Hämorrhoiden: Ursachen, Symptome und Diagnose

20. März 2019
4 Min.

Hämorrhoiden sind gutartige knotige Erweiterungen des Schwellkörpergewebes im Analkanal. Sie kleiden diesen wie ein Polster von innen aus. Zusammen mit dem Schließmuskel dichten Hämorrhoiden den After ab und sorgen dafür, dass der Stuhl kontrolliert abgeht. Erst vergrößerte Hämorrhoiden bereiten Beschwerden: Dann beginnen sie zu bluten, zu jucken oder schmerzen. Wie Sie erkennen, ob Sie ein Hämorrhoidalleiden haben und welche Ursachen es dafür gibt, lesen Sie hier.

Überblick

Hämorrhoiden, Hämorrhoidalleiden – ist das dasselbe?

Hämorrhoiden werden erst zum Problem, wenn das gut durchblutete Gefäßpolster am After vergrößert ist.

Hämorrhoiden hat grundsätzlich jeder. Zum Glück, ohne sie würden Gase und Kot unkontrolliert aus unserem Körper entweichen. Treten Symptome wie Brennen oder Juckreiz auf, verwenden Mediziner den Begriff Hämorrhoidalleiden – auch wenn die umgangssprachliche Aussage „ich habe Hämorrhoiden“ weiterhin verbreitet ist. Schätzungen zufolge hat mindestens jeder Zweite über 30-Jährige einmal in seinem Leben damit zu tun. Trotzdem fällt es vielen schwer, offen darüber zu reden. Schließlich geht es um eine intime Körperstelle des Körpers, den After.

Symptome sind abhängig vom Grad der Hämorrhoiden

Typische Symptome eines Hämorrhoidalleidens im Überblick:

  • Blutungen (hellrotes Blut beim Stuhlgang)
  • Juckreiz, Brennen, Nässen am After
  • unangenehmer Druck im Enddarm
  • Fremdkörpergefühl
  • Reizung der Haut im Analbereich
  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung
  • Anitis (Entzündung im Analbereich)
  • Stuhlinkontinenz

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Welche Symptome mit vergrößerten Hämorrhoiden verbunden sind, ist nicht zuletzt davon abhängig, in welchem Stadium sich diese befinden:

  • 1. Grad: Die Hämorrhoiden liegen innen, sind also von außen noch nicht zu sehen. In diesem Stadium treten Beschwerden üblicherweise nicht auf.
  • 2. Grad: Gefäßpolster drängen bereits aus dem Analkanal nach außen, nach Beendigung des Stuhlgangs rutschen diese aber von allein wieder in den Körper zurück.
  • 3. Grad: Auch hier drücken die Hämorrhoiden aus dem After, müssen aber mit den Fingern zurückgedrängt werden, weil dies nicht mehr wie beim zweiten Grad von selbst stattfindet.
  • 4. Grad: Ein Zurückdrängen in den Anus ist nicht mehr möglich.
Ist eine OP bei Hämorrhoiden unumgänglich?

Um eine Operation kommen Patienten mit Hämorrhoiden des 3. und 4 Grades nicht herum.2 In den ersten beiden Stadien gibt es beispielsweise die Möglichkeiten, die Hämorrhoiden zu veröden oder sie mit einem engen Gummiring abzuschnüren, wodurch das Gewebe abstirbt. Der Patient scheidet dieses dann zusammen mit dem Ring beim Stuhlgang aus.

Unterschiedliche Therapien – je nach Krankeitsstadium >>

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Ältere Menschen leiden häufiger an vergrößerten Hämorrhoiden

Auch wenn Ihnen der Gang zum Arzt unangenehm ist – versuchen Sie, Ihre Bedenken und Scheu beiseite zu legen. Eine ärztlich gesicherte Diagnose ist zudem unerlässlich, da Hämorrhoiden leicht mit anderen Erkrankungen wie einer Analfissur (Geschwür der Analhaut) oder einer Analthrombose (Blutgerinnsel in den Venen der Analhaut) verwechselt werden können.



Sprechen Sie mit einem Arzt

Ihr Hausarzt überweist Sie gegebenenfalls an einen Spezialisten, um rechtzeitig eine zielgerichtete Behandlung in die Wege zu leiten.

Hämorrhoiden: Blut im Stuhl – ein erstes Anzeichen

Im Besonderen bei Hämorrhoiden ersten Grades kommt es vor, dass zunächst Symptome ausbleiben, es also keine Beschwerden gibt. Ab dem zweiten Grad ist dann häufiger eine überschaubare Menge an hellrotem Blut im Stuhl bei Hämorrhoiden als Anzeichen zu beobachten. In diesem Fall hat der ausgeschiedene Stuhlgang die vergrößerten Gefäße beschädigt, was unter anderem durch zu starkes Pressen hervorgerufen wird. Die Blutungen nehmen bei Hämorrhoiden eines höheren Grades zu: Blut verlässt dann manchmal tröpfchenweise den After. Schmerzen sind in der Regel damit nicht verbunden.

Vor allem wenn das Blut im Stuhl dunkelrot ist und weitere Beschwerden vorhanden sind, sollten Betroffene schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Dieses Symptom ist immer ein Alarmzeichen, da die Blutungsquelle geklärt und ernstzunehmende Erkrankungen wie ein Magengeschwür, Abszesse (abgekapselte Eiterentzündung) oder Tumore nach einer ärztlichen Diagnose ausgeschlossen werden müssen.

„Ich habe aber Angst, zum Arzt zu gehen. Ich weiß nicht, was mich da erwartet.“

Sicher, es gibt bestimmt Angenehmeres als ein Besuch beim Proktologen. Trotzdem sollten Sie sich nach dem Motto „Augen zu und durch!“ verfahren – Ihrer Gesundheit zuliebe.

Die körperliche Untersuchung ist in der Regel nicht schmerzhaft. Sie kann aus einer rektalen Austastung mit dem Finger, einer Proktoskopie (Enddarmspiegelung) oder Rektoskopie (Mastdarmspiegelung) bestehen. Bei beiden kommt ein mit einer Lichtquelle ausgestattetes Rohr zum Einsatz. Ist die Ursache für die Beschwerden weiterhin ungeklärt, folgt eine Kolonoskopie, um den gesamten Dickdarm zu untersuchen. Vor diesem Schritt muss der Patient Abführmittel zu sich nehmen. Vor dieser Diagnosemethode muss eine Darmentleerung stattgefunden haben.

Hämorrhoiden-Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Daneben wird ein Hämorrhoidalleiden, besonders in den Phasen zwei bis vier, von weiteren Symptomen begleitet, die zwar nicht auftreten müssen, aber vorkommen können. Allen Hämorrhoiden-Anzeichen ist gemeinsam, dass Patienten diese als äußerst unangenehm empfinden.

  • Beispielsweise ist das Jucken des Afters charakteristisch, dem nicht selten ein Brennen im gleichen Bereich folgt.
  • Darüber hinaus haben viele Betroffene drückende oder stechende Schmerzen beim oder nach dem Stuhlgang. Die Schmerzen verstärken sich, wenn bei der Darmentleerung die Hämorrhoiden aus dem After rutschen und vom Schließmuskel eingeklemmt werden.
  • Als weiteres Anzeichen ist ein Druckgefühl zu nennen, das dem Betroffenen signalisiert, dass er auf die Toilette muss oder der Stuhlgang noch nicht beendet ist. Tatsächlich lassen aber die erwarteten weiteren Ausscheidungen auf sich warten.

In Fachkreisen wird der verspürte Druck als Gefühl der nicht vollständigen Entleerung des Darmes beschrieben. Häufig neigen Betroffene dazu – dem Reiz nachgehend – dann noch stärker zu pressen, was den Druck in den Hämorrhoiden weiter steigen lässt und wodurch sie sich zusätzlich vergrößern.

Bei den Hämorrhoiden vierten Grades werden die Symptome noch schmerzhafter, denn die verletzte Afterhaut kann sich entzünden. Zudem sind Patienten in diesem Stadium nicht mehr in der Lage zu kontrollieren, wann der Kot ihren Körper verlässt. Experten sprechen dann von der sogenannten Stuhlinkontinenz.

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Weshalb entstehen Hämorrhoiden eigentlich?

Vergrößerte Hämorrhoiden können eine Menge Ursachen haben, beispielsweise:

  • erhöhtes Lebensalter
  • genetische Veranlagung (schwaches Bindegewebe)
  • chronische Verstopfung
  • zu starkes Pressen während der Darmentleerung
  • erhöhter Druck in der Bauchregion (beispielsweise während der Schwangerschaft)

Übrigens: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines Hämorrhoidalleidens und unzureichender Intimpflege oder Analsex.

Chronische Verstopfung und zu starkes Pressen – Ursachen von Hämorrhoiden

Eine wesentliche Ursache von Hämorrhoiden ist zu starkes Pressen während der Darmentleerung. Verhärteter Stuhl verletzt die vergrößerten Gefäßpolster, was dann Blutungen nach sich zieht. Generell zeigt sich dies im Besonderen bei Personen, die ohnehin Probleme beim Stuhlgang haben. Sie sitzen lange auf der Toilette, der Stuhl ist hart und in der Menge überschaubar – alles Anzeichen für Verstopfung.

Abführmittel? Lieber nicht.

Viele Betroffene setzen regelmäßig Abführmittel ein. Doch dies kann kontraproduktiv sein, denn ein weicher oder wässriger Stuhlgang sowie eine erhöhte Entleerungstätigkeit über längere Zeit schädigt die normale Funktionsweise des Darms.

Chronische Verstopfungen im Allgemeinen – die wiederum häufig zu vergrößerten Hämorrhoiden führen – resultieren aus einer Vielzahl von Faktoren:

  • unzureichende Zufuhr von Flüssigkeit
  • zu wenig Bewegung
  • einseitige Kost mit Fetten sowie Kohlenhydraten anstatt ballaststoffreicher Ernährung

Enthalten sind Ballaststoffe in vielen Grundnahrungsmitteln, wie Getreide oder Hülsenfrüchten, und können sehr leicht in den täglichen Speiseplan integriert werden, um Verstopfung zu vermeiden.

Druck im Bauchraum als Ursache von Hämorrhoiden

Doch nicht nur lange Toilettensitzungen, bei denen Betroffene während des Stuhlgangs stark pressen, erhöhen den Druck in der Bauchregion, durch den sich die gut durchbluteten und empfindlichen Gefäße im Analbereich dehnen und schließlich ausleiern.
Auch folgende Risikofaktoren können dazu führen:

erkältungsbedingter Infekt Beim Husten erhöht sich der Druck im Bauchraum.
falsches Krafttraining Krafttraining stärkt zwar den Bauch, schwächt aber die Beckenmuskulatur. Der Druck wird sozusagen nach unten abgegeben. Bewegung ist grundsätzlich gesund, man sollte nur darauf achten, die richtige Sportart zu wählen. Gut geeignet: Schwimmen, Wandern, Walken, Yoga und spezielle (Beckenboden-)Gymnastik.
Schwangerschaft Das Gewicht des Babys wirkt auf den Darmbereich. Zudem lockert sich hormonbedingt das Bindegewebe
Übergewicht Die Blutzirkulation im Analbereich ist eingeschränkt und die übermäßigen Kilos drücken auf den Enddarm.
Bewegungsmangel Ist der Körper nicht aktiv, beispielsweise weil überwiegend eine sitzende Tätigkeit ausgeübt wird, begünstigt dies Fließstörungen in den Venen und somit die Entwicklung von Hämorrhoiden. Außerdem wird bei Bewegungsmangel die Verdauung träger.
Aufnahme von zu wenig gesunder Flüssigkeit (Wasser, Kräutertees) Wer zu wenig trinkt, riskiert harten Stuhlgang. Starkes Pressen auf der Toilette verschlimmert dann die Beschwerden.

Sie sind unsicher, welche Ursache bei Ihnen infrage kommt? Am besten fragen Sie Ihren Hausarzt um Rat, damit er Sie gegebenenfalls an einen Facharzt, einen Proktologen, überweist.

Weitere Ursachen von Hämorrhoiden

Schließlich kommen als Ursache von vergrößerten Hämorrhoiden genetische Gründe infrage. Wenn in einer Familie beispielsweise das Bindegewebe oder die Blutgefäße im Allgemeinen nicht sehr stark ausgeprägt sind, wird auch ein Hämorrhoidalleiden wahrscheinlicher. Der genetische Zusammenhang ist wissenschaftlich aber noch nicht vollständig nachgewiesen. Unbestritten und medizinisch belegbar ist der Risikofaktor „erhöhtes Lebensalter“. Mit zunehmendem Alter verliert das Bindegewebe an Festigkeit. Circa die Hälfte der über 50-Jährigen leidet an den gesundheitlichen Folgen von vergrößerten Hämorrhoiden.3

Julia Lindert
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