Blinddarm-OP: Was passiert beim Eingriff?

17. September 2018

Die Blinddarm-OP ist eine der häufigsten Notfalloperationen in Deutschland. Etwa 140.000 Operationen dieser Art werden pro Jahr durchgeführt. Der chirurgische Eingriff gilt als wirksame Behandlung, wenn der Wurmfortsatz entzündet ist; meist erfolgt die Operation unmittelbar nach der Diagnose. Doch was macht der Arzt bei einer Blinddarm-OP genau? Und was muss der Patient vor und nach der Operation beachten?

Zwei Möglichkeiten der Blinddarm-OP

Ist der Blinddarm akut entzündet, muss dieser operativ entfernt werden

Bei der Blinddarm-OP handelt es sich um einen Routineeingriff in deutschen Kliniken. Dabei wird der entzündete Wurmfortsatz, ein Anhängsel am Ende des Blinddarms, entfernt (Appendektomie). Hat der Arzt anhand der Symptome eine Blinddarmentzündung festgestellt, wird unverzüglich – innerhalb von 48 Stunden – operiert. Die Blinddarm-OP kann dabei auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden. Beide Eingriffe erfolgen unter Vollnarkose und dauern um die 20 Minuten.

Wichtig: Bei einer akuten Blinddarmentzündung muss so schnell wie möglich operiert werden, um einen Durchbruch des Wurmfortsatzes zu verhindern.

1. Offene Appendektomie

Bei der konventionellen Blinddarm-OP führt der Chirurg einen etwa sechs Zentimeter langen Schnitt (Bikinischnitt) am Unterbauch entlang der Hautlinien aus. Anschließend öffnet er die Muskelschichten, um Zugang zum entzündeten Organ zu bekommen. Dann entfernt er den Wurmfortsatz (Appendix) an seiner Verbindung zum Dickdarm. Der zurückbleibende Stumpf wird ligiert, also mittels einer Naht abgebunden, und im Blinddarm „versenkt“. Häufig verwenden die Chirurgen dafür eine spezielle Tabaksbeutelnaht. Das ist ein schlaufenförmiger Faden, der sich durch Anziehen am Fadenende verschließt. Der Bauchschnitt wird abschließend wieder zugenäht oder zugeklammert; ein steriler Verband soll die Wunde schützen.

2. Laparoskopische Appendektomie

Der offene Bauchschnitt war lange Zeit die Standard-OP bei einer Blinddarmentzündung. Mittlerweile hat sich jedoch vor allem die Bauchspiegeltechnik (laparoskopisches Verfahren) durchgesetzt.1 Bei dieser Blinddarm-OP öffnet der Operateur die Bauchhöhle nicht direkt, sondern nimmt nur drei kleine Schnitte vor. Durch sie können eine Operationskamera (Laparoskop) und die Instrumente eingeführt werden. Vor dem eigentlichen Eingriff wird noch Kohlendioxid-Gas in den Bauchraum eingeblasen, damit sich der Darm von der Bauchwand löst und der Chirurg ausreichend großen Operationsraum zur Verfügung hat.

Über den Bildschirm können der Arzt und seine Assistenten nun den Bauchraum näher betrachten und zunächst überprüfen, ob der Wurmfortsatz tatsächlich entzündet ist. Ist das nicht der Fall, muss der Arzt weitere Untersuchungen durchführen, um die Ursache der Beschwerden zu klären. Ist der Wurmfortsatz dagegen wie angenommen entzündet, wird die OP fortgeführt.

Die Vorgehensweise bei der laparoskopischen Blinddarm-OP, lässt sich in folgenden Schritten beschreiben:

  1. Der Mediziner packt den Wurmfortsatz mit einer Greifzange an der Spitze und zieht ihn in die Länge. Dies ermöglicht einen besseren Zugang zur Appendixwurzel, der Verbindungsstelle an der der Wurmfortsatz abgetrennt werden soll.
  2. Im zweiten Schritt wird der Appendix an seiner Wurzel mit einem Klammernahtgerät oder einer speziellen Schlinge abgetrennt. Alternativ können die Gefäße auch elektrisch verödet werden.
  3. Im letzten Schritt durchtrennt der Operateur den entzündeten Wurmfortsatz und holt ihn aus der Bauchhöhle heraus.

Welche Blinddarm-OP ist besser?

Die laparoskopische Blinddarm-OP hat gegenüber dem offenen Bauchschnitt einige Vorteile. Zum einen entsteht durch den Eingriff eine kleinere Wunde, was die Gefahr einer Wundinfektion verkleinert und unauffälligere Narben zur Folge hat. Des Weiteren gewährt die „Schlüssellochtechnik“ dem Arzt Einblick in den gesamten Bauchraum, wodurch er gleich weitere Untersuchungen anstellen kann. Trotzdem lässt sich pauschal nicht beurteilen, welche OP-Methode besser ist. Der Arzt entscheidet von Fall zu Fall, welche Blinddarm-OP durchgeführt werden soll.

