Lebensmittelunverträglichkeiten: Das müssen Sie wissen

23. Mai 2019
9 Min.
Verschiedene Nahrungsmittel auf einem Tisch – für einige Menschen sind sie aufgrund einer Lebensmittelunverträglichkeit schwer verdaulich.

Mit der Diagnose Lebensmittelunverträglichkeit geht immer eine große Umstellung einher: Lieblingsgerichte müssen vom Speiseplan gestrichen werden und Restaurantbesuche gestalten sich komplizierter. Auf der anderen Seite bedeutet der Befund jedoch auch Klarheit. Endlich steht fest, was hinter den wiederkehrenden Beschwerden wie Durchfall, Bauchkrämpfe oder aber Blähungen steckt. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über die Diagnose Lebensmittelintoleranz, die Behandlung und was Sie selbst tun können.


Lebensmittelunverträglichkeit und Lebensmittelallergie – wo liegt der Unterschied?

Viele Menschen werfen die Begriffe Lebensmittelunverträglichkeit und Lebensmittelallergie in einen Topf. Das ist jedoch so nicht richtig. Der folgende Überblick klärt Sie über die wesentlichen Unterschiede auf:

Lebensmittelallergie


  • Immunsystem reagiert auf Allergene
  • schon kleinere Mengen können heftige Reaktionen hervorrufen
  • tritt in der Regel plötzlich auf
  • kann lebensbedrohlich sein

Lebensmittelintoleranz


  • ohne Beteiligung des Immunsystems
  • teilweise erst bei größeren Mengen Beschwerden
  • Symptome treten allmählich auf
  • meist aufgrund eines Enzymmangels
  • nicht lebensbedrohlich

Lebensmittelallergie

Liegt eine Lebensmittelallergie vor, dann stuft das Immunsystem gewisse Inhaltsstoffe, zum Beispiel Eiweiß, in der Nahrung als Bedrohung ein. Um sich gegen diese zu verteidigen, bildet das körpereigene Abwehrsystem Antikörper, die unter anderem Entzündungsbotenstoffe freisetzen, sobald sie den Fremdstoff erkennen. Das wiederum löst Symptome aus wie:

  • Schwellungen der Schleimhäute (besonders im Magen-Darm-Bereich sowie an Augen, Nase und Bronchien),
  • Durchfall,
  • Magenkrämpfe

bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen wie Atemnot oder Herzstillstand.

Lebensmittelunverträglichkeit

Bei einer Lebensmittelunverträglichkeit (auch Lebensmittelintoleranz genannt) kommt es zu allergieähnlichen Symptomen, allerdings schüttet der Körper dabei keine Antikörper aus – das Immunsystem bleibt also unbeteiligt. Vielmehr ist die Ursache für die Beschwerden, dass der Körper nicht fähig ist, bestimmte Lebensmittel richtig zu verarbeiten, beispielsweise aufgrund mangelnder Enzyme. Darauf reagiert er meist unmittelbar nach dem Essen unter anderem mit:

Gewusst?

Lebensmittelallergien treten oft in Kombination mit anderen Allergien auf. Eine sogenannte Kreuzallergie liegt dann vor, wenn die betroffenen Personen auf mehrere, ähnliche Stoffe (Allergene) reagieren. Menschen, die beispielsweise bereits unter einer Allergie gegen die Pollen von Birken leiden, reagieren oft auch auf Nüsse, Steinobst oder Petersilie. Eine weitere typische Kreuzallergie besteht gegen Krabben, Garnelen und Krebse, wenn jemand gegen Hausstaubmilben allergisch ist.

Wie äußert sich eine Lebensmittelunverträglichkeit?

Die Symptome bei einer Lebensmittelunverträglichkeit können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen. Besonders häufig treten jedoch folgende Beschwerden auf:

  • Haut- und Schleimhautschwellungen
  • Juckreiz
  • eine laufende oder verstopfte Nase
  • Blähungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Magenkrämpfe
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Hautausschläge oder Nesselsucht (Hautausschlag mit Quaddelbildung)

Meist zeigen sich die Symptome einer Lebensmittelintoleranz innerhalb weniger Stunden nach dem Verzehr des Nahrungsmittels, das nicht vertragen wird.

Diese Lebensmittelintoleranzen treten häufig auf

Eine Lebensmittelintoleranz oder Lebensmittelallergie kann gegen sämtliche Nahrungsbestandteile vorliegen. Besonders häufig sind allerdings die folgenden:

Laktoseintoleranz: Das ist eine Lebensmittelunverträglichkeit gegen Milchzucker (Laktose). Liegt diese vor, gelingt es dem Körper aufgrund des fehlenden oder nur gering vorkommenden Enzyms Laktase nicht, milchhaltige Produkte zu verdauen.
Glutenunverträglichkeit: Hierbei ist es Betroffenen nicht möglich, das in vielen Getreidesorten vorhandene Klebereiweiß Gluten zu verarbeiten. Das wiederum kann zu Zöliakie führen – eine chronisch-entzündliche, unheilbare Darmerkrankung.
Histaminintoleranz: Histamin ist ein körpereigener Botenstoff innerhalb der Immunabwehr, kommt aber auch in einigen Lebensmitteln wie zum Beispiel Fisch, Tomaten, verschiedenen Käsesorten sowie Rotwein vor. Liegt eine Lebensmittelunverträglichkeit gegen Histamin vor, dann kann der Körper den Stoff nicht verwerten.
Fructoseunverträglichkeit: Fructose oder auch Fruchtzucker ist ein natürliches Süßungsmittel, das natürlicherweise in Obst und Gemüse vorkommt sowie beliebt zum Süßen von Nahrungsmitteln und Getränken ist. Wer unter einer Fructoseintoleranz leidet, kann wegen eines gestörten Zuckertransports oder eines Enzymmangels (Aldolase B), die Fructose nicht richtig verdauen.
Sorbitintoleranz: Viele Menschen, die auf Fructose empfindlich reagieren, vertragen auch Sorbit nicht. Bei Sorbit handelt es sich um einen Zuckeraustauschstoff, der besonders in Diätprodukten industriell zugesetzt wird.

Lebensmittelallergien treten wiederum häufig gegen Nahrungsbestandteile wie Eier, Nüsse, Sellerie, Senf oder Sojabohnen auf. Daher schreibt die EU-Verordnung seit 2011 vor, dass diese Inhaltsstoffe auf verpackten Lebensmitteln gesondert gekennzeichnet werden müssen.1

Lebensmittelunverträglichkeit oder Lebensmittelallergie – die Diagnose

Eine Lebensmittelunverträglichkeit zu diagnostizieren, ist gar nicht so einfach. Meist werden neben einem Allgemeinmediziner auch Gastroenterologen sowie Allergologen involviert, um die Ursache der Beschwerden herauszufinden. Diese führen verschiedene Tests durch. Beim Verdacht auf Fructose-, Sorbit- oder Laktoseunverträglichkeit wird häufig ein Atemtest veranlasst, während Blutproben und eine Darmspiegelung bei Glutenunverträglichkeit Aufschluss geben können.

Vermutet der Mediziner, dass hinter den Beschwerden keine Lebensmittelunverträglichkeit, sondern eine Lebensmittelallergie steckt, dann kann er einen Allergietest gegen verschiedene Nahrungsmittel veranlassen. In diesem Fall greift der behandelnde Arzt am häufigsten auf den sogenannten Prick-Test zurück. Das geschieht, indem er verschiedene Allergene auf die Haut tropft. An der Stelle des Tropfens wird die Haut dann minimal aufgeritzt, damit das Allergen unter die Haut gelangen kann. Liegt eine Lebensmittelallergie vor, bildet sich danach eine Rötung. Je nachdem wie groß diese ausfällt, gibt sie Aufschluss über die Schwere der Allergie.

Das können Sie selbst tun:

Besteht die Vermutung, dass Sie an einer Lebensmittelintoleranz oder -allergie leiden, ist es wichtig, herauszufinden, welcher Bestandteil Ihrer Ernährung schuld an den Beschwerden ist. Es ist empfehlenswert, ein Ernährungstagebuch zu führen. Darin sollten Sie über mindestens zwei Wochen protokollieren, was Sie essen – einschließlich Gewürzen und Getränken – und wie es Ihnen nach dem Verzehr geht. Dieses Tagebuch kann anschließend auch Ihrem Arzt beim Stellen der Diagnose helfen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Lebensmittelunverträglichkeiten

Eine Heilung von Lebensmittelunverträglichkeiten ist nur in seltenen Fällen möglich und abhängig von der Art der Intoleranz. Gut behandelbar sind aber die verschiedenen Symptome, die infolge der Unverträglichkeit auftreten. Präparate, die das fehlende Enzym für die Verdauung enthalten, können dabei eine geeignete Maßnahme sein. Zum Beispiel sorgen Laktase-Tabletten im Fall einer Laktoseintoleranz dafür, dass Blähungen, Durchfall oder aber Magenkrämpfe nach dem Verzehr der unverträglichen Lebensmittel deutlich milder ausfallen oder gar wegbleiben.

Ansonsten sollten Betroffene auf die Lebensmittel verzichten, die die Beschwerden auslösen. Das gilt auch bei einer Lebensmittelallergie. Fragen Sie dazu in jedem Fall Ihren Arzt um Rat. Das ist auch wichtig, um bei einer Ernährungsumstellung einen Nährstoffmangel zu vermeiden.

Übrigens!

Treten Lebensmittelallergien im Kindesalter auf, kann es gut sein, dass diese wieder abklingen, wenn das Immunsystem und der Verdauungstrakt vollständig ausgebildet sind.

Jessica Rothberg
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Medizinredakteurin und Wirtschaftswissenschaftlerin