Blähungen und Schwangerschaft: Ein häufig anzutreffendes Duo

1. Juli 2019
9 Min.

Blähungen (Flatulenzen) sind eine ganz gewöhnliche Folge des Verdauungsvorgangs. Wird Nahrung zersetzt, entwickeln sich Gase, die über den Darmausgang abgehen. Blähungen verstärken sich oft während der Schwangerschaft aufgrund von Veränderungen des Hormonhaushalts. Mit Fortschreiten der Schwangerschaft bewirkt auch das Wachstum des Fötus unterschiedlichste Verdauungsstörungen.

Blähungen in der Schwangerschaft:

  • sind in der Regel harmlos und lassen sich auf hormonelle Umstellungen sowie Veränderungen im Bauchraum zurückführen
  • gehören neben Magenschmerzen, Sodbrennen und Völlegefühl zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden in der Schwangerschaft
  • können oft durch das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel (zum Beispiel scharfer oder blähender Speisen) gelindert werden
  • sind meist mit etwas Bewegung und den passenden Hausmitteln gut in den Griff zu bekommen


Auf einen Blick:

Wieso Blähungen in der Frühschwangerschaft?

Durch die Veränderungen des Hormonhaushalts kommt es während der Schwangerschaft zu Blähungen

Zu Beginn der Schwangerschaft produziert der Körper große Mengen Progesteron. Dieses Hormon entspannt die sogenannte glatte Muskulatur, zu der auch die Muskeln der Verdauungsorgane zählen. Dadurch verlangsamt sich der Verdauungsprozess. Dem Nahrungsbrei können so mehr Nährstoffe entzogen werden, die für die Ernährung des Fötus notwendig sind. Die intensivere Zersetzung der Nahrung führt aber auch zu einer vermehrten Luftbildung. Im besten Fall gehen diese Darmwinde direkt ab, was in mancher Situation unangenehm sein mag, jedoch zumindest keine weiteren Beschwerden verursacht.

Oft verharren die Blähungen allerdings länger im Darm, weil die Luft hinter dem Stuhl eingeklemmt ist. Durch die Verlangsamung des Verdauungsprozesses wird dem Nahrungsbrei nämlich mehr Wasser entzogen, was den Stuhl aushärtet und zu Verstopfung führt. Kann die Luft aufgrund dessen nicht entweichen, entsteht ein schmerzhafter Blähbauch, der dazu führt, dass die Kleidung schon in den ersten Monaten unangenehm eng wird, obwohl von der Schwangerschaft noch gar nichts zu sehen ist.

Aha!

Mit dem Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels und der Gewöhnung an die hormonellen Veränderungen, lassen Blähungen bei vielen Betroffenen nach. Erst wenn die Geburt näher rückt, treten die Beschwerden oft erneut auf.

Blähungen im letzten Schwangerschaftsdrittel

Im letzten Abschnitt der Schwangerschaft nimmt der Bauch stark an Größe zu, weil das Kind kurz vor der Geburt zunehmend wächst. Das bedeutet auch, dass es im Mutterleib selbst enger wird. Die Gebärmutter mit dem Fötus drückt auf umliegende Organe. Dieser Platzmangel kann zu ganz unterschiedlichen Verdauungsbeschwerden führen. Neben Verstopfung und daraus resultierenden Flatulenzen, kommt es in dieser Etappe der Schwangerschaft vermehrt zu den folgenden Symptomen:

Häufig nehmen die Blähungen kurze Zeit nach der Geburt des Kindes ab, da nun wieder mehr Platz im Bauchraum ist und die Verdauung langsam ihren gewohnten Gang aufnimmt.

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Mit veränderten Ernährungsgewohnheiten Blähungen lindern

Auch wenn sich Blähungen während der Schwangerschaft nicht ganz abstellen lassen, gibt es doch eine Reihe von Maßnahmen, mit denen Frauen die Beschwerden gezielt lindern können. Das beginnt mit einer Umstellung der Ernährung:

  • Es gibt einige Lebensmittel, die zu einer verstärkten Luftbildung im Verdauungstrakt führen. Dazu gehören zum Beispiel Zwiebeln, Bohnen und zahlreiche Kohlsorten. Schwangere sollten diese Lebensmittel deswegen nur in Maßen zu sich nehmen.
  • Schwer verdauliche Lebensmittel sind in der Regel besser verträglich, wenn sie mit Kümmelsamen gewürzt werden, da diese die Magen- und Darmmuskulatur aktivieren.
  • Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke, Süßigkeiten und scharf gewürzte Speisen können Blähungen verursachen und sollten möglichst selten auf dem Speiseplan stehen.
  • Luft im Bauch kann eine Folge von zu hektischem Essen sein. Wer langsam isst und intensiv kaut, verschluckt weniger Luft und hat deshalb in der Regel seltener mit Blähungen zu kämpfen.
  • Ein Blähbauch in der Schwangerschaft tritt meist gemeinsam mit Verstopfung auf. Dagegen hilft eine ballaststoffreiche Kost (mit viel Gemüse und Vollkornprodukten) und ausreichendes Trinken (mindestens 1,5 Liter am Tag), sodass der Nahrungsbrei geschmeidiger wird und besser den Darm passiert.1
Gut zu wissen

Luft im Bauch kann eine Folge von zu hektischem Essen sein. Wer in Ruhe isst und intensiv kaut, verschluckt weniger Luft und hat deshalb in der Regel seltener mit Blähungen zu kämpfen. Viele schwangere Frauen empfinden es zudem als angenehmer, wenn sie häufiger kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen.

Bewegung gegen Blähungen in der Schwangerschaft

Frauen sollten während der Schwangerschaft weiterhin Sport in mäßigem Umfang treiben, solange aus medizinischen Gründen nichts dagegenspricht. Regelmäßige Bewegung bringt die Verdauung in Schwung und beugt Blähungen vor. Es muss auch nicht immer das Fitnessstudio oder Joggen im Park sein. Lange Spaziergänge sind genauso geeignet, um Blähungen vorzubeugen. Außerdem sind die folgenden Sportarten für viele Schwangere besonders gut durchführbar:

  • Schwimmen
  • Yoga
  • Pilates
  • Radfahren
  • Schwangerschaftsgymnastik
  • Nordic Walking

Es ist empfehlenswert, die Aktivitäten an die veränderten Bedürfnisse der Schwangerschaft anzupassen, um Risiken für Mutter und Kind zu vermeiden. So ist zum Beispiel gemächliches Radfahren in der Regel unbedenklich, wohingegen Sie auf Geländefahrten mit dem Mountainbike aufgrund der erhöhten Sturzgefahr eher verzichten sollten. Wenn Sie sich unsicher sind, welcher Sport sich für Sie eignet, können Sie mit Ihrem Gynäkologen (Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe) Rücksprache halten.

Weitere Maßnahmen gegen Blähungen in der Schwangerschaft

Verursacht der Blähbauch in der Schwangerschaft Schmerzen, hilft Wärme in Form eines Kirschkernkissens auf dem Bauch oder als warmes Wannenbad. Während der Schwangerschaft darf die Temperatur jedoch nicht zu heiß sein (maximal 37 Grad Celsius), sodass keine Belastung für den Kreislauf entsteht. Damit die Blähungen schneller abgehen, massieren Sie Ihren Bauch, beginnend am rechten Unterleib, im Uhrzeigersinn. In dieser Richtung verläuft der Dickdarm – mit der Bewegung schieben Sie die Gase zum After, wo sie entweichen. Bei einer Risikoschwangerschaft ist es ratsam, zuvor den Arzt zu konsultieren und zu befragen, ob eine Massage unbedenklich ist, denn unter Umständen löst diese vorzeitige Wehen aus. Zudem kann ein Kräutertee dazu beitragen, den Magen-Darm-Trakt zu entspannen und Flatulenzen zu lindern. Empfehlenswert sind vor allem Aufgüsse aus:

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Wann zum Arzt?

Obwohl Blähungen in der Regel harmlos sind, sollten Schwangere bei starken Schmerzen und anhaltender Verstopfung einen Mediziner aufsuchen. Es gibt Medikamente, beispielsweise mit den Wirkstoffen Simeticon oder Dimeticon, die Blähungen im Darmtrakt lösen. Diese werden sowohl in der Schwangerschaft als auch bei Babys eingesetzt, die unter Dreimonatskoliken leiden. Zwar haben sich diese Medikamente bewährt, dennoch empfiehlt es sich, vor der Anwendung vorsichtshalber einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren.

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