Wie kommt das helle Blut in den Stuhl?


Ist hellrotes (frisches) Blut im Stuhl im Stuhl zu finden, sprechen Mediziner von einer Hämatochezie. Hierbei kann das Blut entweder mit dem Stuhlgang vermischt oder in Form von Tropfen aufgelagert sein. Diese Art der Blutbeimengung im Stuhl weist in der Regel auf Verletzungen im mittleren oder unteren Darmtrakt hin. Sie sind zu unterscheiden von solchen im oberen Verdauungstrakt, bei denen das Blut bereits mit Magensäure in Kontakt kam und aufgrund dessen dunkler ist (Meläna).

Was sind die Ursachen von Hämatochezie?


Ist helles Blut im Stuhl, muss nicht zwangsläufig eine schwerwiegende Erkrankung der Auslöser sein — sehr häufig sind auch Hämorrhoidalleiden die Ursache. Experten schätzen, dass die Hälfte aller über 50-Jährigen davon betroffen ist.1

Prinzipiell besitzt jeder Mensch Hämorrhoiden (gut durchblutete Gewebepolster) am After. Diese haben, zusammen mit dem Schließmuskel, die wichtige Aufgabe, den Darm sicher nach außen abzudichten. Erst wenn sie sich dauerhaft vergrößern und entzünden, entstehen Beschwerden, die sich dann durch beispielsweise Jucken und Brennen am After, aber auch in Form von hellem Blut auf Toilettenpapier oder Stuhl äußern.

Auch Analfissuren verursachen unter Umständen frisches Blut im Stuhl. Fissuren sind kleine Risse im Bereich des Analkanals, die bei starkem Druck oder Verstopfung entstehen können. Die Blutungen werden daraufhin beim Stuhlgang in der Toilette sichtbar.

Eine weitere Ursache: Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel, zum Beispiel Zitrusfrüchte. Bei manchen Betroffenen führt das zu einem wunden, blutenden Po, da die Substanzen im Stuhl dann die empfindliche Haut reizen.

Daneben können auch folgende Erkrankungen bei hellrotem Blut im Stuhl vorliegen:

  • Infektionen:
    Blutiger Stuhlgang ist häufig die Begleiterscheinung einer Magen-Darm-Infektion. Bakterien oder Viren greifen die Schleimhäute des Verdauungstraktes an und überreizen sie damit. Beispielsweise bei einer Magen-Darm-Grippe) ist, neben anderen Begleitsymptomen wie Durchfall, in seltenen Fällen auch helles Blut im Stuhl möglich.
  • Chronische Darmerkrankungen:
    Vor allem bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden die Darmschleimhäute stark beansprucht, weshalb helles Blut im Stuhl auch auf Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hinweisen kann.
  • Divertikulitis:
    Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand, die vor allem im Dickdarm vorkommen. Warum genau sie entstehen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Da sie aber überwiegend bei älteren Menschen auftreten, deutet dies darauf hin, dass es sich um eine erworbene und nicht um eine angeborene Erkrankung handelt. Experten vermuten, dass ballaststoffarme Ernährung die Entstehung von Divertikeln begünstigt, indem sie den Stuhl härtet. Das bloße Vorhandensein der Ausstülpungen verursacht zunächst noch keine Beschwerden. Bei etwa 12 bis 25% der Menschen mit Divertikeln entzünden sich diese jedoch im Verlauf der Erkrankung — in der Folge kommt es hin und wieder zu Blutbeimengungen im Stuhl.
  • Darmpolypen:
    Darmpolypen sind nicht selten. Jeder Zehnte hat mindestens einen Polypen im Darm. An sich handelt es sich bei ihnen um gutartige Vorwölbungen der Darmschleimhaut, die kaum Symptome auslösen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass sie bösartig entarten und zu Darmkrebs führen. In wenigen Fällen bluten die Polypen auch — was dann beim Toilettengang sichtbar wird.
  • Darmkrebs:
    Blut im Stuhl oder Blutauflagerungen können ein Anzeichen für Darmkrebs sein. Der Krebs entwickelt sich dabei häufig aus den Darmpolypen im unteren Teil des Verdauungstraktes. Doch nicht immer ist das Blut mit bloßem Auge zu erkennen (okkultes Blut). In vielen Fällen kann es nur mit Hilfe von speziellen Tests sichtbar gemacht werden.

Was kann der Arzt tun?


Ist eine sehr große Menge frisches Blut im Stuhl oder kommt es zu chronischen Blutungen, besteht auch die Gefahr von Blutarmut. Patienten fühlen sich oft schlapp und müde. Deshalb ist es wichtig, so schnell wie möglich die Ursache der Blutung zu finden. Je nach Blutungsquelle kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht.

