Magen verdorben – wenn der Körper protestiert

8. November 2018

Der Bauch grummelt und schmerzt, hinzu kommen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ihr Körper zeigt Ihnen mit allen Mitteln, dass er kämpft und schwer mit Abwehrmaßnahmen beschäftigt ist. Seine kleinen, aber mächtigen Gegner sind Keime, Bakterien, Viren, Giftstoffe oder andere schädliche Substanzen. Die Selbstdiagnose „ich habe mir den Magen verdorben“ ist schnell gestellt und ein Schuldiger ist in den meisten Fällen auch schon gefunden. Hauptverdächtiger ist fast immer die letzte Mahlzeit. Wenn sich der Magen flau und verdorben anfühlt, kommen als mögliche Auslöser aber auch andere Faktoren in Frage.

Magen verdorben oder Magen-Darm-Grippe?

Eine Frau hat sich den Magen verdorben und hält sich die Hand vor den Mund, um sich nicht zu übergeben.

Ursächlich für einen verdorbenen Magen sind in vielen Fällen Magen-Darm-Infektionen. Umgangssprachlich ist oftmals trotzdem von einem „verdorbenen Magen“ oder von einer Magen-Darm-Grippe die Rede.

Magen-Darm-Infektionen, in der Fachsprache Gastroenteritis genannt, gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Auslöser können sowohl Viren als auch Bakterien sein. Mögliche Symptome wie Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen unterscheiden sich in ihrem Auftreten und in ihrer Intensität nach Erregertyp.

Augenmerk auf Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt:
Bei anhaltendem Erbrechen oder Durchfall verliert der Körper schnell Flüssigkeit und Nährstoffe. Die wichtigste Grundregel ist deshalb, viel zu trinken. Gut geeignet sind Wasser und klare Flüssigkeiten, wie Suppenbrühe. Bei sehr starken Beschwerden kann die Gabe von Elektrolytlösungen notwendig sein. Diese enthalten eine genau abgestimmte Mischung aus Mineralsalzen und Zucker. Senioren, Menschen mit geschwächter Immunabwehr, Säuglinge und Kleinkinder sollten zudem zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Häufige Erreger: Als besonders tückischer Bösewicht ist der Norovirus bekannt. Kinder sind häufig von Magen-Darm-Erkrankungen durch Rotaviren betroffen. Bei einer bakteriellen Infektion stecken in vielen Fällen Salmonellen, Campylobacter oder Escherichia coli dahinter. Die Ansteckung kann über klassische Infektionswege von Mensch zu Mensch – fäkal-oral, über Tröpfcheninfektion, durch das Berühren verunreinigter Gegenstände oder über den Verzehr von Lebensmitteln erfolgen.

Erste Hilfe bei Erbrechen, Durchfall und verdorbenen Magen

  • Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich. Idealerweise gelingt es, die tägliche Trinkmenge auf mindestens drei Liter zu erhöhen.
  • Greifen Sie zu Wasser und klaren Flüssigkeiten wie Suppenbrühe – das optimale Mischungsverhältnis an Zucker und Salzen bieten fertige Elektrolytlösungen.
  • Wenn Sie trotz verdorbenen Magens Appetit verspüren, greifen sie zu leichten Lebensmitteln wie einer Banane, Suppe oder Zwieback.
  • Schonen Sie sich und gönnen Sie sich Ruhe.

Harmlosere Magen-Darm-Infektionen klingen bei gesunden Menschen üblicherweise innerhalb von zwei bis drei Tagen ab. Wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind, länger anhalten und sich zum flauen Gefühl des verdorbenen Magens noch andere unangenehme Begleiterscheinungen wie Fieber oder Kopfschmerzen gesellen, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

Lebensmittelvergiftung: Essen schlecht gleich Magen verdorben?

Viren oder Bakterien können über die Nahrung aufgenommen werden und auf diesem Wege eine Magen-Darm-Infektion auslösen. Dann wird Ihr Arzt möglicherweise von einer Lebensmittelvergiftung oder von einer Lebensmittelerkrankung sprechen. Appetit und Magen sind zumindest zeitweise verdorben. Ein Arztbesuch hilft bei Verdacht auf einen bakteriellen Auslöser bei der Aufklärung: Eine Stuhluntersuchung auf Bakterien kann Aufschluss geben, um welchen Erreger es sich genau handelt.

