Häufig gestellte Fragen zu Colitis ulcerosa

Gibt es eine spezielle Colitis ulcerosa-Diät?

Nein, für Patienten mit Colitis ulcerosa existiert keine pauschale Kostform, die für alle Betroffenen infrage kommt.

Hat eine vegane Ernährung Einfluss?

Bisher sind keine Studien vorhanden, die einen Vorteil von einer veganen Ernährung gegenüber einer vollwertigen Ernährung mit tierischen Produkten bestätigen.

Ist Alkohol bei Colitis ulcerosa erlaubt?

Es besteht kein grundsätzliches Verbot. Führt der Konsum von Alkohol jedoch zu einer Verstärkung der Beschwerden, sollte darauf besser verzichtet werden.

Hat Kaffee Auswirkungen bei Colitis ulcerosa?

Starker Kaffee regt die Darmbewegung an und ist daher bei Durchfällen keine gute Wahl. Wird Kaffee aber gut vertragen, spricht nichts gegen ein gelegentliches Tässchen.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Colitis ulcerosa?


Die genauen Ursachen der chronischen Darmerkrankung Colitis ulcerosa sind nach wie vor nicht bekannt. Da die Krankheit vor allem in westlichen Industrienationen stark verbreitet ist, wurde lange angenommen, dass neben einer genetischen Veranlagung auch Umweltfaktoren wie die Ernährung eine gewisse Rolle spielen. Vor allem der gestiegene Konsum von raffiniertem Zucker sowie chemisch aufbereiteten Fetten stand im Verdacht, Colitis ulcerosa zu begünstigen.1

Wie die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen DVGS jetzt klarstellt, gibt es bisher jedoch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine spezielle Ernährungsform einen großen Einfluss auf die Entstehung von Colitis ulcerosa hat. Einzig das Stillen von Kindern über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten soll die Wahrscheinlichkeit, an Colitis ulcerosa zu erkranken, um fast ein Viertel senken.2

Noch unklar ist zudem bisher die Rolle der Darmflora. Darunter verstehen Mediziner die Zusammensetzung aller Mikroorganismen, die im Dünn- und Dickdarm leben, und die unter anderem auch durch eine ungesunde Ernährung aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Studien haben festgestellt, dass Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung im Vergleich zu Gesunden eine stark veränderte Darmflora aufweisen. Ob dies eine Ursache für die Darmerkrankungen oder eher Folge der Entzündungen ist, wird derzeit noch erforscht. Ebenso ist die Frage, wie die Darmflora zu beeinflussen ist und ob dadurch positive Effekte auf den Krankheitsverlauf erzielt werden können, Gegenstand vieler Studien.

Aha!

Colitis ulcerosa weist viele Gemeinsamkeiten mit der Krankheit Morbus Crohn auf. Es handelt sich ebenfalls um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die in Schüben verläuft und durch wiederkehrende Durchfälle, Krämpfe und Übelkeit gekennzeichnet ist. Allerdings beschränkt sich die Entzündung bei Colitis ulcerosa vor allem auf den Dickdarm, während bei Morbus Crohn die Schleimhaut des gesamten Magen-Darm-Traktes betroffen sein kann.

Gefahr eines Nährstoffmangels und mögliche Folgen


In Bezug auf den Krankheitsverlauf spielt die Ernährung bei Colitis ulcerosa eine wichtige Rolle. Denn gerade in Akutphasen drohen Mangelernährung und Gewichtsverlust infolge von:

  • ständigen blutig-schleimigen Durchfällen oder Erbrechen
  • Appetitlosigkeit durch Angst vor erneuten Beschwerden
  • erhöhtem Bedarf an Nährstoffen durch entzündliche Prozesse
  • eingeschränkter Dünndarmfunktion
  • Einnahme von Medikamenten

Aus diesem Grund sind die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter pro Tag) sowie eine ausgewogene Ernährung, die sich während der beschwerdefreien Phasen nach der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entwickelten „leichten Vollkost“ richten sollte, von großer Bedeutung.3, 4 Denn dadurch lassen sich Allgemeinzustand und Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und eine medikamentöse Behandlung unterstützen.

Gut zu wissen:
Je nach Zustand des Patienten und Schwere der Erkrankung kann die Versorgung mit wichtigen Mineralstoffen auch durch Supplemente, Trinknahrung oder einer künstlichen Ernährung gewährleistet werden – insbesondere, wenn bereits Zeichen einer Mangelernährung vorhanden sind oder das Risiko von starken Defiziten besteht. Eine generelle Substitution von Vitaminen oder Mineralstoffen mittels Nahrungsergänzungsmitteln wird jedoch als nicht sinnvoll erachtet.2

Quick-Check: Wichtige Nährstoffe für CED-Patienten


Für Menschen mit Colitis ulcerosa ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung wichtig. Vor allem der Bedarf an Eiweiß ist bei ihnen oftmals erhöht, weshalb der Nährstoff in ausreichendem Maß zugeführt werden sollte. Eiweiß ist in tierischen Produkten wie Fleisch oder Milch, aber auch in pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide oder Hülsenfrüchten enthalten.

Weitere wichtige Nährstoffe sind:5, 6, 7

Scroll Table
NährstoffZufuhr pro Tag*Lieferanten
Magnesium300 bis 400 mgVollkorn- oder Milchprodukte
Eisen10 bis 15 mgFleisch, Wurstwaren, grünes Gemüse
Zink7 bis 16 mKäse, Kürbiskerne
Vitamin A0,8 bis 1,1 mgLeber
β-Carotin2,0 bis 4,0 mgtiefgelbes, orangefarbenes Gemüse (Karotten)
Vitamin B124,0 µgLeber, Fleisch, Sauerkraut
Vitamin K60 bis 80 µggrünes Gemüse, Obst
Folat300 µgTomaten, Spinat, Kohlsorten

* Die empfohlene Zufuhr pro Tag gilt für Jugendliche und Erwachsene im Alter von 15 bis 65 Jahren (nicht spezifisch für CED-Patienten).

Interview mit Eva, einer CED-Betroffenen: Interview mit Eva, einer CED-Betroffenen: CED-Betroffene Eva

Allgemeine Ernährungstipps bei Colitis ulcerosa


Colitis ulcerosa-Patientin führt ein Ernährungstagebuch, um herauszufinden, welche Lebensmittel sie schlecht verträgt.

Colitis ulcerosa-Patienten bekommen in der Regel von ihrem Arzt gesagt, dass sie grundsätzlich alles essen dürfen, was ihnen schmeckt – spezielle Diäten oder allgemeine Einschränkungen gibt es nicht. Aber auch wenn das erst mal eine gute Nachricht ist, bei Neubetroffenen führt dies möglicherweise zu Unsicherheiten. Denn sie haben oftmals die Erfahrung gemacht, dass vieles, was sie gegessen haben, nicht vertragen wurde.

Gemeint ist mit der Aussage auch nicht, dass Sie bei der Ernährung gar nichts beachten sollten, pauschale Vorschriften sind jedoch wenig sinnvoll. Denn jeder Körper reagiert individuell anders, weshalb jeder Patient für sich selbst herausfinden muss, welche Nahrungsmittel ihm eventuell nicht guttun.

Gut beraten sind Colitis ulcerosa Betroffene, wenn sie folgende Tipps beachten:

  • Begeben Sie sich unbedingt in ärztliche Therapie. Mithilfe der richtigen Medikamente wird eine Linderung der Entzündungen bewirkt. Dadurch werden Speisen auch wieder besser vertragen und der Appetit nimmt zu.
  • Führen Sie ein Ernährungstagebuch, um herauszufinden, welche Lebensmittel Ihnen nicht bekommen. Hierbei ist jedoch auch die aktuelle Krankheitsphase zu beachten. Denn zum Beispiel vertragen viele Betroffene während eines Entzündungsschubs keine Milch oder Milchprodukte, in der beschwerdefreien Ruhephase aber schon.9 Zudem können Sie verschiedene Tests auf Unverträglichkeiten bei Ihrem Gastroenterologen durchführen, um zu erfahren, ob womöglich weitere Intoleranzen (beispielsweise gegen Fructose) vorliegen.
  • Arbeiten Sie mit einem Ernährungsberater zusammen. In der Regel erstatten Krankenkassen hier die Kosten.

Hilft die FODMAP-Diät bei Colitis ulcerosa?

Auch wenn Ärzte keine generelle Diät bei Colitis ulcerosa empfehlen, kann sich eine solche in einigen Fällen als hilfreich erweisen. Häufig wird beispielsweise die FODMAP-Diät genannt, die bisher vor allem bei Patienten mit Reizdarmsyndrom positive Effekte erzielte und bei der kurzkettige Kohlenhydrate (beispielsweise enthalten in Weizen, Zwiebeln, Äpfeln) vom Speiseplan gestrichen werden. Eine FODMAP-Diät sollte jedoch individuell angepasst und mit einem Ernährungsexperten abgestimmt werden.

Ernährung in verschiedenen Krankheitsphasen


Scroll Table
akuter Schub
  • Basis-Schonkost
  • Supplemente
  • gegebenenfalls künstliche Ernährung
ausklingender Entzündungsschub
  • Basis-Schonkost
  • Supplemente
  • (Übergang zu) leichter Vollkost
Remission (Ruhephase)
  • ausgewogene, gut verträgliche Ernährung

Ernährung während eines entzündlichen Schubs

Der Darm ist während der akuten Krankheitsphase durch die erhöhte Entzündungsaktivität gestresst und nimmt weniger Nährstoffe auf. Zudem zehren auch Beschwerden wie ständiger Durchfall und Bauchschmerzen an den Kräften. Um den Darm nicht weiter zu belasten, sollten Sie daher während eines Schubs auf eine möglichst fettfreie und ballaststoffarme Kost setzen, die Ihrem Verdauungsorgan guttut, aber gleichzeitig den Bedarf an Kalorien und Nährstoffen sicherstellt.

