Wenn Käse und Co. Probleme bereiten – Volksleiden Laktoseintoleranz

18. September 2018
Eine Sammlung an Käse- und Milchprodukten – bei vielen Menschen verursachen diese aufgrund einer Laktoseintoleranz Verdauungsbeschwerden.

„Die Milch macht’s!“ Sie kommt in den Kaffee, veredelt unser Müsli, wird zum Backen und Kochen verwendet und ist für die Herstellung von Joghurt, Quark und Käse notwendig – darüber hinaus stärkt sie noch unsere Zähne und Knochen. Doch heutzutage können viele Menschen den Kalziumlieferanten nicht problemlos genießen. Denn: Immer mehr Leute sind von einer Laktoseintoleranz betroffen. Lesen Sie hier alles über die Ursachen, Symptome und Behandlung der Unverträglichkeit.

Alles, was Sie wissen sollten Wie entsteht Laktoseintoleranz? >>
Exkurs: Ein Blick auf die Verteilung in der Welt >>
Symptome von Laktoseintoleranz >>
Diagnoseverfahren >>
Behandlungsmöglichkeiten und Ernährungstipps >>
Achtung vor versteckter Laktose >>

Laktoseintoleranz: Was passiert im Körper?

Verantwortlich dafür, ob die Verdauung von milchhaltigen Produkten ohne Probleme abläuft oder nicht, ist das körpereigene Enzym Laktase. Ist dieses in ausreichender Menge vorhanden, kann die in Milch enthaltende Laktose (Milchzucker) in die Zuckermoleküle Galaktose und Glukose gespalten und im Dünndarm weiterverarbeitet werden. Bei Menschen, die an einer Laktoseintoleranz leiden, produziert der Körper das Enzym Laktase gar nicht oder nur in sehr geringer Zahl. Fehlt Laktase, gelangt der Milchzucker ungespalten in den Dickdarm, wo Bakterien die Laktose vergären. Daraus entstehen Produkte wie

  • Methan,
  • Wasserstoff und
  • Kohlendioxid.

Diese Gase verursachen bei Betroffenen schmerzhafte Blähungen. Zusätzlich bindet der Milchzucker Wasser, das sich im Dickdarm ansammeln und neben Verdauungsbeschwerden wie Blähungen auch Durchfall verursachen kann.

Ein kurzer Exkurs: Laktoseintoleranz in der Weltbevölkerung

In vielen Teilen der Erde ist eine Laktoseintoleranz normal. Ungefähr 65 Prozent der Weltbevölkerung vertragen nach dem Kindesalter Milchprodukte deutlich schlechter bis gar nicht.1 Das liegt daran, dass der Mensch genetisch eigentlich so ausgestattet ist, dass eine Spaltung von Laktose durch das Enzym Laktase im Darm nur bei Babys funktioniert, um die Muttermilch zu verdauen. Danach wird die Bildung von Laktase im Dünndarm eingestellt. Da in Deutschland jedoch milchhaltige Speisen zur Grundernährung dazugehören, hat sich evolutionsbedingt die Produktion von Laktase angepasst. Hier sind nur etwa 15 Prozent der Erwachsenen von einer Laktoseintoleranz betroffen. In Asien ernährt man sich dagegen generell milcharm, daher liegt der Anteil an Betroffenen dort bei circa 90 Prozent.2

So äußert sich Laktoseintoleranz – Symptome im Überblick

Bei vielen Menschen, die an einer Laktoseintoleranz leiden, treten die Symptome etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr von milchhaltigen Speisen auf.2 Dabei ist das Ausmaß der Beschwerden davon abhängig, wie viel Milchzucker in den gegessenen Lebensmitteln vorhanden war und welche Menge an Laktase der Körper herstellt. Wie viel Laktose der Körper vertragen kann, ist daher individuell verschieden. Typische Beschwerden einer Laktoseintoleranz sind:

Auch unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder Schwitzen können infolge einer Laktoseintoleranz auftreten.

Diagnose: Laktoseintoleranz

Um zu diagnostizieren, ob eine Laktoseintoleranz vorliegt oder nicht, gibt es bestimmte Testverfahren, die von einem Arzt durchgeführt werden können. Zwei bekannte Möglichkeiten, um die Unverträglichkeit zu diagnostizieren, sind folgende:

  • oraler Laktosetoleranztest: Der Patient trinkt eine laktosehaltige Lösung – 60 und 120 Minuten nach dem Verzehr wird der Blutglukosespiegel gemessen. Ist ausreichend Laktase vorhanden, kommt es zur Spaltung des Milchzuckers in Glukose und Galaktose – infolgedessen müsste ein Blutzuckeranstieg von mindestens 20mg/dl (Milligramm pro Deziliter ) gegenüber dem Ausgangswert vorliegen. Ist das nicht der Fall, kann von einer Laktoseintoleranz ausgegangen werden.3
  • H2-Laktose-Atemtest: Beim Wasserstoffatemtest wird der Gehalt von Wasserstoff (H2) im Atem gemessen, nachdem der Patient eine Milchzucker-Testlösung getrunken hat. Bei Laktoseintoleranz entsteht durch die Vergärung der Laktose eine größere Menge an Wasserstoff im Darm. Das Gas geht teilweise in unser Blut über, wird über die Lunge abgeatmet und lässt sich daher über unseren Atem messen. Ein Anzeichen für eine Laktoseintoleranz ist ein Unterschied zum Ausgangsmessergebnis von circa 20ppm (parts per million: Anteile pro Millionen) Wasserstoff in der ausgeatmeten Luft.4

Auch ein Ernährungstagebuch, in dem über circa vier Wochen genau dokumentiert wird, welche Nahrungsmittel verspeist wurden, kann Aufschluss über eine Laktoseintoleranz geben. Fällt auf, dass Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfall vermehrt nach der Aufnahme von milchhaltigen Produkten auftreten, sollte eine Laktoseintoleranz von einem Arzt überprüft werden.

Aha!
Wenn der Arzt keine Laktoseintoleranz feststellen konnte, aber nach dem Essen trotzdem oft Magen- und Darmprobleme auftreten, könnte ein Reizdarm schuld sein. Auch dieser äußert sich durch Symptome wie Durchfall, Völlegefühl und Darmschmerzen nach der Nahrungsaufnahme.

Behandlungsmöglichkeiten und Ernährungstipps bei Laktoseintoleranz

Die Behandlung einer Laktoseintoleranz zielt grundsätzlich auf eine Ernährungsumstellung ab. Der beste Weg zur Beschwerdefreiheit ist daher, nur so viel Laktose zu verspeisen, wie man verträgt. Die Toleranzgrenze finden Betroffene durch Austesten heraus. In den Supermärkten werden zudem viele „laktosefreie“ Produkte angeboten. In einigen Lebensmitteln ist von Natur aus nur wenig Laktose enthalten. Hier eine kleine Übersicht:

Lebensmittel, die von Natur aus laktosefrei sind:

  • Fleisch und Fisch
  • Kartoffeln, Reis, Getreide, Zwieback, Polenta
  • Zartbitter-Schokolade
  • Salate mit Essig-Öl-Marinaden, Obst, Gemüse
  • Soja-Produkte
  • die meisten Margarine-Sorten

Lebensmittel mit natürlich geringem Laktosegehalt:

  • Butter, Butterschmalz
  • viele Sorten von Hart-, Schnitt- und fast alle Weichkäsesorten
  • Sauerrahm, Crème Fraîche
  • Frischkäse
  • Joghurt
Tipp:
Käsesorten, die lange reifen, sind meist besser verträglich als junge Käsesorten, da der Milchzucker mit der Zeit zu Milchsäure umgewandelt wird.

Wer sich milcharm ernährt, sollte jedoch auf jeden Fall darauf achten, dass er genug Kalzium zu sich nimmt, da sonst schnell ein Mangel entstehen kann. Gute Kalziumlieferanten sind beispielsweise Gemüse wie Brokkoli, Spinat, Fenchel oder Grünkohl. Zudem ist es machbar, den Verzehr von Milch und so auch die Zufuhr von Kalzium zu ermöglichen, indem gelegentlich auf Laktasepräparate in Form von Pulver, Kautabletten oder Kapseln zurückgegriffen wird. Durch die künstliche Zufuhr von Laktase können laktosehaltige Speisen besser verdaut werden. Die Einnahme sollte sich allerdings auf Ausnahmesituationen wie Feierlichkeiten, Urlaube oder Restaurantbesuche beschränken, da die Präparate nicht für eine Dauermedikation konzipiert sind.

Achtung vor versteckter Laktose

Bei Laktoseintoleranz sollten Sie vor allem bei Fertiggerichten Vorsicht walten lassen. Häufig wird Milchzucker als Aromaträger oder Füllstoff verwendet und findet sich daher in vielen Lebensmitteln wieder, bei denen man nicht damit gerechnet hat — wie zum Beispiel in Wurstwaren, Brühwürfeln, Chips oder Fertigsoßen. Da in Deutschland die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf der Verpackung klar und deutlich angegeben werden müssen, können Betroffene bei Laktoseintoleranz schnell erkennen, ob Milchzucker in Produkten vorhanden ist oder nicht.

Laktose als Zusatz in Medikamenten
Bei einigen Tabletten ist Laktose als Trägerstoff oder gar Hauptbestandteil enthalten. Vor der Einnahme sollten Menschen mit Laktoseintoleranz daher gründlich die Packungsbeilage studieren. Wer nicht jedes Mal den Beipackzettel penibel genau durchsehen möchte, der kann auch vorab seinen Arzt über die Milchzuckerunverträglichkeit informieren, sodass dieser bereits bei der Verschreibung von Medikamenten darauf achten kann. Empfehlenswert ist es zudem, dass Betroffene beim Kauf zur Absicherung den Apotheker um Auskunft bitten.

Hier weiterlesen:

Verdauungsprobleme? Das sollten Sie wissen >>

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf unsere Verdauung? >>

Mögliche Ursachen für Blähungen >>



Kira Hetberg
Redakteur/in