Darmgeräusche: Gefährliches Knurren oder harmloses Gluckern?

23. April 2019
9 Min.

Unser Darm gibt Geräusche von sich – und das ist auch gut so. Denn sie deuten auf ein gut funktionierendes Verdauungssystem hin. In einigen Fällen kann das Bauchgrummeln jedoch ein Signal dafür sein, dass etwas nicht stimmt. Verdauungsstörungen, das Reizdarmsyndrom oder Virusinfektionen können hinter ungewöhnlichen Darmgeräuschen stecken. Woran können Sie erkennen, ob die Geräusche noch normal sind und wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Inhaltsverzeichnis



Darmgeräusche: Das Wichtigste auf einen Blick

  • In den meisten Fällen handelt es sich um normale Verdauungsgeräusche.
  • Nahrungsmittel wie Kohl, Linsen oder Zwiebeln fördern Blähungen und damit Darmgeräusche.
  • Ständige, laute Geräusche können Ausdruck einer Erkrankung wie einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eines Reizdarms sein. Dann gehen sie meist mit Schmerzen oder Krämpfen einher.
  • Bei metallischen und spitzen Geräuschen kann ein Darmverschluss dahinterstecken. Dann ist schnelles Handeln gefragt.

Wie entsteht das normale Bauchgrummeln?

Darmgeräusche (Borborygmus) sind in erster Linie ein Zeichen dafür, dass das Organ aktiv ist und Mahlzeiten verdaut. Wie der Magen ist auch der Darm ständig am Arbeiten. Eine Aufgabe des Darms ist es, den Speisebrei sowie Luft in wellenförmiger Bewegung in Richtung Darmausgang zu befördern.

Woher kommt die Luft im Darm?

Zum einen gelangt Luft beim Essen oder Schlucken mit in den Magen und anschließend in den Darm. Zum anderen entstehen bei der Verdauung schwer verdaulicher Kohlenhydrate die Gase Kohlendioxid und Wasserstoff.

Bei der Vermischung des Darminhalts entstehen die typischen Darmgeräusche. Diese sind umso lauter, je mehr Luft beziehungsweise Gase sich im Darm befinden. Die Darmgeräusche klingen oft ähnlich wie Magenknurren. In diesem Fall ist das Bauchgrummeln meist ein Hinweis auf Hunger. Darmgeräusche treten hingegen nur nach dem Essen auf.

Welche Lebensmittel können Darmgeräusche verursachen?

Es ist bekannt, dass bestimmte Lebensmittel Blähungen und somit auch Darmgeräusche auslösen können. Dazu gehören beispielsweise:

  • Kohlgemüse (Wirsing, Grünkohl, Kohlrabi, Weißkohl)
  • Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen)
  • frisches Brot
  • Zwiebeln, Lauch, Knoblauch
  • fetthaltiger Käse wie Camembert, Gorgonzola oder Bergkäse
  • Trockenfrüchte

Gelegentliches Bauchgrummeln, vor allem nach dem Genuss der genannten Speisen, ist daher kein Grund zur Sorge. Dennoch bleibt unbestritten, dass Darmgeräusche, vor allem in Gesellschaft anderer, unangenehm sind. Letztendlich ist es meist das Beste, einfach darüber hinweg zu gehen. Oftmals nehmen andere die Geräusche gar nicht so stark wahr wie man selbst.

Gut zu wissen: Verstärktes Bauchgrummeln durch angehaltene Luft

Gerade in angespannten oder stressigen Situationen neigen Menschen dazu, die Luft anzuhalten. Viele wollen dabei laute Atemgeräusche unterdrücken, um nicht aufzufallen, beispielsweise bei einem Vortrag oder Bewerbungsgespräch. Doch genau dieses Verhalten fördert Darmgeräusche, denn es wird so mehr Luft geschluckt und die Bauchmuskulatur verkrampft sich.

Ungewöhnliche Darmgeräusche: Das kann dahinter stecken

In einigen Fällen kann der Borborygmus ein Hinweis auf ein Problem im Magen-Darm-Trakt sein. Verstärkte Darmgeräusche lassen beispielsweise auf folgende Ursachen schließen:

  • Magen-Darm-Infekt: Eine Virusinfektion
  • (zum Beispiel mit Noro- oder Rotaviren) kann neben Symptomen wie Durchfall und Erbrechen ebenfalls mit lauten Darmgeräuschen einhergehen.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit: Auch bei Menschen, die an einer Unverträglichkeit – zum Beispiel gegen Fructose oder Lactose – leiden, rumort der Darm häufiger. Den Betroffenen fehlt ein wichtiges Enzym, das normalerweise bestimmte Nahrungsbestandteile (zum Beispiel Milchzucker) aufspaltet. Sie müssen von den Darmbakterien zerlegt werden, wobei Gase entstehen.
  • Reizdarm: Bei einem Reizdarm ist die Funktion des Organs gestört. Wieso, konnten Mediziner bisher noch nicht vollständig klären. Es wird angenommen, dass vor allem Stress ein auslösender Faktor beim Reizdarmsyndrom ist.

