Bauchschmerzen in der Schwangerschaft sind meistens harmlos

28. Juni 2019
9 Min.

Bauchschmerzen sind in jeder Lebenslage unangenehm. Aber wenn eine Frau schwanger ist, kommt die Sorge hinzu, ob womöglich ein Risiko für das Baby besteht. Dabei sind Bauchschmerzen während der Schwangerschaft durchaus normal. Schließlich finden im Mutterleib fortwährend Veränderungen statt, weil das Baby wächst und immer mehr Platz braucht. Informieren Sie sich hier über weitere Ursachen und wie Sie die Beschwerden lindern können.

Im Überblick:

  • Auslöser für Schmerzen in der Bauchgegend bei Schwangeren sind oft hormonelle Umstellungen und damit verbundene Veränderungen im Körper.
  • Auch das Dehnen der Mutterbänder kann ein schmerzhaftes Ziehen im Unterleib verursachen.
  • Übungs- und Vorwehen sind ein gewöhnlicher Teil der Geburtsvorbereitung, müssen allerdings von vorzeitig einsetzenden Wehen abgegrenzt werden.
  • Ein warmes Bad, ein Kirschkernkissen sowie ein Bauchtuch können für Linderung bei leichten Beschwerden sorgen.
  • Bauchschmerzen in Kombination mit Blutungen müssen vom Arzt abgeklärt werden, da sie möglicherweise auf bestehende Komplikationen hinweisen.


Zu den Themen:

Bauchschmerzen aufgrund von Verdauungsproblemen

Während der Schwangerschaft kommt es regelmäßig zu Schwierigkeiten mit der Verdauung, wie Übelkeit oder aber auch Schmerzen im Bauchraum. Das hat hauptsächlich zwei Gründe:

  • Zum einen führt die Hormonumstellung (vor allem die vermehrte Produktion von Progesteron) dazu, dass sich die Muskeln entspannen, wodurch der Verdauungsprozess verlangsamt. Die Folgen davon sind Verstopfungen sowie Blähungen, die mitunter Bauchschmerzen bewirken.
  • Zum anderen wird der Verdauungstrakt, zum Beispiel der Magen, durch das Wachstum des Kindes zunehmend eingeengt, was ebenfalls als unangenehm empfunden werden kann.

Bauchschmerzen in der Schwangerschaft sind deshalb häufig eine Folge von Verstopfung und Blähungen.

Manchmal tritt oder boxt das Baby auch oder verändert seine Lage so, dass es auf umliegende Organe drückt. Das kann ebenfalls unangenehme Bauchschmerzen auslösen. Hier kann es helfen, sich in den Vierfüßlerstand zu begeben. Dabei sind die Arme gestreckt und berühren senkrecht unter den Schultern den Boden, die Knie stehen unter den Hüften. Im Bauch, der nun durch die Schwerkraft anders belastet wird, hat das Baby nun etwas mehr Platz und wird dadurch mitunter auch animiert, seine Lage wieder zu verändern.

Bauchschmerzen im Verlauf der Schwangerschaft

Bauchschmerzen treten womöglich bereits ab der 18. Schwangerschaftswoche auf.1 Wenn sich die Mutterbänder – zwei Muskelstränge, die rechts und links der Gebärmutter liegen und den Uterus in seiner Position halten – dehnen, verursacht das ziehende bis krampfartige Schmerzen im Unterleib, die bis in den Oberbauch strahlen können. Viele werdende Mütter vergleichen dieses Leiden mit einem Bauchmuskelkater. Zudem kann das Größerwerden der Gebärmutter (welches sich häufig anfühlt wie Krämpfe vor dem Einsetzen der Periode) sowie das Wachstum des ungeborenen Kindes im Verlauf der Schwangerschaft zu Bauchschmerzen führen.

Der Vierfüßlerstand

Manchmal tritt oder boxt das Baby auch oder verändert seine Lage so, dass es auf umliegende Organe drückt. Das ist ebenfalls ein möglicher Auslöser für unangenehme Bauchschmerzen. Hier kann es helfen, sich in den Vierfüßlerstand zu begeben. Dabei sind die Arme gestreckt und berühren senkrecht unter den Schultern den Boden, die Knie stehen unter den Hüften. Im Bauch, der jetzt durch die Schwerkraft einer anderen Belastung ausgesetzt ist, hat das Baby nun etwas mehr Platz und wird dadurch mitunter animiert, seine Lage wieder zu verändern.

Bauchschmerzen als Geburtsvorbereitung

Bei plötzlich auftretenden oder dauerhaften Bauchschmerzen ohne nachvollziehbaren Grund sollten Schwangere einen Arzt oder ihre Hebamme konsultieren

Etwa ab der 29. Schwangerschaftswoche bereitet sich der Körper auf die Geburt vor.1 In dieser Zeit treten häufiger Übungswehen auf, auch Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt. Dabei zieht sich die Gebärmutter leicht zusammen. Normalerweise verursachen Übungswehen keine Bauchschmerzen, sondern werden lediglich als eine ziehende Bewegung wahrgenommen, die maximal 45 Sekunden dauert und weniger als dreimal in der Stunde auftritt.2 Wie unangenehm die Übungswehen sind, hängt jedoch letzten Endes vom individuellen Schmerzempfinden ab.

