Leinsamen: Wirkung und Anwendung der Heilpflanze

29. Mai 2019
8 Min.

Der Gemeine Lein, auch Flachs genannt, zählt zu den ältesten Kulturpflanzen und erlangte nicht nur aufgrund seiner hervorragenden Eignung als Textilrohstoff Bedeutung. Auch als Arznei kommen Leinsamen, die in den Früchten der Pflanze enthalten sind, bereits seit vielen Jahren insbesondere bei Magen-Darm-Beschwerden zum Einsatz. Lesen Sie hier alles über das Superfood!


Auf einen Blick – Wissenswertes zu Leinsamen

  • Heilkraft: schützen die Schleimhäute; regen die Verdauung an und eignen sich daher besonders bei Verstopfung
  • Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, fette Öle (Leinöl), Ballaststoffe, Eiweiß, Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure)
  • Anwendung: geschrotet oder ganz; mit viel Flüssigkeit einnehmen
  • Botanik: Familie der Leingewächse; weltweiter Anbau als Kulturpflanze, hauptsächlich in Kanada, China, den USA, Argentinien, Indien und Äthiopien; wächst aber auch in Deutschland, den Niederlanden und England

Gesunder Schleim: Die Wirkung von Leinsamen

Ganze und geschrotete Leinsamen werden bei Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung empfohlen.

Zugegeben – die flachen, rötlich-braunen Leinsamen kommen auf Backwaren oder im Supermarkt-Regal oft recht unscheinbar daher. Dabei enthalten sie viele Ballaststoffe und haben aufgrund ihrer Schleimstoffe eine nicht zu unterschätzende Wirkung im Rahmen der Behandlung von Magen-Darm-Problemen. Diese legen sich schützend auf die Schleimhäute und wirken so reizlindernd. Zu den Erkrankungen, bei denen oft die Einnahme von Leinsaat empfohlen wird, zählen unter anderem:

Aber auch bei Beschwerden eines Reizdarms wird die Leinsaat mitunter eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel Bauchschmerzen, Verstopfung, Blähungen oder Durchfall.

Aha! – Leinsamen gegen Verstopfung

Die Samen des Leins gelten insbesondere als natürliches Abführmittel zum Beispiel bei Verstopfung. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Nimmt man zerkleinerte Leinsamen mit ausreichend Wasser zu sich, quellen die Schleimstoffe, die sich in den Samenschalen befinden, im Darm auf und erhöhen so das Volumen des Darminhaltes. Die Folge: Es kommt zu einer Dehnung, die wiederum die Darmbewegung fördert. Ein weiterer positiver Effekt tritt ein, wenn frisch gemahlener Lein verwendet wurde. Denn dieser enthält fette Öle, die beim Vorgang als eine Art Gleitmittel unterstützen.

So wenden Sie die Samen des Leins an

Sie möchten Leinsamen gegen Ihre Probleme im Bereich des Magen-Darm-Traktes einnehmen? Dann gibt es einiges zu beachten. Angefangen mit der Frage, ob es denn nun ganze oder geschrotete Samen sein sollen.

Leinsamen: Geschrotet oder ganz?

Geschrotete – also grob zermahlene – Leinsamen haben eine stärkere Wirkung auf den Verdauungstrakt. Der Grund: Die meisten Nährstoffe befinden sich unter der Schale des Samens. Allerdings kann der menschliche Körper ganze Leinsamen nicht besonders gut verwerten, sodass sie oft in nahezu unveränderter Form wieder den Weg nach draußen finden. Die „guten“ Inhaltsstoffe können also meist nur in geringer Menge aufgenommen werden.

Sollten Sie im Supermarkt daher lieber zu der geschroteten Variante greifen? Nicht unbedingt – denn obwohl die Wirkung durch die Zerkleinerung der Samen verstärkt wird, hat dies auch einen negativen Effekt: Das Schroten setzt Leinöl frei, das die Leinsamen schneller verderben und ranzig werden lässt. Was also tun? Eine mögliche Alternative ist, ganze Leinsamen kurz vor dem Verzehr selbst in einem Mörser zu zerkleinern.

Eine Art Abführmittel zum Beispiel bei Verstopfung erlangen Sie, indem Sie morgens und abends zwei Esslöffel (frisch) geschrotete Leinsamen mit viel Flüssigkeit (etwa 250 Milliliter Wasser) zu sich nehmen. Weichen Sie die Saat nicht vorher ein, da das Aufquellen erst im Darm erfolgen soll. Ein positiver Effekt stellt sich – gerade bei hartnäckiger Verstopfung – oft erst nach zwei bis drei Tagen ein.1

Bei Entzündungen der Schleimhaut im Magen oder Darm ist es empfehlenswert, die ganzen Samen vorquellen zu lassen. Vermengen Sie dazu fünf bis zehn Gramm (also ein halber bis ein ganzer Esslöffel) unzerkleinerte Leinsamen mit kaltem Wasser und lassen Sie das Gemisch zwanzig bis dreißig Minuten lang ziehen. Danach kann das Restwasser abgegossen werden.2

Wichtig:

Wer vorgequollene Leinsamen einnimmt, sollte – aufgrund ihrer Quellfähigkeit – darauf achten, dazu ausreichend Wasser (mindestens 150 Milliliter pro Einzeldosis)2 zu trinken. Es könnten sonst möglicherweise Beschwerden wie Blähungen oder Verstopfung auftreten.

Die Samen des Leins sind in sehr hoher Dosierung übrigens nicht besonders gesund: Sie beinhalten natürlicherweise cyanogene Glykosoide (ein Pflanzengift), das durch das ebenfalls enthaltene Enzym ß-Glukosidase dazu führt, dass Cyanid (ein Salz der Blausäure) freigesetzt wird. In hoher Dosis ist dieses für den Menschen giftig, weshalb das Bundesinstitut für Risikobewertung einen Verzehr von maximal 15 Gramm pro Mahlzeit empfiehlt.3

Weitere Anwendung:

Übrigens werden Leinsamen nicht nur bei Magen-Darm-Beschwerden angewendet. Als Umschlag sollen sie auch bei Muskelverspannungen, Erkältungen oder Entzündungen der Haut eine lindernde Wirkung entfalten.

Geben Sie geschrotete Samen in ein Baumwolltuch und verknoten Sie dieses. Legen Sie es in einen Topf oder eine hitzebeständige Schüssel und übergießen Sie es mit heißem Wasser. Der Umschlag soll nun etwa zehn Minuten lang quellen, bevor er auf die betroffene Stelle gelegt wird.1

Achtung: Testen Sie vorher, ob der Umschlag noch zu heiß ist und warten Sie gegebenenfalls noch einige Minuten, sodass er etwas abgekühlt.

Wann wird vom Verzehr abgeraten?

Leinsamen können die Aufnahme von Medikamenten im Körper abschwächen. Es wird daher angeraten, sie mindestens eine halbe bis eine Stunde vor oder nach der Medikamenteneinnahme einzunehmen.2 Patienten mit Schluckbeschwerden beziehungsweise einer Verengung der Speiseröhre sollten am besten mit ihrem Arzt besprechen, ob dies gegen die Einnahme spricht. Auch bei Übelkeit, Erbrechen, Stuhlverhaltung oder einem Darmverschluss ist von der Anwendung der Samen abzusehen.

Es ist aktuell noch nicht erforscht, wie sich der Verzehr bei Kindern, Schwangeren oder stillenden Frauen auswirkt. Diese sollten daher vorsichtshalber darauf verzichten oder sich vor der Verabreichung von ihrem Arzt beraten lassen.

Wissenswertes über die Heilpflanze

Der Gemeine Lein (Linum usitatissimum) zählt zur Familie der Leingewächse. Aus ihm werden unter anderem Leinsamen und Leinöl, aber auch Leinfasern, die zur Textilherstellung (Leinen) verwendet werden, gewonnen. Er ist eine der ältesten Kulturpflanzen und wird etwa 50 bis 70 Zentimeter hoch. Am Ende der zierlichen Stängel bilden sich von Juni bis August die himmelblauen, manchmal auch weißen, fünfblättrigen Blüten des Leins. Die Früchte der Pflanze – runde Kapseln – enthalten etwa acht bis zehn der goldgelben bis braunen, glänzenden Samen. Sie werden meist im September durch Dreschen geerntet, dann nachgetrocknet und gegebenenfalls weiter zu Leinöl verarbeitet.1

Lisa Küffner
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Medizinredakteurin und Medienwissenschaftlerin