Wie ist eine Pilzvergiftung zu erkennen?


Die Beschwerden, die bei einer Vergiftung (Intoxikation) durch Pilze auftreten können, sind unter anderem abhängig von der Art und Menge des verzehrten Pilzes. Im Rahmen von Magen-Darm-Problemen sind beispielsweise folgende Symptome möglich:

Darüber hinaus sprechen in einigen Fällen auch Anzeichen außerhalb des Magen-Darm-Trakts für eine Vergiftung:

  • Kopfschmerzen
  • Herz-Kreislaufbeschwerden wie Blutdruckabfall, Schwindel und Schweißausbrüche
  • erhöhter Tränen- und Speichelfluss
  • Sehstörungen durch verengte oder erweiterte Pupillen
  • Muskelzuckungen
  • Krampfanfälle
  • Halluzinationen
  • Bewusstseinsstörungen wie Verwirrtheit
  • Bewusstlosigkeit

Da die genannten Beschwerden ebenfalls andere Erkrankungen als Ursache haben können, ist eine Pilzvergiftung für Laien nicht so einfach zu erkennen. Vor allem, wenn unklar ist, welche Pilzart verspeist wurde oder die Pilzmahlzeit bereits einige Zeit zurückliegt. Denn je nach Pilzart und Menge des aufgenommenen Giftes, können die Symptome nach kurzer Zeit (etwa 15 Minuten) oder erst einige Stunden (25 Stunden) später auftreten.1

Was ist eine unechte Pilzvergiftung?

Von einer unechten Pilzvergiftung sprechen Mediziner, wenn essbare Pilze wie Champignons, Steinpilze oder Echte Pfifferlinge zu Magen-Darm-Beschwerden (zum Beispiel Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen) führen. In diesen Fällen kommt es zu einer Unverträglichkeitsreaktion. Ursache kann beispielsweise der Verzehr von Pilzen sein, die Hämolysine (Substanzen, die eine Auflösung roter Blutkörperchen bewirken) enthalten. Werden diese roh verspeist, kann das ebenfalls zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Co. führen. Darüber hinaus sind Pilze, die alt oder verdorben sind, anfällig für die Bildung von bakteriellen Giftstoffen – die Folge sind meist Magen-Darm-Beschwerden.

Für Laien ist oftmals schwer, eine echte Vergiftung von einer unechten zu unterscheiden. Wenn sie nach dem Essen starke Beschwerden auftreten, sollten Sie daher einen Arzt aufsuchen.

Erste Hilfe: Was im Notfall zu tun ist


Verspüren Sie nach einer Pilzmahlzeit deutliche Beschwerden? Haben Sie den Verdacht auf eine Pilzvergiftung? Dann sollten Sie die folgenden Schritte durchführen:

  • Medizinische Hilfe suchen: Je nach eingeschätzter Situation und Schweregrad der Vergiftung, sollten Sie einen Arzt (Haus- oder Notarzt) kontaktieren, den Giftnotruf anrufen oder ins Krankenhaus fahren.
  • Pilze und eventuell Erbrochenes sicherstellen: Um die genauen Ursachen festzustellen und eine geeignete Therapie einzuleiten, ist die Analyse des gegessenen Pilzes beziehungsweise des Erbrochenen hilfreich.

Bitte nicht – von diesen Tipps sollten Sie besser die Finger lassen:

  • Milch soll als Hausmittel bei einer Pilzvrgiftung helfen, allerdings kann diese sogar das Gegenteil bewirken und die Giftaufnahme begünstigen.
  • Das selbstständige Auslösen von Erbrechen, beispielsweise durch durch das Trinken von Salzwasser, kann ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Gelangt zum Beispiel Erbrochenes in die Lunge, ist es möglich, dass es zu einer Lungenentzündung oder gar zu einem Lungenversagen kommt.

Ab zum Arzt: Wie sieht die medizinische Therapie aus?


Liegt der Verdacht auf eine Pilzvergiftung nahe, wird der behandelnde Arzt den Patienten – oder falls dieser nicht ansprechbar ist, den Ersthelfer – zu den näheren Umständen befragen. Folgende Informationen können für die Diagnose relevant sein:

  • Art der Pilze und Menge
  • Herkunft der Pilze (gekauft oder selbst gesammelt)
  • Zubereitung der Speise
  • Zeitpunkt der ersten Beschwerden
  • Art und Reihenfolge der aufgetretenen Symptome

Darüber hinaus gibt auch die Analyse von eventuell mitgebrachten Speiseresten oder Erbrochenem Auskunft über die Art des Giftpilzes. Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung bei der Identifizierung des Giftes helfen.

Die ärztliche Behandlung hängt letztlich von der Pilzart und den Beschwerden ab. Bei einigen Patienten ist es sinnvoll, sie unter ärztlicher Aufsicht beispielsweise mit einem speziellen Brechsirup zum Erbrechen zu bringen. In anderen Fällen gibt es Gegengifte, die die betroffene Person einnehmen muss. Sofern das Pilzgift bereits die Leber geschädigt hat, ist es mitunter erforderlich, eine kurzfristige oder auch dauerhafte Blutwäsche (Hämodialyse) durchzuführen. Bei einer fortgeschrittenen Vergiftung mit Nieren- oder Leberversagen ist eine Organtransplantation oftmals die einzige Lösung.

Schon gewusst?

In Mitteleuropa werden etwa 1 bis 3 Prozent aller Intoxikationen durch Pilze hervorgerufen.1  Weitere Lebensmittelvergiftungen werden beispielsweise durch Fleisch, Salmonellen oder Fisch ausgelöst.

Verlauf und Prognose einer Pilzvergiftung


In der Regel lässt sich die Pilzvergiftung bei raschem Handeln gut therapieren. Die meisten Betroffenen haben es überstanden, sobald sich Magen und Darm der unliebsamen Mahlzeit entledigt haben. Das dauert mitunter auch ein paar Tage. In einigen wenigen Fällen kann die Intoxikation aber auch lebensbedrohlich verlaufen, wenn es in der Folge zu einem Leber- und/oder Nierenversagen kommt.

Der Grüne Knollenblätter ist für einen Großteil der Pilzvergiftungen verantwortlich.

Vorsicht ist vor allem bei sehr giftigen Pilzarten wie dem Grünen Knollenblätterpilz (siehe Bild) gefragt, der für circa 80 Prozent aller tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen verantwortlich ist. Hier kann bereits der Verzehr von circa 50 Gramm für Erwachsene lebensbedrohlich sein, bei Kindern sind es sogar nur etwa 25 Gramm.2

Aha!

Tödlich verlaufende Pilzvergiftungen sind zwar möglich, das Risiko hierfür ist jedoch nicht sehr hoch. Beispielsweise wurden dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Jahr 2015 in Deutschland insgesamt 27 Fälle einer Vergiftung durch Pilze gemeldet, wovon zwei zum Tod führten.2

Wie lässt sich einer Pilzvergiftung vorbeugen?


Um eine Intoxikation oder Unverträglichkeitsreaktion durch Pilze zu vermeiden, gibt es ein paar Regeln, die Sie beachten sollten.

  • Wenn Sie selbstständig Pilze sammeln, sollten Sie nur die Arten mitnehmen, die Sie eindeutig als Speisepilze identifizieren können. Wenn Sie sich unsicher sind, wenden Sie sich am besten an einen geprüften Sachverständigen (beispielsweise Vereine).
  • Sammeln und transportieren Sie die Pilze nicht in Plastiktüten, da diese hier schneller verderben als gewöhnlich. Als Alternative bietet sich ein luftiger Korb oder eine Stofftasche an.
  • Lagern Sie die Pilze an einem kühlen, luftigen Ort – der Kühlschrank ist ideal. Je nach Pilzart halten sich diese einige Tage. Da die meisten Pilze allerdings rasch verderben, ist es ratsamer, sie immer möglichst frisch zuzubereiten.
  • Sollten Sie bereits schadhafte oder faulige Stellen feststellen, sind diese großzügig zu entfernen. Von einer Verwendung ist abzuraten, wenn die Pilze bereits verdorben sind – also bei Schimmel, dunkler Verfärbung sowie schleimiger oder auffallend weicher Konsistenz.
  • Bei der Zubereitung ist zu beachten, dass die meisten Pilze ausreichend erhitzt werden sollten. Denn viele Pilze sind roh giftig oder lösen verschieden starke Unverträglichkeitsreaktionen hervor. Ausnahmen sind beispielsweise Champignons, Shiitake oder Kräuterseitlinge, diese können Sie in der Regel roh verzehren.
  • Um Verdauungsbeschwerden zu vermeiden, sollten Sie beim Essen darauf achten, die Pilze ausreichend zu kauen.
  • Auch die Menge spielt bei Magen-Darm-Beschwerden häufig eine Rolle, denn ein Zuviel an Pilzen ist mitunter schwer verdaulich.
  • Einige Pilzarten wie der Faltentintling enthalten den Giftstoff Coprin, welches in Kombination mit Alkohol zu Beschwerden wie Herzrasen, Übelkeit oder Schweißausbrüchen führen kann. Daher sollten Sie während und nach einer Pilzmahlzeit auf Alkohol verzichten.
  • Falls Pilzreste übrig bleiben, sollten Sie diese rasch abkühlen, beispielsweise durch ein Eiswasserbad, und anschließend im Kühlschrank aufbewahren. Dann ist es auch möglich, die Mahlzeit nochmals aufzuwärmen.

Überblick: Welche Pilze gelten als giftig?

  • Fliegenpilz (Amanita muscaria)
  • Pantherpilz (Amanita pantherina)
  • Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)
  • Kegelhütiger Knollenblätterpilz (Amanita virosa)
  • Gifthäubling (Galerina marginata)
  • Orangefuchsiger Raukopf (Cortinarius orellanus)
  • Spitzkegeliger Raukopf (Cortinarius rubellus)
  • Empfindlicher Krempling (Paxillus involutus)
  • Feldtrichterling (Clitocybe rivulosa)
  • Ziegelroter Risspilz (Inocybe erubescens)
  • Kegeliger Risspilz (Inocybe rimosa)
  • Tigerritterling (Tricholoma pardinum)
  • Giftchampignon oder Karbolegerling (Agaricus xanthoderma)
  • Satanspilz (Suillellus satanas)
  • Parfümierter Trichterling (Clitocybe amoenolens)
  • Zimtfarbener Weichporling (Hapalopilus rutilans)
Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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