Auch wenn eine Speise unauffällig schmeckt und aussieht, können sich dort unter Umständen Krankheitserreger verstecken. Besonders im Sommer bei warmen Temperaturen vermehren sich bakterielle Erreger schnell. Salmonellen tummeln sich mit Vorliebe in Speisen mit rohem Ei, wie Tiramisu und Mayonnaise. Das sporenbildende Bakterium Bacillus cereus breitet sich gerne auf verzehrfertigen Gerichten aus, die über einen längeren Zeitraum warmgehalten werden. Insbesondere in Kindergärten, Schulen oder Kantinen gelten deshalb in Küchen strenge Hygieneregeln.

Verdorbener Magen und Mindesthaltbarkeitsdatum (MDH):
Was schlummert denn da noch in den Tiefen des Kühlschranks? Und könnte ich mir damit den Magen verdorben haben? Wenn die Spurensuche in Richtung von Joghurt und Co. mit abgelaufenem MDH geht – trauen Sie Ihren Sinnen. Geschmack, Geruch und Konsistenz geben zumeist wertvolle Hinweise auf den Zustand des Lebensmittels. Bei rohen und leicht verderblichen Speisen wie beispielsweise Hackfleisch, Geflügelfleisch und Fisch ist Vorsicht geboten: Auf ihnen können krankmachende Keime lauern. Das sogenannte Verbrauchsdatum ("Zu verbrauchen bis…") sollte bei diesen Produkten unbedingt eingehalten werden.

Mehr als nur den Magen verdorben: Fleisch-, Fisch- und Pilzvergiftung

Die Verunreinigung oder falsche Lagerung von Fleisch und Fisch wird ernsthaft gefährlich, wenn sich dort krankmachende Keime niederlassen, die mit auf dem Tisch landen. Eine Fleischvergiftung (Botulismus) ist eine schwere und ernstzunehmende Lebensmittelvergiftung. Dabei kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Übelkeit
  • starker Durchfall
  • Sehstörungen
  • Lähmungen am ganzen Körper

Atem- und Herzlähmung können dabei tödlich enden. Um bleibende Schäden zu verhindern, ist die rechtzeitige Einleitung intensivmedizinischer Maßnahmen unumgänglich. Ebenso unangenehm wie potentiell lebensgefährlich stellen sich Fischvergiftungen oder Pilzvergiftungen dar. In allen Verdachtsfällen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Botulismus leitet sich vom lateinischen Wort botulus „Wurst“ ab. Auslöser der Fleischvergiftung ist Botulinumtoxin. Es ist das stärkste aller bekannten Bakteriengifte und wird von der Bakterienart Clostridium botulinum gebildet. Als Nervengift wird es auch in der Schönheitsindustrie verwendet. In sehr geringen Dosen unter die Haut injiziert, soll es mit seiner lähmenden Wirkung Mimikfalten beseitigen.

Magen verdorben – durch übermäßiges Essen?

„Das Essen liegt mir schwer im Magen“, „das Essen liegt mir wie ein Stein im Magen“ – „ich habe mir den Magen verdorben“: Eine lange Liste von Redewendungen dreht sich um das Gefühl, welches sonntägliche Schweinshaxen mit Kartoffelknödeln, gefolgt von Bayrisch Creme, nach ihrem Verzehr hinterlassen. Das unangenehme Völlegefühl stammt in diesem Fall schlichtweg vom zu üppigen Mahl und hat nur indirekt mit einem verdorbenen Magen zu tun. Der berühmte „Verdauungsschnaps“ verschafft – entgegen anderslautender Gerüchte – übrigens keine echte Abhilfe. Ebenso wenig Espresso. Wer verdauungsanregende Wirkstoffe sucht, sollte in diesem Fall besser zu Anis- und Kümmelsamen greifen.

Durch Alkohol den Magen verdorben: Alkohol in höheren Mengen ist ungesund und schädlich. Im besseren Fall endet übermäßiger Alkoholkonsum „nur“ mit einem Kater, im schlechteren Fall mit einer Alkoholvergiftung.

Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln

Nahrungsmittelunverträglichkeiten können sich für Betroffene ebenso anfühlen, als hätten sie sich den Magen verdorben. Auf bestimmte Inhaltsstoffe oder Bestandteile in Lebensmitteln reagiert der Organismus oftmals mit ähnlichen Symptomen:

Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder auch Allergien betreffen häufig laktose-, gluten-, histamin-, fructose- und sorbithaltige Lebensmittel. Bei einem verdorbenen Magen allerdings Selbstdiagnosen in Richtung Nahrungsmittelunverträglichkeiten stellen zu wollen, ist wenig erfolgsversprechend. Im Verdachtsfall sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

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