Ingwer gegen Reisekrankheit, Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit

28. Mai 2019
8 Min.

Nicht nur ein gefragtes Gewürz in indischen Gerichten – Ingwer ist wegen seiner gesunden Wirkung auch bei Magen-Darm-Beschwerden angezeigt, beispielsweise bei Reisekrankheit, Magenverstimmungen, Blähungen oder Appetitlosigkeit. Arzneilich wird hierfür das knollige Wurzelstück der Pflanze verwendet, sei es zur Teezubereitung, pur oder in Pulverform. Welche weiteren interessanten Fakten Sie zu Ingwer noch wissen sollten, lesen Sie nachstehend.


Auf einen Blick – Wissenswertes zu Ingwer

  • Heilkraft: brechreizlindernd, blähungswidrig, appetitanregend, keimtötend, durchblutungsfördernd
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Zingiberen, Zingiberol), Scharfstoffe (Gingerol, Shogaol), Bitterstoffe, Fette, Zucker
  • Anwendung: Medikamente (Salbe, Öl, Lutschtabletten), Gewürz, Tee
  • Botanik: knolliger Wurzelstock, aus dem ein Scheinstängel mit zapfenartiger Blütenähre wächst; Anbaugebiete von Indien bis Malaysia, China und andere tropische Gebiete

Welche Heilkräfte wirken in Ingwer?

Ingwer ist als Knolle sowie in Pulverform erhältlich. Unter anderem wirkt die Pflanze brechreizlindernd und blähungswidrig.

Wer an der Reise- oder Bewegungskrankheit (Kinetose) leidet, ist mit Ingwer gut beraten. Die knollige Heilpflanze mindert die Symptome, die damit einhergehen – also Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Aber auch bei Beschwerden der Verdauung wie einer Magenverstimmung, Blähungen, einem Unwohlgefühl im Bauch sowie Koliken ist die Pflanze wirksam.

Zudem wirkt Ingwer

  • keimtötend,
  • durchblutungsfördernd,
  • appetitanregend sowie
  • antihepatotoxisch (gegen Lebergifte).

Zu verdanken ist die vielfältige Wirkung der Heilpflanze den Inhaltsstoffen: ätherische Öle und Scharfstoffe wie Gingerol. Das Ingweröl wirkt zum Beispiel beruhigend auf die Magenbewegungen, was unter anderem bei Übelkeit hilfreich ist. Dem gegenüber regen die enthaltenen Scharfstoffe die Produktion von Magensaft an. Auf diese Weise bekommt man Appetit und die Verdauung wird in Schwung gebracht. Darüber hinaus ist Ingwer reich an Vitamin C und enthält beispielsweise auch Magnesium, Eisen und Kalzium.

„Frühjahrsputz“: Dem Darm etwas Gutes tun

Unzählige Bakterien und andere Mikroorganismen leben in unserem Darm und tragen wesentlich zur Gesundheit bei. Allerdings können bestimmte Faktoren dazu führen, dass die natürliche Balance aus dem Gleichgewicht gerät. Mit einer Darmsanierung können Sie dem entgegenwirken und die Vielfalt der „Bewohner“ wiederherstellen. Auch Ingwer gehört neben Sauermilchprodukten, Knoblauch und Bärlauch zu den natürlichen Helfern.

Aufgrund ihrer vielseitigen Wirkkraft ist die Knolle nicht nur zur Linderung von Magen-Darm-Beschwerden geeignet. Dank des schmerzstillenden Gingerols ist Ingwer ebenfalls ein wirksames Mittel gegen Muskelschmerz. Zudem hat sich die Heilpflanze bei Schmerzen im Rücken und bei Schuppenflechte (Psoriasis) mit Gelenkbeteiligung bewährt. Hier erfolgt meist eine äußerliche Behandlung mit Wickeln, Bädern oder Massagen. Außerdem soll ein frisch abgeschnittenes Stück Ingwer auf Stirn und Nacken gegen Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen helfen.

Ein weiteres Anwendungsgebiet der Knolle sind Erkältungskrankheiten. Ingwer wirkt keimwidrig, schweißtreibend und fiebersenkend, zudem wärmt er von innen und regt die körpereigene Immunabwehr an. Neben einer Erkältung (grippaler Infekt) hat er sich so bei Fieber mit Schüttelfrost, Frösteln, Schnupfen und Halsschmerzen bewährt.

Wie lässt sich Ingwer einnehmen?

In Apotheken und Reformhäusern finden sich unterschiedliche Ingwer-Präparate, beispielsweise in Form von

  • Lutschtabletten (bei Übelkeit oder Halsschmerzen),
  • Salben (bei Muskelschmerzen),
  • Ölen (bei Muskelschmerzen zur äußeren Anwendung) oder
  • pulverisiert in Kapseln (bei Übelkeit oder Erkältung).

Für arzneiliche Zubereitungen werden der geschnittene Ingwerwurzelstock oder das Trockenextrakt zur Teezubereitung verwendet. Wer frischen Ingwer zuhause hat, kann diesen übrigens auch bei Übelkeit hernehmen: Einfach eine dünne Scheibe Ingwer kauen.

Bei der Einnahme großer Mengen von Ingwer(-Präparaten) – oder bei Überempfindlichkeit gegenüber der Pflanze – können als Nebenwirkung leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen oder Magenschmerzen auftreten.

Gut zu wissen: Wenn werdende Mütter von Übelkeit und Erbrechen geplagt werden, wäre Ingwer zur Linderung wie geschaffen – oder? Einige Mediziner raten von einer vorbeugenden Einnahme ab, da der Heilpflanze ein wehenfördernder Effekt zugesprochen wird. Am besten konsultieren Schwangere vor der Verwendung ihren Frauenarzt.

Tipp: Sollten Sie an Übelkeit in der Schwangerschaft leiden, kann es bereits ausreichen, an einem Stück Ingwer zu riechen, um die Beschwerde zu mildern.

Das gesunde Lebensmittel ist zudem seit langem fester Bestandteil der indischen und chinesischen Küche – mittlerweile findet sich Ingwer auch immer häufiger im heimischen Essen. Das scharf-würzige Aroma verleiht so mancher Mahlzeit die gewisse Note, aber auch als Einmachgewürz, beispielsweise für Gurken oder Kürbisse, ist es gefragt.

Flüssiges Heilmittel zubereiten: Ingwertee

Die Wurzel ist als Tee sehr beliebt. Wer an der Reisekrankheit mit Übelkeit und Brechreiz leidet, sollte auf Ingwer – oder auch Pfefferminze – zurückgreifen und eine Teezubereitung etwa eine halbe Stunde vor Fahrtbeginn trinken.1 Falls Kindern der Geschmack zu scharf ist, lässt sich das Getränk bestens mit Apfelsaft verdünnen.

Für die Zubereitung des Heißgetränks benötigen Sie etwa ½ Teelöffel (1 Gramm) frisch zerkleinerte Ingwerwurzel und 1 Tasse heißes Wasser. Das Ganze circa 7 Minuten ziehen lassen und anschließend abgießen. Bei dyspeptischen Beschwerden (auf die Verdauung bezogen) und zur Appetitanregung ist es möglich, den Tee mehrmals täglich einzunehmen. Auch bei Durchfall kann das Heißgetränk – oder das Kauen einer gekochten Ingwerscheibe – Abhilfe schaffen. Der Grund: Meist wird die unangenehme Beschwerde durch Bakterien oder Virenverursacht; Ingwer besitzt eine antibakterielle und antivirale Wirkung.

Wissenswertes zur gelben Knolle

Wo die Ingwerpflanze ursprünglich herkommt, ist nicht ganz sicher – es wird vermutet, dass sie aus dem Bismarck-Archipel (im westlichen Pazifik) stammt. Heutzutage wird sie in Indien, Malaysia, China und anderen tropischen Ländern angebaut.

Bei Ingwer handelt es sich um eine Staude, die der Familie der Ingwergewächse zugehörig ist. Charakteristisch ist ein knolliger Wurzelstock, der horizontal im Boden kriecht und sich dabei in einer Ebene verzweigt. Aus den Abschnitten der Rhizome (unterirdische Sprossachse) treiben schilfartige Stängel aus, die in den Scheiden von lanzettlichen Blättern umfasst werden. Einige Sprossen tragen Blütenstände mit grünen Blättern, die zum Rand hin gelb verlaufen, und ein purpurfarbenes Labellum (Lippe) haben.

Die verwandte Knolle: Kurkuma

Unterirdische Sprossen und ein Scheinstängel sind auch das Markenzeichen von Kurkuma. Im Unterschied zur Ingwerknolle, die blassgelb ist, besitzt das Ingwergewächs Kurkuma einen intensiven Gelbton. Das Lebensmittel zeichnet sich außerdem durch einen leicht bitteren Geschmack aus.

Wie schon der verwandte Ingwer hat auch die Gelbwurz – wie die Pflanze noch genannt wird – eine positive Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt: Sie trägt zur Linderung von beispielsweise Blähungen oder Völlegefühl bei, kann aber auch hilfreich bei einem Reizmagen oder Reizdarm sein.

Arzneilich wird lediglich der Wurzelstock (geschält und von der Rinde befreit) verwendet. Dieser stammt ausschließlich aus Kulturen. Hierfür werden im Frühjahr Rhizomstücke in die Erde gelegt und nach etwa 10 Monaten geerntet.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin