Wie Magensäure bei der Verdauung hilft

Vorsicht, Säure! Wenn wir das Wort Säure sehen oder hören, gehen wir lieber auf Abstand. Denn Säure ist eine ätzende Flüssigkeit, die für die Gesundheit gefährlich werden kann. Doch auch in unserem Köper spielt eine ätzende Säure eine wichtige Rolle – die Magensäure. Diese Flüssigkeit ist Bestandteil des Magensafts und hat essentielle Aufgaben für unsere Verdauung: Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Magensäure entsteht und wirkt.

Die Funktion der Magensäure

Nahrung, die den Magen erreicht, haben wir bereits durch das Kauen mit den Zähnen grob zerkleinert, die weitere Verdauung soll im Magen erfolgen. Unser Magen produziert dazu täglich etwa zwei bis drei Liter Magensaft. In diesem Saft ist neben anderen Stoffen auch Salzsäure enthalten – die Magensäure.

Magensaft enthält unter anderem:

  • Magensäure
  • Wasser
  • Verdauungsenzyme
  • Schleimstoffe (binden Magensäure)
  • Intrinsic Factor (dient der Aufnahme von Vitamin B12)
  • Bikarbonat (schwächt Magensäure ab)
  • Lipide

Die Magensäure schafft ein saures Milieu, wodurch

  • die Verdauungsenzyme im Magensaft besonders gut die aufgenommenen Proteine zerlegen können und
  • Erreger, die gemeinsam mit der Nahrung in den Körper kommen, abgetötet werden.

Enzyme sind spezielle Eiweiße (Proteine), die an Nahrungsbestandteile binden und sie in ihre Bestandteile aufspalten. Die Proteine sind dabei so spezialisiert, dass ein Enzym meist nur zu einem ganz bestimmten Stoff passt. Für die Zerkleinerung von Eiweißen im Magen ist vor allem das Enzym Pepsin wichtig: Im Magen liegt es – solange nicht verdaut wird – in einer Vorstufe vor, die noch nicht aktiv ist. Erst wenn Nahrung im Magen ankommt, aktiviert die Magensäure das Enzym, das Eiweiße in die kleineren Aminosäuren spaltet.

Saure und basische Milieus im Körper

Enzyme arbeiten in einem bestimmten, für ihre jeweiligen Bedürfnisse passenden Milieu. Zum Beispiel ist der Mundraum eher neutral – das heißt, er ist weder sauer noch basisch –, das Blut hat dagegen einen pH-Wert von circa 7,4 und ist daher leicht basisch. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass Enzyme nur in dem für sie vorgesehenen Bereich funktionieren: Geraten sie an einen Ort, wo sie nicht hingehören, können sie also keinen Schaden anrichten. Ein spezielles Puffersystem hält das Gleichgewicht aus Säuren und Basen im Körper aufrecht.

Die Magensäure hat einen pH-Wert von 1 bis 1,5. Kommt Nahrung in den Magen, steigt der Wert auf 3 bis 4 an und wird so weniger sauer, da die Nahrung selbst meist eher neutral ist. Ein pH-Wert von 3 entspricht etwa der Säure von Zitronensaft. Sobald die Verdauung im Magen abgeschlossen ist, wandert die Magensäure mit dem Speisebrei in den Darm, wo sie neutralisiert und unschädlich gemacht wird.

Wie entsteht Magensäure?

In seinem Inneren ist der Magen zum Schutz vor der dort hergestellten Säure mit Magenschleimhaut ausgekleidet. Sie produziert laufend eine Schleimschicht, die eine schützende Barriere zwischen Säure und Magenwand bildet. Trotzdem würde die Säure dem Magen schaden, wenn sie andauernd in großen Mengen vor Ort wäre. Aus diesem Grund produziert der Magen die Magensäure nach Bedarf: Für ihre Herstellung sind bestimmte Zellen der Magenschleimhaut zuständig – die sogenannten Belegzellen. Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass ungefähr genau so viel Magensäure produziert wird, wie wir zur Verdauung benötigen. Dabei hat das Hormon Gastrin eine Schlüsselrolle: Es bindet an die Belegzellen und stimuliert dort die Produktion von Magensäure. Außerdem bewirkt Gastrin, dass die Vorstufe des Enzyms Pepsin gebildet wird.

