Kurkuma: Gelbe Würze bei leichten Verdauungsbeschwerden

4. Juni 2019
8 Min.

Den meisten dürfte Kurkuma (Curcuma) – auch Gelbwurz(el), Gelber Ingwer oder Safranwurz(el) genannt – als Bestandteil von Curry-Pulver bekannt sein. Der Inhaltsstoff Curcumin verleiht dem Gewürz die charakteristisch gelbe Farbe. Doch Kurkuma kann noch mehr: Es wird zur Behandlung von leichten Verdauungsbeschwerden (wie Völlegefühl, Blähungen), allen voran im Zusammenhang mit dem Gallensystem, angewandt. Welche Wirkung das Gewürz genau hat, wie es zubereitet wird und weitere Besonderheiten, lesen Sie hier.


Auf einen Blick – Wissenswertes zu Kurkuma

  • Heilkraft: wirksam bei leichten dyspeptischen Beschwerden (beispielsweise Völlegefühl, Blähungen, frühe Sättigung); fördert die Gallenausscheidung
  • Inhaltsstoffe: Curcumin, ätherisches Öl, Stärke, Zuckerverbindungen
  • Anwendung: homöopathische Medikamente (Tropfen, Pulver), Gewürz, Tee
  • Botanik: zwei Gattungen (Curcuma longa und Curcumae xantorrhizae); aus Kulturen in Indien und Südostasien beziehungsweise Indonesien (Java); ähnelt der Ingwerpflanze, knollig verdickter Wurzelstock, ein Blattbündel mit Blüten

Welche Heilkraft steckt in Kurkuma (Curcuma longa)?

Kurkuma als Wurzelstock und in Form von Pulver.

Curcuma longa zählt zu den traditionell pflanzlichen Arzneimitteln. Sie enthält unter anderem Stärke, Zuckerverbindungen, ätherisches Öl, das die Galleproduktion in der Leber verstärken soll, und den Wirkstoff Curcumin, der die Pflanze so gesund macht. Curcumin ist ein gelber Farbstoff und zählt zu den Curcuminoiden (fettlösliche sekundäre Pflanzenstoffe), die sich aus der Wurzel der Pflanze Curcuma longa gewinnen lassen. Der Substanz werden unter anderem folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • entzündungshemmend
  • antioxidativ
  • antiviral (gegen Hepatitis B-Viren)
  • antibakteriell
  • gallefördernd

Insbesondere vom letztgenannten Effekt profitiert der Körper, denn: Kurkuma kann zur Erhöhung des Gallenflusses beitragen und so Symptome einer Verdauungsstörung wie Völlegefühl oder Blähungen lindern. Weitere Einsatzgebiete sind leichte Gallen-Leber-Beschwerden – beispielsweise einer funktionellen Störung – sowie Reizdarm und Reizmagen.

Übrigens gibt es von Kurkuma noch eine zweite Art: Curcumae xantorrhizae oder einfach gesagt, die javanische Gelbwurzel, die aus Indonesien (Java) und Malaysia stammt. Diese Form wirkt allerdings weniger gallenflussfördernd.

Aufgrund ihrer vielseitigen Wirkung eröffnen sich für Kurkuma weitere potenzielle Anwendungsgebiete, beispielsweise bei der Behandlung von Arthrose oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Genaue Aussagen lassen sich allerdings aufgrund fehlender klinischer Daten noch nicht treffen. Die Verbraucherzentrale Bundesverband rät zudem davon ab, Kurkuma und Curcumin als Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung oder Heilung einer Erkrankung zu verwenden. Nach aktuellem Stand sind hierfür die notwendigen Zulassungen und Nachweise unzureichend. Die Wirkung des Kurkuma-Extraktes auf den Menschen ist nicht angemessen erforscht.1

Kritisch gesehen wird bei Kurkuma und Curcumin die geringe Bioverfügbarkeit. Das bedeutet, dass es schlecht über den Darm aufgenommen und vom Körper relativ schnell wieder ausgeschieden wird. Für eine höhere Bioverfügbarkeit von Kurkuma wird oftmals eine Kombination mit anderen Lebensmitteln empfohlen. Beispielsweise schwarzer Pfeffer, da dieser Piperin enthält, das für eine verbesserte Aufnahme sorgen soll.

Generell gelten Kurkuma und Curcumin als gut verträglich, Nebenwirkungen sind derzeit nicht bekannt. Allerdings kann es bei längerer Anwendung zu Magenbeschwerden wie Durchfall kommen. Menschen mit Gallenverschluss, -steinen oder einer -entzündung sowie andere Gallenleiden und Leberbeschwerden sollten auf die Verwendung der Gelbwurzel verzichten.

In welchen Darreichungsformen ist Kurkuma erhältlich?

Kurkuma findet schon seit langem in der traditionellen indischen und chinesischen Medizin Anwendung. In unserer Schulmedizin ist die Heilpflanze allerdings noch kein fester Bestandteil, stattdessen wird sie vorwiegend in der Homöopathie oder als Hausmittel eingesetzt.

Für arzneiliche Zubereitungen wird lediglich der Wurzelstock verarbeitet. Erhältlich ist er unter anderem in Form von Kapseln, Pulver (eignet sich zur Teezubereitung) oder auch als Globuli. In den letzten Jahren hat die Gelbwurz außerdem den Weg in die Küche gefunden – nicht nur als Bestandteil in Curry oder Worcestersauce, sondern auch als eigenständiges Gewürz (Pulver oder frische Knolle).

Tipp für Genießer: Goldene Milch (Curcuma-Milch)

Zur Stärkung von Leber und Galle erfreut sich „Goldene Milch“ vor allem in der ayurvedischen Küche großer Beliebtheit. Für die Zubereitung benötigen Sie: 1 Teelöffel Kurkuma und 120 Milliliter stilles Wasser, optional können Sie noch ein Stück Ingwer hinzufügen. Erwärmen Sie das Ganze in einem Topf und rühren Sie so lange um, bis sich eine homogene Masse gebildet hat. Im nächsten Schritt fügen Sie 350 Milliliter Mandelmilch – oder ein anderes veganes Milchersatzprodukt – zu der Paste hinzu und erhitzen es kurz. Etwas schwarzer Pfeffer oder Zimt runden das Getränk ab, wahlweise kann noch Sirup zum Süßen verwendet werden.2

Interessante Fakten zur Kurkuma-Pflanze

Woher das traditionelle pflanzliche Arzneimittel ursprünglich stammt, ist nicht sicher – vermutlich stammt Curcuma longa aus Indien (Raum Bihar). Dort ist auch heute noch das Hauptanbaugebiet sowie in anderen tropischen und subtropischen Ländern. Die Javanische Gelbwurz (Curcuma zanthorrhiza) ist hingegen im tropischen Südostasien beheimatet, kultiviert wird sie allerdings in Indonesien, vor allem auf Java, in Malaysia und im südlichen China.

Beide Pflanzenarten gehören zur Familie der Ingwergewächse und sind dem Namensgeber sehr ähnlich: Nach oben hin wächst ein Bündel mit großen eiförmigen Blättern, dem lange Blütenstände entspringen. Die Blüten der Curcuma longa sind gelb, bei der javanischen Form sind sie purpur- oder karmesinrot. Beide bilden zudem Rhizome (Wurzelstock; unterirdische Sprossen) aus.

Trotz enger Verwandtschaft zum Ingwer unterscheiden sich die beiden Gattungen in Farbe und Geschmack: Während das in Kurkuma enthaltene Curcumin für einen intensiven Gelbton sorgt, ist die Farbe des Ingwers heller, fast schon blassgelb. Geschmacklich ist Ingwer intensiv scharf, demgegenüber verleiht Kurkuma den Speisen eine leicht bittere Note.

Schon gewusst?

Der Name Curcuma geht auf das altindische Wort „kunkuman“ für Safran zurück. Dieselbe Bedeutung hat das arabische „kurkum“. In beiden Fällen wird damit die typisch safrangelbe Farbe des Wurzelstockes bezeichnet.

Für die Wirkung wird lediglich der Wurzelstock verwendet. Das Ausgraben der unterirdischen Bestandteile erfolgt, sobald die oberirdischen zu welken beginnen. Erntezeit ist in der Regel im Dezember und Januar. Die anhaftenden Wurzeln werden entfernt, die Knolle in kochendes Wasser getaucht und anschließend getrocknet. Durch das Abbrühen soll das Austreiben der Pflanze verhindert werden.

Kurkuma lässt sich auch im heimischen Garten oder am Balkon anbauen. Entweder kaufen Sie eine vorgezogene Topfpflanze im Fachhandel oder ziehen diese selbst aus einem Stück Wurzelstock. Einfach über Nacht in Wasser einlegen und sobald sich Triebe bilden, den Keimling nach oben in einen Topf einpflanzen. Die Erde sollte feuchtgehalten, aber Staunässe vermieden werden. Kurkuma bevorzugt einen halbschattigen Platz. Da die Pflanze ursprünglich aus tropischen Ländern stammt, sollte sie in den kalten Monaten im Haus überwintern. Sobald die Blüten und Blätter welken, ist die Knolle erntereif und Sie können ihre gesunde Wirkung nutzen.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin