Magenschmerzen in der Schwangerschaft: Ein Grund zur Sorge?

28. Juni 2019
8 Min.

Magenschmerzen sind in jeder Lebenslage unangenehm. Während der Schwangerschaft kommt jedoch noch der Gedanke hinzu, dass die Beschwerden vielleicht ein Anzeichen für Komplikationen darstellen. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist der Magendruck unbedenklich und lediglich eine Folge der körperlichen Veränderungen, die durch die Schwangerschaft ausgelöst werden. Er lässt sich zumindest teilweise durch eine Anpassung der Lebensgewohnheiten und pflanzliche Mittel lindern. Das heißt jedoch nicht, dass Sie Magenschmerzen auf die leichte Schulter nehmen sollten, denn sie können – schwanger oder nicht – auch das Symptom einer ernsthaften Erkrankung sein.

Im Überblick: Magenschmerzen in der Schwangerschaft…

  • … werden beispielsweise durch hormonelle Umstellungen und einen erhöhten Druck aufgrund des wachsenden Babys im Bauchraum ausgelöst.
  • … sind möglicherweise die Folge von Sorgen und Ängsten der werdenden Mutter.
  • … sollten bei Unsicherheit vom Mediziner abgeklärt werden.
  • … lassen sich häufig mit Hausmitteln und kleineren Veränderungen in der Ernährung lindern.
  • … deuten in seltenen Fällen auf eine Präeklampsie (früher: Schwangerschaftsvergiftung) hin.


Zu den Themen:

Warum die Schwangerschaft zu Magenschmerzen führen kann

Frau streicht sich über Babybauch wegen Magenschmezen in der Schwangerschaft

Vor allem in der Frühschwangerschaft beginnt der Organismus der werdenden Mutter vermehrt eine Reihe von Hormonen (wie zum Beispiel Progesteron) zu produzieren. Diese sorgen dafür, dass

  • sich die Eizelle einnisten kann,
  • der Fötus Nahrung erhält und
  • Platz zum Wachsen hat.

Die Hormone stellen außerdem eine ausreichend lange Schwangerschaftsdauer sicher, damit dem Baby genügend Zeit zur vollständigen Entwicklung zur Verfügung steht.

Das Problem mit den Hormonen besteht jedoch darin, dass sie nicht isoliert wirken. Veränderungen – wie das durch das Progesteron herbeigeführte Erschlaffen der Muskeln – betreffen auch andere Bereiche des Körpers, die nicht unmittelbar mit der Schwangerschaft zu tun haben. So verlangsamt sich zum Beispiel der Verdauungsvorgang, da die Darmmuskulatur an Spannung verliert. Das kann wiederum folgende Magen-Darm-Beschwerden verursachen:

Mit dem Herannahen der Geburt nehmen außerdem der Fötus und die Gebärmutter (Uterus) immer mehr an Größe zu. Andere Organe im Bauch, wie zum Beispiel der Magen, müssen Platz machen und werden daher leicht verschoben. Dabei kann es passieren, dass die Gebärmutter auf den Magen drückt oder ein Tritt des langsam aktiver werdenden Kindes Schmerzen verursacht.

Weitere Ursachen für Magenleiden

In der Schwangerschaft verändert sich der Körper der Frau fortwährend. Die Gebärmutter wächst und mit ihr dehnen sich die Mutterbänder. Dieser Vorgang wird oft von krampfartigen Bauchschmerzen im Unterleib begleitet, die jedoch auch bis in die Magengegend ausstrahlen können.

Gut zu wissen

Die Mutterbänder sind zwei Muskelbänder, die rechts und links der Gebärmutter liegen und diese in ihrer Position halten sowie stabilisieren.

Darüber hinaus können Magenschmerzen oder Magenkrämpfe insbesondere bei Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, psychische Ursachen haben. Egal, wie viele Ratgeber eine werdende Mutter liest, die Veränderungen am eigenen Körper muss jede Frau selbst erfahren. Daher gehen viele Schwangerschaften mit einem gewissen Maß an Unsicherheit und Ängsten einher, die manchen Betroffenen buchstäblich auf den Magen schlagen. Scheuen Sie sich deswegen nicht, mit Ihrer Hebamme oder dem Frauenarzt über Gedanken, die Sie belasten, zu sprechen. Auch Freunde, Familie und spezielle Mama-Gruppen können mit Rat zur Seite stehen.

Wann Sie mit Magenschmerzen in der Schwangerschaft zum Arzt sollten

Grundsätzlich gilt:

Wenn sich eine Frau Sorgen über den Verlauf der Schwangerschaft oder die Gesundheit des Kindes macht, ist ein Besuch beim Arzt oder bei der Hebamme nie übertrieben. Schließlich wirkt sich der seelische Zustand der Mutter direkt auf das ungeborene Kind aus.

Im Fall von Magenschmerzen kommt hinzu, dass sie nicht zwangsweise mit der Schwangerschaft in Verbindung stehen müssen. Auch andere Krankheiten, zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder ein Reizmagen, machen sich durch Magenkrämpfe bemerkbar.

Da die Organe im Oberbauch sehr nah beieinander liegen, können umliegende Erkrankungen (wie zum Beispiel eine Speiseröhrenentzündung) ebenfalls als Magenschmerzen oder Magenkrämpfe empfunden werden. Daher ist es definitiv sinnvoll, anhaltende Beschwerden durch einen Mediziner abklären zu lassen.

Magenschmerzen in der Schwangerschaft mit Hausmitteln behandeln

Die meisten Magenschmerzen sind zum Glück ungefährlich und gehen bei ausreichend Ruhe von allein wieder weg. Ein Tee kann dabei helfen, den Magen zu beruhigen. Zu empfehlen sind Aufgüsse aus:

Zudem gibt es in der Apotheke pflanzliche Medikamente gegen Magenschmerzen in Form von Tropfen, Kautabletten oder Dragees. Da die Wirkstoffe hier jedoch in höherer Konzentration vorliegen als beim Tee, sollte eine Medikation nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Die richtige Ernährung

Um Schmerzen in der Magengegend vorzubeugen, ist es ratsam, während der Schwangerschaft auf leicht verdauliche Kost, wie zum Beispiel Gemüsesuppen, zu setzen. Sehr fettige oder scharfe Speisen sollten Sie dagegen meiden, da diese schwer zu verdauen sind. Zudem empfiehlt es sich für Schwangere, gründlich zu kauen und mehrmals über den Tag verteilt kleinere Mahlzeiten zu essen sowie reichlich Wasser zu trinken (mindestens 1,5 Liter am Tag). Zusätzlich kann ein entspannter Spaziergang an der frischen Luft die Magen-Darm-Tätigkeit anregen und dadurch Magenschmerzen lindern.

Magenkrämpfe als Symptom einer Präeklampsie

Krampfartige Magenschmerzen können auch ein Anzeichen des sogenannten HELLP-Syndroms sein, einer schweren Verlaufsform der Präeklampsie. Die Präeklampsie (früher auch als Schwangerschaftsvergiftung bekannt) tritt häufig in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf.2 Ihre Ursachen sind noch weitgehend ungeklärt.

Gut zu wissen

Die Erkrankung zeichnet sich durch folgende Laborergebnisse aus:

  • H: Hämolysis/Blutzerfall (Auflösung roter Blutkörperchen)
  • EL: Elevated Liver Enzyms/Erhöhte Leberwerte
  • LP: Low Platelet Count/Nachlassende Blutgerinnung

Die Magenkrämpfe gehen oft mit folgenden Leiden einher:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • erhöhter Blutdruck
  • starke Kopfschmerzen
  • Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) an Händen, Füßen und im Gesicht

Leidet eine Schwangere an solchen oder ähnlichen Problemen, sollte sie baldmöglichst einen Facharzt aufsuchen. Eine unbehandelte Präeklampsie kann für Mutter und Kind schwere gesundheitliche Folgen haben. Beispielsweise ist es möglich, dass das ungeborene Kind nur noch ungenügend mit Nährstoffen und Sauerstoff über den Mutterkuchen (Plazenta) versorgt wird und langfristige Beeinträchtigungen davonträgt. Wird die Erkrankung jedoch rechtzeitig erkannt, sind körperliche Schonung und die Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten häufig ausreichend. In schwereren Krankheitsfällen kann der Arzt Hormonpräparate verschreiben, die die Symptome der Präeklampsie bis nach der Geburt des Kindes unterdrücken. Anschließend klingen die Beschwerden in der Regel langsam ab.

Peggy Richter
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