Behandlung von Hämorrhoiden

Zunächst die gute Nachricht: Ein Hämorrhoidalleiden ist nicht gefährlich und hat eine gute Prognose. Je eher es erkannt wird, desto besser lässt es sich behandeln. Der Arzt passt die Therapie dem Schweregrad der Erkrankung an. Bei noch kleinen Hämorrhoiden können Sie beispielsweise mit Salben, Cremes oder Zäpfchen gegen das Jucken und Brennen vorgehen. Bereits stark vergrößerte Hämorrhoiden werden durch das Einspritzen bestimmter Flüssigkeiten verödet oder chirurgisch entfernt.

Therapie der Divertikulitis

Die Behandlung von entzündeten Divertikeln, also Ausstülpungen der Darmwand, richtet sich nach der Ausprägung und den Beschwerden des Patienten. Bei einer leichten Form führen eine Umstellung der Essgewohnheiten und mehr sportliche Aktivität bereits zu einer Besserung. In einigen Fällen werden auch Antibiotika verschrieben.4

Eine schwere Divertikulitis muss dagegen dringend in einem Krankenhaus behandelt werden, um zu verhindern, dass sich die Entzündung ausbreitet. Neben der Gabe von Antibiotika ist oft auch eine Operation nötig, bei welcher der betroffene Darmabschnitt komplett entfernt wird (möglicherweise mit der Anlage eines künstlichen Darmausgangs). Dieses Vorgehen kann das Auftreten von Komplikationen wie einem Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung verringern.5

  • Künstlicher Darmausgang: Was ist eine Stomatherapie? In einigen Fällen einer Divertikulitis kann ein künstlicher Darmausgang nötig sein. Doch was bedeutet das? Und welche Herausforderungen ergeben sich für Betroffene? Stomatherapeutin Gabriele Hofmann klärt auf.

Darmpolypen entfernen

Darmpolypen an sich sind gutartig — trotz allem können sie eine Vorstufe von Darmkrebs sein, weswegen sie in der Regel direkt nach ihrer Entdeckung entfernt werden. Oft kann der Arzt kleinere Auswucherungen während einer Darmspiegelung mit einer kleinen Schlinge abtragen. Ist eine endoskopische Therapie nicht möglich, muss die Darmpolype chirurgisch durch die Bauchdecke entfernt werden. In extrem seltenen Fällen, wenn ein erhöhtes Risiko einer Krebserkrankung vorhanden ist, entfernt der Arzt zur Vorsorge auch komplette Darmabschnitte.

Früherkennung von Darmkrebs

Darmkrebs ist laut Deutschem Krebsinformationsdienst bei Männern derzeit die dritt-, bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Das Risiko steigt mit den Lebensjahren, daher liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei etwa 72 bis 75 Jahren.6 Tückisch dabei ist: Es gibt keine eindeutigen Frühsymptome. Mögliche Anzeichen sind jedoch:

Viele Darmkrebspatienten berichten außerdem von frischem Blut im Stuhl und veränderten Stuhlgewohnheiten. Dass das Blut sichtbar ist, ist aber kein Muss. Manchmal ist die Blutung so leicht, dass das Blut nur mit einem Stuhlprobentest (Okkultbluttest) nachgewiesen werden kann.

Ab einem Alter von 50 Jahren sollten Sie deshalb Krebsvorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.6 Denn umso eher ein Arzt die Krankheit erkennt, umso besser stehen die Heilungschancen. Vor allem wenn in Ihrer direkten Verwandtschaft Krankheitsfälle bekannt sind, besteht ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko und Sie sollten noch früher Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen.

Auch wenn sie etwas unangenehm sein mag, ist die effektivste Methode zur Darmkrebsvorsorge die Darmspiegelung (Koloskopie). Hierbei können gleichzeitig Gewebeproben (Biopsien) aus der Darmschleimhaut entnommen und mögliche vorhandene Darmpolypen entfernt werden. Der Arzt führt dabei einen schmalen, biegsamen Schlauch mit Licht und kleiner Kamera (Endoskop) über den After ein und kann dadurch das Innere des Darms auf einem Monitor begutachten. Entdeckt er verdächtige Stellen, bringen die Gewebeproben Klarheit.

Wer bezahlt die Vorsorge?
Ab einem Alter von 55 Jahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen zwei Darmspiegelungen zur Darmkrebs-Früherkennung. Zwischen den Untersuchungen müssen jedoch zehn Jahre liegen. Daneben können ab einem Alter von 50 jährlich, ab 55 alle zwei Jahre Tests auf verborgenes Blut im Stuhl in Anspruch genommen werden. Wird dabei okkultes Blut entdeckt, übernimmt die Krankenkasse eine weiterführende Darmspiegelung. 7

Aufgewachsen in einer Familie aus Krankenschwestern und Journalisten, interessierte sich Miriam Och bereits sehr früh für die Themen Medizin und Medien. Nach verschiedenen Praktika im journalistischen Bereich – unter anderem bei der Deutschen Welle in Washington D.C. – absolvierte sie erfolgreich ihr Masterstudium Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seit 2017 arbeitet sie als Medizinredakteurin bei kanyo®, wo sie ihre beiden Leidenschaften optimal miteinander verknüpfen kann. Miriam Och Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
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