Heilpflanzen bei Magen-Darm-Beschwerden: Für alles ist ein Kraut gewachsen

4. Juni 2019
10 Min.

Ob Blähungen, Durchfall, Verstopfung oder andere Magen-Darm-Beschwerden: Mit Heilpflanzen können Betroffene auf natürliche Helfer setzen. Aber wann kann Mutter Natur helfen? Lesen Sie hier, welche Heilpflanzen gut für Magen und Darm sind und wie sie im Verdauungstrakt wirken.

Gut für Magen und Darm: Wissenswertes zu Heilpflanzen

  • Heilpflanzen können bei den unterschiedlichsten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt zur Anwendung kommen, unter anderem bei:
  • Die Heilpflanzen sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, beispielsweise als Tropfen oder Kapseln. Allen voran erfreut sich Tee großer Beliebtheit: Die frischen oder getrockneten Pflanzenbestandteile mit heißem Wasser übergießen und – nach dem Abkühlen – schluckweise trinken.
  • Neben Medikamenten und Hausmitteln stellen Heilkräuter eine alternative beziehungsweise unterstützende Therapiemethodedar. Und auch wenn es sich um natürliche Mittel handelt, sollten Sie bedenken, dass Nebenwirkungen nicht vollkommen ausgeschlossen sind.

Welche Heilpflanzen können bei Magen-Darm-Beschwerden helfen?

Verschiedene Heilpflanzen: Bestimmte Kräuter wirken lindernd bei Magen-Darm-Beschwerden.

So vielfältig die Probleme im Magen-Darm-Trakt sein können, so zahlreich sind auch die pflanzlichen Helfer, die Linderung verschaffen können. Verschaffen Sie sich nachfolgend einen Überblick über die gängigsten Beschwerden und welche Heilkräuter sich als wirksam erwiesen haben:

Welche Heilpflanzen lindern Völlegefühl und Blähungen?

Ein üppiges Festmahl ist häufig der Anlass dafür, dass sich der Bauch deutlich sichtbar nach außen wölbt (Blähbauch). Aber auch das Essen von blähenden Lebensmitteln wie Kohlgemüse oder Hülsenfrüchten kann zu Völlegefühl und/oder Blähungen (zu viel Luft im Bauch) führen. Begleitet werden die Beschwerden meist von anderen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Bauchschmerzen.

Bei Völlegefühl und Blähungen haben sich vor allem folgende Pflanzen bewährt:

  • Ein Klassiker unter den pflanzlichen Helfern ist Kümmel. Das Gewürz ist ein sogenanntes Karminativum, ein phytotherapeutisches Mittel gegen Blähungen. Die Samen der Pflanze weisen einen krampflösenden Effekt auf, zudem besitzt Kümmel verdauungsfördernde sowie keimhemmende und antimykotische (gegen Pilze) Eigenschaften.
  • Bei leichten Blähungen oder Völlegefühl nach dem Essen kann Kurkuma Linderung verschaffen. Die Gelbwurz enthält Curcuminoide, die dafür sorgen, dass mehr Gallensäure ausgeschüttet wird – das erleichtert die Aufspaltung von Nahrungsfetten und somit deren Verdauung. Außerdem hat Kurkuma eine entzündungshemmende Wirkung, weshalb auch Bauchschmerzen – die ebenfalls im Rahmen von Völlegefühl möglich sind – gemildert werden können.
  • Wer an Blähungen leidet, kommt um Fenchel meist nicht herum. Seine blähungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften kommen bereits Säuglingen und Kleinkindern bei leichten krampfartigen Magenbeschwerden sowie Völlegefühl zugute. Häufig wird Fenchel in Kombination mit Anis und Kümmel gereicht, beispielsweise als Teezubereitung.

Weitere Hausmittel sind Anis und Pfefferminzblätter, die aufgrund ihrer krampflösenden Eigenschaften bei Blähungen Linderung verschaffen können. Der verdauungsfördernde und entkrampfend wirkende Salbei lässt sich ebenfalls bei Blähungen und Völlegefühl anwenden. Wem dagegen krampfartige Beschwerden des Magen-Darm-Traktes zu schaffen machen, kann auf die Pflanzenkraft von Schöllkraut setzen.

Gut für die Leber: Mariendistel

Die Mariendistel findet vorrangig bei Leberleiden Verwendung. Der enthaltene Inhaltsstoff Silymarin ist dabei ein wahres Multitalent: Unter anderem schützt er die Leberzellen vor toxischen Substanzen, fördert die Regeneration der Zellen und wirkt zudem als Radikalfänger (Radikale sind hochreaktive Sauerstoffteilchen, die im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer stehen). Mariendistel ist sowohl als vorbeugender Leberschutz als auch bei Verdauungsbeschwerden (lindert beispielsweise Magenkrämpfe) geeignet.

Was tun bei Übelkeit und Erbrechen?

Schwer verdauliches Essen, Überempfindlichkeit auf Reisen, Schwangerschaft… – für Übelkeit und Brechreiz gibt es viele Ursachen. Als Behandlungsmethoden bieten sich neben Schonkost und Entspannung auch pflanzliche Mittel an:

  • Besonders bewährt hat sich Ingwer. Sein Wurzelstock hat eine antiemetische Wirkung, sprich, er lindert die genannten Beschwerden und kann auch vorbeugend gegen Übelkeit sowie Erbrechen angewandt werden. Neben diesen beiden Symptomen ist das Lebensmittel auch bei Völlegefühl und Blähungen behilflich.
  • Darüber hinaus ist die Pfefferminze ein gefragtes Hausmittel. Als Tee zubereitet und schluckweise warm getrunken, entfaltet sich ein brechreizlindernder Effekt.
  • Weitere Kräuter bei Übelkeit und Erbrechen: Kamille und Melisse beruhigen den Magen und lindern die Beschwerden.

Welche natürlichen Helfer gibt es bei Durchfall?

Bei einem dünnflüssigen Stuhlgang und mehr als drei Stuhlentleerungen pro Tag, leidet man womöglich an Durchfall – auch Diarrhö genannt. In der Folge kommt es zu einem hohen Flüssigkeitsverlust, der den Körper relativ schnell schwächt. Betroffene sollten daher ausreichend Wasser oder Tee trinken. Ein gutes Stichwort, denn Schwarzer Tee kann bei Durchfall helfen – nicht nur, was den Flüssigkeitshaushalt angeht. Denn: Schwarzer Tee enthält Gerbstoffe, die einen zusammenziehenden Effekt auf die Darmschleimhaut haben. Schwarztee eignet sich daher zur kurzzeitigen Behandlung von Durchfall.

Ein weniger bekanntes Hausmittel sind Heidelbeeren: In den getrockneten Beeren finden sich Gerbstoffe, die durchfallhemmend und stopfend wirken. Des Weiteren sind Kamille, Pfefferminze und Salbei bei Durchfall wirksam.

Durchfall oder Verstopfung? Egal, Hauptsache Flohsamen!

Wer Flohsamen bei Durchfall einsetzt, erreicht damit unter anderem eine Bindung der überschüssigen Flüssigkeit. In der Folge wird der Stuhl dicker und die Darmpassage verlangsamt.

Bei Verstopfung wirken die Samen dagegen regulierend auf die Darmbewegung. Kommen sie in Kontakt mit Flüssigkeit, quellen sie auf und entwickeln außerdem natürliche Schleimstoffe für eine bessere Gleitfähigkeit des Darminhalts. Ein schöner Nebeneffekt: Dank ihrer schleimhautschützenden, bakterien- und giftbindenden Eigenschaften sorgen sie für eine Sanierung der Darmflora (Gesamtheit der Mikroorganismen).

Verstopfung: Welche Heilpflanze bringt neuen Schwung für den trägen Darm?

Anders als bei Durchfall geht die Stuhlentleerung bei einer Verstopfung (Obstipation) nur mühsam oder gar nicht vonstatten. Ein Tipp bei akuter Verstopfung: Leinsamen fungieren als natürliches Abführmittel. An ihrer festen Schale haften Schleimstoffe, die stark aufquellen, wenn sie mit Flüssigkeit in Berührung kommen. Zudem weisen sie einen hohen Anteil an Ballaststoffen auf. In beiden Fällen sorgen Leinsamen für einen verbesserten Stuhlgang, indem sie das Stuhlvolumen vergrößern und so die Darmperistaltik (Darmbewegung) anregen.

Aha!

Einer Verstopfung können Betroffene mit ausreichender Bewegung und ballaststoffreicher Ernährung (zum Beispiel Getreide, Hülsenfrüchten und Obst) vorbeugen. Wer reine Ballaststoffe wie Lein- oder Flohsamen zu sich nimmt, sollte allerdings auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Der Grund: Die Samen quellen auf, wenn sie mit Flüssigkeit in Berührung kommen und entziehen dem Körper so Flüssigkeit. Um das auszugleichen, empfiehlt es sich, Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken.

Übrigens: Eingeweichte Leinsamen können Sie auch bei Sodbrennen anwenden. Die Schleimstoffe bilden auf der Speiseröhre und im Darm eine Art Schutzschicht vor der aggressiven Magensäure.

Heilpflanzen – die natürliche Therapie bei Magen-Darm-Problemen

Unter Magen-Darm-Beschwerden leiden Menschen bereits seit Jahrhunderten. Und obwohl die medizinische Versorgung damals nicht dem entsprach, wie wir es heute kennen, wussten sich die Betroffenen zu helfen – und zwar mit allem, was die Natur hergab. Ob Salbei, Mariendistel oder Pfefferminze: Heilpflanzen stellen die ursprünglichste Methode dar, um zu heilen.

Im Laufe der Jahrhunderte erweiterte sich dieses Wissen, wurde konkreter und bildete letztlich die Basis für unsere moderne Medizin. Mittlerweile befindet sich die Forschung hinsichtlich Phytotherapeutika (Arzneimittel aus pflanzlichen Bestandteilen) auf einem hohen wissenschaftlichen Stand. Auch wenn noch nicht alle Wirkprinzipien vollständig nachgewiesen werden konnten, bleibt die Heilkraft von Arzneipflanzen doch unbestritten.

Arzneimittel aus der Natur versus aus dem Labor

In der Regel bestehen Phytopharmaka aus mehreren Pflanzenbestandteilen. Auf diese Weise soll einerseits eine gegenseitige Beeinflussung der Substanzen erreicht werden, deren Wirkungen sich im Idealfall verstärken, ergänzen oder modifzieren. Andererseits hat dies den Vorteil, dass aufgrund der verschiedenen Inhaltstoffe unterschiedlichste Beschwerden gleichzeitig angegangen werden können.

Im Unterschied zu Pyhtopharmaka enthalten chemisch-synthetische Arzneimittel meist nur eine Substanz beziehungsweise nur wenig ausgewählte chemische Verbindungen. Aufgrund ihres speziellen Wirkmechanismus können sie gezielter bei spezifischen Beschwerden helfen.

Natürliches Heilen liegt im Trend, oftmals wird bei der Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Das heißt, dass auch die Therapie mit Kräutern ihre Berechtigung hat – sei es als alternativer Ansatz oder als unterstützende Maßnahme bei der Behandlung. Doch entgegen der weitläufigen Meinung, pflanzliche Mittel hätten keine Nebenwirkungen, können auch hier toxische Effekte, allergische Reaktionen oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auftreten. Zu bedenken ist auch, dass nicht jede Arzneipflanze während Schwangerschaft und Stillzeit geeignet ist. Vor der Einnahme eines pflanzlichen Mittels empfiehlt es sich daher, Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker zu halten.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin