Reizmagen: Was Sie gegen die Symptome tun können

19. März 2019
10 Min.

Übelkeit, Blähungen, Magenschmerzen — bei Menschen mit Reizmagen gehört das zum Alltag. Der sogenannten funktionellen Dyspepsie liegt keine offensichtliche, organische Krankheit zugrunde und die Symptome sind meist sehr uneindeutig und breit gefächert. Alles zu Beschwerden, Risikofaktoren, Diagnose und Behandlung lesen Sie hier.


Übersicht:

Welche Symptome treten bei Reizmagen auf?

  • häufiges (saures) Aufstoßen
  • Sodbrennen
  • Appetitlosigkeit
  • Völlegefühl
  • Magendruck
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Schmerzen in Magen und Oberbauch

Die typischen Beschwerden beim Reizmagen drehen sich – wie es der Name bereits verrät – um den Magen. Sie entstehen entweder ohne erkennbare Ursache oder aber ausgelöst durch äußere Faktoren wie Stress, psychische Belastungen, ungesunde Ernährung oder eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Diese bringen das Gleichgewicht im Magen so durcheinander, dass es zu Beschwerden kommt. Letztendlich kann die funktionelle Dyspepsie bei vielen Betroffenen zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen.

Im Grunde liegen diesen Symptomen verschiedene Störungen in der Funktionalität des Verdauungstrakts zugrunde. So kann etwa eine Bewegungsstörung des Magens dazu führen, dass sich dieser zu langsam oder zu schnell entleert. Auch eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Magensäure oder eine Überproduktion selbiger kann hier verantwortlich sein.

Gerade weil die Symptome bei Reizmagen oftmals sehr stark ausfallen, sind sie für manche Menschen mit großer Angst verbunden. Sie befürchten die Entwicklung von schwerwiegenden Langzeitschäden oder Folgeerkrankungen. Diese Sorge ist in der Regel allerdings unbegründet: Da das Organ selbst nicht erkrankt ist — sondern lediglich seine Funktion gestört ist — sind durch die funktionelle Dyspepsie keine ernsten Komplikationen zu befürchten. Die Absicherung durch einen Arzt ist dennoch äußerst wichtig: einerseits werden so potenzielle andere Krankheiten ausgeschlossen und andererseits wird den Patienten die Anspannung und die Angst genommen, die sich oft in einer Verschlimmerung der Symptomatik niederschlagen.

Verwechslungsgefahr und Risikofaktoren bei Reizmagen-Symptomen

Werden die Symptome immer wieder von denselben sogenannten Risikofaktoren verursacht, liegt die Erkrankung Reizmagen nahe. Zu den meistverbreiteten gehören:

  • ein überempfindliches Nervensystem,
  • die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori,
  • psychische Belastungen (beispielsweise Stress),
  • Schlafstörungen,
  • Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten und Kaffee,
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
  • stark gewürzte Speisen und
  • sehr fett- oder zuckerhaltige Mahlzeiten.

Werden die Risikofaktoren beseitigt oder wird ihnen vorgebeugt, wirkt sich das in vielen Fällen positiv auf die Häufigkeit der Beschwerden aus.

Sind die Abläufe im Magen gestört, hat das nicht nur Auswirkungen auf den Magen selbst. Auch die Vorgänge im Darm können betroffen sein: Blähungen breiten sich aus, unzureichend zerkleinerter Speisebrei wird für Dünn- und Dickdarm zur Herausforderung. Zudem leiden viele Patienten unter einer Kombination aus Reizmagen und Reizdarm. Für den Arzt erschwert das die richtige Zuordnung der Reizmagen-Symptome. Gleiches gilt, wenn zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung vorliegt. Auch hier sind die Symptome zu denen von Reizmagen sehr ähnlich, weshalb eine exakte Befragung des Patienten und sorgfältige Untersuchungen essenziell sind und hier Aufschluss geben.

Wie wird Reizmagen diagnostiziert und behandelt?

Da beim Reizmagen keine organischen Beeinträchtigungen vorliegen, handelt es sich hier um eine Ausschlussdiagnose

Da keine erkennbaren Krankheiten des Organs vorliegen, diagnostiziert der Arzt den Reizmagen mittels Ausschlussdiagnose. Zur dieser Untersuchung gehören ein ausführliches Patientengespräch mit Fragen zur Lebenssituation und Krankheitsgeschichte, eine Ultraschall-Untersuchung sowie eine Magen- und in einigen Fällen auch eine Darmspiegelung. Sind dabei keine Krankheiten festzustellen, welche die Beschwerden auslösen könnten, liegt ein Reizmagen nahe.

Im Rahmen der Diagnose findet hier außerdem eine Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Ausprägungen der funktionellen Dyspepsie statt.

  • Postprandial: Hier sind die Reizmagen-Symptome stark an die Nahrungsaufnahme gekoppelt. Die Beschwerden entstehen in erster Linie im Anschluss an Mahlzeiten und sorgen dafür, dass bei Betroffenen schnell ein Sättigungs- oder Völlegefühl eintritt beziehungsweise nur geringe Mengen an Nahrung verzehrt werden können.
  • Epigastral: Beim epigastralen Typ sind die Beschwerden unabhängig von den Mahlzeiten. Überwiegend treten Schmerzen und Brennen im Oberbauch auf.
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Werden die folgenden Grundlagen der Reizmagen-Behandlung umgesetzt, führt das in den meisten Fällen zu einer deutlichen Linderung der Symptomatik. Bei einigen Erkrankten verschwinden die Beschwerden und Probleme in der Verdauung vollständig, allerdings können sie in Phasen starker Belastung oder bei falscher Ernährung wiederauftauchen. Die wichtigsten Säulen der Therapie sind:

1. Medikamente

Meist kann man bei einem Reizmagen nur die Symptome behandeln

Zwar gibt es kein umfassendes Medikament, das alle Beschwerden auf einmal lindert, doch kann die Einnahme von Arzneimitteln die Reizmagen-Behandlung maßgeblich unterstützen. So können einige Präparate die überschüssige Magensäure neutralisieren (Antazida) oder ihre Herstellung von Anfang an reduzieren (Protonenpumpenhemmer (PPI), H2-Blocker), während andere die Beweglichkeit der Magenmuskulatur anregen (Prokinetika) und damit den Säurehaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen. So werden Symptome wie Sodbrennen, Magenschmerzen oder Übelkeit schnell und einfach gelindert und der Patient kann sich erholen. Bei einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, das die Entstehung des Reizmagens begünstigt, kommen in der Regel auch Antibiotika zum Einsatz. Die Antibiotika, die in diesem Fall genauso gegen Reizmagen eingesetzt werden, beseitigen die Bakterien – dann steht einer Heilung im Regelfall nichts mehr im Wege. Häufig mildern sich im Anschluss die Symptome des Reizmagens.

Gut zu wissen:

Die Infektion mit Helicobacter pylori kann beim Patienten eine Magenschleimhautentzündung auslösen. Einerseits liegt das an Giftstoffen, die das Bakterium ausscheidet, andererseits neutralisiert es zum eigenen Schutz die Magensäure in seiner direkten Umgebung (das heißt: im Bereich der Magenschleimhaut). Die Substanzen, die es dazu produziert, setzen den Schutz der Magenschleimhaut außer Gefecht. Die Folge: Die Schleimhaut ist der aggressiven Wirkung der Säure direkt ausgesetzt. Unbehandelt kann das Geschwüre und letzten Endes sogar Magenkrebs nach sich ziehen.

2. Gewohnheiten in der Ernährung

Entscheidend bei Reizmagen ist zudem die richtige Ernährung. Was dabei jedoch als „richtig“ gilt, lässt sich pauschal nicht festlegen – jeder Erkrankte reagiert anders auf die Speisen, die er zu sich nimmt. Deshalb sollten Betroffene immer auf ihr eigenes Bauchgefühl hören: Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen ein Lebensmittel nicht guttut und es nach dem Verzehr immer zu Beschwerden kommt, dann verzichten Sie eine Weile darauf. Geht es Ihnen daraufhin besser?

Eine gesunde Ernährung ist hilfreich, wenn man unter einem Reizmagen leidet

Daneben gibt es einige Tipps, die sich alle Erkrankten zu Herzen nehmen können. Für die Verdauung sind zum Beispiel mehrere kleine, leichte Mahlzeiten über den Tag verteilt genauso empfehlenswert, wie der Verzicht auf allzu viele und intensive Gewürze. Genussmittel wie Alkohol oder Kaffee sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen, Obst und Gemüse hingegen umso mehr. Auch Hausmittel wie Kamillentee, Süßholzwurzel und Schafgarbenkraut können zu einer Besserung der Symptome beitragen.

3. Psychisches Gleichgewicht

Schon bei gesunden Menschen können Stress und andere psychische Belastungen auf den Magen schlagen. Kein Wunder also, dass Reizmagen-Patienten besonders empfindlich darauf reagieren. Um die Reizmagen-Behandlung wirkungsvoll zu unterstützen, ist es also besonders wichtig, einen Ausgleich für die Belastungen des Alltags zu finden. Für die einen geschieht das durch regelmäßige Pausen, in denen Sport, ein erholsames Entspannungsbad oder ein gutes Buch auf dem Programm stehen, andere nutzen Angebote wie Yoga, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung.

In jedem Fall ist es von großer Bedeutung, das Bedürfnis Ihres Körpers nach Ruhe und Entspannung anzuerkennen und ihm ausreichend Zeit zur Erholung zu geben. Denn bleibt Anspannung über längere Zeit bestehen, kann sich das auch in Form einer verspannten Magenmuskulatur und überempfindlichen Nerven im Verdauungstrakt niederschlagen – die Ursache für typische Reizmagen-Symptome.

Jenni Graf
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Medizinredakteurin