Blut im Stuhl? Dr. Herbert Muschweck klärt im Interview auf

28. März 2019
10 Min.

Ein Tipp vom Experten: Den Stuhl regelmäßig ansehen. Doch weshalb? Weil Sie so erkennen, ob sich Blut darin befindet. Welche Krankheitsbilder hinter Blut im Stuhl stecken können und wie Betroffene reagieren sollten, darüber haben wir mit Dr. Herbert Muschweck gesprochen.

Dr. Muschweck im Interview zum Thema Blut im Stuhl

Zur Person

Dr. Herbert Muschweck ist passionierter Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Im Jahr 2007 übernahm er am Klinikum Nürnberg den Chefarztposten der Klinik für Gastroenterologie (Teilgebiet der Inneren Medizin, die sich mit dem Magen-Darm-Trakt befasst). An den Ruhestand möchte Dr. Muschweck noch nicht denken. Seit März 2018 ist er nun Chefarzt der Inneren Medizin im Krankenhaus Altdorf bei Nürnberg. Seine Fachabteilung bietet umfangreiche medizinische Leistungen an, unter anderem Magen- und Darmspiegelungen sowie Dickdarmkrebsvorsorgeuntersuchungen.

Herr Dr. Muschweck, warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, sich den Stuhl nach dem Gang auf die Toilette regelmäßig anzusehen?

Es ist von Vorteil, weil sich aus dem Stuhl eine ganze Reihe an Rückschlüssen auf das gesundheitliche Befinden eines Menschen ziehen lassen. Durch ein regelmäßiges Betrachten können Patienten ihrem Arzt Auffälligkeiten schildern. Anhand der Farbe des Kots ist für einen Mediziner etwa ersichtlich, ob jemand Gallenfluss-, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenprobleme hat. So kann es möglicherweise sein, dass eine Person die aufgenommene Nahrung nicht richtig verstoffwechselt und verdaut. Auch die Stuhlkonsistenz spiegelt solche Missstände schon einmal wider.

Was ist ein normaler Stuhl?

Normal ist der Kot in der Regel, wenn er dunkelbraun und von der Zusammensetzung her nicht wässrig, zu fest, mit Fettaugen versehen oder faserig ist.

Blut im Stuhl: Welche Kennzeichen gibt es?

Ganz typisch ist hier der sogenannte Teerstuhl. Dieser ist schwarz und schmierig in seiner Konsistenz und vom Geruch her stechend, penetrant. Auch kann das Blut dunkel, jedoch mit einem roten Unterton sein. Darüber hinaus erscheint Blut in einem roten Schimmer.

Geben die Farbveränderungen einen Hinweis auf die Quelle der Blutung?

Ja. Ist der Stuhl schwarz (Teerstuhl), so deutet das auf Blutungen im oberen Verdauungstrakt – meist im Zwölffingerdarm, dem Magen oder der Speiseröhre – hin. Denn die schwarze Färbung entsteht dadurch, dass das Blut mitverdaut wird. Gründe für dunkelrotes Blut können eine langsame Blutung beziehungsweise Blutpassage und eine Blutungsquelle im mittleren Verdauungstrakt (Dünndarm) sein. Allgemein lässt sich sagen: Je weiter unten – das heißt im Dickdarm (Kolon) – der Ursprung des Blutes sitzt, desto klarer erscheint es in seiner roten Farbe und je stärker die Blutung ist, umso eher ist Blut beim Begutachten des Stuhls ausmachbar.

Lässt sich Blut immer mit dem bloßen Auge im Stuhl erkennen?

Nein, denn Blut ist manchmal auch in geringsten Spuren vorhanden. Daher gibt es sogenannte Farbtests, mit denen sich Stuhlproben untersuchen lassen. Es wird dabei versucht, den roten Blutfarbstoff durch Zugabe von speziellen Lösungsmitteln in eine bläuliche oder andere Farbe umzuwandeln. Kommt es zu einer Farbveränderung, so gilt Blut im Kot als nachgewiesen. Blut, das nicht mit den Augen auszumachen ist, wird im Übrigen okkultes Blut genannt. Ab dem 50. Lebensjahr können gesetzlich Versicherte alle zehn Jahre – im Sinne einer Darmkrebsvorsorge – die Untersuchung auf Blut, das man nicht sieht, kostenlos machen. Wir Gastroenterologen bevorzugen so einen chemischen Farbtest auch schon in jüngeren Jahren.

Normalerweise befindet sich kein Blut im Stuhl.

Genau. Blut im Stuhl ist in jedem Fall eine Abnormität des Körpers. Daher sollte ein Betroffener diese Erscheinung ernst nehmen und mithilfe eines Arztes nachforschen, woher sie stammt. Schuld daran muss nicht immer ein bösartiger Tumor im Magen sein. Auch sind unbedenklichere Ursachen mögliche Auslöser. Die harmloseste ist die Hämorrhoidenblutung.

Herr Dr. Muschweck, geben Sie uns doch bitte noch einen kurzen Überblick der Ursachen, die Blut im Kot verantworten können.

Zum einen Hämorrhoiden und auch Darmkrebs. Zum anderen führen entzündliche Darmerkrankungen wie die Colitis ulcerosa sowie Polypen zu Blutungen.

Was hat es mit den besagten Hämorrhoiden auf sich?

Hämorrhoiden sind ein Blutgefäßgeflecht am Schließmuskel des Afters. Dieses ist sehr gut durchblutet. Wenn dort der Druck permanent steigt, dehnen sich dessen Blutgefäße aus. Die akute Hämorrhoidenblutung kann dann in Erscheinung treten. Zur Druckerhöhung kommt es beispielsweise durch massives Übergewicht, wiederholte Geburten oder überwiegend sitzende Tätigkeiten. Vor einer Behandlung werden Hämorrhoiden in vier Stadien eingeteilt. Im Ersten und Zweiten sind die Hämorrhoiden geringer ausgeprägt. Die Therapiemethode der Wahl ist hier das Ligieren mit Gummibändern. Das bedeutet, dass das Gefäßgeflecht mit einem speziellen Rohr angesaugt und ein Gummiring darübergestülpt wird. Die Folge: Es bildet sich eine Narbenplatte über der Hämorrhoide, sodass sie abfällt. In den beiden späteren Stadien erfolgt eine chirurgische Hämorrhoidenentfernung.

Und Polypen? Stehen sie mit Darmkrebs in Verbindung?

Polypen im Dickdarm sind Zellwucherungen. Sie unterliegen keiner, sonst in der Darmschleimhaut üblichen, Zellregeneration und wachsen uneingeschränkt. Adenome (ein weiteres Wort für Polypen) sind jedoch gutartig – sie streuen nicht. Wichtig: Die Wucherungen haben eine Tendenz zum Entarten. Darmkrebs entsteht zu 96 bis 98 Prozent aus solchen Polypen. Eine Adenomentfernung schränkt daher eine Darmkrebsausbildung ein.

Welche Untersuchungen sind bei der Feststellung von Blut im Stuhl angebracht?

Wir Gastroenterologen bevorzugen die endoskopischen Untersuchungsmethoden. Das sind Untersuchungen, wie die Darmspiegelung (Koloskopie), mit flexiblen Geräten im oberen und unteren Verdauungstrakt. Zum einen können endoskopisch die Schleimhäute vom Mund über den Rachenraum, bis tief in den Zwölffingerdarm hinein begutachtet werden. Zum anderen lässt sich auch der untere Verdauungstrakt untersuchen – das heißt, der ganze Dickdarm bis hin zur Einhöhlung vom Dickdarm in den Dünndarm und dem rechten Unterbauch. Daher können Fachärzte auch das terminale Ileum (letztes Dünndarmstück) betrachten, in dem sich chronisch entzündliche Darmkrankheiten wie die Colitis ulcerosa festsetzen.

Gibt es Bereiche, die endoskopisch nicht untersuchbar sind?

Ja, die gibt es. Nicht endoskopisch einsehbar ist der überwiegende Teil des Dünndarms. Dieser neigt aber nur selten zur Ausbildung von Krebsgeschwüren. Jedoch sind Entzündungen in diesem Bereich möglich, die bluten können. Das Hineingehen mit speziellen, langen Endoskopen in den Dünndarm ist hier eine Möglichkeit der Untersuchung. Eine Kapselendoskopie bietet sich noch mehr an. Dabei wird eine kleine Kamera (-Kapsel) vom Patienten geschluckt. Sie passiert unter anderem den Darm und gibt auswertbare Bilder nach außen ab.

Was sind die besonderen Vorteile von endoskopischen Untersuchungen?

Damit sind Blutungsquellen ausmachbar. Darüber hinaus können diese, direkt während der Untersuchung, entfernt werden. Das bietet sich beispielsweise bei Polypen an. Auch lassen sich endoskopisch Gewebeproben entnehmen, wenn Auffälligkeiten vorhanden sind. Endoskopische Untersuchungen ermöglichen daher die Diagnose von Darmkrebs.

Darmspiegelungen dienen der Darmkrebsvorsorge.

Das ist mittlerweile gut bewiesen. Die zweithäufigste Krebsart lässt sich damit im Wesentlichen einschränken. Aktuell empfiehlt man Menschen ab dem 55. Lebensjahr eine Vorsorgekoloskopie. Auch dann, wenn keine Beschwerden vorhanden sind. Nicht nur um einen Tumor zu entdecken, sondern um eventuell vorhandene Polypen zu entfernen. Im Übrigen hat sich dadurch die Zahl der Darmkrebsneuentstehungen reduziert. Zudem ist die Ausdehnung des Krebsgeschwüres bei dessen Feststellung oftmals geringer als zu früheren Zeiten. Die Heilungschancen stehen damit besser. Damals wurde in der Regel erst reagiert, wenn sich Symptome geäußert haben. Leider sind immer noch zu wenige Patienten dazu bereit, das Angebot der Darmkrebsvorsorge anzunehmen, obwohl die Darmspiegelung einen Vorteil für die Lebensqualität bietet.

Sind endoskopische Untersuchungen schmerzhaft?

Niemand braucht sich vor solchen Untersuchungen zu fürchten. Sie sind nicht schmerzhaft, da zuvor eine Gabe von Schlafmitteln erfolgt – der Patient merkt nichts. Unangenehm ist eher die Vorbereitung. Vor allem bei einer Inspektion des Dickdarms. Dieser muss zur guten Beurteilung seiner Schleimhaut restlos vom Stuhl befreit sein. Dafür ist es erforderlich, Abführmittel einzunehmen.

Ist mit einer endoskopischen Untersuchung ein Klinikaufenthalt verbunden?

Bei über 95 Prozent unserer Patienten führen wir diese Untersuchungen ambulant durch. Selbst dann, wenn dabei zum Beispiel etwas größere Polypen entfernt werden. Nach einer anschließenden Überwachung von zwei bis vier Stunden kann der Untersuchte im Normalfall die Klinik wieder verlassen.

Herzlichen Dank, Herr Dr. Muschweck. Ich ziehe noch ein abschließendes Fazit: Dem Stuhl sollte stets Beachtung geschenkt werden.

Wir Gastroenterologen würden uns weniger Tiefspüler wünschen. Der Stuhl lässt sich in solchen Toiletten nur schwer begutachten. Ratsamer sind Flachspüler im eigenen Bad. Kot gehört unbedingt angeschaut. Er ist ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung des persönlichen Gesundheitszustandes.

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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