Was ist Morbus Crohn für eine Krankheit?


Morbus Crohn ist eine chronische, nicht ansteckende sowie unheilbare Erkrankung des Darms, die mit Entzündungsreaktionen innerhalb des Magen-Darm-Traktes einhergeht. Bei den meisten Betroffenen liegt jedoch eine Entzündung des terminalen Ileums – dem letzten Abschnitt des Dünndarms – vor. Einer der Gründe, weshalb Erkrankte oftmals Schmerzen am rechten Unterbauch verspüren.

Abgrenzung zur Colitis ulcerosa

Der wesentliche Unterschied zur Colitis ulcerosa besteht darin, dass bei Patienten mit Morbus Crohn die Schleimhaut des gesamten Magen-Darm-Traktes – von der Speiseröhre bis hin zum After – entzündet sein kann. Zudem gibt es keine kontinuierliche Entzündung wie bei der Colitis ulcerosa. Kranke Bereiche wechseln sich mit gesunden ab.

Ganz konkret ist bei 87 Prozent der Patienten das terminale Ileum von einem entzündlichen Befall betroffen. Darüber hinaus können außerdem die folgenden Körperregionen entzündet sein:

  • Dickdarm (in 68,5 Prozent der Fälle)
  • Mastdarm ( 20,8 Prozent)
  • Magen (6 Prozent)
  • Zwölffingerdarm (4,5 Prozent)
  • Dünndarm (3 Prozent)
  • Speiseröhre (0,5 Prozent)1

Im Übrigen können oberflächliche sowie tiefer gelegenere Schichten der Darmschleimhäute entzündet sein.

Symptome Wie erkennt man eigentlich Morbus Crohn?


Die Entzündung des Magen-Darm-Traktes äußert sich unter anderem an diesen Symptomen:

  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Verdauungsstörungen
  • leichtes Fieber (ab 38,1 Grad Celsius)2
  • Erschöpfungsgefühl
Während eines Schubs leiden Morbus Crohn Patienten oft an Durchfall, Magenkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen

Nicht alle Symptome von Morbus Crohn betreffen zwingend jeden Patienten.Nichtsdestotrotz existieren viele Anzeichen, die quasi alle Betroffenen haben. Dazu gehört Durchfall (Diarrhö): In der Regel leiden Patienten mehrmals am Tag an Diarrhö, die häufig von starken Bauchkrämpfen begleitet wird.

Diese Diarrhö verschwindet jedoch nicht wie bei einem gewöhnlichen Magen-Darm-Infekt nach einigen Tagen. Oftmals hält sie mehrere Wochen an, mit damit einhergehendem Gewichtsverlust und einer grundsätzlichen körperlichen und seelischen Erschöpfung des Kranken.

Aha!

Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa beinhalten Durchfälle, aufgrund von Morbus Crohn, nur äußerst selten Blutbeimengungen.

Wie macht sich Morbus Crohn bemerkbar?


Häufig fängt die Erkrankung mit Symptomen wie leichter Diarrhö und Bauchschmerzen an. Selbstverständlich sind Bauchschmerzen allein noch kein Indiz für Morbus Crohn. Oft ist die Ursache für solche Schmerzen wenig dramatisch und auf Unverträglichkeiten von bestimmten Lebensmitteln oder einen Infekt zurückzuführen – Bauchweh kann viele Ursachen haben.

Gut zu wissen

Anfangs haben Betroffenen oftmals drei- bis sechsmal am Tag einen weichen Stuhlgang. Diese Beschwerde steigert sich schleichend, bis hin zu schweren, immer wiederkehrenden, wässrigen Durchfällen.1

Patienten leiden in sogenannten Schüben an ihrer Erkrankung. Mit anderen Worten: Die Symptome sind nicht immer gleich stark. Experten unterteilen die CED grob in zwei Stadien: In der akuten Phase – wenn es zu Schüben kommt – sind die Symptome heftiger als in Ruhezeiten, in welcher die Magen-Darm-Region zum Beispiel durch die Einnahme von Medikamenten, im Rahmen einer Therapie, nicht oder kaum entzündet ist. In diesem Stadium sind die Patienten oftmals sogar beschwerdefrei.