Wann wird vermehrt Magensäure produziert? Sobald wir etwas verspeisen, wird die Produktion von Magensaft angekurbelt. Aber auch, wenn wir an unser Lieblingsessen denken, das Mittagessen riechen oder eine leckere Mahlzeit sehen, beginnen die Belegzellen Magensäure zu produzieren. Unser Gehirn sendet bei diesen Sinnesreizen nämlich Nervensignale an den Magen-Darm-Trakt – um die Verdauung optimal auf die bevorstehende Aufgabe vorzubereiten.

Verdünnt Wasser die Magensäure?

Haben Sie schon einmal gehört, dass es schlecht ist, während des Essens Wasser oder etwas anderes zu trinken? Diese Vorstellung rührt von der Annahme, dass Flüssigkeit den Magensaft verdünnen und so die Verdauung hemmen kann. Für diese Theorie gibt es bisher keine Belege: Während oder nach dem Essen etwas zu trinken, kommt der Verdauung eher zugute, da der Speisebrei flüssiger wird und so besser durch Magen und Darm gleitet.

Zu viel Magensäure?

Mann hat Sodbrennen aufgrund von zu viel Magensäure

Bei der Magensäureproduktion handelt es sich um ein fein abgestimmtes System, das durch verschiedene Faktoren aus dem Gleichgewicht kommen kann. Eine Übersäuerung des Magens äußert sich in der Folge zum Beispiel durch Symptome wie Magenschmerzen oder Übelkeit. Wenn zu viel Magensäure vorliegt, kann es auch passieren, dass diese nach oben in die Speiseröhre steigt; Betroffene bekommen das durch Sodbrennen zu spüren. Neben einer zu großen Menge an Magensäure können allerdings auch Probleme mit dem Schließmuskel am Mageneingang dafür verantwortlich sein – zum Beispiel, wenn er den Eingang zum Magen nicht mehr komplett abdichten kann und deswegen Mageninhalt zurück in die Speiseröhre fließt.

Bei einer Übersäuerung spielt auch unsere Lebensweise eine Rolle: Der Magen kann unter dem Einfluss von Stress, Nikotin, Alkohol, Kaffee sowie stark fett- und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln übersäuern. Essen wir hingegen sauer schmeckende Lebensmittel wie Zitrusfrüchte hat das nicht unbedingt einen Einfluss auf den pH-Wert im Magen, da sie die Magensaftproduktion nicht übermäßig anregen.

Zu wenig Magensäure?

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Iberogast bei Sodbrennen

In selteneren Fällen kann es auch zu einem Magensäuremangel kommen, der sich durch Verdauungsbeschwerden wie Blähungen äußert. Magen-Darm-Infekte treten dann ebenfalls gehäuft auf, weil im Magen weniger Erreger abgetötet werden können.

Ein Mangel an Magensäure entsteht zum Beispiel durch eine Magenschleimhautentzündung vom Typ A. Das ist eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut, bei der das eigene Immunsystem eine Zerstörung der Belegzellen der Magenschleimhaut auslöst. In der Folge entsteht häufig ein Magensäuremangel, da weniger Zellen vorhanden sind, die Säure produzieren.

Leiden Sie unter zu wenig Magensäure, kann es helfen, die Herstellung der Verdauungssäfte zu stimulieren: Dazu eignen sich unter anderem Kümmel, Pfeffer und Salbei – zum Beispiel zubereitet als leckerer Tee.

Magensäure und Erkrankungen der Magenschleimhaut

Bei Erkrankungen der Magenschleimhaut kann die Magensäure zum Problem werden. Eine akute Magenschleimhautentzündung (Gastritis) schädigt beispielsweise die Schleimhaut – dies macht sich durch Magenschmerzen, Übelkeit und saures Aufstoßen bemerkbar. Und sind erst einmal Schäden in der Schleimhaut vorhanden, kann die Magensäure bewirken, dass offene Stellen sich vertiefen und nicht abheilen. Bleibt eine Gastritis länger bestehen, kann sie chronisch werden oder es kann zu einem Magengeschwür kommen.

Ist die Gastritis durch ein Bakterium – das sogenannte Helicobacter pylori – verursacht, verordnet der Arzt meist eine Therapie mit Antibiotika. Zusätzlich verschreiben Ärzte oft Medikamente, die die Säure reduzieren – zum Beispiel sogenannte Protonenpumpenhemmer. So heilt die Gastritis ab und die Magenschleimhaut kann wieder ihre schützende Funktion aufnehmen.

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