Bäuerchen machen erleichtert die Verdauung beim Baby

17. September 2018

Jedes Baby sollte nach der Mahlzeit ein Bäuerchen machen – das besagt zumindest die Regel, die Eltern schon während des Geburtsvorbereitungskurses lernen. Doch wie gelingt das Bäucherchen am besten? Und ist es wirklich nach jeder Nahrungsaufnahme erforderlich? Wir informieren Sie über Sinn und Zweck eines Bäuerchens und stellen verschiedene Positionen vor.

Warum Babys ein Bäuerchen machen sollten

Ein Bäuerchen unterstützt die Verdauung von Babys

Babys müssen sich nach der Geburt erst schrittweise an die Nahrungsaufnahme gewöhnen. Wenn sie trinken, schlucken sie häufig auch Luft. Das kann zu unangenehmen Blähungen und Bauchschmerzen führen. Blähungen gelten zudem als eine mögliche Ursache für die sogenannten Dreimonatskoliken.

Durch Aufstoßen kann diese Luft wieder entweichen. Ein Bäuerchen ist zwar kein Allheilmittel gegen Verdauungsbeschwerden beim Baby, aber es hilft zumindest, die überschüssige Luft aus den Verdauungsorganen zu entfernen. Wie können Eltern ihr Baby das Aufstoßen erleichtern?

Verschiedene Positionen helfen beim Bäuerchen

Der beste Zeitpunkt für ein Bäuerchen ist direkt nach der Mahlzeit. So wird die Luft herausgedrückt, bevor sie in den Darm gelangt und Blähungen auslöst. Damit das Aufstoßen gelingt, gibt es verschiedene Positionen:

  • Legen Sie Ihr Baby aufrecht an Ihre Brust/Schulter, sodass sein Kinn auf Ihrer Schulter ruht. Streichen Sie sanft über den Rücken oder klopfen Sie sachte. Bei einigen Säuglingen löst sich das Bäuerchen sofort, andere müssen erst einige Minuten umhergetragen werden. Manchmal kommt mit dem Bäuerchen ein Schwall Milch heraus. Das ist nicht ungewöhnlich. Tragen Sie zum Schutz Ihrer Kleidung deshalb am besten ein Tuch über der Schulter (oft als Spucktuch bezeichnet).
  • Manche Neugeborenen können in Bauchlage leichter aufstoßen. Legen Sie Ihr Baby dafür längs über Ihren Arm, sodass sein Köpfchen in Ihrer Armbeuge ruht und Sie den Körper mit der Hand halten können (der sogenannte Fliegergriff). Stützen Sie dabei mit Ihrer Hand oder der Armbeuge das Köpfchen, sodass es höher liegt als der Rest des Körpers. Alternativ können Sie Ihr Kind auch auf Ihren Schoß legen. Streicheln oder klopfen Sie ihm nun sanft über den Rücken.
  • Ein größeres Kind, das den Kopf schon allein hält, kann das Bäuerchen auch im Sitzen machen. Setzen Sie es dazu auf Ihren Schoß, den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt. Mit einer Hand halten Sie die Brust des Babys und mit der anderen klopfen Sie leicht über den Rücken. Der leichte Druck der Hand auf die Vorderseite hilft zusätzlich, die Luft zu lösen.

Lassen Sie sich gegebenenfalls die verschiedenen Haltegriffe von Ihrer Hebamme zeigen, falls Sie unsicher sind.

Stillen oder Flasche – ein Bäuerchen ist immer empfehlenswert

Jeder Säugling hat andere Trinkgewohnheiten: Einige trinken sehr gierig und schlucken deshalb viel Luft, andere lassen sich mehr Zeit. Beim Stillen passt sich der Milchfluss an die Saugkraft des Babys an. Bei einer guten Stillhaltung, bei der das Baby entspannt an der Brust liegt, schlucken Babys tendenziell weniger Luft als beim Trinken aus der Flasche.

Allerdings gibt es mittlerweile auch bei Milchflaschen kluge Saugsysteme, die das Problem reduzieren. Außerdem ist Stillen keine Garantie gegen Blähungen. Wie gierig ein Säugling trinkt, ist schließlich auch eine Frage der Persönlichkeit sowie der äußeren Umstände. Deshalb sollten Babys unabhängig davon, ob sie gestillt werden oder aus der Flasche trinken, anschließend ein Bäuerchen machen.

Tipp: Trinkt ein Baby sehr schnell, ist es empfehlenswert, auch zwischendurch eine kurze Pause einzulegen, um ein Bäuerchen zu machen. Das verhindert, dass sich zu viel Luft im Magen ansammelt, die Platz für weitere Milch wegnimmt. Mehrere kleine Bäuerchen sorgen so dafür, dass der Säugling mehr Milch trinken kann und anschließend länger satt bleibt.

Was, wenn das Baby kein Bäuerchen macht?

Hat das Baby zehn bis fünfzehn Minuten nach dem Trinken noch immer kein Bäuerchen gemacht, machen sich viele Eltern Sorgen. Das ist oft unbegründet. Wenn der Säugling keine Anzeichen von Unwohlsein zeigt und zufrieden wirkt, hat er möglicherweise einfach nicht so viel Luft geschluckt, dass er ein Bäuerchen machen muss. Ist das Kind allerdings unruhig, braucht es vielleicht einfach länger. Probieren Sie hier auch die verschiedenen Positionen aus, um herauszufinden, wie sich die Luft am leichtesten löst.

Ähnlich verunsichert sind Eltern, wenn das Neugeborene während des Trinkens eingeschlafen ist. Solange das Baby ruhig ist und erfahrungsgemäß später keine Bauchschmerzen auftreten, ist es jedoch unnötig, es zu wecken, nur um ein Bäuerchen zu machen.

Wie in vielen anderen Bereichen der Kinderbetreuung auch, verändern sich die Gewohnheiten des Babys im Laufe der Zeit. Was heute geht, funktioniert morgen vielleicht schon nicht mehr. Deshalb gilt beim Bäuerchen wie bei vielen anderen Dingen auch: Folgen Sie Ihrer Intuition und passen Sie Ihre Routine wenn nötig immer wieder an.

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Peggy Richter
Redakteur/in