Auf einen Blick – Wissenswertes zu Flohsamen 

Welche Wirkung haben Flohsamen?

Ihre Heilkraft besteht unter anderem in einer abführenden Wirkung bei Verstopfung. Zudem können Flohsamen aber auch zur Darmreinigung angewandt werden und Durchfall lindern, da sie viel Wasser binden.

Welche Inhaltsstoffe stecken in Flohsamen?

Hier sind allen voran Schleimstoffe, fette Öle (vorwiegend Linol-, Öl- und Palmitinsäure), Stärke, Mineralien sowie Vitamine zu nennen.

In welchen Darreichungsformen sind Flohsamen erhältlich?

Von der Heilpflanze kommen sowohl die Samen als auch die Schalen (meist pulverisiert) zur Anwendung. Das pflanzliche Arzneimittel ist in Form von Kapseln, Pulver oder Tabletten erhältlich.

Flohsamen: Das kann die stuhlgangregulierende Heilpflanze


Was ist das Geheimnis, das hinter der gesunden Wirkung von Flohsamen steckt? Ganz einfach: Die Samen (vor allem die Schalen) enthalten bis zu 30 Prozent Schleimstoffe.1 Lässt man die Flohsamen vor der Einnahme in Wasser quellen, nehmen sie an Volumen zu – die Konsistenz lässt sich dann als gelartig, etwas schleimig beschreiben. 

Im Darm bauen die dort ansässigen Bakterien die Quellstoffe nur zu einem geringen Anteil ab. Die Quelleigenschaft bleibt somit im Dickdarm bestehen, was für eine größere Stuhlmasse sorgt. Diese übt schließlich sanften Druck auf die Darmwand aus, wodurch der Stuhlgang angeregt wird. Die enthaltenen Schleimstoffe sind es auch, die den Darminhalt weicher und gleitfähiger machen und so die Darmpassage fördern. Dies kann eine Erleichterung sein für Patienten, die unter schmerzhaftem Stuhlgang leiden, beispielsweise infolge von Hämorrhoiden, Analfissuren (Riss in der Analschleimhaut) oder nach Darm-Operationen. Vor der Einnahme sollten Patienten allerdings Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten. 

Quellzahl – was ist das?

Die Quellzahl gibt den Faktor an, um den sich das Trockenvolumen vergrößert, wenn der Ballaststoff maximal mit Wasser vollgesogen ist. Flohsamenschalen haben mit 40 bis über 100 die höchste Quellzahl aller Füll- beziehungsweise Quellstoffe.2

Dank ihrer stuhlregulierenden Eigenschaft kommen Flohsamen besonders häufig bei Verstopfung (Obstipation) zum Einsatz. Doch die Heilpflanze kann noch mehr, sie

  • bindet überschüssige Flüssigkeit und darmreizende Stoffe (hilfreich bei Durchfall), 
  • reguliert den Säure-Basen-Haushalt (vorbeugend gegen Übersäuerung), 
  • kann die Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm verlangsamen (blutzuckerregulierend), 
  • wirkt leicht antientzündlich (zum Beispiel als warmer Breiumschlag bei oberflächlichen Abszessen oder Furunkeln), 
  • hat eine entgiftende Wirkung, da der Schleim im Dickdarm Toxine aus dem Körper aufnimmt, und 
  • schützt die Schleimhaut (beispielsweise um einer Divertikulitis vorzubeugen oder bei chronischen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Reizdarm).

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Flohsamen ist die Darmreinigung. Vor allem in der Naturheilkunde gilt die Gesamtentleerung des Darms als wichtiger Aspekt, um den Körper zu entgiften und ein eventuelles Ungleichgewicht der im Darm ansässigen „guten“ Bakterien wiederherzustellen. Für die Darmreinigung macht man sich den abführenden Effekt der Flohsamen zu eigen.  

Unterschied zwischen Flohsamen und Flohsamenschalen


Bei Verstopfung und Co. ist es irrelevant, ob Sie auf Flohsamen oder Flohsamenschalen zurückgreifen. Allerdings gelten Flohsamenschalen gegenüber den reinen Flohsamen als verdauungsfördernder. Der Grund: Die reinen Flohsamen enthalten noch den fett- und proteinreichen Kern und weisen eine geringere Quellzahl (zwischen 6 und 9) auf.3 Bei den Flohsamenschalen fehlt hingegen der Kern und es werden nur die Schalen verwendet. Da die Schleimstoffe vor allem in der äußeren Hülle stecken, können die Schalen allein eine stärkere Reaktion herbeiführen. Erhältlich sind Flohsamen wie auch Flohsamenschalen in der Apotheke oder dem Drogeriemarkt. 

Darreichungsformen und Hinweise zur Einnahme von Flohsamen


In Apotheken und Reformhäusern sind unterschiedliche Flohsamen-Produkte erhältlich, beispielsweise als Fertigarzneimittel (zum Teil als Granulat). Die Dosierung entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage, auch Ihr Apotheker oder Arzt steht Ihnen bei Fragen beratend zur Seite. 

Flohsamen und Flohsamenschalen gibt es zudem in geschroteter Form, beispielsweise im Reformhaus. Auf diese Weise kann die Heilpflanze wunderbar in Brot eingebacken, über Obst gestreut oder in Smoothies beziehungsweise Joghurt gemixt werden. Alternativ können Sie die Flohsamen auch in ein Glas Wasser geben und – ohne Vorquellen – trinken. Damit das Mittel seine volle Wirkkraft entfalten kann, empfiehlt es sich, dieses etwa eine halbe Stunde vor der Mahlzeit einzunehmen.4 Täglich dürfen es insgesamt maximal 30 Gramm Flohsamen sein, das entspricht 6 Teelöffeln.5 

Wann setzt die Wirkung der Flohsamen ein?

In der Regel setzt die Wirkung bei Flohsamenschalenpulver nach etwa 24 Stunden ein, in einigen Fällen wirkt es auch erst ein paar Tage später.6

Ein wichtiger Hinweis bei der Anwendung von Flohsamen: Achten Sie auf eineausreichende Flüssigkeitszufuhr! Gut zwei Liter sollten Sie täglich zu sich nehmen, da Flohsamen Wasser binden.7 Nehmen Sie ungenügend Flüssigkeit auf, führt dies mitunter beispielsweise zu Verstopfung. Geeignet ist vor allem Wasser, aber auch Säfte oder Tee können Sie trinken. Auf Milch verzichten Sie hingegen besser, denn das weiße Getränk unterbindet die Quellung.  

Wie Sie Flohsamen bei Verstopfung oder Durchfall einnehmen

Kaltauszug bei Verstopfung

Geben Sie einen halben Teelöffel Flohsamenschalen in 200 Milliliter kaltes Wasser und trinken Sie die Flüssigkeit – ohne Vorquellen – bis zu dreimal täglich.1 Achten Sie aber darauf, diese nicht direkt vor dem Schlafengehen anzuwenden, da es beim Aufquellen der Samen in der Speiseröhre zu einer Behinderung der Atmung kommen kann.

Chronischer Durchfall

Wenn Sie unter Durchfall leiden, rühren Sie 1 gehäuften Teelöffel Flohsamenschalen in ein Glas Wasser und trinken Sie dieses zügig aus. Die Mischung können Sie bis zu dreimal täglich einnehmen.1 Erscheint Ihnen diese Variante wenig attraktiv, können Sie die gleiche Menge an Flohsamenschalen Ihrem Essen beigeben. Auch hier gilt: Nehmen Sie die Flohsamenschalen nicht direkt vor dem Schlafengehen ein.

Welche Nebenwirkungen können Flohsamen haben?


Flohsamen gelten generell als gut verträglich. Lediglich zu Beginn der Behandlung kann es zu Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Bauchkrämpfen kommen, was auf den hohen Anteil an Ballaststoffen zurückzuführen ist. Andere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen (beispielsweise Hautrötungen) sind bei dem pflanzlichen Mittel eher selten.

Aha!

Flohsamen sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit für die Langzeitanwendung geeignet. Trotzdem sollte immer auf eine ausgewogene Ernährung  geachtet werden, um einer Verstopfung vorzubeugen. Aufgrund des ausschließlich mechanischen, und nicht chemischen Wirkmechanismus, ist die Heilpflanze auch für schwangere und stillende Frauen ideal.6,7

Mit weiteren Nebenwirkungen ist in der Regel nicht zu rechnen, vorausgesetzt es wird ausreichend getrunken. Denn bei einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme können die Schleimstoffe nicht genügend aufquellen, was mitunter zu Verstopfung führt. Im schlimmsten Fall verkleben die Schleimstoffe mit der Darmwand und verursachen einen Darmverschluss. Dabei ist der Transport des Darminhalts behindert, was vor allem mit sehr starken, krampfartigen Bauchschmerzen einhergeht und bei Nichtbehandlung einen Darmriss oder eine Sepsis (Blutvergiftung) nach sich ziehen kann. 

Gegenanzeigen: Wann Sie besser auf Flohsamen verzichten sollten


Es gibt einige Erkrankungen und Beschwerden, bei denen auf die Behandlung mit Flohsamen verzichtet werden muss, wie 

  • Verengungen der Speiseröhre oder Verdauungswege, 
  • Schluckbeschwerden, 
  • akuten Entzündungen von Speiseröhre oder Magen-Darm-Trakt, 
  • einem schwer einstellbaren Diabetes mellitus oder 
  • einem erhöhten Risiko für einen Darmverschluss

Gut zu wissen:

Sollten Sie aufgrund einer akuten oder chronischen Erkrankung auf Medikamente angewiesen sein, ist es wichtig darauf zu achten, die Arzneimittel zuerst einzunehmen. Lassen Sie anschließend eine halbe Stunde bis Stunde verstreichen, bis Sie die Samen oder Flohsamenschalen verzehren.2 Bei gleichzeitiger Einnahme ist es möglich, dass die Flohsamen für eine geringere Wirkkraft der Präparate sorgen.

 

Interessante Fakten rund um die Heilpflanze


Seit Jahrtausenden setzen Menschen in Europa, Nordeuropa und Asien auf die Kraft von Flohsamen als natürliches Darmregulierungsmittel. Der Name „Flohsamen“ kommt nicht von ungefähr: Die kleinen braunen Samen erinnern optisch an Flöhe.  

Die ballaststoffreichen Flohsamen werden von vielen Wegerich-Arten gebildet:  

  • Plantago ovata (Indischer Wegerich), 
  • Plantago afra (Flohsamen-Wegerich)  
  • Plantago arenaria (Sand-Wegerich) 

Generell benötigt die Heilpflanze viel Sonne. Am besten gedeiht sie in Südeuropa, Nordafrika sowie Asien, vor allem in Indien. Nachdem die Aussaat im Frühjahr erfolgt ist, können die reifen Samen im Spätsommer und Frühherbst aus den Kapseln gedroschen und geerntet werden. 

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Julia Lindert Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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