Besonders wenn die Darmgeräusche häufiger auftreten, auch nach einer Essensumstellung nicht verschwinden und weitere Symptome wie Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit beobachtet werden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Darmgeräusche in der Schwangerschaft

Blähungen gehören zu den häufigen Beschwerden in der Schwangerschaft. Aufgrund der hormonellen Umstellung ist der Darm träger und der Nahrungsbrei verbleibt länger an Ort und Stelle, wodurch mehr Gas gebildet wird. Die Darmgeräusche, die dabei entstehen, sind in der Regel völlig normal. Wenn die Beschwerden durch den Verzicht auf blähende Lebensmittel und die Anwendung von Hausmitteln nicht besser werden oder weitere Symptome wie Krämpfe hinzukommen, sollten Schwangere jedoch auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Tipps gegen Blähungen in der Schwangerschaft

Darmgeräusche bei einem Darmverschluss

Besonders auffällig sind die Darmgeräusche bei einem Darmverschluss:

  • Zischende, metallisch klingende Geräusche weisen auf einen mechanischen Darmverschluss hin; in diesem Fall wird der Weitertransport der Nahrung in Dick- oder Dünndarm durch ein Hindernis (zum Beispiel ein harter Kotballen oder ein Tumor) blockiert.
  • Bei einem paralytischen Darmverschluss nimmt der Arzt hingegen überhaupt keine Geräusche im Darmbereich wahr („Totenstille“). Der Darm ist gelähmt und hat seine Tätigkeit eingestellt.

Ein Darmverschluss geht meist mit starken Bauchschmerzen und Erbrechen (zum Teil auch von Kot) einher. Bei Verdacht auf einen Darmverschluss sollte unverzüglich ein Notarzt gerufen werden. Denn im schlimmsten Fall kann es zu einem Durchbruch der Darmwand (Perforation) kommen, eine lebensbedrohliche Komplikation.

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Was die Darmgeräusche dem Arzt verraten

Wie kann der Arzt die Ursache von Darmgeräuschen diagnostizieren? In erster Linie befragt er den Patienten ausgiebig nach

  • der Art der Geräusche,
  • wie häufig sie auftreten und
  • ob weitere Symptome vorhanden sind.
Verstärkte Darmgeräusche können auf einen Infekt oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hinweisen

Anschließend kann er den Bauch behutsam nach Verhärtungen abtasten und mit einem Stethoskop abhören. Beim Abhören (Auskultation) teilt der Arzt den Bauch gedanklich in vier gleichmäßige Felder auf und setzt das Stethoskop sowohl oben, unten, rechts und links an. Normalerweise fabriziert der Darm stetig tönende Laute. Nimmt der Arzt paukenähnliche Klänge, metallisch klingende Geräusche oder gar keine Geräusche wahr, sind das Anzeichen für eine Erkrankung oder sogar einen Notfall.

So können Sie Darmgeräusche vermeiden

Mit diesen Tipps können Sie vorbeugend gegen das normale Bauchgrummeln vorgehen:

  • Würzen Sie Ihre Speisen mit Kümmel, Kreuzkümmel, Koriander oder Ingwer. Diese regen die Verdauung an und helfen, auch Hülsenfrüchte oder Kohl bekömmlicher zu machen.
  • Essen Sie langsam und bewusst. Das Herunterschlingen von Speisen führt dazu, dass Sie mehr Luft schlucken, was Blähungen auslöst.
  • Trinken Sie warmes Wasser oder Tee, um Ihren Magen-Darm-Trakt zu entspannen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, viel Schlaf und reichlich Bewegung an der frischen Luft.

Wenn Sie wiederkehrend mit unangenehmen Darmgeräuschen zu tun haben, kann Ihnen ein Ernährungstagebuch helfen: Notieren Sie sich über einige Tage Nahrungsmittel, Bauchgrummeln und was sonst noch wichtig ist, zum Beispiel stressige Situationen. Dies kann Ihnen und Ihrem Arzt helfen, eine Diagnose zu erstellen.

Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikations- wissenschaftlerin
Sabrina Mihlan
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