Wo liegt der Blinddarm – rechts oder links?

Bei akuten Bauchschmerzen im Unterbauch wandern die Gedanken sofort in Richtung Blinddarmentzündung. Zunächst sollten Betroffene jedoch genau einschätzen, an welcher Stelle die Schmerzen auftreten: rechts oder links? Warum diese Frage von Bedeutung ist, erfahren Sie hier!

Wo liegt der Blinddarm?

Vorneweg: Der Blinddarm befindet sich auf der rechten Seite. Das bedeutet, wenn Sie an sich herunterschauen, liegt der Blinddarm rechts, nicht links. Unter dem Blinddarm versteht man den Anfangsteil des Dickdarms, der am Übergang zum Dünndarm nach unten in die Bauchhöhle ragt. Optisch ähnelt er einem kleinen Ballon oder Säckchen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Blinddarmentzündung ist eigentlich eine irreführende Bezeichnung: Nicht der Blinddarm selbst, sondern sein Wurmfortsatz ist entzündet.
  • Blinddarm und Wurmfortsatz befinden sich rechts.

Obwohl bei Schmerzen im Unterbauch von einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) die Rede sein kann, verursacht genau genommen nicht der Blinddarm, sondern der Wurmfortsatz die Probleme. Das kleine Anhängsel des Blinddarms kann sich aus verschiedenen Gründen entzünden und starke Schmerzen verursachen. Meist wird die Öffnung des Wurmfortsatzes durch eine Kotstauung oder einen Fremdkörper (zum Beispiel Obstkerne) verstopft. Bakterien aus dem Dickdarm siedeln sich an und lösen eine Entzündung aus.

Zunächst ähneln die Symptome noch einer Magen-Darm-Grippe, weshalb eine Blinddarmentzündung von Betroffenen in manchen Fällen nicht sofort als solche erkannt wird. Danach beschreiben Patienten einen „wandernden Schmerz“. Er beginnt auf Höhe des Nabels und wandert anschließend zum rechten Unterbauch; dorthin, wo sich Blinddarm und Wurmfortsatz befinden.

Blinddarmentzündung: Links drücken, rechts der Schmerz

Charakteristisch für eine Blinddarmentzündung sind Schmerzen auf der rechten Seite

Bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung betastet der Arzt vorsichtig den Bauch des Patienten, um zu untersuchen, wo die Schmerzen genau auftreten. Dabei kann es zu einem sogenannten „Loslass-Schmerz“ (auch Blumberg-Zeichen) kommen. Das ist der medizinische Fachbegriff dafür, wenn der Schmerz nicht während der Druckausübung auftaucht, sondern erst, nachdem der Arzt seine Hände wieder vom Bauch entfernt hat.

Außerdem muss der Schmerz nicht unmittelbar an der Stelle entstehen, wo Druck ausgeübt wird. So kann der Arzt beispielsweise an der linken Seite drücken und auf eine Blinddarmentzündung schließen, wenn der Patient auf der rechten Seite Schmerzen empfindet. Dieser Loslass-Schmerz ist jedoch nur in Verbindung mit anderen klinischen Befunden aussagekräftig. Taucht der Schmerz nicht auf, ist eine Blinddarmentzündung dennoch nicht auszuschließen.

Schmerz-Tests zu Diagnose einer Blinddarmentzündung

Neben der Druckausübung auf der linken Seite (Blumberg-Zeichen), gibt es noch weitere charakteristische Punkte, anhand derer der Arzt den Bauch des Patienten untersuchen kann:

  • Lanz-Punkt: Der Abtastpunkt ist benannt nach dem Schweizer Chirurgen Otto Lanz. Um den Punkt zu finden, drittelt man die Verbindungslinie zwischen den beiden Vorsprüngen der Hüftknochen. Der rechte Teilpunkt entspricht dem Lanz-Punkt.
  • McBurney-Punkt: Er befindet sich genau in der Mitte der Verbindungslinie zwischen Nabel und dem rechten Vorsprung des Hüftknochens.

Schmerz wie bei einer Blinddarmentzündung – nur links?

Die Frage „Wo liegt der Blinddarm – rechts oder links?“ kommt womöglich auch deshalb so häufig auf, weil einige Menschen an starken Schmerzen auf der linken Seite klagen, die denen einer Blinddarmentzündung ähneln. Dabei kann es sich um eine fortgeschrittene Divertikulitis (entzündete Ausstülpungen der Darmschleimhaut) handeln:

Schätzungsweise 14 Millionen Menschen in Deutschland haben sogenannte Divertikel, davon überwiegend ältere Menschen.1 Bei Divertikeln handelt es sich um kleine Ausstülpungen an der Darmschleimhaut, die durch eine ballaststoffarme, fleischreiche Ernährung und mangelnde Bewegung entstehen können. In 80 Prozent der Fälle sind diese Divertikel harmlos und verursachen keine /Beschwerden.

Entzünden sich die Divertikel allerdings, rufen sie starke Beschwerden hervor und müssen ärztlich behandelt werden. Kommt es zu solchen Komplikationen, sprechen Mediziner von der Divertikulitis. Neben den krampfartigen Schmerzen am linken Unterbauch, erinnern auch die weiteren Symptome an eine Blinddarmentzündung: Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Stuhlunregelmäßigkeiten gehen häufig mit der Erkrankung einher. Deshalb wird die Divertikulitis auch als „Linksappendizitis“ bezeichnet.

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1 Vgl. Arastéh, Keikawus et al. (2013): Duale Reihe: Innere Medizin. (3. Aufl.): Thieme-Verlag