Verdauungsprobleme während der Schwangerschaft – was ist typisch?

17. September 2018

Nicht nur Gelüste und Heißhungerattacken treten in der Schwangerschaft auf, sondern auch Verdauungsprobleme. Das beginnt mit morgendlicher Übelkeit und reicht bis zu Verstopfung und Blähungen. Wenn es während der Schwangerschaft im Bauch rumort, machen sich viele Frauen Sorgen. Sind diese begründet?

Verdauungsprobleme und Schwangerschaft – wie hängt das zusammen?

Schwangere isst Erdbeeren: Verdauungsprobleme und Übelkeit sind recht häufige Begleiter während einer Schwangerschaft

In den meisten Fällen sind Verdauungsprobleme während der Schwangerschaft ganz normal. Schließlich kommt es in den rund neun Monaten im Körper der Frau zu umfangreichen Veränderungen: Hormone wie Progesteron sorgen dafür, dass das Baby im Mutterleib ausreichend versorgt wird und bereiten den Körper auf die Geburt vor. Die inneren Organe müssen dem heranwachsenden Baby Platz machen. Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft kann es passieren, dass der Fötus auf den Darm drückt und dadurch den Verdauungsprozess beeinträchtigt.

Typische Verdauungsprobleme im Überblick

Fast jede Frau leidet irgendwann während der Schwangerschaft an Verdauungsproblemen. Welche Beschwerden dabei überwiegen und wie stark sie ausgeprägt sind, ist jedoch von Frau zu Frau verschieden. Manchen ist während der ersten Monate extrem übel, anderen überhaupt nicht. Dafür kämpfen diese vielleicht mehr mit Verstopfung oder Sodbrennen.

Häufigste Verdauungsprobleme während der Schwangerschaft und ihre Ursachen – ein Überblick:

  • Übelkeit: Sie tritt vorwiegend in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten auf, weil in dieser Phase der Spiegel des Hormons HCG (Human Choriongonadotropin) erhöht ist. Das Hormon wird in den Zellen der Plazenta, dem Mutterkuchen, nur in der Schwangerschaft gebildet und sorgt dafür, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt. Auf welche Weise das Hormon einen Brechreiz auslöst, ist bisher noch ungeklärt.
  • Sodbrennen: Aufstoßen, ein brennendes Gefühl in der Speiseröhre und der damit verbundene säuerliche Geschmack im Mund sind Symptome von Sodbrennen, die überwiegend im letzten Schwangerschaftsdrittel auftreten. Hierfür gibt es zwei Ursachen: Zum einen führt das Hormon Progesteron, das während der Schwangerschaft ebenfall erhöht ist, zum Erschlaffen des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen, sodass Magensäure nach oben entweichen kann. Zum anderen erhöht sich in den letzten Monaten der Druck auf die Verdauungsorgane, weil das Baby stark wächst.
  • Verstopfung: Während der gesamten Schwangerschaft haben Frauen ein erhöhtes Risiko für Verstopfung. Grund ist hier ebenfalls der erhöhte Progesteronspiegel, der im gesamten Körper für ein Erschlaffen der Muskulatur sorgt und damit die Darmtätigkeit verlangsamt.
  • Blähungen: Aufgrund der verlangsamten Darmtätigkeit bleibt der Nahrungsbrei länger im Verdauungstrakt, was zu einer erhöhten Gasbildung führen kann.
  • Durchfall: Durchfall hat seine Ursache meistens in einer Infektion. Während der Schwangerschaft kann es sein, dass der Körper sensibler reagiert und schneller zu Durchfall neigt. Dies ist eine Schutzfunktion. Durch den schnellen Abtransport des Darminhalts sollen potenzielle Krankheitserreger herausgespült werden, bevor sie der Mutter oder dem Baby schaden. Viele Frauen haben auch kurz vor dem Einsetzen der Wehen Durchfall, weil die Darmbewegung durch die stärkere Aktivität der Gebärmutter erhört ist.
  • Hämorrhoiden: Hämorrhoiden sind erweiterte Blutgefäßpolster, die sich oberhalb der Schließmuskeln am Darmausgang befinden. Krankhaft werden Hämorrhoiden erst, wenn sie sich vorwölben und Beschwerden auslösen (zum Beispiel drücken oder schmerzen). Während der Schwangerschaft ist das Gewebe aufgrund hormoneller Umstellungen besonders empfindlich und neigt vor allem in Verbindung mit hartem Stuhlgang zu Blutungen. Auch der zunehmende Druck durch die Gebärmutter und das Kind sowie die Weitstellung der Gefäße, die von der Schwangerschaft herrührt, begünstigt die Entstehung von Hämorrhoiden.

Die Verdauungsprobleme in der Schwangerschaft können auch von Magenschmerzen oder Bauchschmerzen begleitet werden. Meist hängen diese mit dem Wachstum des Fötus und der zunehmenden Belastung des Gewebes zusammen. Da es sich aber auch um Symptome für andere Krankheiten handeln kann, empfiehlt es sich bei ausgeprägten Beschwerden, einen Arzt aufzusuchen.

Bei welchen Verdauungsproblemen zum Arzt?

Die meisten Verdauungsprobleme während der Schwangerschaft sind ungefährlich. Problematisch wird es, wenn die werdende Mutter unterversorgt ist, weil sie aufgrund von Völlegefühl oder Sodbrennen zu wenig isst und trinkt oder weil sie zu viele Nährstoffe durch starkes Erbrechen oder Durchfall verliert. Besteht eine solche Gefahr, sollte der Arztbesuch nicht hinausgezögert werden. Aber auch über ganz normale Verdauungsprobleme sollten Schwangere mit dem Arzt oder der Hebamme reden. Vielleicht lassen sich sanfte Behandlungsmöglichkeiten finden, die die Zeit der Schwangerschaft angenehmer machen. Das gleiche gilt, wenn Schwangere durch die Beschwerden verunsichert oder verängstigt sind. Schließlich sollte die Vorfreude auf das Kind im Mittelpunkt stehen.

Was hilft gegen Verdauungsprobleme in der Schwangerschaft?

Bei der Einnahme von Medikamenten ist während der Schwangerschaft Vorsicht geboten. Manche Wirkstoffe können zu Komplikationen führen oder die Entwicklung des Fötus‘ beeinträchtigen.

Es gibt aber einige Tipps, wie sich Verdauungsprobleme reduzieren lassen, ohne Risiken für den Verlauf der Schwangerschaft:

  • Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt sind besser verträglich als drei große Mahlzeiten.
  • Essen Sie in Ruhe und legen Sie sich frühestens eine Stunde nach dem Essen hin.
  • Ballaststoffreiche Kost und viel Flüssigkeit beugen Verstopfung vor.
  • Vermeiden Sie blähende Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Hülsenfrüchte oder Kohl sowie kohlensäurehaltige Getränke.
  • Gehen Sie mindestens eine halbe Stunde pro Tag spazieren oder machen Sie Sport, wie zum Beispiel Schwimmen oder Yoga, um den trägen Darm in Schwung zu bringen. Achten Sie darauf, dass Sie sich bei der sportlichen Betätigung nicht überanstrengen.

Bis zu einem gewissen Punkt gehören Verdauungsprobleme in der Schwangerschaft wohl dazu. Trotzdem können werdende Mütter einiges gegen einen aufgeblähten Bauch, Übelkeit oder Sodbrennen unternehmen und so den Beschwerden entgegenwirken oder sie lindern.

Auch interessant:Bauchschmerzen in der Schwangerschaft >>

Schwanger: Tipps gegen lästiges Sodbrennen >>

Verstopfung in der Schwangerschaft – was tun? >>
Peggy Richter
Redakteur/in