Medikamente: Welche Tabletten helfen gegen Bauchschmerzen?

19. März 2019
9 Min.

Niemand hat gerne Schmerzen und trotzdem sind sie manchmal sinnvoll: Denn das Ziehen, Drücken oder Stechen ist ein Warnsignal unseres Körpers. Das heißt aber nicht, dass Sie Bauchweh tatenlos hinnehmen müssen: In vielen Fällen zeigen Tabletten gegen Bauchschmerzen beziehungsweise Bauchkrämpfe Wirkung. Doch welche Schmerzmittel und Co. dienen der Behandlung des unangenehmen Symptoms? Wir verraten es Ihnen.


Übersicht:

Mögliche Schmerzmittel und Tabletten gegen Bauchschmerzen

Für eine Besserung nehmen Betroffene unter anderem ein:

Ein Mediziner kann Ihnen am besten sagen, welche Präparate für Sie die geeignetsten sind.

Sie bevorzugen Hausmittel?

Hausmittel können neben Schmerztabletten und Co. eine weitere Möglichkeit gegen starke Schmerzen im Bauch sein. Eine Auswahl der Alternativen finden Sie hier.

Warum es nicht leicht ist, das richtige Medikament zu finden

Da Bauchschmerzen allein oft zu unspezifisch sind, fällt die Wahl der richtigen Medikamente schwer

Bauchschmerzen sind ein häufiges, aber unspezifisches Symptom, das viele Ursachen hat – mehrere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie Morbus Crohn, ein Reizdarmsyndrom oder eine Magen-Darm-Grippe können dahinterstecken. Aus diesem Grund ist es nicht einfach, die richtige Tablette gegen die jeweilige Ursache von Bauschmerzen zu finden.

Einige Produkte gegen allgemeine, leichtere Beschwerden, zum Beispiel bestimmte Wirkstoffe gegen Bauchschmerzen durch zu viel Magensäure, sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Andere Mittel gibt es dagegen nur auf Verschreibung des Arztes. Denn je nach individuellem Fall sind Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sowie Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Verstopfung denkbar – auch für Kinder eignen sich nicht alle Möglichkeiten. Daher muss ein Mediziner bei der Behandlung immer abwägen, ob ein bestimmtes Medikament mehr nutzt als schadet.

Wann mit Bauchschmerzen zum Arzt?

Oft verschreibt der Arzt Medikamente gegen Bauchschmerzen. Aber wann ist ein Arztbesuch überhaupt angebracht? Das ist nicht immer leicht zu sagen und individuell verschieden. Sie sollten einen Mediziner aufsuchen, wenn

  • die Bauchschmerzen mehrere Tage bestehen,
  • sie plötzlich und heftig auftreten und
  • Begleitsymptome wie
  • Fieber,
  • Durchfall oder
  • Erbrechen hinzukommen.

Der Hausarzt oder Spezialist – Gastroenterologen sind Experten in Sachen Magen-Darm – untersucht mit diagnostischen Mitteln wie zum Beispiel Abtasten, Abhören oder Ultraschall, ob eine Erkrankung hinter den Schmerzen steckt, und kann in diesem Fall eine entsprechende Therapie beziehungsweise Schmerzmittel anordnen.

Tabletten gegen die Ursachen und Auslöser von Bauchschmerzen

Diese Arzneimittel kommen zum Einsatz, um die jeweilige Ursache beziehungsweise die auslösenden Symptome der Bauchschmerzen zu bekämpfen:

  • Bei Magen-Darm-Infekten leiden Erkrankte anfangs unter Erbrechen und Übelkeit, später kommt Durchfall hinzu. Meist werden die Infekte durch Viren ausgelöst, in seltenen Fällen stecken aber auch Bakterien dahinter. Zur Therapie mancher bakterieller Infekte verschreibt der Arzt Antibiotika – vor allem bei schweren Krankheitsverläufen, blutigen Durchfällen und bei bestimmten Erregern wie Salmonellen. Gegen virale Infekte helfen Antibiotika hingegen nicht.
  • Häufig werden Bauchschmerzen durch zu viel Magensäure ausgelöst. Dies äußert sich neben den Schmerzen auch durch Sodbrennen oder Völlegefühl. Treten die Beschwerden gelegentlich auf, können Sie Medikamente wie Antazida oder H2-Blocker verwenden, die verschreibungsfrei in der Apotheke erhältlich sind. Antazida wie Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid, Magaltrat, Hydrotalcid oder Calciumkarbonat und Magnesiumkarbonat binden überschüssige Magen- und Gallensäure und wirken innerhalb von Minuten.1 H2-Blocker benötigen Stunden bis mehrere Tage und hemmen dagegen die Produktion von Magensäure, indem sie in der Magenschleimhaut den Botenstoff Histamin beeinflussen.2
  • Bei säurebedingten Beschwerden, die mehr als 14 Tage lang1 anhalten, verschreibt der Arzt unter Umständen für circa zwei Wochen Protonenpumpenhemmer (PPIs).3 Wirkstoffe dieser Medikamente sind unter anderem Lansoprazol, Omeprazol oder Esomeprazol – sie hemmen die Salzsäurebildung im Magen, durch ein Unterdrücken der Magensäureausschüttung der Magendrüsenzellen. Auch bei einer akuten Magenschleimhautentzündung oder Geschwüren im Magen oder Zwölffingerdarm können PPIs, Antazida oder H2-Blocker eingesetzt werden, um die Heilung zu beschleunigen.
  • Eine weitere Ursache für Schmerzen im Bauch sind Blähungen. Gegen die schmerzhaften Gase können Entschäumer – gehören zur Gruppe der Antiflatulentien – helfen. Diese Medikamente lösen Gasbläschen, die im Speisebrei eingeschlossen sind, auf, sodass sie über die Darmwand aufgenommen werden können – die Blähungen verschwinden. Zu den gängigen Wirkstoffen gehören zum Beispiel Simeticon und Dimeticon, diese Stoffe wirken nur im Darm und werden nicht ins Blut aufgenommen. Sie sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich. Im Übrigen entstehen Blähungen, wenn der Körper nicht genügend Verdauungsenzyme (bestimmte Köperstoffe, die chemische Reaktionen ermöglichen – meist Eiweiße) für die Verdauung produziert. Stellt der Arzt diesen Mangel fest, können die Enzyme in Form von Tabletten zugeführt werden. Eine bekannte Verdauungsenzymzubereitung ist zum Beispiel Pankreatin. Es beinhaltet Enzyme wie Amylasen, Proteasen oder Lipasen.

Bei manchen Ursachen von Bauchschmerzen helfen Medikamente nicht. Dann kann eine Operation nötig sein – zum Beispiel bei Gallensteinen oder einer Blinddarmentzündung. Zudem ist Bauchweh manchmal auch stressbedingt. Daher sind unter Umständen auch Entspannungsübungen wie Yoga und das Vermeiden von Stress auslösenden Faktoren – beispielsweise Übermüdung – symptomlindernd.

Welche Schmerzmittel kommen bei Bauschmerzen zur Anwendung?

Gegen Bauchschmerzen werden auch Schmerztabletten beziehungsweise krampflösende Schmerzmittel eingesetzt. Das ist sinnvoll, denn Schmerzen verursachen im Körper Stress – in der Folge spannt sich die Muskulatur an und Beschwerden verschlimmern sich. Bei starkem Bauchweh, zum Beispiel während der Menstruation, können Schmerzmittel wie

  • Paracetamol,
  • Ibuprofen oder
  • Naproxen

vorübergehend helfen. Gegen Bauchkrämpfe werden sogenannte Spasmolytika eingesetzt. Die entkrampfende Wirkung haben die Medikamente lediglich auf die glatte Muskulatur der inneren Organe. Sie können dabei entweder auf die Muskeln selbst Einfluss nehmen oder auf die steuernden Nerven. Manche Spasmolytika kombinieren beide Wirkmechanismen. Rezeptfrei erhältlich sind zum Beispiel Arzneien, die mit Scopolaminbutylbromid und Butylscopolamin wirken. Ärzte verschreiben außerdem den Wirkstoff Mebeverin, der die Darmmuskulatur entspannt.

Nebenwirkung von krampflösenden Schmerzmitteln bei Bauchschmerzen

Krampflösende Medikamente sollten nur vorübergehenden und mit Vorsicht eingesetzt werden. Denn sie können dazu führen, dass die Bewegungen der Verdauungsorgane langsamer ablaufen und eine Verstopfung als Nebenwirkung entsteht.

Tabletten gegen Bauchschmerzen: Pflanzliche Mittel für die Verdauung

Es gibt in der Apotheke nicht nur synthetische Tabletten, Pillen, Tropfen und Co. gegen Bauchschmerzen, sondern auch pflanzliche. Sie beinhalten unter anderem:

  • Melisse
  • Kamille
  • Süßholzwurzel
  • Fenchel
  • Pfefferminze
  • Pestwurz
  • Artischocke
  • Lavendel
  • Löwenzahn
  • Salbei
  • Hopfen
  • Birke

Stechende Bauchkrämpfe kommen oft daher, dass die Verdauung gestört ist und sich die Muskeln im Verdauungstrakt verstärkt zusammenziehen.

Gegen diese krampfartigen Schmerzen im Bauch wirken häufig verdauungsfördernde Arzneien mit Pflanzenextrakten aus Melisse, Kamille, Süßholzwurzel, Fenchel, Pfefferminze oder Pestwurz. Die Kräuter sorgen dafür, dass der Magen sich wieder normal bewegt. Außerdem beruhigen die pflanzlichen Wirkstoffe gereizte Magennerven und können so dazu beitragen, dass Schmerzen im Bauch gelindert werden.

Pflanzliche Bittermittel und Gallenmittel

Gut für die Verdauung sind oft

  • Bittermittel (Amara): meist sind es Arzneien auf pflanzlicher Basis, die sehr bitter schmecken. Enthalten sind beispielsweise Salbei, Hopfen oder Birke. Patienten nehmen sie zur Verdauungsanregung ein.
  • Gallenmittel (Cholagoga): Sie wirken vielfach mit Pflanzenkraft, etwa mit Pfefferminze, Pestwurz, Artischocke, Lavendel oder Löwenzahn. Sie sorgen für eine Ausschüttung von Galle in den Darm.

Weiter Informationen erhalten Sie von Ihrem Arzt oder Apotheker.

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikations- wissenschaftlerin