Blinddarm-OP: Was Sie zum Eingriff und der Zeit danach wissen sollten

28. März 2019
12 Min.

Die Blinddarm-OP ist eine der häufigsten Notfalloperationen in Deutschland. Etwa 130.000 davon werden pro Jahr durchgeführt.1 Der chirurgische Eingriff gilt als wirksame Behandlung, wenn der Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) entzündet ist — meist erfolgt die Operation (Appendektomie) unmittelbar nach der Diagnose. Zur Auswahl stehen dabei zwei bewährte Verfahren: die offene und die laparoskopische Appendektomie.

Erfahren Sie hier, wann ein Eingriff nötig wird und worauf Sie nach der Operation achten sollten. Und ist es möglich, eine Blinddarm-OP durch den Einsatz von Antibiotika zu vermeiden?

Kurz zusammengefasst:

  • Wird ein stark entzündeter Wurmfortsatz nicht operiert, besteht die Gefahr einer lebensgefährlichen Perforation (Durchbruch der Appendix).
  • Zur Wahl stehen zwei Operationsmethoden: die offene und die laparoskopische Appendektomie.
  • Komplikationen des Eingriffs können sein: Nachblutung, Abszess, Narbenbruch, Wundinfektion, Verwachsungen.
  • Nach der Operation sollten Patienten sich schonen, vor allem in Bezug auf Ernährung, Sport und Arbeit. Auch eine korrekte Versorgung der Wundnaht ist wichtig.
  • Die Behandlung der Blinddarmentzündung mit Antibiotika ist in einigen Fällen möglich. Da jedoch immer die Gefahr einer Perforation besteht, birgt die Operation oftmals das kleinere Risiko.


Im Überblick:

Zwei Möglichkeiten der Appendektomie

Ist der Blinddarm akut entzündet, muss dieser operativ entfernt werden

Bei der Blinddarm-OP handelt es sich um einen Routineeingriff in deutschen Kliniken. Dabei wird der entzündete Wurmfortsatz, ein Anhängsel am Ende des Blinddarms, entfernt.

Besteht aufgrund der vorherrschenden Symptome (zum Beispiel starke Schmerzen im rechten Unterbauch) der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung, erfolgt für gewöhnlich eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus. Tritt im Zeitraum von 12 bis 24 Stunden keine Besserung der Beschwerden ein, wird in der Regel eine Appendektomie durchgeführt, um Komplikationen zu verhindern.2

Wichtig: Bei einer akuten Blinddarmentzündung muss der Patient meist zeitnah operiert werden, um einen Durchbruch des Wurmfortsatzes (Perforation) zu verhindern. Gelingt dies nicht, verbreiten sich die Bakterien und der Darminhalt möglicherweise in der Bauchhöhle, was eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) nach sich ziehen kann. Vor allem bei Kindern ist diesbezüglich Vorsicht geboten – bei ihnen kommt es erfahrungsgemäß besonders rasch zur Perforation.3

Es gilt daher: Eine Appendektomie birgt in der Regel weniger Risiken als ein Durchbruch des Wurmfortsatzes. Aus diesem Grund empfehlen Ärzte im Zweifelsfall eine OP.

Auch wenn dem Patienten nach eigenen Angaben bereits „der Blinddarm entfernt wurde“, kann eine Operation notwendig werden. In einigen Fällen wurde die Appendix beispielsweise nicht vollständig entfernt oder es besteht — aufgrund einer genetischen Fehlbildung — ein zweiter Wurmfortsatz. Der Eingriff kann dabei auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden: offen oder laparoskopisch.

1. Offene Appendektomie

Bei dieser konventionellen Blinddarm-OP nach Charles McBurney, führt der Chirurg einen etwa vier bis fünf Zentimeter langen Schnitt am rechten Unterbauch aus.1 Anschließend öffnet er die Muskelschichten, um Zugang zum entzündeten Wurmfortsatz zu bekommen, den er dann an seiner Verbindung zum Dickdarm abtrennt. Der zurückbleibende Stumpf wird ligiert, also mittels einer Naht abgebunden. In der Regel verwenden Chirurgen dafür die spezielle Tabaksbeutelnaht. Dabei legen sie den Faden schlaufenförmig um die entstandene Öffnung und ziehen ihn zu. Den Bauchschnitt vernähen oder klammern sie; ein steriler Verband soll die Wunde schützen.

2. Laparoskopische Appendektomie

Der offene Bauchschnitt war lange Zeit die Standard-OP bei einer Blinddarmentzündung. Mittlerweile hat sich jedoch vor allem die Bauchspiegeltechnik (laparoskopisches Verfahren) durchgesetzt.4 Dabei öffnet der Operateur die Bauchhöhle nicht direkt, sondern nimmt nur drei kleine Schnitte vor. Durch sie können eine Operationskamera (Laparoskop) und die Instrumente eingeführt werden. Vor dem eigentlichen Eingriff wird noch Kohlendioxid-Gas in den Bauchraum eingeblasen, damit sich der Darm von der Bauchwand löst und der Chirurg ausreichend großen Operationsraum zur Verfügung hat.

Über den Bildschirm können der Arzt und seine Assistenten nun den Bauchraum näher betrachten und zunächst überprüfen, ob tatsächlich eine Entzündung des Wurmfortsatzes besteht. Ist das nicht der Fall, muss der Arzt weitere Untersuchungen durchführen, um die Ursache der Beschwerden zu klären. Entfernt werden sollte der Wurmfortsatz allerding unabhängig der Sichtdiagnose, da eine bestehende Entzündung nicht immer rein durch äußere Merkmale erkannt werden kann.

Wurde die Appendix erfolgreich entfernt, leitet der Chirurg das Gas wieder aus dem Bauchraum hinaus und verschließt die Schnitte in der Bauchdecke mittels einer Naht.

Wie lange dauert die Blinddarm-OP?

Die offene wie auch die laparoskopische Appendektomie dauert rund 20 Minuten5 lang und erfolgt unter Vollnarkose, weswegen der Patient mindestens sechs Stunden vor der Operation nüchtern bleiben muss.5

Ist eine der beiden Operationsmethoden besser als die andere?

Die laparoskopische Appendektomie hat gegenüber dem offenen Bauchschnitt einige Vorteile. Zum einen entsteht durch den Eingriff eine kleinere Wunde, was die Gefahr einer Wundinfektion verkleinert und unauffälligere Narben zur Folge hat. Des Weiteren gewährt die „Schlüssellochtechnik“ dem Arzt Einblick in den gesamten Bauchraum, wodurch er gleich weitere Untersuchungen durchführen kann.

Trotzdem lässt sich pauschal nicht beurteilen, welche Methode besser ist. Der Arzt entscheidet von Fall zu Fall, welche Variante durchgeführt werden soll. In einigen Fällen muss während des Eingriffs auch von der laparoskopischen Methode auf die offene Operation umgeschwenkt werden — beispielsweise bei starken Verwachsungen.

Welche Komplikationen können durch eine Blinddarmoperation entstehen?

Bei rechtzeitiger Durchführung gilt das Risiko bei einer Blinddarm-OP als relativ gering. Dennoch ist sie, wie jede Operation, immer mit einer gewissen Gefahr verbunden. Mögliche Komplikationen, die auftreten könne, sind:

  • Wundinfektion: Gelangen Keime in die OP-Wunde, kann diese sich entzünden. Der infizierte Hautbereich schwillt an, ist stark gerötet und schmerzt.
  • Abszess: Durch das Einwandern von Bakterien in den Wundbereich entsteht möglicherweise ein Abszess — ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, der im schlimmsten Fall zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) führt.
  • Verletzungen: Während des Eingriffs können andere Organe wie Darm oder Harnleiter verletzt werden.
  • Nachblutungen: Bei starker Blutung muss die Wunde unter Umständen nochmals geöffnet und das gestockte Blut entfernt werden.
  • Verwachsungen: Nach der Operation kann es zu Verwachsungen (Briden) und Narbenbildung kommen, die im schlimmsten Fall einen Darmverschluss (Ileus) bewirken.
  • Narbenbruch: Bei mangelhafter Festigkeit der Operationsnarbe kommt es zu Vorwölbungen von Eingeweiden in das geschwächte Gewebe.
  • Stumpfinsuffizienz: Dabei stirbt Gewebe an der Stelle des Darms ab (Nekrose), an der die Appendix entfernt wurde.

Da das gesundheitliche Risiko im Falle einer unbehandelten Blinddarmentzündung jedoch noch höher ist, bleibt der chirurgische Eingriff meist die bessere Wahl.

Was müssen Patienten nach der Blinddarm-OP beachten?

Direkt nach der OP bleibt der Patient zunächst nüchtern, im Laufe der folgenden Stunden kann er aber in der Regel bereits wieder Flüssigkeit (Wasser oder Tee) zu sich nehmen. Die erste Mahlzeit (Schonkost nach ärztlicher Anweisung) erfolgt dann am ersten Tag nach dem Eingriff. In der Regel verbringen Patienten insgesamt drei bis fünf Tage im Krankenhaus.6 Nach der Entlassung gibt es einige Dinge, die zu beachten sind:7

  • Schmerzen: Die Intensität der Wundschmerzen ist von Patient zu Patient verschieden. Spätestens 3 Wochen nach dem Eingriff sollte er jedoch abgeklungen sein. Nach Rücksprache mit dem Arzt können auch milde Schmerzmittel eingenommen werden.
  • Duschen: Ab dem 3. Tag nach der Operation darf die Wundnaht für gewöhnlich nass werden. Bei Unsicherheiten ist hierzu ärztlicher Rat einzuholen. Nach dem Duschen muss das Pflaster dann gewechselt werden.
  • Fäden/Klammern: Diese werden in der Regel etwa am 10. Tag nach der Operation vom Hausarzt gezogen. Baden und Schwimmen sind dann noch für etwa 2 Wochen zu vermeiden.
  • Stuhlgang: Zu starkes Pressen beim Stuhlgang strapaziert den Darm. Falls nötig kann zur Unterstützung ein leichtes Abführmittel genutzt werden.
  • Sport: Nach einem laparoskopischen Eingriff kann für gewöhnlich ab der 2. Woche wieder mit leichten körperlichen Betätigungen (beispielsweise Wandern) begonnen werden. Bei einer offenen Operation ab der 3. Woche. Volle Belastbarkeit ist meist ab der 6. Woche nach der Appendektomie wieder gewährleistet.
  • Arbeit: Treten keine Komplikationen auf, beträgt die Arbeitsunfähigkeit etwa 3 Wochen.1 Abhängig ist dieser Zeitraum jedoch auch von der ausgeübten Tätigkeit. Je schwerer die körperliche Belastung im Beruf ist, desto länger muss der Patient krankgeschrieben werden.1
  • Tragen: Bei der offenen Operationsmethode sollte etwa 4 Wochen, bei der laparoskopischen 2 Wochen lang auf das Tragen von Lasten über 10 Kilogramm verzichtet werden.
  • Ernährung: Leichte Speisen wie Zwieback, Joghurt oder Suppen sind zu Beginn besonders zu empfehlen. Schwer verdauliche Lebensmittel wie beispielsweise frittierte Produkte sollten ebenso gemieden werden wie scharfe und stark gewürzte Gerichte.

Auch auf Alkohol sollte die ersten Tage nach dem Eingriff verzichtet werden. Wie lange genau hängt unter anderem von den Medikamenten ab, die verordnet wurden (beispielsweise Schmerzmittel oder Antibiotika). Lassen Sie sich hierzu von Ihrem behandelnden Arzt beraten.

Achtung Infektion!

Treten zunehmend stärkere Schmerzen sowie Rötungen oder Schwellungen im Wundbereich auf, sollte schnellstmöglich ein Mediziner aufgesucht werden. In diesem Fall besteht der Verdacht auf eine Entzündung.

Behandlung mit Antibiotika — Alternative zur Blinddarm-OP?

Lange Zeit galt die OP bei einem entzündeten Wurmfortsatz als einzig Behandlungsmöglichkeit. Lediglich bei Personen, bei denen ein Eingriff aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden sollte, wurden Antibiotika verabreicht. Einige Studien weisen jedoch darauf hin, dass sich vor allem bei unkomplizierten Entzündungen die Beschwerden mit Antibiotika gut behandeln lassen. Ein finnisches Forscherteam der Uniklinik Turku untersuchte in einer Studie 530 Erwachsene mit entzündetem Blinddarm.8 Etwa die Hälfte dieser Gruppe wurde nicht operiert, sondern erhielt drei Tage Antibiotika per Infusion und anschließend weitere sieben Tage Antibiotika in Form von Tabletten. Bei fast drei Vierteln dieser Patienten ließ die Entzündung während der Antibiotika-Therapie nach – sie mussten nicht operiert werden.

Trotz allem bleibt die nicht-operative Behandlung bis heute eher eine Ausnahme. Dies liegt vor allem daran, dass nicht eindeutig festgestellt werden kann, in welchem Stadium der Entzündung sich der Wurmfortsatz befindet. Somit besteht jederzeit das Risiko eines Durchbruchs und der damit verbundenen gesundheitlichen Folgen.

Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikations- wissenschaftlerin