Etwas stärker sind die Vorwehen, die um die 36. Schwangerschaftswoche beginnen und bei manchen Frauen Angst vor einer vorzeitigen Geburt auslösen.3 Vorwehen treten jedoch im Gegensatz zu richtigen Wehen in unregelmäßigen Abständen auf und verschwinden wieder.

Gut zu wissen

Manchmal hat sich die werdende Mutter mit den Vorbereitungen für das erwartete Kind übernommen und steht unter Stress. Regelmäßige ziehende Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe, in Verbindung mit Durchfall, können dann ein Anzeichen für vorzeitig einsetzende Wehen sein und sollten deshalb von einem Arzt abgeklärt werden. Um die Schwangerschaft bis zum planmäßigen Geburtstermin fortzusetzen, ist viel Ruhe und Entspannung nötig.

Hausmittel gegen Bauchschmerzen in der Schwangerschaft

Glücklicherweise sind die meisten Bauchschmerzen harmlos und lassen sich durch sanfte Methoden lindern. Gerade wenn Sie schwanger sind, sollten Sie besonders auf Ihre Ernährung achten. Tipp: Nehmen Sie kleine Mahlzeiten langsam zu sich und wählen Sie leicht verdauliche, nicht blähende Nahrungsmittel (zum Beispiel fettarmes Fleisch und Salate). Zudem ist es wichtig, dass Sie reichlich trinken (mindestens 1,5 Liter am Tag), dabei aber kohlensäurehaltige Getränke vermeiden.1 Das hilft, Bauchschmerzen aufgrund von Verdauungsproblemen vorzubeugen.

Dass die Mutterbänder schmerzen, lässt sich nicht vermeiden. Hier können

  • ein Kirschkernkissen,
  • eine Wärmflasche oder
  • ein warmes Bad (bei maximal 37 Grad Celsius) helfen.5

Wenn der Bauch mit fortschreitender Schwangerschaft schwerer wird, entlasten Bauchtücher oder Stützbänder das beanspruchte Gewebe. Das mildert die Beschwerden und ermöglicht es Ihnen, weiterhin mobil zu bleiben. Grundsätzlich sollten Frauen jedoch während der Schwangerschaft ein bisschen kürzer treten und sich öfter einmal Ruhepausen gönnen, wenn ihnen danach ist.

Bauchschmerzen als Symptom für Schwangerschaftskomplikationen

Werden die Bauchschmerzen von Blutungen begleitet, kann das ein Hinweis auf eine bevorstehende Fehlgeburt sein. Vor der 12. Schwangerschaftswoche ist das Risiko für eine Fehlgeburt am höchsten (80 Prozent der Abbrüche passieren in diesem Zeitraum).6 Selbst wenn im weiteren Verlauf die Gefahr für ein vorzeitiges Ende der Schwangerschaft deutlich geringer ist, sollten Schwangere bei Blutungen doch umgehend einen Arzt aufsuchen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Blutungen stark sind, oder ob es sich nur um ausflussartige Schmierblutungen handelt.

Das HELLP-Syndrom

Eine weitere Komplikation, die sowohl für die Mutter als auch für das Kind lebensgefährlich sein kann, ist das sogenannte HELLP-Syndrom. Bei dieser Form der Präeklampsie (früher auch Schwangerschaftsvergiftung) ist die Leber- und teilweise die Nierenfunktion gestört. Das HELLP-Syndrom tritt häufig ganz plötzlich auf und äußert sich durch:

  • Bauchkrämpfe im Oberbauch
  • erhöhten Blutdruck
  • eiweißhaltigen Urin

Die genauen Gründe für die Entstehung des HELLP-Syndroms sind noch nicht geklärt. Unbehandelt kann es jedoch zu einer Unterversorgung des ungeborenen Kindes mit Nährstoffen und Sauerstoff führen. Frauen sollten daher bei den ersten Hinweisen auf die Erkrankung ihren Arzt aufsuchen.

Es gibt natürlich noch zahlreiche andere Komplikationen (wie einen Schwangerschaftsdiabetes), die während der Schwangerschaft auftreten können. Hinzu kommt, dass eine Frau in anderen Umständen nicht automatisch vor Krankheiten geschützt ist. Es besteht also die Möglichkeit, dass Bauchschmerzen durch eine Blinddarmentzündung, Nieren- oder Gallensteine, einen einfachen Magen-Darm-Infekt und zahlreiche andere Erkrankungen verursacht werden.

In jedem Fall sollten Betroffene starke, plötzlich auftretende oder dauerhafte Bauchschmerzen ohne nachvollziehbare Ursache in jeder Phase der Schwangerschaft ernst nehmen und vorsichtshalber vom Arzt oder der Hebamme abklären lassen.

Peggy Richter
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