Magenlähmung – Symptome, Diagnose und Behandlung

Nach dem Essen plagt Sie ein Völlegefühl, Ihnen ist schlecht und Sie müssen sich übergeben? Schuld daran ist vielleicht eine Magenlähmung – eine wenig bekannte, aber gar nicht so seltene Erkrankung. Bei der Magenlähmung (Gastroparese) ist, wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, die gesunde Magenbewegung eingeschränkt. Dadurch wird die Nahrung langsamer verdaut und der Mageninhalt bleibt mitunter mehrere Stunden im Magen. Das führt bei Betroffenen zu vielen Beschwerden.

Wenn der Magen gelähmt ist: Die Symptome

Leitsymptome einer Magenlähmung sind ein frühes Sättigungsgefühl, Völlegefühl, chronische Übelkeit, Würgen und Erbrechen sowie Oberbauchschmerzen.

Weitere Symptome einer Gastroparese sind:

  • ein Gefühl als würde etwas auf den Magen „drücken“
  • Appetit- und Gewichtsverlust
  • Blähungen
  • Sodbrennen
  • Schwankungen des Blutzuckerspiegels

Nicht selten schlagen Probleme mit dem Magen zudem aufs Gemüt. So kann eine Magenlähmung dazu führen, dass Sie sich neben allem körperlichen Leiden auch emotional angeschlagen fühlen.

Die Aufgabe der Magenmuskulatur

Bei einer Magenlähmung ist die gesunde Magenbewegung eingeschränkt und aufgenommene Nahrung wird langsamer verdaut

Unser Magen hat die Aufgabe, die Nahrung zu verdauen, vorübergehend zu speichern und sie im Anschluss in kleinen Mengen an den Darm abzugeben. Wenn wir keinen Magen hätten, müssten wir öfter und in viel kleineren Portionen essen.

Sobald wir gekaut und geschluckt haben, wird die Nahrung von der Speiseröhre an den Magen weitergegeben und von dort aus in den Darm geschoben. Für diese Vorwärtsbewegung während der Verdauung brauchen wir die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts: Diese Muskeln arbeiten ohne unser Zutun und oftmals gerade dann, wenn wir uns entspannen. Im Magen wird die Nahrung durch wellenartige Bewegungen der Muskeln durchmischt und vorwärtsbewegt – diese Magenbewegung heißt Magenmotilität.

Magenlähmung, Magenatonie, Magenentleerungsstörung: Die gleiche Erkrankung?

Magenlähmung, Magenatonie oder Magenentleerungsstörung sind verschiedene Bezeichnungen, die das gleiche Problem beschreiben, nämlich einen zu trägen Magen. Grund für diese mangelnde Beweglichkeit des Magens ist eine Funktionsstörung der Magenmuskeln.

Zieht sich die Magenmuskulatur unregelmäßig oder nicht mehr häufig genug zusammen, besteht eine Magenlähmung. Bei der Erkrankung ist der normale Spannungszustand (Tonus) der Muskulatur gestört, der Fachausdruck hierfür lautet Magenatonie.

Normalerweise hängt von der Zusammensetzung der Nahrung ab, wie lange der Speisebrei im Magen bleibt. Ein gesunder Magen benötigt für die Verdauung von leichter Kost wie Obst und Gemüse etwa ein bis zwei Stunden. Bei schwer verdaulicher, fetthaltiger Nahrung dauert es bis zu fünf Stunden bis der Magen wieder leer ist.1

Besteht eine Magenlähmung, wird die Nahrung nicht in Richtung Darm geschoben; der Speisebrei bleibt länger als fünf Stunden im Magen. Da der Mageninhalt zu spät in den Dünndarm entleert wird, spricht man auch von einer Magenentleerungsstörung.

Neben der Magenlähmung gibt es auch eine Lähmung der Speiseröhre – die sogenannte Achalasie. Symptome dieser Erkrankung sind unter anderem Würgereiz und Brustschmerzen.

Eine Erkrankung, viele Ursachen

Um eine Magenlähmung optimal behandeln zu können, ist es wichtig zu wissen, was genau die Störung verursacht. Das herauszufinden ist jedoch nicht einfach, denn die Ursachen sind vielfältig. Trotz umfassender Diagnostik kann der Auslöser oft nicht gefunden werden.

Generell unterscheidet man je nach Ursache drei Typen der Gastroparese:

  • In den meisten Fällen kann keine Ursache für die Magenlähmung gefunden werden (idiopathische Gastroparese)
  • Die diabetische Gastroparese (Typ 1 oder Typ 2) ist durch den entsprechenden Diabetestyp bedingt. Eine Diabeteserkrankung ist die bislang bekannteste Ursache einer Gastroparese.
  • Die postoperative Gastroparese tritt nach einer Operation auf, wenn bei der OP der Nervus vagus geschädigt oder sogar durchtrennt wurde – der Nerv, der die Funktionen und Muskulatur des Magens steuert.

Ist die Magenlähmung Begleiterscheinung einer Diabeteserkrankung, liegt oft ein Nervenschaden zugrunde. Gerade wenn der Blutzucker über längere Zeit schlecht eingestellt ist, zählt dies zu den möglichen Folgen. Sind Nerven betroffen, die den Magen versorgen, droht eine chronische Magenentleerungsstörung. Aus diesem Grund ist die Blutzuckereinstellung bei Diabetikern eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung und Behandlung einer Gastroparese.

Auch eine Ansteckung mit Zytomegalie, einer Form von Herpes, kann eine akute Magenlähmung verursachen. Hier können Betroffene nach etwa einem Jahr mit Besserung rechnen.

Es gibt außerdem eine ganze Reihe von Faktoren, die bei der Entstehung einer Magenlähmung eine Rolle spielen können, zum Beispiel

  • chronischer Alkohol- und Nikotinmissbrauch,
  • Muskelerkrankungen,
  • Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion,
  • neurologische und Autoimmunleiden oder die
  • Refluxkrankheit.

Immer häufiger wird auch ein Zusammenhang zwischen Stress und Magenproblemen wie der Gastroparese festgestellt. Daher sollten Sie auf einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Ruhe und Entspannung achten. Außerdem wird vermutet, dass Migräne den Magen lahmlegen kann.

Bei der Suche nach Ursachen der Magenlähmung lohnt sich ein genauer Blick auf die Symptome: Schildern Sie Ihrem Arzt daher sämtliche Beschwerden. Die idiopathische Gastroparese geht meist mit Schmerzen und frühem Sättigungsgefühl einher, Würgen und Erbrechen sind hingegen bei der diabetischen Gastroparese häufige Begleiterscheinung.

Die Diagnose der Magenlähmung

Eine Magenlähmung kann nicht alleine anhand der Symptome diagnostiziert werden, da sich andere Krankheiten ähnlich bemerkbar machen. Um sicher sagen zu können, ob Sie eine Magenlähmung haben, untersucht der Facharzt, ob eine verzögerte Magenentleerung besteht.

Viele Ärzte führen zur Diagnostik einen Magenentleerungstest über den Atem durch, da diese Untersuchungsmethode für den Patienten wenig belastend ist. Dabei wird zum Beispiel Oktansäure in Form einer Lösung oral eingenommen. Anschließend pustet der Patient in bestimmten zeitlichen Abständen in einen dafür vorgesehenen Beutel. So kann getestet werden, wieviel Substanz verstoffwechselt wurde. Aus den Ergebnissen zieht der Arzt wiederum Rückschlüsse auf die Magenentleerung.

Behandlungsmöglichkeiten der Gastroparese ausschöpfen

Eine Gastroparese ist nicht immer heilbar, eine Behandlung – und damit eine deutliche Steigerung der Lebensqualität – ist jedoch durchaus möglich.

Den Magen natürlich in Schwung bringen

Die einfachste Maßnahme gegen eine Magenlähmung ist eine Umstellung der Ernährung . Nehmen Sie möglichst kleine, fettarme Mahlzeiten zu sich. Außerdem ist es wichtig, viel zu trinken. Besonders geeignet sind Flüssigkeiten ohne Kohlensäure, da diese den Magen zusätzlich dehnt. Absolutes „No-Go“ bei Magenlähmung sind Alkohol und Nikotin! Beschwerden wie Völlegefühl, vorzeitige Sättigung und Blähungen können mit Hilfe von Akupunktur gelindert werden.

Medikamente und operative Maßnahmen

In manchen Fällen einer Magenlähmung ist der Einsatz von Medikamenten erforderlich. Viele Betroffene nehmen zur medikamentösen Behandlung sogenannte Prokinetika. Diese Medikamente bewirken, dass die Muskeln im Magen-Darm-Trakt wieder vermehrt arbeiten. Bei der Gastroparese kommen häufig die Prokinetika Domperidon und Metoclopramid zum Einsatz. Antiemetika helfen gegen Übelkeit und Erbrechen. Diese Medikamente haben auf die Magenentleerung allerdings keinen Einfluss.

Wenn eine Diabeteserkrankung Grund für die Magenlähmung ist, muss zunächst der Blutzucker eingestellt werden. Im Anschluss daran kann der Magen mithilfe von Medikamenten wieder in Gang gesetzt werden.

Wenn alle Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann die Implantation eines Magenschrittmachers erwogen werden. Ein Magenschrittmacher funktioniert ähnlich wie ein Herzschrittmacher: Die im Gerät enthaltenen Elektroden geben elektrische Impulse an die Magenwand ab und stimulieren so die Magenbewegung.

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1 Vgl. BDI: Bundesverband Deutscher Internisten im Netz (Hsg.): www.internisten-im-netz.de/de_magen-aufbau-funktion_1511.html