Helles Blut im Stuhl: Häufige Ursache sind Hämorrhoiden

17. September 2018

Ist beim Toilettengang helles Blut im Stuhl zu sehen, macht das natürlich Angst. Aus Sorge nicht zum Arzt zu gehen, ist da aber der falsche Weg: Blut im Stuhl kann viele Ursachen haben. Einige – wie Hämorrhoiden – sind mittlerweile gut behandelbar. Erfahren Sie hier mehr über hellrotes Blut beim Stuhlgang.

Wie kommt das helle Blut in den Stuhl?

Ist helles oder hellrotes Blut im Stuhl, sprechen Mediziner von einer Hämatochezie. Bei einer Hämatochezie kann hellrotes Blut entweder mit dem Stuhlgang vermischt sein oder die Bluttropfen sind ihm aufgelagert. Frisches Blut im Stuhl weist in der Regel auf eine Blutung im mittleren oder unteren Darmtrakt hin. Sie sind zu unterscheiden von Blutungen im oberen Verdauungstrakt – in diesem Fall ist dunkles Blut im Stuhl (Meläna) zu beobachten.

Was sind die Ursachen von Hämatochezie?

Helles Blut im Stuhl tritt häufig in Verbindung mit Hämorrhoiden auf

Ist helles Blut im Stuhl, muss nicht zwangsläufig eine schwerwiegende Erkrankung der Auslöser sein. Sehr häufig tritt frisches Blut bei Hämorrhoidalleiden auf. Experten schätzen, dass die Hälfte aller über 50-Jährigen davon betroffen ist. Jeder Mensch besitzt Hämorrhoiden (gut durchblutete Gewebepolster) am After, welche die wichtige Aufgabe haben, ihn zu verschließen und damit den Darm sicher abzudichten. Immer wenn sie den After verschließen, vergrößern sich diese Gewebepolster, indem Blut in die Hämorrhoiden strömt. Wird längere Zeit starker Druck auf diese Blutgefäße am Anus ausgeübt, zum Beispiel durch starkes Pressen bei Verstopfung, kann das Blut nicht mehr abfließen, die Adern erweitern sich und das Gewebe leiert aus.

Angeschwollene Hämorrhoiden können nach außen treten und anfangen zu bluten. Eine vererbte Schwäche der Venenwände sowie des Bindegewebes trägt ebenso dazu bei, dass sich mit dem Alter die Hämorrhoiden vergrößern und Richtung Darmausgang wölben. Des Weiteren können Alkohol oder Stress das Hämorrhoidalleiden begünstigen.

Anzeichen für Hämorrhoiden:

Nicht nur hellrotes Blut kann ein Symptom für Hämorrhoiden sein. Ebenfalls typisch sind Brennen, Nässen und starker Juckreiz am After.

Des Weiteren können Analfissuren das frische Blut im Stuhl verursachen. Fissuren sind kleine Risse im Bereich des Analkanals, die bei starkem Druck oder Verstopfung entstehen können. Die Blutungen werden daraufhin bei Stuhlgang in der Toilette sichtbar.

Eine weitere harmlose Ursache, vor allem bei Kindern: Eine Unverträglichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel, zum Beispiel Zitrusfrüchte. Bei manchem Betroffenen führt das zu einem wunden, blutenden Po, weil der Stuhl dann „ätzend“ wird.

Daneben können auch folgende Erkrankungen bei hellrotem Blut im Stuhl vorliegen:

  • Infektionen:
    Blutiger Stuhlgang kann ebenso Begleiterscheinung einer Magen-Darm-Infektion sein. Bakterien oder Viren greifen häufig die Schleimhäute des Verdauungstraktes an und überreizen sie damit. Auch bei einer Darminfektion (wie zum Beispiel einer Magen-Darm-Grippe) ist in seltenen Fällen neben anderen Begleitsymptomen wie Durchfall auch helles Blut im Stuhl möglich.
  • Chronische Darmerkrankungen:
    Vor allem bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden die Darmschleimhäute stark beansprucht, weshalb helles Blut im Stuhl auch auf Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa schließen lässt.
  • Divertikulitis:
    Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand, die im Dünndarm, vor allem aber im Dickdarm vorkommen. Warum genau Divertikel entstehen, lässt sich nicht eindeutig sagen, da sie aber überwiegend bei älteren Menschen auftreten, deutet dies daraufhin, dass es sich um eine erworbene und nicht angeborene Erkrankung handelt. Experten vermuten, dass vor allem ballaststoffarme Ernährung die Entstehung von Divertikeln begünstigt – sie härtet und festigt den Stuhl. Bei etwa 12 bis 25% der Menschen mit Divertikeln entzünden sich die Ausstülpungen, in der Folge können sie leicht Darmblutungen verursachen. Entwickeln sich mehrere solcher Ausstülpungen, sprechen Mediziner von einer Divertikulitis.
  • Darmpolypen:
    Darmpolypen sind nicht selten. Jeder Zehnte hat mindestens einen Polypen im Darm. An sich handelt es sich bei ihnen um gutartige Vorwölbungen der Darmschleimhaut, die kaum Symptome auslösen. Im weiteren Verlauf können sie jedoch bösartig entarten und zu Darmkrebs führen. In wenigen Fällen (etwa fünf Prozent) können Polypen bluten. Dadurch werden Blutbeimengungen im Stuhl sichtbar. Ansonsten werden sie meist bei der Krebsvorsorge entdeckt.
  • Darmkrebs:
    Der Krebs entwickelt sich häufig aus den Darmpolypen im unteren Teil des Verdauungstraktes. Helles Blut im Stuhl oder Blutauflagerungen sind typische Alarmzeichen von Darmkrebs. In vielen Fällen kann das Blut aber nur durch spezielle Tests nachgewiesen werden, weil es im Stuhl nicht sichtbar ist (okkultes Blut).

Was kann der Arzt tun?

Ist eine sehr große Menge frisches Blut im Stuhl oder kommt es zu chronischen Blutungen, besteht auch die Gefahr von Blutarmut. Patienten fühlen sich oft schlapp und müde. Deshalb ist es wichtig, so schnell wie möglich die Ursache der Blutung zu finden. Je nach Blutungsquelle kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht.

Behandlung von Hämorrhoiden

Zunächst die gute Nachricht: Hämorrhoiden sind keine gefährliche Erkrankung und haben eine gute Prognose. Je eher sie erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln. Der Arzt passt die Behandlung dem Schweregrad der Erkrankung an. Bei noch kleinen Hämorrhoiden kann der Arzt gegen das Jucken und Brennen Salben, Cremes oder Zäpfchen empfehlen Bereits stark vergrößerte Hämorrhoiden werden durch das Einspritzen bestimmter Flüssigkeiten verödet oder chirurgisch entfernt.

Divertikulose-Theraphie

Auch die Behandlung von Divertikeln, also Ausstülpungen der Darmwand, richtet sich nach der Ausprägung und den Beschwerden des Patienten. Bei einer unkomplizierten Form können eine Umstellung der Essgewohnheiten und mehr sportliche Aktivität bereits zu einer Besserung führen. Zudem verschreibt der Arzt entzündungshemmende Medikamente oder krampflösende Mittel. Durch diese Maßnahmen kann häufig eine Operation vermieden werden. Bei ausgeprägter Divertikulose besteht jedoch die Möglichkeit, dass ein Darmabschnitt chirurgisch entfernt werden muss.

Früherkennung von Darmkrebs

Darmpolypen an sich sind gutartig. Häufig sind sie jedoch eine Vorstufe von Darmkrebs. Deshalb sollten sie gleich entfernt werden, sobald sie entdeckt werden. Oft kann der Arzt kleinere Auswucherungen während einer Darmspiegelung mit einer kleinen Schlinge abtragen. Ist eine endoskopische Entfernung nicht möglich, muss die Darmpolype chirurgisch durch die Bauchdecke entfernt werden. In extrem seltenen Fällen, wenn ein erhöhtes Risiko einer Krebserkrankung vorhanden ist, entfernt der Arzt zur Vorsorge auch komplette Darmabschnitte.

Früherkennung von Darmkrebs

Darmkrebs ist nach Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Etwa sechs Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an dieser Krankheit. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Das Tückische an dieser Erkrankung: Es gibt keine eindeutigen Frühsymptome. Mögliche Anzeichen sind jedoch:

  • Wechsel von Durchfällen und Verstopfung
  • Nachtschweiß
  • starke Bauchschmerzen
  • übelriechende Winde
  • Bleistiftstühle (der Stuhl hat die schlanke Form eines Bleistifts)

Viele Darmkrebspatienten berichten außerdem von frischem Blut im Stuhl und veränderten Stuhlgewohnheiten. Dass das Blut sichtbar ist, ist aber kein Muss. Manchmal ist die Blutung so leicht, dass das Blut nur mit einem Stuhlprobentest (Okkultbluttest) nachgewiesen werden kann. Ab einem Alter von 50 Jahren sollten Sie deshalb Krebsvorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Denn umso eher ein Arzt die Krankheit erkennt, umso besser stehen die Heilungschancen. Vor allem wenn in Ihrer direkten Verwandtschaft Krankheitsfälle bekannt sind, besteht ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko und Sie sollten noch früher Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen.

Auch wenn sie etwas unangenehm sein mag, die effektivste Methode zur Darmkrebsvorsorge bleibt die Darmspiegelung (Koloskopie), weil gleichzeitig Gewebeproben (Biopsien) aus der Darmschleimhaut entnommen und mögliche vorhandene Darmpolypen entfernt werden können. Der Arzt führt dabei einen schmalen, biegsamen Schlauch mit Licht und kleiner Kamera (Endoskop) über den After in den Darm ein und kann dadurch das Innere des Darms auf einem Monitor begutachten. Entdeckt er verdächtige Stellen, können die Gewebeproben Klarheit bringen.

Wer bezahlt die Vorsorge?
Ab einem Alter von 55 Jahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen zwei Darmspiegelungen zur Darmkrebs-Früherkennung. Zwischen den Untersuchungen müssen jedoch zehn Jahre liegen. Daneben können ab einem Alter von 50 Jahren alle zwei Jahre Tests auf verborgenes Blut im Stuhl in Anspruch genommen werden. Wird dabei okkultes Blut entdeckt, übernimmt die Krankenkasse eine weiterführende Darmspiegelung.
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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin