Das Magengeschwür: Ein unterschätztes Leiden?

Das Magengeschwür (auch Magenulkus oder Ulcus ventriculi genannt) gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Gemeinsam mit dem Zwölffingerdarmgeschwür (Ulkus duodeni) trifft es jährlich etwa 30.000-40.0001 Menschen. Aufgrund der eher unspezifischen Symptome wird die Erkrankung von Betroffenen allerdings oft lange unterschätzt. Dabei kann das Magengeschwür unbehandelt lebensbedrohliche Komplikationen, wie Blutungen oder einen Magendurchbruch, nach sich ziehen.

Aufbau und Funktion der Magenwand

Die Magenwand hat eine Stärke von etwa zwei bis drei Millimetern und ist aus mehreren Schichten aufgebaut. Die äußeren Schichten bestehen aus Muskelfasern, die wellenförmige Bewegungen (Peristaltik) erzeugen und so den Nahrungsbrei durchmischen und in Richtung Dünndarm befördern.

Auf der Innenseite ist der Magen mit einer Schleimhaut (Mukosa und Submukosa) ausgekleidet. Diese ist im Vergleich zur Schleimhaut anderer Organe außergewöhnlich dick und mit einer Vielzahl von Drüsen durchsetzt, die der Absonderung von Magensaft und Magenschleim dienen.

Schon gewusst?

Je nach Art und Menge der aufgenommenen Nahrung, produziert unser Körper täglich etwa zwei bis drei Liter Magensaft2.

Der Magensaft setzt sich einerseits aus Verdauungsenzymen zusammen und andererseits aus Salzsäure (Magensäure), die in erster Linie dazu dient, die in der Nahrung enthaltenen Krankheitserreger unschädlich zu machen. Der Magenschleim erschwert die Anheftung von Keimen an die Schleimhaut und schütz den Magen zusätzlich vor der Einwirkung der aggressiven Säure.  

Magengeschwüre beginnen als Gastritis

Eine Frau mit Magengeschwür hält sich den schmerzenden Bauch

Eine Besonderheit der Magenschleimhaut ist ihre hohe Regenerationsfähigkeit. Kleinere Schäden können normalerweise schnell durch neu gebildete Zellen repariert werden. Wenn jedoch der Schaden zu groß oder der Säurehaushalt im Magen gestört ist, kann sich die Schleimhaut entzünden. Eine solche Magenschleimhautentzündung wird auch als Gastritis bezeichnet.

Die große Problematik im Zusammenhang mit der Magenschleimhautentzündung ist, dass es dafür kein typisches Beschwerdebild gibt. Die damit verbundenen Symptome wie Völlegefühl und Schmerzen im Oberbauch sind sehr unspezifisch und können auch auf zahlreiche andere Erkrankungen hindeuten. Noch schwieriger ist die Lage bei chronischer Gastritis, denn in diesem Fall verspüren die Betroffenen oft nur schwache oder gar keine Beschwerden.  

Wenn die Gastritis nicht erkannt wird und weiter fortschreitet, kann das Gewebe am Ort der dauerhaften Entzündung zerstört werden. Schließlich entsteht in der Schleimhautoberfläche eine Wunde – das Ulcus ventriculi.

Gut zu wissen:

Nicht jede Schleimhautentzündung muss zwangsläufig zur Bildung eines Magengeschwürs führen, aber jedes Magengeschwür hat ursprünglich als Gastritis begonnen.

Die Symptome des Magengeschwürs ähneln stark denen der Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Ähnlich wie bei der Gastritis, lassen sich die Krankheitszeichen auch in diesem Fall nur schwer fassen. Vor allem die bei einem Ulcus ventriculi auftretenden Schmerzen im Oberbauch können von Person zu Person sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. So nehmen beispielsweise ältere Patienten oft nur geringe Schmerzen wahr.  

Wodurch werden Magengeschwüre ausgelöst?

Grundsätzlich ist die Ursache für die Entstehung eines Magengeschwürs ein Ungleichgewicht von Magensäure und dem schützenden Magenschleim. Ein solches Missverhältnis kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Nach dem heutigen Kenntnisstand ist der wichtigste Auslöser eine Infektion durch das Bakterium Helicobacter pylori. Eine wichtige Rolle spielen darüber hinaus auch:

  • Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Zigaretten
  • bestimmte Arzneimittel
  • genetische Veranlagung

Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass Magengeschwüre das Ergebnis eines einzelnen Faktors darstellen. Stattdessen ist es meist eine Kombination aus mehreren Ursachen, die gemeinsam zur Schädigung der Magenschleimhaut und infolgedessen zur Bildung eines Magenulkus führen.

Stadien des Magengeschwürs

Entzündungen in der Magenschleimhaut sind grundsätzlich mit einem Abbau von Gewebe (Atrophie) verbunden. Je nach Schweregrad und Ausdehnung des Gewebeschwundes wird bestimmt, ob es sich um eine einfache Magenschleimhautentzündung, eine Gastritis mit chronischem Verlauf (chronische atrophische Gastritis) oder um ein Magenulkus handelt.

Üblicherweise wird eine Schädigung der Magenschleimhaut ab einem Durchmesser von mehr als fünf Millimetern als Ulcus ventriculi bezeichneti. Eine klar definierte, verbindliche Regel gibt es dafür jedoch nicht. Im frühen Stadium ist das Magengeschwür auf die oberflächlichen Bereiche der Magenwand beschränkt. Im späteren Stadium können auch die Muskelschichten von dem Ulcus betroffen sein. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto tiefer wird die Wunde.

Gefährlich wird es, wenn das Geschwür ein Blutgefäß des Magens verletzt und dadurch eine lebensbedrohliche Blutung auslöst. Im schlimmsten Fall kann ein unbehandeltes Magengeschwür ein „Loch“ in der Magenwand entstehen lassen, das man unter der Bezeichnung Magendurchbruch kennt und bei dem es sich um einen medizinischen Notfall handelt.   

Diagnose und Behandlung

Derartig schwerwiegende Komplikationen lassen sich durch eine rechtzeitig eingeleitete medikamentöse Behandlung sehr gut verhindern. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Betroffene bei Magenbeschwerden nicht abwarten, sondern möglichst bald einen Arzt aufsuchen.

Üblicherweise wird der Arzt zunächst eine Magenspiegelung durchführen und überprüfen, ob eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt. In diesem Fall wird meist eine Therapie mit Antibiotika in Kombination mit säurehemmenden Arzneimitteln durchgeführt.   

Weitere Informationen zum Thema Magengeschwür:

Magengeschwür rechtzeitig erkennen >>

Was sind die Ursachen? >>

Magengeschwür behandeln >>

 

1 Bornemann, R./Gaber, E.: Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Berlin 2013. Abgerufen unter: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/gastritis.pdf?__blob=publicationFile
2 Baer, H. U.: Informationen für Patienten. Magengeschwür und Magenkrebs, Zürich 2008. Abgerufen unter: https://www.baermed.ch/upload/cms/user/MagengeschwrundMagenkrebs.pdf