Beispiele für eine aufbauende Basis-Schonkost:11

  • Getränke: Tees, stilles Wasser
  • Suppen: pürierte Gemüsesuppen (zum Beispiel Karotten- oder Kartoffelsuppe)
  • Gemüse: beispielsweise weich gedünstete oder pürierte Möhren, Zucchini, Kohlrabi oder Brokkoli
  • Obst: Bananen, Obstkompott in kleinen Mengen, „Babykostgläschen“
  • Milchprodukte: Magerquark, Käseaufschnitt (bis 30 % Fett in Trockenmasse), fettarmer Frischkäse
  • Getreide und mehr: Hafer- oder Hirseflockenschleim, Weiß- oder Toastbrot, Nudeln, weißer Reis
  • Fisch/Fleisch/Ei: bevorzugt Rührei (zusammen mit Kartoffeln), gedünsteter Fisch (zum Beispiel Scholle, Seelachs), fettarmes, gekochtes Fleisch (wie Geflügelfleisch ohne Haut)
  • Fett/Öl: Pflanzenöle (beispielsweise Raps- oder Olivenöl), Streichfette in kleinen Mengen

Alkohol (vor allem in hohen Konzentrationen) und säurehaltige Getränke oder starker Kaffee können die Schleimhäute reizen, weshalb sie in Akutphasen besser vermieden werden sollten.

Bei sehr schwerwiegenden Entzündungen, vor allem mit Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, ist manchmal ein Krankenhausaufenthalt erforderlich und eine teilweise oder ausschließliche künstliche Ernährung notwendig. Beispielsweise werden Patienten dann über die Vene mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt.

Wichtig:
Wurde bei Ihnen eine Engstelle im Darm (Stenose) – beispielsweise infolge entzündungsbedingter Vernarbungen der Darmschleimhaut – festgestellt, sollten Sie langfaserige Lebensmittel wie Spargel, Sauerkraut oder Ananas vermeiden. Diese schwer verdaulichen Speisen bergen das Risiko von Problemen bei der Darmpassage.6

Ernährung in beschwerdefreien Zeiten

Während der Remissionsphase steht die Ausgewogenheit der Ernährung im Mittelpunkt. Es können langsam wieder mehr Ballaststoffe (zum Beispiel Beerenobst, Knäckebrot, Haferflocken) in den Speiseplan integriert werden. Auch Rohkost darf langsam wieder eingeführt werden.

Zudem ist es ratsam, das Körpergewicht regelmäßig zu überprüfen. Der Body-Mass-Index (BMI) sollte zwischen 20 und 25 liegen. Ist der BMI unter einem Wert von 20, muss an Gewicht zugenommen werden. Dafür können Speise beispielsweise mit zusätzlichen tierischen (Butter, Sahne) und pflanzlichen Fetten (Avocado, Nüssen) angereichert werden. Bei Fragen zur Gewichtszunahme ist der Arzt der richtige Ansprechpartner.

So berechnen Sie den Body-Mass-Index (BMI):

Der BMI ist ein Richtwert zur Einschätzung, wie weit jemand vom Normalgewicht abweicht. Der Index ergibt sich ganz einfach aus dem Verhältnis des Körpergewichts (in Kilogramm) und der Körpergröße (in Metern) zum Quadrat.

BMI = Gewicht in kg / (Größe in m)2

Helfen Probiotika bei Colitis ulcerosa?


Der menschliche Darm ist von einer Vielzahl an Bakterien besiedelt, die viele nützliche Funktionen haben. Sie unterstützen beispielsweise das Immunsystem und die Schutzmechanismen des Darms. Probiotische Bakterien sind lebendige Mikroorganismen, die sich bei ausreichender Aufnahme positiv auf die Gesundheit auswirken. Sie können über die Nahrung (zum Beispiel Sauermilchprodukte) oder mithilfe bestimmter Präparate zugeführt werden.

Es hat sich gezeigt, dass Probiotika bei der Behandlung und Vorbeugung von Colitis ulcerosa möglicherweise positive Effekte erzielen. Einigen Studien zufolge können vor allem die Bakterien E. coli Nissle Krankheitsrückfälle ebenso gut wie das Standardpräparat 5-Aminosalicylsäure, das oft zum Remissionserhalt verabreicht wird, verhindern.12 Wie bei allen Arzneimitteln kann es jedoch auch bei der Therapie mit Probiotika zu Nebenwirkungen kommen.13 Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie mehr über Probiotika erfahren wollen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Miriam Och Aufgewachsen in einer Familie aus Krankenschwestern und Journalisten, interessierte sich Miriam Och bereits sehr früh für die Themen Medizin und Medien. Nach verschiedenen Praktika im journalistischen Bereich – unter anderem bei der Deutschen Welle in Washington D.C. – absolvierte sie erfolgreich ihr Masterstudium Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seit 2017 arbeitet sie als Medizinredakteurin bei kanyo®, wo sie ihre beiden Leidenschaften optimal miteinander verknüpfen kann. Miriam Och Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen