Wenn Übelkeit die Schwangerschaft belastet

17. September 2018

Übelkeit ist in der Schwangerschaft eines der häufigsten Symptome. In vielen Filmkomödien parodiert, stellen Übelkeit und Erbrechen in der Realität jedoch für viele Frauen eine Belastung dar, die in seltenen Fällen sogar ein gesundheitliches Risiko für die werdende Mutter und das Kind bedeuten.

Warum Frauen während der Schwangerschaft schneller übel wird

Schwangere leiden vor allem während der Frühschwangerschaft in Folge der hormonellen Veränderungen unter Übelkeit

Übelkeit tritt hauptsächlich im ersten Drittel der Schwangerschaft, meist von der sechsten bis zur zwölften Woche, auf. Am ausgeprägtesten ist das flaue Gefühl im Magen morgens gleich nach dem Aufstehen. Bei manchen Frauen macht es sich aber auch zu anderen Tageszeiten bemerkbar.

Die Ursachen sind zwar noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt mehrere Faktoren, die mit der Übelkeit in Verbindung gebracht werden. Wird eine Frau schwanger, erlebt der Körper umfangreiche hormonelle Veränderungen. Diese tragen dazu bei, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt und der Fötus sich gut entwickeln kann. Gleichzeitig verändern sie aber auch den Geruchs- und Geschmackssinn der Schwangeren.

Viele Frauen entwickeln einen Heißhunger, aber auch Abneigungen gegen bestimmte Speisen. Manchmal genügt schon ein starker, unangenehmer Geruch oder der Gedanke ans Essen, um Übelkeit oder Erbrechen in der Schwangerschaft auszulösen.

Mögliche Auslöser für Übelkeit während der Schwangerschaft

Da die Phase der Übelkeit in der Regel auf die ersten Wochen der Schwangerschaft begrenzt ist, wird vermutet, dass sie mit der vermehrten Produktion von Humanem Choriongonadotropin (hCG) in Verbindung steht, dessen Wert im Blut in der Frühschwangereschaft seinen Höhepunkt erreicht.

Dieses Hormon wird in der Plazenta gebildet, sobald eine Frau schwanger wird. Der hCG-Spiegel steigt in den ersten Tagen und Wochen nach der Einnistung enorm an, um den Körper für die Schwangerschaft vorzubereiten. Ab der zehnten Schwangerschaftswoche fällt er nach und nach wieder ab.

Ein weiterer Faktor, der mit Erbrechen und Übelkeit in der Schwangerschaft in Verbindung steht, ist ein Vitamin-B6-Mangel. Dieses Vitamin ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und wird erfolgreich gegen verschiedene Formen der Übelkeit eingesetzt, wie zum Beispiel Reisekrankheit. Der genaue Zusammenhang zwischen Vitamin B6 und Übelkeit in der Schwangerschaft ist zwar noch unklar, aber erfahrungsgemäß lindert eine tägliche Dosis von Vitamin B6 die Symptome. Negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind konnten bislang nicht festgestellt werden.

Was tun gegen Übelkeit, wenn man schwanger ist?

Während der Schwangerschaft sind die meisten Medikamente tabu. Zu groß ist das Risiko, dass sich manche Inhaltsstoffe negativ auf den Verlauf der Schwangerschaft auswirken könnten. Glücklicherweise lassen sich die Beschwerden häufig lindern, indem die werdende Mutter ein paar Gewohnheiten ändert:

  • Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag essen statt drei großer.
  • Auf Speisen, die Übelkeit auslösen, verzichten.
  • Nach dem Essen einige Zeit warten, bis Sie sich hinlegen. Denn während der Schwangerschaft erschlafft der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre. Im Liegen kann deshalb leicht Magensäure aufsteigen und Sodbrennen sowie Übelkeit auslösen.
  • Bewegung: Ein Spaziergang an der frischen Luft fördert die Verdauung und bringt den Kreislauf in Schwung – ein gutes Mittel, um Übelkeit vorzubeugen.
  • Auf ausreichend Ruhepausen achten, denn auch Stress kann Übelkeit auslösen.

Bei der Therapie hat sich neben Vitamin B6 auch Ingwer bewährt. Ingwerpräparate gibt es als Tee, Tropfen oder in Form von Kapseln. Wahlweise kann die Schwangere bei leichter Übelkeit auch an einem Stück angeschnittenem Ingwer riechen.

Was tun bei starkem Erbrechen in der Schwangerschaft?

In den allermeisten Fällen sind Übelkeit und gelegentliches Erbrechen in der Schwangerschaft unproblematisch. Bis zu zwei Prozent aller schwangeren Frauen leiden jedoch an einer sogenannten Hyperemesis gravidarum1. Dabei erbricht die Frau so stark, dass sie unter Flüssigkeitsmangel leidet und an Gewicht verliert. Die damit verbundene Unterversorgung kann sowohl für die werdende Mutter als auch für das Kind gefährlich werden. Deshalb muss ein extremes Erbrechen unbedingt von einem Arzt behandelt werden.

Symptome, die einen Arztbesuch erforderlich machen

Schwangere Frauen, die an einem oder mehreren der folgenden Symptome leiden, sollten baldmöglichst einen Arzt aufsuchen:

  • Erbrechen tritt häufiger als fünf Mal täglich auf
  • der Körper behält keinerlei Nahrung oder Flüssigkeit
  • Erbrechen hört auch bei nüchternem Magen nicht auf
  • Gewichtsabnahme von über fünf Prozent

Bei den meisten Frauen lässt sich das übermäßige Erbrechen in der Schwangerschaft durch die Einnahme von H1-Antihistaminika lindern. Die Wirkstoffe gehen gezielt gegen den körpereigenen Botenstoff Histamin vor. Im Magen-Darm-Trakt ist dieser für viele Abwehrreaktionen verantwortlich. Von der Einnahme auf eigene Faust ist abzuraten, vor allem wenn der Körper vorgeschwächt ist oder eine neurologische Erkrankung vorliegt. Die Therapie mit H1-Antihistaminika sollte immer unter ärztlicher Aufsicht und nur bei sehr starkem Erbrechen erfolgen. In sehr ausgeprägten Fällen von Erbrechen in der Schwangerschaft muss die Frau eine Zeit lang intravenös ernährt werden, bis sich der Magen beruhigt hat und sich der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt normalisiert haben.

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Peggy Richter
Redakteur/in