Was sind psychosomatische Bauchschmerzen?

27. Mai 2019
10 Min.

Oft bestimmt Hektik den Arbeits- oder Schulalltag und auch die Freizeit vieler Menschen ist vollgepackt mit Terminen. Manchmal merken wir es selbst nicht, dass wir uns zu viel zumuten – bis der Körper Alarm schlägt.

Frau hält sich den Bauch und versucht so, ihre psychosomatischen Bauchschmerzen zu lindern.
Psychische Belastungen zeigen sich dann häufig als Beschwerden im sensiblen Magen-Darm-Trakt, gerade Symptome wie Bauchschmerzen entstehen häufig durch Stress. Oft leiden auch schon Kinder darunter. Was sind die Auslöser von psychosomatischen Bauchschmerzen und wie lassen sich die Beschwerden lindern? Das alles erfahren Sie hier.


Im Überblick:

Wieso kann man durch Stress Bauchschmerzen kriegen?

Bei psychosomatischen Beschwerden lösen seelische Konflikte wie Stress, Angst, Trauer, Überforderung und Nervosität körperlichen Schmerz aus.

Doch wie stehen Stress und Bauchschmerzen in Verbindung? Was können Sie selbst dagegen tun? Die Antwort finden Sie im Video:

In unserem Bauchraum gibt es viele Nerven, die untereinander verschaltet sind, man spricht vom enterischen Nervensystem. Dieses kann unabhängig vom Gehirn arbeiten, ist aber über direkte Nervenverbindungen auch mit der obersten Steuerzentrale verbunden. Kopf und Magen-Darm-Trakt tauschen so Informationen aus und stimmen sich ab.

Deswegen machen sich Gefühle manchmal in der Magenregion bemerkbar: Wenn wir uns sehr auf etwas freuen, merken wir das zum Beispiel durch Kribbeln im Bauchraum. Und bei manchen Menschen fühlt sich das Verliebtsein wie Schmetterlinge im Bauch an. Das Gehirn sendet die Impulse als Reaktion über Nerven an den Magen-Darm-Trakt.

Aber warum bekommt man auch vor Aufregung Bauchschmerzen? Die Antwort: Nervliche Anspannung kann diese Körperstelle ebenfalls beeinflussen. Gerade Menschen, die dauerhaft unter Druck stehen, leiden häufig unter Bauchweh durch Aufregung. Doch nicht jeder, der gestresst ist, bekommt auch Bauschmerzen. Höchstwahrscheinlich ist eine genetische Veranlagung für psychosomatische Schmerzen ausschlaggebend. Bei Betroffenen ist außerdem das vegetative Nervensystem sehr aktiv, das für die Steuerung unserer Organtätigkeit zuständig ist. Dadurch wird der Organismus in stressigen Situationen in gesteigerte Alarmbereitschaft versetzt.

Andere psychosomatische Erkrankungen im Bauchraum

Psychosomatische Bauchschmerzen fallen oft mit funktionellen Störungen im Magen-Darm-Trakt zusammen, wie beispielsweise einem Reizdarm oder Reizmagen. Auch bei diesen Krankheitsbildern kann keine organische Ursache gefunden werden. Betroffene haben einen empfindlichen Magen oder Darm und leiden unter wiederkehrenden Verdauungsproblemen wie Übelkeit, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall.

Wie äußern sich psychosomatische Bauchschmerzen?

In erster Linie machen sich psychosomatische Magenbeschwerden durch diffuse Schmerzen im Bauchbereich bemerkbar. Sie können sowohl im Oberbauch als auch im Unterbauch auftreten. Mit einer näheren Beschreibung der Symptomatik tun sich die Patienten oft schwer. Neben diesen unspezifischen Symptomen können auch folgende Beschwerden auftreten:

Wenn der Arzt den Bauch abtastet, fühlt sich der Oberbauch häufig hart an. Manchmal lösen die stressbedingten Bauchschmerzen auch eine Zunahme der Darmbewegungen aus, was unter anderem zu Durchfall führen kann.

Wenn die Psyche von Kindern Bauchschmerzen verursacht

Sehr häufig schlagen sich Ärger, Aufregung und Co. bei Kindern in Form von Bauchschmerzen nieder. Manchmal ist der Leistungsdruck schon in der Grundschule so groß, dass Versagensängste ausgelöst werden. Auch wenn Mitschüler ein Kind mobben oder ausgrenzen, kann sich das bei den Opfern unter anderem durch Bauchschmerzen bemerkbar machen. Neben der Schule haben viele Jugendliche zudem im privaten Umfeld Stress. Zum Beispiel kann ein intensives Freizeitprogramm mit Musikunterricht und Sportverein das Kind überfordern. Außerdem belasten familiäre Konflikte wie Streit oder die Scheidung der Eltern eine Kinderseele enorm. Psychosomatische Bauchschmerzen kommen selten allein. Meist gesellen sich noch andere Symptome dazu.

Begleiterscheinungen von psychosomatischen Bauchschmerzen bei Kindern sind:

  • Verhaltensänderungen (aggressiv, zurückgezogen)
  • Konzentrationsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Essstörungen (beispielsweise Appetitlosigkeit)
Auch Stress, Angst oder Trauer können Bauchschmerzen auslösen

Achten Sie als Elternteil darauf, wann Ihr Sprössling über Bauchweh klagt. Treten die Schmerzen gehäuft vor der Schule auf, deutet das möglicherweise darauf hin, dass die Probleme psychisch bedingt sind. Belastende Umstände, die oft nicht einmal bewusst wahrgenommen werden, können sich auch bei einem Kind als Magenschmerzen äußern.

Was tun gegen Bauchschmerzen durch Angst oder Stress bei Kindern?

Reden Sie mit Ihrem Kind und versuchen Sie so, dem Auslöser für seine Ängste auf den Grund zu gehen. Genau wie bei Erwachsenen sollte psychosomatisches Bauchweh bei Kindern schnell behandelt werden, um zu verhindern, dass daraus chronische Schmerzen entstehen.

Zur Abklärung sollten Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen, so kann ausgeschlossen werden, dass es sich um Erkrankungen wie zum Beispiel eine Blinddarmentzündung handelt. Haben die Bauchschmerzen eine psychische Ursache, empfiehlt sich der Gang zum Kinderpsychologen. Dieser erörtert zusammen mit dem kleinen Patienten die Stressauslöser und gibt Tipps, wie das Kind diese eindämmen kann.

Psychosomatische Bauchschmerzen: Was hilft?

Bei psychosomatischen Bauchschmerzen kann ein Arztbesuch helfen. Zunächst schließt der Mediziner aus, dass eine körperliche Erkrankung vorliegt. Die darauffolgende Therapie basiert auf zwei Säulen: Einerseits sollen die körperlichen Beschwerden gelindert und andererseits die Ursachen behoben werden. Mithilfe von Medikamenten werden die Schmerzen erträglicher, damit der Körper nicht ständig unter Anspannung steht. Welche Medikamente helfen, entscheidet der Arzt je nach Intensität und Dauer der Beschwerden.

In einer Psychotherapie erarbeiten Sie mit einem Therapeuten, woher die Schmerzen kommen. Zum Beispiel können Sie Strategien erlernen, um besser mit Stress, Angst und Belastungen umzugehen. Nehmen Sie sich dabei die Zeit, die Sie brauchen – Verhaltensweisen, die sich über Monate oder Jahre hinweg eingeschlichen haben, lassen sich nicht von jetzt auf gleich ändern. Ein einfühlsamer Psychotherapeut wird Ihnen auf diesem Weg mit Rat und Verständnis zur Seite stehen.

Die Behandlung des Symptoms ist meist langwierig, aber äußerst wichtig, um zu verhindern, dass es dauerhaft bestehen bleibt. Denn halten die Schmerzen länger als drei Monate lang an oder tauchen sie immer wieder auf, gelten sie als chronische Schmerzen.1

Bei psychosomatischen Bauchschmerzen ist das Ziel der Therapie, das Symptom und seine Begleiterscheinungen zu lindern und den Betroffenen ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Außerdem soll vermieden werden, dass psychische Folgeerkrankungen hinzukommen. Denn gerade anhaltende Schmerzen können bei einigen Patienten die Entstehung von Angststörungen oder Depressionen fördern.

Was kann ich selbst tun bei Aufregung und Bauchschmerzen?

Wenn die Ursache für das Problem darin liegt, dass Sie ständig aufgeregt sind oder Angst haben, können Sie selbst einige Maßnahmen ergreifen, um das Stresslevel zu senken:

  1. Achten Sie auf mentale Auszeiten: Holen Sie tief Luft und konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung. Reisen Sie nun in Gedanken an einen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen und verbleiben Sie für einige Minuten dort. Das gibt Kraft und setzt neue Energie frei.
  2. Hören Sie ab und zu Musik: Bei vielen Menschen wirkt das Hören von Musik im Alltag entspannend.
  3. Regelmäßige Bewegung senkt den Stresspegel: Ein Spaziergang an der frischen Luft entspannt den ganzen Körper und vor allem das Gehirn, da stressneutralisierende Hormone ausgeschüttet werden (beispielsweise die als „Glückshormone“ bekannten Endorphine).
  4. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann auch dabei helfen, den gestressten Organismus zu entlasten.
  5. Dämmen Sie die Aufregung durch Entspannungsübungen ein: Empfehlenswert sind beispielsweise progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga.

Vielen Menschen hilft es auch, einfach einmal „nein“ zu sagen. Oft halsen wir uns zu viele Aufgaben auf, die wir ohne extremen Stress gar nicht bewältigen können. Daher lieber nach dem Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.

Bauchschmerzen durch Stress: Symptomen vorbeugen

Die Persönlichkeit (beispielsweise eine Neigung zu Unsicherheit) lässt sich natürlich nur wenig beeinflussen, allerdings besteht die Möglichkeit, zur Vorbeugung ein stabiles soziales Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. Freunde und Familie bieten gerade in belastenden Phasen Halt. Des Weiteren hilft eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, genügend Bewegung und bewusster Ernährung dabei, psychosomatischen Bauchschmerzen vorzubeugen.

Eine unsichere, ängstliche Person neigt eher dazu, psychosomatische Bauchschmerzen zu entwickeln, als eine robustere Persönlichkeit.

Julia Hackbarth
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Medizinredakteurin