Überblick zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

17. September 2018

Fast jeden Menschen erwischt früher oder später eine Darmerkrankung, die Bauchschmerzen und Durchfall verursacht. Meistens steckt eine Virusinfektion dahinter, die innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder verschwindet. Halten die Beschwerden jedoch länger als zwei Wochen an, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Bei andauernden Beschwerden kann es sich um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, kurz CED genannt, handeln.

Was sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)?

Halten die Beschwerden wie Durchfall und Bauchschmerzen lange an, kann eine chronisch entzündliche Darmerkrankungen die Ursache sein

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen gehen mit Entzündungen der Darmschleimhaut einher und können bei schweren Verläufen zu Geschwüren innerhalb des Darms führen. Je nach Art der Erkrankung kann der gesamte Verdauungstrakt oder nur ein Teil davon betroffen sein. Die Krankheiten verlaufen meist schubweise. Das heißt, es gibt Wochen oder Monate der Ruhe, bevor die Symptome meist ohne erkennbaren Auslöser wieder auftreten. Ein typisches Anzeichen für CED sind Phasen mit starkem Durchfall, unter Umständen auch blutiger Stuhlgang. Zusätzlich können auch weitere Beschwerden auftreten, wie beispielsweise:

  • Bauchschmerzen
  • Fieber
  • Gelenkbeschwerden
  • Hautprobleme
  • Appetitlosigkeit

Bleiben chronisch entzündliche Darmerkrankungen unbehandelt, verlieren Betroffene meist auch an Gewicht. Der erkrankte Darm kann aus dem Nahrungsbrei nicht mehr ausreichend Nährstoffe gewinnen, was Müdigkeit und Schwäche zur Folge hat. Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Außerdem können Geschwüre Darmverengungen bilden oder ihn ganz verschließen , sodass kein Stuhl mehr ausgeschieden werden kann – eine lebensbedrohliche Situation.

CED: Zivilisationskrankheit oder genetische Ursachen?

In Deutschland leiden rund 400.000 Menschen an CED. Die Erkrankungen brechen meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr oder bei Menschen über 60 Jahren aus. Aber auch Kinder können betroffen sein. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Die Anzahl der Diagnosen nimmt in Nordeuropa zu. Ob das daran liegt, dass mehr Menschen mit ihren Beschwerden zum Arzt gehen oder ob Umweltfaktoren das Risiko zu erkranken erhöhen, ist noch nicht geklärt.

Die beiden am häufigsten vorkommenden chronischen Darmkrankheiten – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – werden seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erforscht. Bei Morbus Crohn spielen vermutlich genetische Faktoren eine wichtige Rolle. Bislang wurden 70 Gene identifiziert, die mit Morbus Crohn in Verbindung stehen. Auch bei Colitis ulcerosa haben erbliche Veranlagungen nach derzeitigem Forschungsstand einen Einfluss, wenn auch keinen so großen wie bei Morbus Crohn.

Untersuchungsmethoden für eine genaue Diagnose der CED

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind anhand ihrer Symptome nicht eindeutig von anderen Darmkrankheiten zu unterscheiden. Deshalb führt der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durch, um eine genaue Diagnose zu stellen. Dazu gehören folgende Methoden:

  • Blutuntersuchung: Eine Entzündung führt in der Regel zu einem erhöhten Wert an weißen Blutkörperchen sowie bestimmter Eiweißstoffe, die bei einer Blutuntersuchung nachgewiesen werden können. Darüber hinaus sind mögliche Folgen der Erkrankung, wie Anämie (Blutarmut) oder Vitaminmangel, bei einer Blutuntersuchung ersichtlich.
  • Ultraschalluntersuchung: Mithilfe der Sonografie lassen sich schnell Verdickungen im Darm feststellen. Zwar kann die Ursache dafür nicht direkt ermittelt werden, aber die Ultraschallbilder geben Anhaltspunkte für weitere Untersuchungen.
  • Röntgenuntersuchung oder Kernspintomografie: Röntgenstrahlen, die bei der Computertomografie (CT) eingesetzt werden, ermöglichen - genau wie Ultraschall - eine Abbildung der inneren Organe und der umliegenden Strukturen von außen. Die Kernspintomografie (MRT) verwendet im Gegensatz dazu ein Magnetfeld, um sehr detaillierte Bilder vom Verdauungstrakt und den dazugehörigen Organen aufzunehmen.
  • Endoskopie: Bei einer Magen- oder Darmspiegelung werden die betroffenen Teile des Verdauungstraktes von innen untersucht. Dabei können gleich Gewebeproben für die weitere Analyse entnommen werden.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen behandeln

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind nicht heilbar. Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, die Symptome zu lindern, das Risiko für einen neuen Krankheitsschub zu reduzieren und den Betroffenen das Leben mit CED zu erleichtern. Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sind entzündungshemmende Medikamente. Diese können, je nachdem, welcher Teil des Verdauungstraktes befallen ist, oral oder in Form von Zäpfchen verabreicht werden.

Verursachen Geschwüre einen Darmverschluss oder ist die Darmwand aufgrund der Entzündungen so beschädigt, dass ein Darmdurchbruch droht, muss operiert werden. Bei der Operation wird der kranke Darmabschnitt entfernt. Anschließend wird der Verdauungstrakt, wenn möglich, so rekonstruiert, dass die Funktionsfähigkeit des Darms erhalten bleibt.

Wichtig: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen sehr. Zu den körperlichen Beschwerden kommt die psychische Belastung. Die Hemmschwelle, mit Dritten über Darmprobleme zu sprechen, ist hoch. In Beratungsgesprächen mit Ärzten und anderen Spezialisten lernen Menschen, wie sie den Alltag mit CED meistern können. In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene zudem mit anderen Erkrankten austauschen.
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Peggy Richter
Redakteur/in