Hämorrhoiden in der Schwangerschaft vorbeugen und behandeln

17. September 2018

Hämorrhoiden gehören zu den am weitesten verbreiteten Beschwerden während der Schwangerschaft. Zwar reden die Allerwenigsten offen darüber, aber Schätzungen zufolge hat mindestens die Hälfte aller Frauen während der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt hin und wieder Probleme damit. Wie kommt es dazu und was kann helfen?

Was Sie zu Hämorrhoiden wissen müssen

Rund die Hälfte aller Frauen leiden während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt an vergrößerten Hämorrhoiden

Der im Volksmund übliche Ausdruck „Hämorrhoiden haben“ ist irreführend, denn jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Sie bezeichnen ein stark durchblutetes Gewebepolster am Darmausgang, das gemeinsam mit dem Schließmuskel für die Abdichtung nach außen verantwortlich ist.

Bei einem Hämorrhoidalleiden, wie die Mediziner sagen, sind die Hämorrhoiden vergrößert und treten im fortgeschrittenen Stadium aus dem After aus. Das führt dazu, dass der Darmausgang nicht mehr richtig verschlossen ist. Bakterien können austreten und die Haut am After reizen. Außerdem kann es zu Verletzungen des Gewebes kommen, die Blutungen und brennende Schmerzen verursachen.

Symptome von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Typisch sind folgende Beschwerden:

  • Juckreiz
  • Schmerzen und Brennen
  • leichte hellrote Blutung beim Stuhlgang

Welchen Einfluss hat die Schwangerschaft auf Hämorrhoiden?

Die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft macht das Gewebe weicher und lockert es auf. Dies soll vornehmlich dazu dienen, Platz für die wachsende Gebärmutter zu schaffen und den Körper auf die Geburt vorzubereiten. Es wirkt sich jedoch auf die Hämorrhoiden nachteilig aus. Hinzu kommt, dass der Rückfluss des Blutes in den Gefäßen durch die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft beeinträchtigt wird. Es kann also zu Blutstauungen im Gewebe kommen.

Ein weiterer Faktor, der zu Beschwerden mit Hämorrhoiden führen und diese sogar verstärken kann, ist, dass Frauen während der Schwangerschaft vermehrt unter Verstopfung leiden. Große beziehungsweise harte Stuhlklumpen können die Hämorrhoiden nach außen drücken und das Gewebe verletzen.

Auch die Geburt kann Probleme auslösen, wenn die Hämorrhoiden durch die Presswehen nach außen gedrückt werden.

Hämorrhoiden vorbeugen – vor, während und nach der Schwangerschaft

Wenn es um Hämorrhoiden geht, ist eine der wichtigsten Vorbeugungsmaßnahmen, die Vermeidung von Verstopfung. Folgendes kann dabei helfen:

  • Eine ballaststoffreiche Kost mit vielen Vollkornprodukten, Obst und Gemüse macht den Stuhl geschmeidiger.
  • Ebenso wichtig ist reichlich Flüssigkeit. Dem Nahrungsbrei wird im Dickdarm viel Wasser entzogen, was ihn trocken und hart machen kann. Dieser Effekt wird während der Schwangerschaft noch verstärkt, weil der Verdauungsprozess nun langsamer verläuft, da dem Stuhl mehr Nährstoffe für das wachsende Kind entzogen werden. Deshalb sollten Frauen während der Schwangerschaft ruhig ein bis zwei Gläser Wasser mehr pro Tag trinken.
  • Bewegung hilft gleichermaßen Verstopfung vorzubeugen und den Blutrückfluss aus den Hämorrhoiden zu fördern. Im Verlauf der Schwangerschaft schränken sich die Möglichkeiten Sport zu treiben zwar zunehmend ein, aber um Darm und Kreislauf in Schwung zu bringen, genügt auch schon ein langer Spaziergang.

Langes Sitzen hingegen kann ein Anschwellen der Hämorrhoiden begünstigen. Wer also einer beruflichen Tätigkeit am Schreibtisch nachgeht, sollte in der Schwangerschaft öfter einmal eine Pause einlegen und eine Runde durch das Büro laufen.

Unser Tipp: Positiv wirkt sich Beckenbodentraining aus, weil dadurch das Gewebe im gesamten Unterleib gestärkt wird.

Die Hämorrhoiden leiden auch bei schlechten Gewohnheiten in Bezug auf den Stuhlgang. Stress im Alltag verführt dazu, den Stuhlgang zu lange zu unterdrücken beziehungsweise aus Zeitnot extrem stark zu pressen. Auf lange Sicht ist das jedoch kontraproduktiv. Schwellen die Hämorrhoiden infolgedessen an, wird der Stuhlgang beschwerlicher. Gehen Sie lieber sofort zur Toilette, wenn Sie einen Stuhldrang verspüren, und nehmen Sie sich Zeit dafür – nicht nur während der Schwangerschaft.

Behandlungsmöglichkeiten von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Hämorrhoiden, die während der Schwangerschaft oder infolge der Geburt anschwellen, bilden sich glücklicherweise in den meisten Fällen von selbst wieder zurück. Dafür ist es jedoch wichtig, den After gut zu pflegen und Verletzungen zu vermeiden. Dafür können Sie folgende Tipps befolgen:

  • Waschen Sie den After nach dem Stuhlgang mit klarem Wasser. Wer kein Bidet hat, kann dafür auch die Dusche benutzen.
  • Trocknen Sie die Region anschließend gründlich und sanft ab.
  • Gegen Schmerzen und Juckreiz hilft ein warmes Bad oder alternativ ein Eisbeutel. Ob Sie Wärme oder Kälte wohltuender finden, können Sie durch Ausprobieren herausfinden.
  • Mitunter kann auch ein Sitzbad die Beschwerden lindern, bewährt haben sich dabei vor allem Zusätze aus Eichenrinde (juckreizstillend) oder Kamille (entzündungshemmend).

Salben, die auf die Haut am Darmausgang sowie auf eventuell herausragende Hämorrhoiden aufgetragen werden, helfen Reizungen zu lindern und vorzubeugen. Pflanzliche Mittel, die während der Schwangerschaft unbedenklich sind, enthalten zum Beispiel Hamamelis, Ringelblume und Schafgarbe. Für eine längere Wirkdauer über Nacht gibt es auch Zäpfchen mit ähnlichen Wirkstoffen.

Sie sollten in diesem fortgeschrittenen Stadium des Hämorrhoidenleidens jedoch nicht nur auf Selbstmedikation vertrauen. Bitten Sie Ihre Hebamme oder Frauenärztin um eine Überweisung zum Proktologen. Als Experte auf dem Gebiet kann er besser abwägen, welche Behandlungsalternativen am erfolgversprechendsten sind.

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Peggy Richter
Redakteur/in