Denkbare Komplikationen:

  • Abszesse
  • Fissuren
  • Fisteln

Hat man schon mehrere Schübe hinter sich und dauert die Erkrankung bereits mehrere Jahre lang an, kommen manchmal weitere Komplikationen hinzu. Wiederkehrende Entzündungserscheinungen führen zu einer dauerhaften Schädigung der Schleimhäute und der Magenwände. Die Folge können Abszesse (Eiteransammlungen), Fissuren (schmerzhafte Einrisse) oder Fisteln sein. Fisteln sind nicht natürliche, tunnelartige Verbindungen im Körper.

Ursachen Wie entsteht Morbus Crohn?


Mögliche Ursachen der Erkrankung sind:

  • eine genetische Veranlagung
  • ein fehlerhaft arbeitendes Immunsystem
  • der Befall von noch unbekannten Bakterien und Viren
  • ein ungesunder Lebenswandel (Nikotin)
  • eine unausgewogene Ernährung
  • seelische Probleme als Verstärker

Welche Ursachen für die Entstehung verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt. Die Mehrheit der Experten geht jedoch von einem Zusammenspiel aus mehreren Faktoren aus. Dieses führt dazu, dass das Immunsystem heftiger als bei gesunden Personen reagiert. Entzündungen an den Schleimhäuten treten in Erscheinung.

Interessant

Ein mutiertes (verändertes) Gen – NOD2 – liegt bei 20 Prozent der Patienten vor.3 Damit ist eine gewisse Anzahl der Krankheitsfälle erblich bedingt. Zudem zählen Raucher öfter als Nichtraucher zu den Betroffenen.

Wie wird Morbus Crohn diagnostiziert?


Der Diagnostik dienen unter anderem diese Möglichkeiten:

  • Abtasten des Bauches
  • Untersuchung des Darmausgangs
  • Blutabnahme
  • Darmspiegelung

Für eine Diagnose muss der behandelnde Arzt eine Vielzahl von Maßnahmen durchführen, um den Verdacht des chronischen Leidens abzusichern. Das Abtasten des Bauches gehört dazu, denn Schmerzen im rechten, unteren Bauchbereich gelten als Anzeichen für die Erkrankung. Ein weiterer Teil der Diagnostik ist die Untersuchung des Darmausgangs. Es wird beispielsweise danach geschaut, ob bereits eine Analfissur oder Fisteln vorliegen – sie können erste Hinweise geben.

Darüber hinaus nehmen Ärzte dem Patienten zur Diagnose Blut ab, das im Labor analysiert wird. Deuten die Werte beispielweise auf einen Nährstoffmangel und/oder eine Anämie (Blutarmut) hin, können dies weitere Indizien sein.

Ein abschließender Schritt der Diagnostik ist oftmals eine Darmspiegelung – auch Proben der Darmschleimhaut lassen sich dabei entnehmen. Erkennen Fachpersonen bei der Darmspiegelung spezifische Veränderungen – zum Beispiel Fisteln und Fissuren an den Schleimhäuten –, kann ein Mediziner mit relativer Sicherheit die Diagnose Morbus Crohn stellen.

Welcher Arzt bei Morbus Crohn?

Eine gute erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt. Zur Absicherung wird der AllgemeinmedizinerSie vermutlich an einen Gastroenterologen, der ein Experte in Sachen Magen-Darm-Trakt ist, überweisen.

Behandlung Was hilft bei Morbus Crohn?


Folgendes kommt infrage:

  • Medikamente
  • homöopathische Mittel
  • Schüßler-Salze
  • Operationen
  • gesunde Ernährung

Ziel der Behandlung ist es, den nächsten Schub so lange wie möglich hinauszuzögern. Dies trägt zu einer höheren Lebensqualität der Erkrankten bei, da die schubfreie Phase von Morbus Crohn nicht durch schmerzhafte Durchfälle, Erschöpfung und Gewichtsverlust gekennzeichnet ist.

Ist eine Operation immer nötig?

Nein. An dieser Stelle muss differenziert werden. Denn auch durch eine Operation heilt das Krankheitsbild nicht. Jedoch kann ein Eingriff unerlässlich sein, wenn beispielsweise die Medikamente in der Therapie nicht zu den gewünschten Resultaten führen und weitere Beschwerden auftauchen. Dies ist der Fall, wenn ein Darmverschluss vorliegt oder bereits Fisteln oder Abszesse bestehen. So ist es beispielsweise möglich, operativ eine entstandene Engstelle im Darmbereich zu weiten.

  • Stomatherapeutin im Interview Um den Darm bei Morbus Crohn zu entlasten, kann ein künstlicher Darmausgang – wenn möglich vorübergehend – notwendig sein. Wie sieht die Therapie aus? Ist das Stoma sichtbar? Lässt sich damit Sport treiben? Antworten gibt es im Podcast.

Welche Medikamente bei Morbus Crohn?

In der Therapie von Morbus Crohn wird zwischen zwei Typen von Medikamenten unterschieden: Die einen werden bei einem akuten Schub der Erkrankung im unteren Dünndarm eingesetzt. Die anderen kommen zur Anwendung, wenn der Patient mehr oder weniger beschwerdefrei ist (in der Remission).

  • Steroidhormon: Um zur Remission – also zu einem Nachlassen der Symptome – beizutragen, nutzen Mediziner vor allem Medikamente, die synthetisch hergestellte Steroidhormone enthalten. Diese haben den Vorteil, dass sie Entzündungen eindämmen und zusätzlich dafür sorgen, dass das Immunsystem angemessen und nicht zu intensiv auf den Schub reagiert. Für die langzeitige Therapie eignen sich solche Präparate jedoch nicht. Das liegt daran, dass es zu Nebenwirkungen kommt, die den Körper zusätzlich und dauerhaft schwächen würden.
  • Mesalazin: Das besser verträgliche Mesalazin kommt hingegen sowohl in der akuten als auch in der längerfristigen Behandlung zum Einsatz. Ist der Schub eher moderat ausgeprägt, kann man auf diese Weise auf Steroidhormone verzichten, die Entzündung hemmen sowie zu einer andauernden Ruhephase beitragen.
  • Immunsuppressiva: Ein Grundproblem der Krankheit ist, dass die eigene Immunabwehr nicht optimal arbeitet. Indiz dafür ist die Überreaktion des Immunsystems bei einem akuten Schub der Erkrankung. Deswegen werden Medikamente herangezogen, die diesen Teufelskreis durchbrechen sollen. Entsprechende Arzneien heißen Immunsuppressiva. Sie dienen dazu, die Überreaktion des Immunsystems zu unterdrücken. Diese Medikamente werden innerhalb der Therapie dauerhaft eingesetzt, weil sie Entzündungserscheinungen vorbeugen und die Ruhephasen verlängern können.

Grundsätzlich ist es wichtig, die Form der Behandlung und die Medikation mit dem behandelnden Arzt abzuklären. Denn einen idealtypischen Ansatz für eine Therapie gibt es nicht!

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Es existieren noch weitere Medikamente, die verwendet werden können, mit denen aber auch einige Gefahren verbunden sind. So können TNF-Alpha-Antikörper für die akute Phase bedeutsam sein, da sie Entzündungsreaktionen hemmen. Wenn man jedoch zuvor an Tuberkulose erkrankt war, darf man diese Präparate nicht einnehmen, da die Tuberkulose erneut ausgelöst werden kann.

Homöopathische Mittel und Schüßler-Salze

Die Homöopathie kann die medikamentöse Therapie von Morbus Crohn ergänzen, nicht jedoch ersetzen. Die Wirkung von homöopathischen Mitteln ist wissenschaftlich nicht belegt. Dennoch sollte vor der Einnahme ein Arzt um Rat gefragt werden, um mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden.

Die sogenannten Schüßler-Salze sind eine Form von Homöopathie. Schüßler-Salze unterstützen dabei, die Symptome der Krankheit zu lindern und sind zum Beispiel geeignet, den Appetit anzuregen, Entzündungsreaktionen zu hemmen oder Abgeschlagenheit zu bekämpfen.

Ein weiteres homöopathisches Mittel ist Aloe Vera, die Pflanze wird bei dünnem und schleimigem Stuhl mit Blähungen verabreicht. Außerdem werden Präparate auf Basis von Phosphor eingesetzt, die bei Durchfällen und körperlicher Schwäche helfen sollen.

Welche Ernährung bei Morbus Crohn?


Betroffene sollten zur Verbesserung der Symptome allgemein auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung setzen. Zudem haben Menschen mit einer CED oftmals einen erhöhten Bedarf an Eiweiß.4

Unter anderem empfehlen sich für Patienten zwischen 15 und 65 Jahren die folgenden Nährstoffe täglich:

  • Vitamin A: 0,8 bis 1,1 Milligramm (beispielsweise in Leber)
  • β-Carotin: 2,0 bis 4,0 Milligramm (beispielsweise in Karotten und Brokkoli)
  • Vitamin B12: 3,0 Mikrogramm (beispielsweise in Fleisch, Fisch und Milchprodukten)
  • Vitamin K: 60 bis 80 Mikrogramm (beispielsweise in Eiern und grünem Gemüse)
  • Folat: 300 Mikrogramm (beispielsweise in Tomaten und Spinat)
  • Eisen: 10 bis15 Milligramm (beispielsweise in Fleisch und Erbsen)
  • Magnesium: 300 bis 400 Milligramm (beispielsweise in Vollkornprodukten und Kartoffeln)
  • Zink: 7 bis 10 Milligramm (beispielsweise in Hülsenfrüchten)3

Da es Morbus-Crohn-Erkrankten durch die vielen Durchfälle häufig an wichtigen Nährstoffen fehlt – auch Gewichtsverluste können die Folge sein – ist es in der Therapie sinnvoll, frühzeitig mit geeigneten Lebensmitteln gegenzusteuern. Denn nur ein Körper mit ausreichend Energie hat die Kraft, um gegen die Krankheit vorzugehen.

Von einem akuten Krankheitsschub bis hin zur Phase, in der keine Beschwerden in Erscheinung treten, kann die Kost auch stufenhaft aufgebaut werden:

  • Stufe eins: fettfreie, ballaststoffarme und leicht verdauliche Nahrungsmittel
  • Stufe zwei: magere, eiweißreiche und kohlenhydratbetonte Kost
  • Stufe drei: fettarme, ballaststoffarme, eiweißreiche und magere Ernährung
  • Stufe vier: leichte, ballaststoffreiche Vollkost3

Neben der Aufnahme von geeigneten Lebensmitteln, kann es zusätzlich helfen, auf Alkohol und Zigarettenzu verzichten. Auch sollten bei der Ernährung die Ratschläge des behandelnden Arztes, die meist anschließend an die Untersuchung erfolgen, berücksichtigt werden.

Jan Henkel wurde 1980 in Heidelberg geboren. Sein Studium schloss er als Diplom-Volkswirt und mit einem Magister erfolgreich ab. Heute ist er unter anderem als freiberuflicher Texter tätig und widmet sich vorrangig Themen aus dem Gesundheits- und Medizinbereich. Jan Henkel Freiberuflicher Redakteur kanyo® mehr erfahren
Aufgrund ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin kennt Regina Brandt Krankenhäuser auch hinter den Kulissen. Durch ihr Studium der Sprach- und Kommunikationswissenschaften vermischen sich bei kanyo® ihre Kenntnisse in Sachen Online-Redaktion, Medizin und Kommunikation. Regina Lopes Bombinho Brandt Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
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