Verstopfung und ihre Ursachen

17. September 2018

War das Essen ungünstig gewählt oder sind vielleicht Medikamente die Ursache für die Beschwerden? Wer unter Verstopfung (Obstipation) leidet, weiß in vielen Fällen nicht so genau, woher die Beschwerden eigentlich stammen. Kein Wunder – denn die möglichen Auslöser sind vielfältig. Verschaffen Sie sich hier einen Überblick!

Überblick

Verstopfung kann viele mögliche Ursachen haben. Dazu gehören zum Beispiel:

  • verschiedene Erkrankungen von Stoffwechsel und Darm
  • Veränderungen im Hormonhaushalt
  • bestimmte Medikamente
  • Unverträglichkeit von Lebensmitteln

Vorübergehende Obstipation

Stopfende Lebensmittel wie Weißbrot verhärten den Stuhl und verlangsamen den Verdauungsprozess

Fast jeder Mensch leidet hin und wieder an Verstopfung. Bei der akuten Form tritt die Obstipation plötzlich auf. Kennzeichnend sind weniger als drei Stuhlentleerungen in der Woche. Die Ursachen dafür sind vielfältig. So können beispielsweise stopfende Lebensmittel wie Weißbrot, Schokolade oder Bananen den Stuhl verhärten und den Verdauungsprozess verlangsamen.

Stress, aber auch Urlaubsreisen, sind ebenfalls ein häufiger Auslöser für Obstipation. Zeitmangel und eine ungewohnte Umgebung führen dazu, dass viele Menschen den Stuhlgang unterdrücken. Zusätzlich können ungewohntes Essen, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme und auch Bewegungsmangel, zum Beispiel bei Bettruhe nach einer Operation oder während einer Erkrankung, den Darm träge machen.

Viele Frauen kennen Verdauungsprobleme aufgrund von Hormonschwankungen während des Menstruationszyklus, einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Verstopfungserscheinungen können aber auch die Folge einer Durchfallerkrankung sein. In all diesen Fällen hält die Obstipation meist nur einen begrenzten Zeitraum lang an und verschwindet von selbst, sobald die Ursachen beseitigt sind.

Krankheiten, die Verstopfung verursachen

Länger anhaltende Verdauungsprobleme oder eine Verstopfung ohne erkennbare Ursachen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Manchmal steckt hinter der Obstipation eine Krankheit. Und hier gilt: Je schneller diese erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Das gilt sowohl für organische Darmerkrankungen, wie zum Beispiel Darmpolypen oder Entzündungen, als auch für Krankheiten, bei denen die Verstopfung nur ein Symptom ist, wie beispielsweise Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes.

Die Anzahl der Krankheiten, die sich auf den Verdauungstrakt auswirken können, ist groß. Der Verdauungsprozess erfordert ein reibungsloses Zusammenspiel zahlreicher Komponenten, die den Flüssigkeits- und Nährstoffaustausch im Körper gewährleisten. Deshalb können Muskelerkrankungen, Nervenerkrankungen und Stoffwechselstörungen zu Obstipation führen. Die genauen Ursachen kann nur eine ärztliche Diagnose aufdecken.

Darmerkrankungen als Ursache für Verstopfung

Eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen ist der Reizdarm, der zu immer wiederkehrenden Beschwerden wie Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen führt. Die Ursachen liegen neuesten Forschungsergebnissen zufolge in einer geschädigten Darmbarriere, wodurch Schadstoffe oder Krankheitserreger leichter in den Darm eindringen und Entzündungen verursachen. Ein weiterer möglicher Auslöser ist eine gestörte Darmflora. Der Darm benötigt für die Verdauung spezielle Bakterien. Sind davon nicht ausreichend vorhanden oder werden sie von krankheitsverursachenden Bakterien überwuchert, kommt es ebenfalls zu Verdauungsproblemen. Der Reizdarm ist eine chronische Erkrankung, die mithilfe von Medikamenten und einer bewussten Ernährung gelindert werden kann.

Weitere chronische Krankheiten des Darms, bei denen Obstipation eine Begleiterscheinung sein kann, sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Dabei bilden sich Geschwüre an der Darmschleimhaut, die sich entzünden. Während Colitis ulcerosa nur den Dick- und Enddarm befällt, breitet sich Morbus Crohn auf den gesamten Verdauungstrakt aus – von der Mundhöhle bis zum After.

Weiterhin können folgende Darmerkrankungen zu Verstopfung führen:

  • Hämorrhoiden
  • Darmverschluss, der beispielsweise nach operativen Eingriffen im Bauchraum entstehen kann
  • Verletzungen oder Entzündungen am Darmausgang
  • Tumoren im Darm

Zudem kann eine Verstopfung ihre Ursachen in einer Darmträgheit oder in einer Darmentleerungsstörung haben. Bei der ersten Form führen vorrübergehende oder chronische Störungen dazu, dass der Stuhl nur sehr langsam den Darm passiert und deshalb zu sehr eindickt. Die zweite Art der Verstopfung hat mechanische Ursachen, wie zum Beispiel Hindernisse im Darm oder eine Störung des Schließmuskels.

Achtung: Suchen Sie umgehend einen Arzt auf, wenn Sie starke Schmerzen beim Stuhlgang haben, Blut im Stuhl bemerken oder die Verstopfung über mehrere Tage anhält. Erkrankungen wie ein Darmverschluss können lebensgefährlich sein und müssen rechtzeitig behandelt werden.

Lebensmittelunverträglichkeiten

Verstopfung, genau wie Durchfall, kann auch auf eine Lebensmittelunverträglichkeit hinweisen. Die Beschwerden können dabei sehr unterschiedlich sein und ähneln denen des Reizdarms. Eine relativ weit verbreitete Lebensmittelunverträglichkeit ist die Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit).

Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) hingegen ist keine klassische Nahrungsmittelintoleranz, sondern eine Immunerkrankung. Hier reagiert das Immunsystem auf das eigentlich harmlose Gluten - ein Eiweiß, das in vielen Getreidesorten vorkommt - und führt zu Entzündungen im Dünndarm. Lebensmittelunverträglichkeiten erfordern eine konsequente Ernährungsumstellung. Dann können Betroffene beschwerdefrei leben.

Medikamente als Ursache für Obstipation

Bei akuten Verstopfungen ist die Versuchung groß, zu Abführmitteln zu greifen. Diese führen zwar zu einem schnellen Abklingen der Beschwerden, bei häufigem Gebrauch können sie jedoch zu Kaliummangel führen. Kaliummangel wiederum löst Obstipation aus. Um diesen Teufelskreis zu vermeiden, sollten Abführmittel sorgsam und nach Packungsbeilage beziehungsweise Anweisung des Arztes oder Apothekers eingesetzt werden.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere Medikamente, die Obstipation verursachen können, zum Beispiel:

  • Eisenpräparate
  • H2-Rezeptorblocker und kalziumhaltige Antazida gegen Sodbrennen
  • opiumhaltige Schmerzmittel
  • entkrampfende Medikamente
  • entwässernde Medikamente
  • Antihistaminika gegen Allergien
  • Antidepressiva

Nicht bei jedem führt die Einnahme dieser Medikamente zu Verstopfung. Wie sich das jeweilige Medikament auf den Darmtrakt auswirkt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Besteht jedoch ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Einnahme von Medikamenten und der Verstopfung, liegt es nahe, die Ursachen zuerst dort zu suchen. Dann lohnt es sich, beim Arzt nach Alternativen zu fragen. Gibt es keine Alternative zu dem Medikament, kann der Verstopfung durch eine entsprechende Anpassung des Lebensstils entgegengewirkt werden, also durch ballaststoffreiche Ernährung, viel Trinken und ausreichend Bewegung.

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Peggy Richter
Redakteur/in