Schöllkraut bei krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden

28. Mai 2019
7 Min.

Wer an krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sowie im Bereich der Gallenwege leidet, kann auf Schöllkraut (Chelidonium majus) setzen. Das Kraut soll sowohl eine beruhigende als auch krampflösende und galletreibende Wirkung auf den Verdauungstrakt besitzen. Die Anwendung der Pflanze ist jedoch nicht ganz unumstritten. Warum das so ist und weitere Informationen zur Pflanze lesen Sie nachstehend.


Auf einen Blick – Wissenswertes zu Schöllkraut

  • Anwendungsgebiet: bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenwege und Magen-Darm-Trakt
  • Inhaltsstoffe: Alkaloide (organische Verbindung), Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), Saponine (stickstoffhaltige Steroide), Carotinoide (gelber Farbstoff), wenig ätherisches Öl
  • Darreichungsformen: Fertigpräparate
  • Botanik: Familie der Mohngewächse; Heimat im subarktischen sowie mediterranen Europa; behaarter Stängel mit unpaarigen Blättern und leuchtend gelben Blüten; orangefarbener Milchsaft

Schöllkraut: Wirkung und Anwendungsgebiete

Schöllkraut zeichnet sich durch vierblättrige, gelbe Blüten aus – und wird bei Krämpfen im Magen-Darm-Trakt oder im Bereich der Gallenwege angewandt.

Schöllkraut weist verschiedene Alkaloide wie Chelidonin auf, die unter anderem spasmolytisch (krampflösend) wirken. Darüber hinaus finden sich in der Pflanze Flavonoide, die zu den Antioxidantien (Radikalfänger) zählen und in der Lage sind, entzündliche Vorgänge im Körper zu reduzieren. Weiterhin sind Saponine, Carotinoide sowie ein wenig ätherisches Öl enthalten.

Aufgrund der Inhaltsstoffe – allen voran Alkaloide und Flavonoide – werden der Pflanze folgende Wirkungen zugesprochen:

  • beruhigend (auf den Verdauungstrakt)
  • krampflösend (auf Darm und Gallenblase)
  • gallenflussfördernd
  • schmerzlindernd
  • antiviral

Schöllkraut ist daher vor allem bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts gefragt. Außerdem wird es angewandt, wenn es um die Anregung des Gallenflusses bei Verdauungsstörungen geht. Die Inhaltsstoffe des Schöllkrauts können zudem die Motilität (Bewegung) von Magen und Darm steigern. Das fördert beispielsweise das Weiterrücken des Nahrungsbreis in Richtung Enddarm.

Schon gewusst?

Bereits in der Antike schätzte man die positiven Eigenschaften des Schöllkrauts (Chelidonium majus), unter anderem wurde der frische Milchsaft zur Behandlung von Warzen verwendet – nicht umsonst hat die Pflanze den Beinamen Warzenkraut erhalten. Auch heute wird sie bei den unliebsamen Hautwucherungen angewandt. Zugute kommt dem Schöllkraut dabei die viruzide Wirkung, also das unschädlich machen von Viren. Bei der Behandlung können Betroffene sowohl Fertigpräparate verwenden oder die frische Pflanze – einfach den Stängel abknicken und den heraustretenden goldgelben Milchsaft direkt auf die Warze streichen. Die Prozedur ist etwa zwei bis vier Wochen durchzuführen, am besten mehrmals täglich.1

Wie wird Chelidonium majus eingenommen?

Arzneilich verwendete Pflanzenbestandteile sind das Kraut selbst und der Wurzelstock. Im weiteren Prozess werden diese unter anderem als

  • Pulver,
  • Trockenextrakt,
  • alkoholisches Extrakt oder
  • homöopathisches Mittel weiterverarbeitet.

Die Fertigzubereitungen erhalten Sie in der Apotheke oder Drogerie.

Von der Behandlung mit reinem Schöllkraut-Tee wird abgeraten.4 Das Kraut ist jedoch Bestandteil vieler Teemischungen zur Linderung von Magen-, Darm- und Gallebeschwerden. Auf diese Weise kann sich die Wirkung des Schöllkrauts einbringen und die Eigenschaften der anderen enthaltenen Heilpflanzen unterstützen. Insbesondere hat sich das Zusammenspiel von Wermut, Pfefferminze und Kümmel bewährt. Auch in pflanzlichen Fertigarzneimitteln findet man das Gewächs in Kombination mit anderen Heilpflanzen. Auf diese Weise wird ein breiteres Wirkspektrum erreicht.

Warum ist Schöllkraut umstritten?

Die Alkaloide im Schöllkraut-Saft sind zytotoxisch, also giftig für Zellen. In einer zu hohen Dosierung kann die Pflanze daher für Menschen – und ihre Leber – gefährlich sein. Auch wenn der Zusammenhang zwischen Leberschäden und Einnahme nicht zweifelsfrei nachweisbar ist, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) reagiert. Im Jahr 2008 wurde die Zulassung von Arzneimitteln mit einer Tagesdosis von mehr als 2,5 Milligramm Gesamtalkaloide widerrufen. Hersteller von Präparaten mit einem Gehalt zwischen 2,5 Mikrogramm und höchstens 2,5 Milligramm Gesamtalkaloide müssen bestimmte Warnhinweise in den Fach- und Gebrauchsinformationen aufnehmen.2

Was Sie bei der Einnahme beachten sollten

Für die genaue Dosierung und Anwendungsdauer lesen Sie bitten den jeweiligen Beipackzettel des Produkts beziehungsweise fragen ein Arzt oder Apotheker. Generell sollten Produkte mit Schöllkraut nicht länger als vier Wochen eingenommen werden.3 Bei einer längeren Gabe, ist nach Ablauf des Zeitraums ein Arzt aufzusuchen, um die Leberfunktionswerte zu kontrollieren. Ein Mediziner sollte auch dann konsultiert werden, wenn es während der Einnahme zu Anzeichen eines Leberschadens kommt. Darunter fallen eine Gelbfärbung der Haut oder Augen, Schmerzen im Oberbauch oder Übelkeit. Die Anwendung muss dann umgehend abgebrochen werden.

Wer darf Schöllkraut nicht einnehmen?

Bei Lebererkrankungen – bestehenden oder ehemaligen – darf Schöllkraut nicht angewandt werden. Gleiches gilt bei der Einnahme von Präparaten mit leberschädigenden Eigenschaften, beispielsweise bestimmte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Paracetamol.

Personen, die an Gallensteinleiden, einem Verschluss der Gallenwege oder Lebererkrankungen leiden, sollten auf Mittel mit Schöllkraut verzichten. Darüber hinaus wird auch Schwangeren, Stillenden sowie Kindern unter 12 Jahren von der Verwendung abgeraten.3 Bei Unsicherheiten fragen Sie am besten Ihren Arzt oder Apotheker.

Wissenswertes zu Botanik und Anbau

Schöllkraut gehört der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) an. Charakteristisch für diese Gruppe ist eine ein- bis mehrjährige oder ausdauernde krautige Pflanze, seltener sind Sträucher oder Bäume anzutreffen. Im Fall des Schöllkrauts handelt es sich um eine ausdauernde Pflanze, die eine etwa fingerdicke Wurzel aufweist. Von dort verzweigt sich ein leicht behaarter Stängel, dem ebenfalls behaarte bläulich-grüne Blätter entwachsen. Ganz obenauf sitzen vier leuchtend gold-gelbe Kronblätter. Blütezeit ist von März/April bis in den Oktober hinein – vorrangig blüht Schöllkraut jedoch in den Monaten Mai bis Juni.

Das Schöllkraut ist eine typische Ruderalpflanze, das heißt, sie wächst an Schutt-, Müll- und Hofplätzen, aber auch am Straßenrand oder an Hecken. Man findet sie häufig auch in Mauerritzen, da Ameisen das süß-klebrige Samenanhängsel (Elaiosom) gerne fressen.

Interessant:

Alle Pflanzenteile – auch die Wurzel – enthalten den gelben Milchsaft, der sich auch zum Färben von Wolle und Leder eignet. Aber Vorsicht: Der Saft schmeckt scharf und wirkt auf die Haut ätzend.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin