, die bei der Krebstherapie eingesetzt wird, ist Diarrhö eine häufige Nebenwirkung. Bei Abführmitteln ist Durchfall hingegen keine Nebenwirkung, sondern beabsichtigt. In jedem Fall sollte die Einnahme nur unter ärztliche Beratung erfolgen.

Sonstige Durchfall-Ursachen

Daneben kommen noch weitere Ursachen für Durchfall infrage, zum Beispiel:

  • psychische Belastungen: Stressbedingte Diarrhö ist nicht selten. Insbesondere vor Prüfungen oder Situationen wie einem Bewerbungsgespräch kann die Verdauung unangenehm beschleunigt werden.
  • Vergiftungen (Intoxikationen): Vergiftungen durch Pilze oder Chemikalien (wie Quecksilber oder Blei) können ebenfalls zu Durchfall führen.
  • hormonelle (endokrine) Erkrankungen: Ausgelöst durch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kann Durchfall auch hormonell bedingt sein.

Durchfall kann also die Folge verschiedenster Ursachen sein. Zum Teil benötigen diese eine ärztliche Behandlung, zum Teil reicht auch eine Ernährungsumstellung. Lesen Sie hier, welche Behandlungen bei Diarrhö sehr gut helfen können.

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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin