Magenentlerungsstörung (Gastroparese) – Symptome, Diagnose und Behandlung

21. Mai 2019
12 Min.

Völlegefühl und Übelkeit nach dem Essen kommen häufiger vor. Dann steckt oft ein verdorbener Magen oder ein Infekt dahinter. Werden Sie von diesen Beschwerden jedoch regelmäßig geplagt, sollten Sie das unbedingt abklären lassen. Schuld daran ist vielleicht eine Magenentleerungsstörung – eine wenig bekannte, aber gar nicht so seltene Erkrankung. Bei der Magenentleerungsstörung (Gastroparese oder auch Magenlähmung) ist, wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, die gesunde Magenbewegung eingeschränkt. Dadurch wird die Nahrung langsamer verdaut und der Mageninhalt bleibt mitunter mehrere Stunden im Magen. Das führt bei Betroffenen zu Beschwerden wie ständiges Völlegefühl oder chronischer Übelkeit.

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Wenn der Magen gelähmt ist: Die Symptome

Leitsymptome einer Magenlähmung sind:

Zudem kann eine Gastroparese von folgenden Symptomen begleitet werden:

Nicht selten schlagen Probleme mit dem Magen zudem aufs Gemüt. So kann eine Magenentleerungsstörung dazu führen, dass Sie sich neben allen körperlichen Leiden auch emotional angeschlagen fühlen.

Verschiedene Begriffe, gleiches Phänomen

Bei einer Magenlähmung ist <strong>die gesunde Magenbewegung eingeschränkt</strong> und aufgenommene Nahrung wird langsamer verdaut

Magenlähmung, Magenatonie, Gastroparese oder Magenentleerungsstörung sind verschiedene Bezeichnungen, die das gleiche Problem beschreiben, nämlich einen zu trägen Magen. Grund für diese mangelnde Beweglichkeit des Magens ist eine Funktionsstörung der Magenmuskeln.


Aber was bedeutet das genau?

Normalerweise hängt von der Zusammensetzung der Nahrung ab, wie lange der Speisebrei im Magen bleibt. Ein gesunder Magen benötigt für die Verdauung von leichter Kost wie Obst und gegartem Gemüse etwa ein bis zwei Stunden. Bei schwer verdaulichem, fetthaltigem Essen dauert es bis zu fünf Stunden, bis der Magen wieder leer ist.1 Besteht eine Magenentleerungsstörung, wird die Nahrung nur langsam oder im Extremfall gar nicht in Richtung Darm geschoben; der Speisebrei bleibt länger als fünf Stunden im Magen. Da der Mageninhalt zu spät in den Dünndarm entleert wird, spricht man auch von einer Magenentleerungsstörung.

Übrigens: Neben der Magenlähmung gibt es auch eine Lähmung der Speiseröhre – die sogenannte Achalasie. Symptome dieser Erkrankung sind unter anderem Würgereiz und Brustschmerzen.


Darum ist die natürliche Magenbewegung wichtig

Unser Magen hat die Aufgabe, Mahlzeiten zu verdauen, vorübergehend zu speichern und sie im Anschluss in kleinen Mengen an den Darm abzugeben. Wenn wir das Organ nicht hätten, müssten wir öfter und in viel kleineren Portionen essen.

Sobald wir gekaut und geschluckt haben, wird das Essen von der Speiseröhre an den Magen weitergegeben und von dort aus in den Darm geschoben. Für diese Vorwärtsbewegung während der Verdauung brauchen wir die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts: Diese Muskeln arbeiten ohne unser Zutun und oftmals gerade dann, wenn wir uns entspannen. Im Magen wird die Nahrung durch wellenartige Bewegungen der Muskeln durchmischt und vorwärtsbewegt – diese Magenbewegung heißt Magenmotilität.

Welche Ursachen kann eine Gastroparese haben?

Um eine Magenlähmung optimal behandeln zu können, ist es wichtig zu wissen, was genau die Störung verursacht. Das herauszufinden ist jedoch nicht einfach, denn die Ursachen sind vielfältig. Trotz umfassender Diagnostik kann der Auslöser oft nicht gefunden werden.

Die verschiedenen Typen einer Gastroparese im Überblick:

Generell unterscheidet man je nach Ursache drei Typen der Gastroparese:

  • Idiopathische Gastroparese: Bei dieser Form der Magenlähmung wird keine Ursache gefunden.
  • Diabetische Gastroparese: Eine Diabeteserkrankung ist die bislang bekannteste Ursache einer Magenatonie.
  • Postoperative Gastroparese: Sie tritt nach einer Operation auf, wenn bei der OP der Nervus vagus geschädigt oder sogar durchtrennt wurde – der Nerv, der die Funktionen und Muskulatur des Magens steuert.

Magenlähmung und Diabetes

Ist die Magenlähmung Begleiterscheinung einer Diabeteserkrankung, liegt oft ein Nervenschaden zugrunde. Gerade wenn der Blutzucker über längere Zeit schlecht eingestellt ist, zählt dies zu den möglichen Folgen.

Sind Nerven betroffen, die den Magen versorgen, droht eine chronische Magenentleerungsstörung. Aus diesem Grund ist die Blutzuckereinstellung bei Diabetikern eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung und Behandlung einer Gastroparese.

Weitere Ursachen für eine Magenentleerungsstörung

Es gibt außerdem eine ganze Reihe von Faktoren, die bei der Entstehung einer Magenentleerungsstörung eine Rolle spielen können, zum Beispiel

  • chronischer Alkohol- und Nikotinmissbrauch,
  • Muskelerkrankungen,
  • Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion,
  • neurologische und Autoimmunleiden oder die
  • Refluxkrankheit (Rückfluss des Mageninhalts in die Speiseröhre).

Auch eine Ansteckung mit Zytomegalie, einer Form von Herpes, kann eine akute Magenlähmung verursachen. Hier bessern sich die Beschwerden jedoch oft nach etwa einem Jahr.

Immer häufiger wird zudem ein Zusammenhang zwischen Stress und Magenproblemen (wie der Gastroparese) festgestellt. Daher sollten Sie auf einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Ruhe und Entspannung achten. Außerdem wird vermutet, dass Migräne den Magen lahmlegen kann.

Bei der Suche nach Ursachen der Magenlähmung lohnt sich ein genauer Blick auf die Symptome: Schildern Sie Ihrem Arzt daher sämtliche Beschwerden. Die idiopathische Gastroparese geht meist mit Schmerzen und frühem Sättigungsgefühl einher, Würgen und Erbrechen sind hingegen bei der diabetischen Gastroparese häufige Begleiterscheinungen.

Die Diagnose der Magenlähmung

Eine Magenlähmung kann nicht allein anhand der Symptome diagnostiziert werden, da sich andere Krankheiten (wie zum Beispiel ein Reizdarm ähnlich bemerkbar machen. Um sicher sagen zu können, ob Sie eine Magenentleerungsstörung haben, untersucht der Facharzt, ob eine verzögerte Magenentleerung besteht.

Viele Ärzte führen zur Diagnostik einen Magenentleerungstest über den Atem durch, da diese Untersuchungsmethode für den Patienten wenig belastend ist. Und so läuft dieser ab:

  • Patienten müssen mindestens vier Stunden vor dem Test nüchtern bleiben. Das heißt, sie dürfen nichts essen und trinken. Meist muss zudem auf Medikamente, die die Motilität beeinflussen können, verzichtet werden.
  • Zu Beginn der Untersuchung misst der Arzt einen Nüchternwert.
  • Der Patient bekommt eine feste Mahlzeit (zum Beispiel ein Ei mit Brot, Streichfett, Kochschinken und ein Getränk), unter die 13C-markierte Fettsäure (Oktansäure) gemischt ist.
  • Anschließend pustet der Patient in bestimmten zeitlichen Abständen (etwa alle 15 Minuten) in einen dafür vorgesehenen Beutel.

Die Oktansäure wird in der Leber unter anderem zu Kohlendioxid umgewandelt und später abgeatmet. Um diese aus der Oktansäure entstandenen Gase von dem Kohlendioxid zu unterscheiden, dass ohnehin ständig mit dem Stoffwechsel produziert wird, ist es mit dem für den Menschen ungefährlichen 13C-Isotop markiert. So kann getestet werden, wieviel Substanz in einer bestimmten Zeitspanne verstoffwechselt wurde. Aus den Ergebnissen zieht der Arzt wiederum Rückschlüsse auf die Magenentleerung.

Zudem können manchmal weitere bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung zum Einsatz kommen.

Behandlungsmöglichkeiten der Gastroparese ausschöpfen

Eine Gastroparese ist nicht immer heilbar, eine Behandlung – und damit eine deutliche Steigerung der Lebensqualität – ist jedoch durchaus möglich.

Den Magen mit einer Ernährungsanpassung natürlich in Schwung bringen

Die einfachste Maßnahme bei einer Magenlähmung ist eine Umstellung der Ernährung. Nehmen Sie möglichst kleine, fettarme Mahlzeiten zu sich. Außerdem ist es wichtig, viel zu trinken. Besonders geeignet sind Flüssigkeiten ohne Kohlensäure, da diese den Magen zusätzlich belasten würden. Absolute „No-Gos“ bei Magenatonie sind Alkohol und Nikotin.

Tipps zur natürlichen Behandlung bei Magenlähmung:

Auch einige Hausmittel können bei Symptomen einer Magenentleerungsstörung unterstützend wirken. Dazu gehören beispielsweise:

  • Apfelessig: Geben Sie dazu einen Teelöffel in ein mit lauwarmem Wasser gefülltes Glas. Trinken Sie die Lösung etwa zehn Minuten vor dem Essen. Der Apfelessig reguliert die Magensäureproduktion und lindert Sodbrennen und Blähungen.
  • Ingwer: Die Knolle bringt die Verdauung auf natürliche Weise auf Trab und hilft vor allem gegen Übelkeit. Deshalb dürfen Sie Ingwer, zum Beispiel in Form von Tees, ruhig öfter zu sich nehmen.
  • Pfefferminze: Die Heilpflanze unterstützt ebenfalls die Entleerung des Magens und lindert Blähungen und Darmkrämpfe. Als ätherisches Öl kann Pfefferminze einfach eingeatmet werden. Aber auch das Trinken von Pfefferminztee, am besten ein-bis zweimal täglich, ist empfehlenswert.

Beschwerden wie Völlegefühl, vorzeitige Sättigung und Blähungen können zudem mit Hilfe von Akupunktur gelindert werden.

Medikamente bei einer Magenentleerungsstörung

In manchen Fällen einer Magenlähmung ist der Einsatz von Medikamenten erforderlich. Häufig kommen dabei Wirkstoffe zum Einsatz, die die Magenbewegung anregen und dadurch die Verdauung beschleunigen.

Antiemetika helfen gegen Übelkeit und Erbrechen. Diese Medikamente haben auf die Magenentleerung allerdings keinen Einfluss.

Wenn eine Diabeteserkrankung Grund für die Magenentleerungsstörung ist, muss zunächst der Blutzucker eingestellt werden. Im Anschluss daran kann der Magen mithilfe von Arzneimitteln wieder in Gang gesetzt werden. Besprechen Sie die Einnahme am besten mit Ihrem Arzt.

Behandlung der Magenlähmung mit einem Magenschrittmacher

Zuletzt kann noch die Implantation eines Magenschrittmachers erwogen werden. Ein Magenschrittmacher funktioniert ähnlich wie ein Herzschrittmacher: Das Gerät besteht aus einer Stimulations- sowie Empfangselektrode und einer batteriebetriebenen Einheit, die etwa so groß wie eine Visitenkarte ist. Der Magenschrittmacher wird meist mittels einer Bauchspiegelung ins Untergewebe neben den Bauchnabel eingesetzt. Dabei sind in der Regel nur drei bis vier kleine Schnitte notwendig. Die im Gerät enthaltenen Elektroden geben elektrische Impulse an die Magenwand ab und stimulieren so die Magenbewegung.


Geeignet ist ein Magenschrittmacher vor allem für Diabetes-Patienten, die an einer Magenlähmung leiden. Aber auch Menschen, die nach einer Operation mit einer Magenentleerungsstörung zu kämpfen haben, können von dem Gerät profitieren.

Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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