Erste Hilfe: Was tun bei einer Magenverstimmung?

  • Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich. Erhöhen Sie die tägliche Flüssigkeitszufuhr (aus Nahrung und Getränken) idealerweise auf mindestens drei Liter.1
  • Greifen Sie zu Wasser, Tee und klaren Flüssigkeiten wie Suppenbrühe – zudem empfehlenswert sind fertige Elektrolytlösungen (wässrige Lösung, in der Salze — etwa Natriumchlorid — gelöst sind) aus der Apotheke.
  • Wenn Sie trotz der Magenverstimmung Appetit verspüren, wählen Sie leicht bekömmliche Lebensmittel wie Bananen, geriebene Äpfel, Suppe oder Zwieback.
  • Zögern Sie nicht, bei starken oder anhaltenden Beschwerden einen Allgemeinarzt aufzusuchen.

Magenverstimmung: Symptome und allgemeine Ursachen


„Das Essen liegt mir schwer im Magen.“ oder „Ich habe mir den Magen verdorben.“: Aussagen wie diese umschreiben einen Zustand, in dem unser Verdauungstrakt kurzfristig überfordert ist und sich durch verschiedene Symptome bemerkbar macht. Beispielsweise zählen dazu:

Häufig stecken hinter den Beschwerden eher harmlose Gründe, wie etwa eine sehr üppige Mahlzeit. Auch zu hastiges Essen und ein damit einhergehendes zu kurzes Kauen sorgen für vergleichsweise große Teile der Nahrung im Verdauungstrakt. Die Magensäure kommt mit diesen nicht so gut zurecht, weshalb es länger dauert, das Essen zu verdauen. Ebenso wird durch die schlecht zerkleinerte Mahlzeit die Produktion der Magensäure angeregt. So kann es zu einem Überschuss und in der Folge zu Sodbrennen kommen — also zu einem brennenden Schmerz hinter dem Brustbein, der durch aufsteigende Magensäure verursacht werden kann. Darüber hinaus sind auch Faktoren wie erhöhter Stress im Alltag oder Erkrankungen wie eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder Reizmagen als mögliche Ursachen denkbar.

Gut zu wissen:

In der Regel hält eine Magenverstimmung nur wenige Tage an. Sollten Sie deutlich länger darunter leiden und die Symptome schlimmer werden, ist es empfehlenswert, sich an einen Arzt zu wenden. Als erster Ansprechpartner dient hier der Allgemeinarzt — dieser kann Sie gegebenenfalls an einen Gastroenterologen (Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen) überweisen.

Mehr als eine Magenverstimmung: Fleisch-, Pilz- und Fischvergiftung


Die Verunreinigung oder falsche Lagerung von tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Fisch kann ernsthaft gefährlich werden, wenn sich dort krankmachende Keime niederlassen.

Eine Fleischvergiftung (Botulismus) zum Beispiel, ist eine schwere und ernstzunehmende Krankheit. Ausgelöst wird sie durch Botulinumtoxin. Es gilt als das stärkste aller bekannten Bakteriengifte und wird von der Bakterienart Chlostridium botulinum gebildet. In den meisten Fällen tritt diese Lebensmittelvergiftung im Zusammenhang mit selbstgemachten Fleisch- und Wurstkonserven auf. Doch auch eingemachtes Gemüse kann davon betroffen sein.2

Botulinumtoxin führt unter anderem zu folgenden Symptomen:

Atem- und Herzlähmung können dabei tödlich enden. Um bleibende Schäden zu verhindern, ist die rechtzeitige Einleitung intensivmedizinischer Maßnahmen unumgänglich.

Schon gewusst?

Als Nervengift wird Botulinumtoxin auch bei Schönheits-OPs (besser bekannt als „Botox“) verwendet. In sehr geringen Dosen unter die Haut injiziert, soll es mit seiner lähmenden Wirkung Mimikfalten beseitigen.

Pilzvergiftungen zeichnen sich (zusätzlich zu beispielsweise Übelkeit und Erbrechen) durch Symptome wie Schwindel, Halluzinationen und Atembeschwerden aus. In Mitteleuropa gibt es rund 6.000 Pilzarten, etwa 200 Arten sind für Menschen giftig — einige tödlich. Der gefährlichste Pilz ist der Grüne Knollenblätterpilz. Die meisten der tödlichen Pilzvergiftungen in Deutschland sind ihm zuzuschreiben.3

Im Falle einer Fischvergiftung hängt die Ausprägung der Erkrankung wiederum von der Art des Erregers ab. Eine besonders schwere Fischvergiftung ist die sogenannte Ciguatera-Vergiftung. Verursacher ist ein Gift aus Stoffwechselprodukten von Mikroalgen, das über die Nahrungskette in Fisch aus tropischen Regionen und so auch in den menschlichen Körper gelangen kann. Zu den Symptomen einer Ciguatera-Vergiftung zählen Hautausschläge, Juckreiz, Zittern und starke Kälteüberempfindlichkeit.

Besteht der Verdacht, dass eine der genannten Vergiftungen vorliegt, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Lebensmittelvergiftung oder Magen-Darm-Grippe?


Nicht selten werden Infektionen des Verdauungstrakts mit Lebensmittelvergiftungen gleichgesetzt oder pauschal als „verdorbener Magen“ abgetan. Es gibt jedoch eine Unterscheidung im Übertragungsweg der krankheitsauslösenden Viren und Bakterien:

  • Bei einer Lebensmittelvergiftung werden die Erreger über verunreinigte Nahrung aufgenommen.
  • Im Rahmen eines Magen-Darm-Infekts wird der Erreger von Mensch zu Mensch übertragen, zum Beispiel per Tröpfcheninfektion beim Niesen oder Sprechen, oder beim Anfassen kontaminierter Gegenstände.

Eine Magen-Darm-Infektion gehört zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. Auslöser können sowohl Viren als auch Bakterien sein. Mögliche Symptome wie Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen unterscheiden sich in ihrem Auftreten und in ihrer Intensität nach Erregertyp.

Bakterien oder Viren – als Tatverdächtige kommen alle infrage


Die meisten Lebensmittelvergiftungen entstehen durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel wie Wurst, Fleisch, Eier oder Milchprodukte. Klassisches Beispiel sind Salmonellen, die sich gerne in roheihaltigen Speisen wie Tiramisu oder in rohem Hackfleisch verstecken. Die Übertragung von Campylobacter-Bakterien hingegen erfolgt häufig über Geflügelfleisch oder Rohmilchprodukte.

Anders als Bakterien können sich Viren auf oder in Lebensmitteln nicht vermehren. Virusbedingte Lebensmittelerkrankungen sind daher zumeist auf die Verunreinigung durch menschliche Ausscheidungen (Fäkalien) — sprich mangelnde Hygiene — zurückzuführen. Der Norovirus kann auf diese Weise beispielsweise auch in Tiefkühlprodukte gelangen und weitergetragen werden.

Übersicht möglicher Auslöser von Magen-Darm-Beschwerden:

Scroll Table
Bakterien
  • Bacillus (B.) cereus

  • Campylobacter

  • Clostridium (C.) botulinum

  • Clostridium (C.) perfringens

  • Cronobacter spp.

  • Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC)

  • Listerien

  • Salmonella spp.

  • Staphylococcus (S.) aureus

  • Vibrionen (V.)

  • Yersinia (Y.) enterocolitica
Viren
  • Noroviren

  • Sapoviren

  • Adenoviren

  • Hepatitis A-Virus

  • Hepatitis E-Virus

In seltenen Fällen stecken Würmer und Parasiten hinter Beschwerden des Verdauungstrakts. Hier seien zum Beispiel Giardien und Kryptosporidien genannt. Die Darmparasiten machen sich unter anderem durch Durchfälle und Magenschmerzen bemerkbar und sind bei entsprechendem Verdacht über eine Stuhlprobe nachweisbar.

Ausbrüche und Meldepflicht:

Der Verdacht auf einen Ausbruch entsteht bei Erkrankungen von zwei oder mehr Personen, bei denen Symptome einer Lebensmittelvergiftung nach dem Verzehr derselben Speise aufgetreten sind.4 Daten zu lebensmittelbedingten Ausbrüchen werden von den örtlichen Gesundheits- und Lebensmittelüberwachungsbehörden erfasst und müssen vom Arzt gemäß Infektionsschutzgesetz an das Robert Koch-Institut (RKI) beziehungsweise an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) übermittelt werden.

Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln


Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können sich für Betroffene so anfühlen, als hätten sie eine Magenverstimmung. Auf bestimmte Inhaltsstoffe oder Bestandteile in Lebensmitteln reagiert der menschliche Organismus oftmals mit Symptomen wie:

Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder auch Allergien betreffen häufig laktose-, gluten-, histamin-, fructose- und sorbithaltige Lebensmittel. Bei einer Magenverstimmung ist es sehr schwierig, zweifelsfrei und ohne weitere Untersuchungen auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu schließen. Im Verdachtsfall sollte daher ärztlicher Rat eingeholt werden.

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Behandlung einer Magenverstimmung: Medikamente


Eins vorweg: Spezifische Arzneimittel gegen die Magenverstimmung an sich, gibt es nicht. Jedoch können die einzelnen Symptome medikamentös behandelt werden.

  • Zur Linderung von Bauchschmerzen oder -krämpfen verordnet der Arzt beispielsweise krampflösende Präparate (Spasmolytika).
  • Bei Übelkeit und Erbrechen werden häufig sogenannte Antiemetika eingesetzt. Sie wirken direkt auf das Brechzentrum des Gehirns und lindern so die Beschwerden.
  • Gegen Durchfall helfen beispielsweise Arzneiwirkstoffe wie Loperamid, welche die Darmbewegung hemmen.

Zu beachten ist dabei jedoch, dass das Unterdrücken von Durchfall und Erbrechen die Ausscheidung der Krankheitserreger behindert und somit den Selbstheilungsmechanismus des Körpers einschränkt.

Ab ins Krankenhaus:

In schweren Fällen (mit Beschwerden wie Kreislaufschwäche, Fieber, blutigen Durchfällen oder schweren Magenkrämpfen) kann ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig sein. Dort werden zur Behandlung im Regelfall Flüssigkeit, Elektrolyte und Medikamente über eine Tropfinfusion verabreicht. Zudem ist eine kontinuierliche Überwachung der Herz- und Kreislauffunktion garantiert.

Welche Hausmittel helfen bei einer Magenverstimmung?


Bei der Therapie gilt es in erster Linie viel klare Flüssigkeit (etwa Wasser oder Tee) zu trinken, sowie sich zu schonen und Bettruhe zu halten. Um insbesondere bei starkem Durchfall und Erbrechen einem Mineralstoffmangel vorzubeugen, kann es zudem ratsam sein, sogenannte Elektrolytlösungen (in Wasser gelöste Salze, die helfen, Wasserhaushalt und Flüssigkeitsverteilung im Körper zu unterstützen) aus der Apotheke zu sich zu nehmen. Wer trotz der unangenehmen Symptome einer Magenverstimmung Appetit verspürt, kann probieren, zu leichten Speisen wie Suppe oder Zwieback zu greifen.

Für eine Unterstützung des Körpers mit pflanzlichen Arzneimitteln, können zum Beispiel Präparate mit Pfefferminze, Melisse, Schöllkraut oder Süßholz verwendet werden. Je nach Beschwerdebild gibt es zudem folgende Hausmittel, die Linderung bringen können:

  • Massieren Sie bei Magenkrämpfen den Bereich rund um den Bauchnabel kreisförmig mit Kümmelöl.
  • Nehmen Sie Ingwer zu sich, wenn Sie unter Übelkeit und Erbrechen leiden. Erhältlich ist er nicht nur in der Gemüseabteilung als Knolle, sondern auch in Form von Tee, Bonbons oder Extrakten aus der Apotheke.
  • Trinken Sie bei Durchfall einen frisch zubereiteten Aufguss aus getrockneten Heidelbeeren. Die enthaltenen Gerbstoffe und Pektine helfen die Beschwerden abzuschwächen.

Entgegen der landläufigen Meinung, dass der berühmte „Verdauungsschnaps“ bei einer Magenverstimmung Abhilfe schafft, ist er in diesem Zusammenhang wahrscheinlich eher kontraproduktiv. Es wird vermutet, dass vor allem hochprozentiger Alkohol direkt nach dem Essen die Magenentleerung sogar verlangsamt. Der Alkohol soll sich auf die Nervenbahnen des Magens auswirken, die für seine Muskelbewegungen zuständig sind. Die Reizweiterleitung wird somit also gehemmt, wodurch die Muskelbewegungen verlangsamt werden — möglicherweise trägt dies auch zu einer Verschlimmerung der Symptome bei.5

Welches der hier genannten Hausmittel die beste Wirkung zeigt, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Lassen Sie sich im Zweifel von einem Arzt oder Apotheker beraten.

Vorbeugen ist die beste Medizin


Die wahrscheinlich wichtigste Maßnahme, um die Verbreitung und Übertragung von Keimen abzuwenden und um beispielsweise eine Magenverstimmung zu verhindern, lautet Hygiene. Insbesondere gründliches und regelmäßiges Händewaschen ist bekanntermaßen der effektivste Schutz vor Infektionen. Zu Hause ist das in der Regel vergleichswiese einfach — jedoch sollte auch unterwegs auf eine gründliche Hygiene geachtet werden.

Eine Frau, die altes Hackfleisch verarbeitet, kann leicht eine Lebensmittelvergiftung bekommen.

Treten die Beschwerden häufig nach dem Essen auf, sollten Sie versuchen, etwas weniger üppige Speisen zu sich zu nehmen. Idealerweise verteilen Sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag, um den Verdauungstrakt nicht mit einem Mal zu überlasten. Kauen Sie zudem ausreichend und lange genug, um die Nahrung bereits vor dem Hinunterschlucken entsprechend zu zerkleinern.

Vor einer Lebensmittelvergiftung oder -infektion können Sie sich am besten schützen, wenn Sie unter anderem in der Küche einige grundlegende Hygieneregeln einhalten. Dazu zählen beispielsweise:

  • Handschmuck vor der Zubereitung von Speisen ablegen und Hände gut waschen
  • Fleisch (insbesondere Geflügel) bei der Zubereitung ausreichend lange und gleichmäßig garen
  • Messer und Schneidbrett nach Gebrauch gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen
  • für Fleisch, Fisch und Geflügel ein anderes Schneidbrett und Messer verwenden als für Obst und Gemüse
  • Hände nach Kontakt mit rohen Lebensmitteln gründlich waschen
  • leicht verderbliche Lebensmittel gut gekühlt lagern und zügig aufbrauchen
  • Rohmilch vor dem Trinken abkochen
  • angetaute Tiefkühlprodukte nicht wieder einfrieren
  • Tiefkühlprodukte wie Muscheln vor Verzehr ausreichend erhitzen

Auch bei Reisen in warme und tropische Länder, in denen sich Krankheitserreger aufgrund der hohen Temperaturen oder anderer Hygienebedingungen mitunter intensiver vermehren, schadet etwas mehr Vorsicht bei der Speisenauswahl nicht. Ein besonders kritischer Blick lohnt sich auch hinsichtlich der äußeren Erscheinung und der Menge a Publikum eines Restaurants. Ist das Lokal gut besucht, kann dies zumindest ein Zeichen sein, dass Speisen schnell verbraucht werden und keine langen Lagerungszeiten auftreten. Um die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung zu minimieren, sollten Sie besser Gerichte auswählen, die ausreichend erhitzt und gut durchgegart wurden.

Verdorbener Magen und Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD):

Was schlummert denn da noch in den Tiefen des Kühlschranks? Und könnte ich mir damit den Magen verdorben haben? Wenn die Spurensuche in Richtung von Joghurt und Co. mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum geht — vertrauen Sie auf Ihre Sinne. Geschmack, Geruch und Konsistenz geben zumeist wertvolle Hinweise auf den Zustand des Lebensmittels.

Vor allem bei rohen und leicht verderblichen Speisen wie beispielsweise Hackfleisch, Geflügel und Fisch ist jedoch Vorsicht geboten: Auf ihnen können krankmachende Keime lauern. Das sogenannte Verbrauchsdatum ("Zu verbrauchen bis…") sollte bei diesen Produkten unbedingt eingehalten werden.

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Jana Welsner Zellfunktionen, Organsysteme und Krankheitsbilder – schon lange bevor Jana Welsner ihre Leidenschaft für das Schreiben entdeckte, zog die Funktionsweise des menschlichen Körpers sie in ihren Bann. Nach einer Ausbildung zur Sanitätshelferin und dem Studium des vorklinischen Abschnitts der Humanmedizin entschloss sie sich, Interesse und Leidenschaft zu kombinieren. Seit 2017 arbeitet sie nun bei kanyo® und beschäftigt sich dabei täglich mit dem weiten und spannenden Feld der Gesundheitslehre und Heilkunde. Jana Welsner Medizinredakteurin und Lebensmitteltechnologin kanyo® mehr erfahren
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