Reizmagen: Alle Fakten zur funktionellen Dyspepsie

Übelkeit, Blähungen, Magenschmerzen: Was beim Gesunden höchstens gelegentlich oder im Rahmen einer Erkrankung auftritt, gehört bei Menschen mit Reizmagen zum Alltag. Experten sprechen dann von einer funktionellen Dyspepsie – denn obwohl keine organische Erkrankung des Magens vorliegt, haben Betroffene dennoch mit Magenbeschwerden zu kämpfen. Wie kann das sein? Verschaffen Sie sich einen Überblick zum Reizmagensyndrom!

Der Reizmagen und seine Symptome

Die typischen Beschwerden beim Reizmagen drehen sich – wie es der Name bereits verrät – um den Magen. Sie entstehen entweder ohne erkennbare Ursache oder aber ausgelöst durch äußere Faktoren wie Stress, psychische Belastungen oder ungewohntes Essen. Für die Betroffenen wird die Erkrankung am Reizmagensyndrom schnell zur Belastung: Bedenkenloses schlemmen bleibt problematisch, Restaurant-Besuche werden zur Herausforderung oder gar zur Unmöglichkeit. Letztendlich führt die funktionelle Dyspepsie bei vielen Patienten zu einer Einschränkung der Lebensqualität und deutlich verringerter Lebensfreude.

Zu den typischen Beschwerden bei Reizmagen zählen:

  • Aufstoßen und/oder saures Aufstoßen
  • Sodbrennen
  • Appetitlosigkeit
  • Völlegefühl
  • Magendruck
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Magenschmerzen oder Schmerzen im oberen Bauchbereich

Wann die Symptome auftreten, hängt dabei maßgeblich von der Art der Dyspepsie ab. Beim postprandialen Typ sind die Beschwerden eng mit den Mahlzeiten des Patienten verknüpft: Sie entstehen vor allem dann, wenn er gerade etwas gegessen hat. Viele Betroffene fühlen sich sehr früh gesättigt und können nur kleine Portionen zu sich nehmen.

Beim epigastralen Typ bilden sich die Symptome unabhängig von der Nahrungsaufnahme aus. Hier kommt es dann überwiegend zu Schmerzen und Brennen im Bereich des Magens und Oberbauchs, das sich auch zu Sodbrennen ausweiten kann.

Reizmagen: Entwicklung und Risikofaktoren

Die tatsächliche Ursache der funktionellen Dyspepsie konnte bislang noch nicht geklärt werden. Die Tatsache, dass der Magen organisch nicht als krank einzustufen ist, macht es der Wissenschaft zusätzlich schwer, die zugrundeliegenden Faktoren zu entlarven. Als sehr wahrscheinlich gilt jedoch, dass Motilitätsstörungen, überempfindliche Nerven im Bereich von Magen und Darm, die verstärkte Produktion von Magensäure und/oder eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori maßgeblich zur Entwicklung eines Reizmagens beitragen.

Bei sogenannten Motilitätsstörungen sind die üblicherweise genau koordinierten Bewegungen des Magen-Darm-Trakts durcheinandergeraten – Muskeln entspannen oder kontrahieren willkürlich und bringen damit den Ablauf der Verdauung durcheinander; der Speisebrei wird viel zu schnell oder zu langsam weitertransportiert. Beim Betroffenen macht sich das durch Blähungen, Magenschmerzen und weitere Beschwerden bemerkbar. Kommen noch überempfindliche Nerven dazu, kann das zum einen das Schmerzempfinden verstärken, zum anderen auch Reaktionen wie eine verstärkte Herstellung der Magensäure hervorrufen – die wiederum die bestehenden Beschwerden verschlimmert.

Tipps bei Reizmagen

Damit es im Idealfall gar nicht erst zu Symptomen kommt, ist es von großer Bedeutung, von Anfang an auf das Wohlbefinden des Verdauungstrakts und gesunde Essgewohnheiten zu achten. Zu den wichtigsten Tipps zählen dabei:

  • Achten Sie darauf, regelmäßig Sport zu treiben. Das tut nicht nur Ihrem Kreislauf gut, sondern kurbelt auch die Durchblutung von Magen und Darm an – so wird der Verdauungstrakt optimal versorgt.
  • Essen Sie mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt, um die Verdauung nicht zu überlasten.
  • Erstellen Sie einen gesunden, möglichst abwechslungsreichen Speiseplan, der Ihre persönlichen Auslöser berücksichtigt.
  • Verzichten Sie auf Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol – Ihrer Verdauung zuliebe.
Berücksichtigen Sie diese Hinweise, kann das zu einem gesunden Magen-Darm-Trakt und damit auch zur Vorbeugung der funktionellen Dyspepsie beitragen. Ganz ausschließen lässt sich die Entwicklung der Erkrankung leider aber auch dann nicht.

Reizmagen richtig behandeln

Da beim Reizmagen keine organischen Beeinträchtigungen vorliegen, handelt es sich hier um eine Ausschlussdiagnose

Da keine erkennbaren organischen Beeinträchtigungen vorliegen, handelt es sich bei Reizmagen um eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, der Arzt überprüft zunächst alle beteiligten Organe auf mögliche Erkrankungen – findet er keine, kann er sich auf die Diagnose „funktionelle Dyspepsie“ festlegen.

Zur Untersuchung gehören in der Regel ein ausführliches Patientengespräch mit Fragen zu Ihrer Lebenssituation und Krankheitsgeschichte, eine Ultraschall-Untersuchung sowie eine Magen- und in einigen Fällen auch eine Darmspiegelung. Sind dabei keine Krankheiten festzustellen, welche die Beschwerden auslösen könnten, liegt ein Reizmagen nahe.

Doch Achtung: Oftmals sind die Übergänge zum sogenannten Reizdarmsyndrom fließend. Einige Beschwerden beschränken sich nicht auf Unter- oder Oberbauch und machen die Diagnose somit noch schwerer – zumal Reizmagen und Reizdarm häufig auch gemeinsam auftreten.

Viele Betroffene wenden sich ob ihrer starken Beschwerden in großer Sorge an Ihren Arzt: Sie befürchten eine schwere Erkrankung oder ernste Folgen, die der Reizmagen nach sich ziehen könnte. Hat der Arzt jedoch die Diagnose gestellt, kann er sie meist wieder beruhigen. Ein Reizmagen zieht in der Regel keine Folgen oder Komplikationen nach sich. Diese Absicherung ist äußerst wichtig – denn die Anspannung und Angst der Patienten kann sich in einer Verschlimmerung der Symptomatik niederschlagen, was letztendlich schnell in einen Teufelskreis mündet.

Um ihre Beschwerden zu lindern, haben Betroffene mehrere Möglichkeiten:

  • eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten hin zu magenschonender Kost
  • die Anpassung der Lebensgewohnheiten (zum Beispiel eine Reduktion von Stress)
  • die Einnahme von Medikamenten, welche die Magensäure neutralisieren oder ihre Herstellung hemmen
  • die Anwendung von Arzneimitteln, die zu einer Normalisierung der Magen-Motilität beitragen
  • bei einer Infektion mit Helicobacter pylori die Einnahme von Antibiotika
  • der Einsatz von Hausmitteln (beispielsweise Kamillentee trinken)

Die Erkrankung selbst lässt sich bislang noch nicht behandeln – lediglich ihre Symptome. Dennoch ist bei vielen Betroffenen eine deutliche Verbesserung der Dyspepsie nach einigen Wochen Behandlung zu vermerken.

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