Durchfall durch Stress: Der mitfühlende Darm

Eine schwere Prüfung oder ein Bewerbungsgespräch stellt für viele Menschen eine sehr emotionale und angespannte Situation dar. Als wäre die Aufregung vor einem solchen Termin nicht belastend genug, reagiert der Körper bei Stress häufig zusätzlich mit akutem Durchfall (Diarrhö). Aber warum kann Durchfall durch Stress entstehen? Und was können Betroffene dagegen tun?

Stress-Durchfall – reine Nervensache

Der Darm reagiert bei Stress oft mit Durchfall

Umgangssprachlich ist bei Entscheidungen oft vom „Bauchgefühl“ die Rede. Und tatsächlich ist der Bauch schlauer als lange Zeit angenommen: Im Magen-Darm-Trakt sitzen rund 100 Millionen Nervenzellen, mehr als im gesamten Rückenmark. Forscher bezeichnen das ausgeklügelte Verdauungssystem auch als „Bauchgehirn“, weil es eine ähnliche funktionale Struktur wie das Gehirn aufweist. Dieses sogenannte enterische Nervensystem – ein Teil des vegetativen Nervensystems – ist sehr komplex und steuert unabhängig vom Kopfhirn sämtliche Verdauungsvorgänge. Es registriert aber auch Gefühle wie Stress oder Angst und antwortet darauf mit Schmerzen, Verstopfung oder Durchfall. Zum Beispiel verschlechtern sich die Symptome bei Reizdarm häufig durch Stress.

Neben dem enterischen besteht das vegetative Nervensystem zudem aus dem sympathischen Nervensystem (Sympathikus), das für eine erhöhte Leistungsbereitschaft in Alarmsituationen verantwortlich ist, und dem parasympathischen Nervensystem (Parasympathikus), das den Menschen wieder in einen Ruhezustand versetzt. Bei Stress übernimmt der Sympathikus. Er schaltet in Extremsituationen in den Kampf- oder Fluchtmodus – ein Adrenalinschub der unseren Vorfahren bei Gefahren das Leben rettete.

Im Laufe der Jahrtausende haben sich die Umwelt des Menschen und die Stressreize stark verändert. Doch noch immer produziert der Körper in Stresssituationen viel Adrenalin – der Blutdruck wird erhöht und der Puls beschleunigt. Die erhöhte Alarmbereitschaft des Körpers verbraucht jedoch sehr viel Energie, die dem Verdauungsprozess abhandenkommt – die Darmaktivität wird heruntergefahren. In der Folge stellt das Verdauungsorgan seine regulären Tätigkeiten ein und transportiert Nahrung nicht mehr weiter. Aber auch andere Hormone werden bei Stress vermehrt freigesetzt. Sie hemmen die Aufnahme von Flüssigkeit aus dem Darm in den Körper und verursachen dadurch stark wässrigen Durchfall.

Außerdem nimmt bei Stress die Zahl der Milchsäurebakterien ab, die für eine gute Verdauung wichtig sind. In einer milden Form führt eine solche Belastungssituation zu vorübergehenden Bauchschmerzen oder Übelkeit. Bei einer stärkeren Ausprägung will der Körper die für ihn nun schwer verdaulichen Nahrungsreste so schnell wie möglich loswerden und es kommt zu Erbrechen oder Stress-Durchfall.

Häufige Auslöser für Stress

Es gibt viele verschiedene Ursachen, die Stress und somit Durchfall auslösen können. Eine bei manchen Personen als stressig empfundene Situation können andere dagegen als sehr entspannt betrachten. Aus diesem Grund sind Stressursachen sehr individuell. Grob können Stressauslöser aber in drei Gruppen eingeteilt werden:

  • Physische Stressoren: Ständiger Lärm, Hitze, Kälte oder Reizüberflutungen können Stress verursachen.
  • Psychische Stressoren: Überforderung, Kontrollverlust oder Versagensängste sind ebenfalls Faktoren, die zu einer starken Anspannung und Unruhe vieler Menschen führen.
  • Soziale Stressoren: Konflikte, Mobbing oder der Tod einer geliebten Person können ebenfalls zu starken Stressreaktionen führen.
Hinweis: Grundsätzlich ist es aber ganz egal, was die Ursache des Stresses ist – ob eine schwierige Prüfung, eine bevorstehende Reise, ein öffentlicher Auftritt oder eine berufliche Herausforderung. Je plötzlicher jedoch ein solches Ereignis eintritt, desto heftiger fällt in der Regel die körperliche Reaktion aus.

Anti-Stress-Tipps gegen Durchfall

Einige Menschen sind in Stresssituationen anfälliger für Durchfall als andere. Die Angst vor Durchfall durch Stress kann zu einem Teufelskreis führen und das Problem bei einer erneuten ähnlichen Situation unter Umständen sogar noch verschärfen. Denn durch die Angst vor dem Durchfall kommt ein zusätzlicher Stressfaktor für die Betroffenen hinzu. Aber Betroffene müssen nicht verzweifeln. Es gibt ein paar einfache Tipps, um der körperlichen Reaktion bei psychischer Anspannung entgegenzuwirken:

  • bewusster Toilettengang vor dem Verlassen des Hauses
  • nur kleine Mahlzeiten einnehmen
  • Ablenkung zum Beispiel durch Lesen oder einen Spaziergang
  • für ausreichend Flüssigkeit sorgen
  • Wärmflasche bei Bauchschmerzen verwenden

Menschen, die häufiger an Stress-Durchfall leiden, sollten sich zudem bestimmte Techniken der Stressbekämpfung wie Yoga oder autogenes Training aneignen. Des Weiteren können auch natürliche Beruhigungsmittel eine vorbeugende Maßnahme bei intensiven Stresssituationen sein. Gegen Nervosität und innere Unruhe haben sich beispielsweise die Wirkstoffe folgender Pflanzen bewährt:

  • Hopfen: ist beruhigend und fördert den Schlaf
  • Baldrian: wird oft vorbeugend bei Prüfungen gegen die Nervosität eingesetzt
  • Melisse: wirkt aufgrund ihrer entkrampfenden und beruhigenden Eigenschaften gut bei Magen-Darm-Beschwerden
  • Lavendel: hat eine beruhigende Wirkung auf das zentrale Nervensystem
  • Passionsblume: zur Behandlung von Spannungs- und Unruhezuständen geeignet
  • Johanniskraut: hilft vor allem bei depressiven Verstimmungen (aber erst nach einem Zeitraum von zwei bis vier Wochen)

Hält der Stress-Zustand über einen längeren Zeitraum an und geht er mit anderen Symptomen wie innerer Unruhe, Schlafproblemen, Konzentrationsmangel, hohem Gewichtsverlust, Verwirrtheit oder Weinkrämpfen ohne ersichtlichen Anlass einher, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Auch wenn sich stressbedingter Durchfall zu einem chronischen Durchfall entwickelt, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam.

Angst, Depressionen und Burn-out führen nicht selten zu Beschwerden des Verdauungstrakts. Professionelle Hilfe, zum Beispiel in Form einer Therapie, kann in diesen Fällen in Erwägung gezogen werden. Hilfreich ist häufig auch, wenn Betroffene eine Art Tagebuch führen. Dadurch können sie besser nachvollziehen, in welchen Situationen Durchfall durch Stress auftaucht.

Auch interessant:Hilfe bei Durchfall >>

Reisedurchfall: Ursachen und Behandlung >>

Hilfe, Durchfall! Pille noch wirksam? >>