Welche Komplikationen können durch eine Blinddarm-OP entstehen?

Bei rechtzeitiger Durchführung gilt das Risiko bei einer Blinddarm-OP als relativ gering. Dennoch ist eine Blinddarm-OP, wie jede Operation, immer mit einer gewissen Gefahr verbunden. Mögliche Komplikationen, die bei einer Blinddarm-OP auftreten können:

  • Im Anschluss an die Operation kann es zu Nachblutungen kommen. Bei starker Blutung muss die Wunde unter Umständen nochmals geöffnet und das gestockte Blut entfernt werden.
  • Gelangen Keime in die OP-Wunde, kann eine Wundinfektion entstehen. Die infizierte Wunde schwillt an, ist stark gerötet und schmerzt. Hinzu kommt, dass der Betroffene oft Fieber und Übelkeit entwickelt. Um eine solche Wundinfektion zu vermeiden, ist es wichtig, die Wunde gut zu säubern und zu versorgen.
  • Infolge einer Blinddarm-OP kann es auch zu einem Abszess in der Bauchdecke kommen. Darunter versteht man einen mit Eiter gefüllten Hohlraum, der entsteht, wenn Bakterien in die Bauchhöhle gelangen. Sie können aber auch vorher schon vorhanden sein, wenn der Wurmfortsatz geplatzt ist. Abszesse müssen mit einer Nadel eingestochen und der enthaltene Eiter abgesaugt werden.
  • Nach einer Operation können Verwachsungen (Briden) im Dünndarm entstehen, die einen Darmverschluss zur Folge haben. Es kommt zu einem Stau des Nahrungsbreis, wodurch sich der Darm ausdehnt. Das kann ernste Konsequenzen haben: Organversagen oder schwere Kreislaufstörungen sind unter Umständen lebensgefährlich.
  • Durch die Blinddarm-OP können andere Organe wie Darm oder Harnleiter verletzt werden. Gelangen über die geschädigten Organe Bakterien in die Bauchhöhle, kann dies zu einer Bauchfellentzündung führen.
  • Das Risiko eines Narbenbruchs ist bei der Blinddarm-OP gering.

Da das gesundheitliche Risiko im Falle einer unbehandelten Blinddarmentzündung jedoch noch höher ist, bleibt der chirurgische Eingriff meist die bessere Wahl.

Alternative zur Blinddarm-OP: Behandlung mit Antibiotika

Lange Zeit galt die Blinddarm-OP bei einem entzündeten Wurmfortsatz als einzig wahre Behandlungsmöglichkeit. Lediglich bei Personen, bei denen eine Operation aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden sollte, wurden Antibiotika verabreicht. Neuere Studien weisen jedoch darauf hin, dass sich vor allem bei unkomplizierten Entzündungen die Beschwerden mit Antibiotika gut behandeln lassen. Ein finnisches Forscherteam der Uniklinik Turku untersuchte in einer Studie2 530 Erwachsene mit entzündetem Blinddarm. Etwa die Hälfte dieser Gruppe wurde nicht operiert, sondern erhielt drei Tage Antibiotika per Infusion und anschließend weitere sieben Tage Antibiotika in Form von Tabletten. Bei fast drei Vierteln dieser Patienten ließ die Entzündung während der Antibiotika-Therapie nach – sie mussten nicht operiert werden.

Was müssen Patienten vor und nach der Blinddarm-OP beachten?

Entscheidet der Arzt, dass eine Blinddarm-OP notwendig ist, sollte der Patient mindestens sechs Stunden vor dem Eingriff nichts essen oder trinken. In der Regel verbleiben Patienten drei bis fünf Tage im Krankenhaus und werden für etwa zwei Wochen krankgeschrieben. Nach der Operation muss der Darm geschont werden: Schonkost ist geeignet, um den Darm langsam wieder an die Nahrungsverdauung zu gewöhnen. Leicht verdauliche Speisen wie Zwieback oder Suppen sind zu Beginn besonders zu empfehlen. Patienten, die eine Blinddarm-OP hinter sich haben, müssen sich außerdem etwa eine Woche schonen. Empfohlen wird in diesem Zeitraum:

  • nachts sieben bis acht Stunden zu schlafen
  • kleine Portionen zu essen
  • die Bewegung von Tag zu Tag langsam zu erhöhen
  • die Operationsnaht sauber zu halten und vor dem Wechseln des Verbandes die Hände gründlich zu waschen
  • vom Arzt verschriebene Medikamente einzunehmen

Bei der herkömmlichen Blinddarm-OP, bei der die Bauchwand aufgeschnitten wurde, rät der Arzt, noch sechs Wochen nach der OP das Heben schwerer Lasten (mehr als fünf Kilo) zu vermeiden. Sport ist etwa fünf Wochen nach dem Eingriff wieder erlaubt. Bei der laparoskopischen Methode verläuft die Heilung in der Regel schneller. Patienten sollten sich für etwa zwei Wochen nach der OP schonen und in dieser Zeit keinen Sport treiben.

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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin