Wissenswertes zu Ösophagusvarizen und anderen Erkrankungen der Speiseröhre

Der Speiseröhre obliegt im menschlichen Körper eine wichtige Funktion: In ihr wird die Nahrung vom Rachen zum Magen transportiert. Entsprechend gefährlich kann es werden, wenn dieser Prozess unterbrochen wird oder die Speiseröhre sich mit Herausforderungen – wie einem Speiseröhrenkrampf, Ösophagusvarizen, einer Ösophagusatresie oder Ösophagusdivertikeln – auseinandersetzen muss. Wir erklären Ihnen, was genau unter diesen Begriffen zu verstehen ist und wie Sie am besten mit einer Erkrankung umgehen.

Was genau sind Ösophagusvarizen?

Varizen kommen nicht nur an den Beinen vor.
Unter Ösophagusvarizen sind Krampfadern beziehungsweise erweiterte Venen (Varizen) in der Speiseröhre (Ösophagus) zu verstehen.

Besonders häufig kommen diese Ösophagusvarizen bei Menschen vor, die schon länger an einer Leberzirrhose (Schrumpfleber) leiden: In diesem Fall baut sich das Lebergewebe irreparabel in Narben- und Bindegewebe um. Die chronische Erkrankung der Leber ist zum Beispiel bedingt durch Alkoholmissbrauch oder eine Infektion mit Hepatitis. Bei einer Leberzirrhose verschlechtert sich der Blutstrom, das Blut staut sich vor der Leber zurück. Der Körper reagiert darauf, indem er Umgehungskreisläufe einrichtet, die das Blut an der Leber vorbeiführen. Das Problem: Andere Blutgefäße (wie die Venen im Bereich der Speiseröhrenwand) haben nun eine größere Blutmenge zu stemmen – sind auf eine derartige Belastung aber nicht ausgelegt. Es bilden sich Krampfadern (Ösophagusvarizen).

Reißen die Blutgefäße in der Folge ein und beginnen sie zu bluten, stellt das eine lebensbedrohliche Komplikation im Krankheitsverlauf dar: Die Venen in der Speiseröhre haben sich so sehr ausgedünnt, dass sie aufspringen. Der Patient erbricht daraufhin eine große Menge Blut. Kommt es zu diesem Notfall, müssen die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit medizinisch notversorgt werden. Es gilt, die Blutung zu stillen und Flüssigkeit sowie Blut zuzuführen.

Damit es so weit erst gar nicht kommt, ist die richtige Vorbeugung entscheidend – gerade bei einem bestehenden Leberleiden. Der Arzt kann die Speiseröhre dazu im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie) ausleuchten und feststellen, ob Ösophagusvarizen bestehen. Mithilfe einer vorbeugenden Therapie kann das Platzen der Krampfadern in der Speiseröhre daraufhin gegebenenfalls verhindert werden. Unter anderem kommen Medikamente zum Einsatz, die den Druck in den Krampfadern senken und auf diese Weise die Blutgefäße entlasten.

Ösophagusatresie – wenn sich die Speiseröhre verschließt

Eine Ösophagusatresie ist hingegen nicht auf eine Erkrankung im Magen oder Bauch zurückzuführen, wie das beispielsweise bei Ösophagusvarizen der Fall ist. Bei einer Ösophagusatresie handelt es sich um einen Verschluss der Speiseröhre, den man meist bei Neugeborenen feststellt. Die Speiseröhre hat dann keinen direkten Zugang zum Magen und führt stattdessen in die Luftröhre. Einen erfolgreichen Verdauungsprozess macht das unmöglich.

Zu den ersten Anzeichen einer Ösophagusatresie gehören zum Beispiel Husten und vermehrte Speichelbildung beim Neugeborenen. Dies liegt daran, dass der Speichel nicht entsprechend geschluckt werden kann – vielmehr muss er hin und wieder sogar herausgewürgt werden.

Um eine erfolgreiche Behandlung der Ösophagusatresie zu gewährleisten, ist ein operativer Eingriff nicht zu vermeiden. Er stellt sicher, dass die bestehende Fehlbildung korrigiert wird und dem Säugling die Nahrung bald auf konventionellem Wege verabreicht werden kann. Zuvor musste die Ernährung über einen künstlich geschaffenen Magenzugang erfolgen.

Ausstülpungen der Speiseröhre: Ösophagusdivertikel

Ösophagusdivertikel sind Ausstülpungen der Speiseröhrenwand, die überwiegend bei Männern in fortgeschrittenem Alter auftreten. In der Medizin werden zwei übergeordnete Arten von Ösophagusdivertikeln unterschieden:

  • Traktionsdivertikel (echte Divertikel)
  • Pulsionsdivertikel (falsche Divertikel)

Traktionsdivertikel kommen durch Zug an der Speiseröhre von außen zustande. Während ihrer Entwicklung im Mutterleib oder durch eine Erkrankung im späteren Leben haben sich Speiseröhre und Luftröhre der Betroffenen miteinander verbunden; diese Verbindung dehnt die Speiseröhre – ihre Wand verzieht sich nach außen.

Demgegenüber entstehen Pulsionsdivertikel aus einer Kombination aus zwei Faktoren. Ein erhöhter Druck innerhalb der Speiseröhre – der zum Beispiel aus einer Anhäufung von Speisebrei resultiert – fällt zusammen mit einer ohnehin geschwächten Wand der Speiseröhre (zum Beispiel durch eine Unterbrechung zwischen den Speiseröhrenmuskeln). In der Folge entsteht eine Aussackung der Speiseröhrenwand. Abhängig von der genauen Lokalisation des Pulsionsdivertikels unterscheiden Experten zwei Unterarten:

  • Zenker-Divertikel entspringen dem oberen Abschnitt der Speiseröhre
  • epiphrenische Divertikel entstehen im unteren Bereich der Speiseröhre, etwas oberhalb des Zwerchfells

Das Zenker-Divertikel ist die häufigste Ausprägung des Pulsionsdivertikels und zählt zu den sogenannten „falschen Divertikeln“, weil die Ausstülpung hier nicht direkt die Speiseröhre betrifft, sondern vielmehr den Rachen. Es tritt auf, weil sich durch eine Störung des Schluckvorgangs der Druck im Rachen stark erhöht. Zu typischen Symptomen zählen Schluckbeschwerden, Mundgeruch, Würgen und ein Fremdkörpergefühl im Hals.

Zur Behandlung der verschiedenen Ösophagusdivertikel werden unterschiedliche Verfahren angewandt. Zu den gängigsten zählen operative Eingriffe sowie eine Umstellung auf eine gesunde Lebensweise mit dem Verzicht auf zu fettreiches Essen, Alkohol, Nikotin und Süßigkeiten. Nach der Diagnose wird der behandelnde Arzt genau mit Ihnen besprechen, welche Therapieform am besten für Sie geeignet ist.

Das unbekannte Phänomen: der Speiseröhrenkrampf

Der Speiseröhrenkrampf ist bislang noch relativ unerforscht. Zum einen ist die Erkrankung „Speiseröhrenkrampf“ schwer diagnostizierbar und zum anderen zeigen sich meist nur leichte Symptome, die auch durch viele andere Erkrankungen bedingt sein könnten. So zählen zu den Beschwerden eines Speiseröhrenkrampfs

  • Schmerzen hinter dem Brustbein,
  • Brustkrämpfe,
  • Erbrechen,
  • saures Aufstoßen und
  • Schluckbeschwerden.

Behandelt wird ein Speiseröhrenkrampf primär durch Medikamente, um die beschriebenen Leiden zu lindern. Viele Betroffene meiden darüber hinaus bestimmte Lebensmittel, die ihrer Meinung nach die Beschwerden hervorrufen oder verstärken –ein Zusammenhang, der medizinisch noch nicht abschließend geklärt ist. Den Konsum dieser Lebensmittel zu vermeiden, kann somit aber dennoch ein probates Mittel sein, um einem Speiseröhrenkrampf vorzubeugen.

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