Verdauungsprobleme – ein Überblick

12. April 2019
8 Min.

Nur durch das ausgeklügelte Zusammenspiel verschiedener Organe entsteht bei der Verwertung von Nahrung Energie, die Mensch und Tier zum Leben brauchen. Der Darm ist wohl das wichtigste und größte Organ innerhalb dieses Systems, aber auch sehr empfindlich. Er reagiert zum Beispiel auf falsche Ernährung, Stress oder zu wenig Flüssigkeit mit Symptomen wie Durchfall, Verstopfung oder Krämpfen. Hinter solchen Verdauungsproblemen können jedoch auch ernstzunehmende Erkrankungen stecken, weshalb die Symptome ernst genommen werden müssen.

Der Darm und seine Schlüsselrolle bei der Verdauung

Familie beim Essen. Der Darm ist wichtig für die Verdauung, allerdings reagiert er empfindlich auf Stress oder falsche Ernährung

Der Darm – vor allem der Dünndarm – ist der wichtigste Abschnitt des Verdauungssystems. Im Dünndarm werden wichtige Nährstoffe aus dem vorverdauten Speisebrei herausgezogen und in den Blutkreislauf überführt. Aber wie macht er das genau?

Die Dünndarmschleimhaut ist stark gefaltet und mit kleinen Erhebungen, sogenannten Darmzotten, übersät. Über diese Millionen kleinen Zotten werden die Nährstoffe aufgenommen. Anschließend gelangt der Speisebrei in den Dickdarm, wo etwa 80 Prozent des Wassers entzogen werden. Über den Mastdarm wird der übriggebliebene Brei dann ausgeschieden. Verdauungsprobleme weisen uns darauf hin, dass eine Störung im Verdauungstrakt vorliegt.

Der Aufbau des Darms

Der Darm wird grob in Dünn- und Dickdarm unterschieden. Der Dünndarm ist für die Aufnahme von Nährstoffen verantwortlich und setzt sich aus Duodenum (Zwölffingerdarm), Jejunum (Leerdarm) und Ileum (Krummdarm) zusammen.

Der Dickdarm entzieht dem Speisebrei weiter Wasser und Elektrolyte und dickt ihn somit ein. Die einzelnen Abschnitte sind der Blinddarm mit Wurmfortsatz, das Kolon und das Rektum (Mastdarm).



Schon gewusst? Auch die Leber zählt zum Verdauungssystem

Wer immer dachte, zur Verdauung benötige der Mensch lediglich Magen und Darm, der irrt sich gewaltig: Zahlreiche weitere Organe leisten ihren eigenen, wichtigen Beitrag zur Nahrungsverwertung. So auch die Leber. Diese erfüllt – bei gesunden Menschen – unter anderem folgende Aufgaben im Rahmen der Verdauung:

  • Über die Nahrung aufgenommene Fettsäuren, Zucker und Nährstoffe wie Vitamine werden vom Darm über die sogenannte Pfortader (Vene, in der Blut von den Bauchorganen zur Leber fließt) direkt in die Leber transportiert. Hier werden überschüssige Nährstoffe herausgefiltert und gespeichert, um sie gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wieder verfügbar zu machen.
  • Die Leber ist zudem für den Abbau defekter Zellen, alter Blutkörperchen aber auch für die Entgiftung von Schadstoffen wie Alkohol oder Pestiziden verantwortlich. Weiter verstoffwechselt sie Arzneimittel und entsorgt deren überschüssige Reste.
  • Sie bildet Gallensaft und speichert diesen in der Gallenblase, von wo aus er bei Bedarf in den Zwölffingerdarm geleitet wird, um Fette zu verdauen. Auf diesem Weg kann gleichzeitig auch ein Teil der von der Leber aus dem Blut gefilterten Abfallstoffe entsorgt werden.

Da die Leber in enger Verbindung mit dem Verdauungstrakt steht, ist es nicht verwunderlich, dass sich Leberfunktionsstörungen oft auch in Form von Problemen mit dem Darm äußern und umgekehrt. So kann zum Beispiel eine fehlende Produktion von Gallensäften durch die Leber die Darmflora verändern und eine Störung der Barrierefunktion der Darmschleimhaut bewirken.

Vielfältige Verdauungsprobleme

Verdauungsprobleme äußern sich in unterschiedlichen Symptomen. In vielen Fällen stecken harmlose Ursachen dahinter: Essgewohnheiten und psychische Faktoren wie Stress haben einen großen Einfluss auf die Verdauung und können beispielsweise Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Darmkrämpfe auslösen. Mit etwas Ruhe und geeigneten Hausmitteln lassen sich die Beschwerden oft schnell wieder in den Griff kriegen. Manchmal ist der Weg zum Arzt aber unerlässlich, vor allem wenn die Symptome sehr plötzlich und stark auftreten oder länger als drei Tage anhalten. Denn die Verdauungsprobleme können auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein.

Genauso sind Auffälligkeiten im Stuhl immer ein Grund zum Arzt zu gehen. Blut im Stuhl ist ein Hilferuf des Körpers, der auf Blutungen im Magen-Darm-Trakt hindeutet. Der behandelnde Arzt kann durch bildgebende Verfahren (zum Beispiel Magen- oder Darmspiegelung) die Stelle der Blutung näher lokalisieren. Fettstuhl, also sehr schmieriger und fettiger Stuhl, ist zudem ein Anzeichen dafür, dass die über die Nahrung aufgenommenen Fette nicht richtig verdaut werden. Wenn Sie dies bei sich beobachten, sollten Sie einen Arzt darüber informieren, der eine Stuhluntersuchung im Labor veranlassen kann.

Stuhluntersuchungen führt der Arzt auch bei unklaren Beschwerden wie leichtem Fieber, Durchfall und Abgeschlagenheit durch. Denn solche Symptome können auch auf Darmparasiten (Würmer, Einzeller) hinweisen. Die Infektion mit Würmern erfolgt meist über den Mund (zum Beispiel durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel). Besonders kleine Kinder sind gefährdet, weil sie Gegenstände beim Spielen gerne in den Mund nehmen.

Gut zu wissen:
Viele Darmerkrankungen weisen sehr unspezifische Krankheitsbilder mit mehreren Symptomen auf. Aus diesem Grund ist es nicht immer leicht, die Ursache für entsprechende Beschwerden schnell ausfindig zu machen. Eine Behandlung erfordert die Diagnose eines erfahrenen Facharztes.

Was kann hinter Darmproblemen stecken?

Das empfindliche Verdauungssystem kann durch Faktoren wie Bewegungsmangel, zucker- und fettreiche Ernährung aber auch genetische Veranlagungen, psychischen Stress oder Krankheiten gestört werden. Häufige akute Erkrankungen des Darms sind:

Darüber hinaus können auch chronische Krankheiten des Darms zu Verdauungsproblemen führen. Treten Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfälle immer wieder schubweise auf, können chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder ein Reizdarm die Auslöser sein. Einen Überblick über die Ursachen bei immer wiederkehrenden Verdauungsproblemen bekommen Sie in dem Artikel über chronische Krankheiten.

Wie stellt der Arzt bei Darmproblemen seine Diagnose?

Für die Behandlung von Darmproblemen ist die Diagnose der erste wichtige Schritt. Neben einer ausführlichen Befragung des Patienten, kann der Arzt verschiedene bildgebende Verfahren zur Untersuchung des Darms einsetzen. Durch Ultraschalluntersuchungen erkennt der Arzt beispielsweise krankhafte Ausstülpungen des Darms. Aber auch Röntgenaufnahmen oder Analysen mittels Computertomografie kommen gelegentlich zum Einsatz.

Die wichtigste Diagnostik-Methode – vor allem zur Früherkennung von Darmkrebs – ist jedoch die Darmspiegelung. Hierbei führt der Arzt einen Schlauch, an dem eine kleine Kamera befestigt ist, über den After in den Darm ein. Die Untersuchung kann bei vollem Bewusstsein erfolgen – auf Wunsch des Patienten verabreicht der Arzt aber auch ein Beruhigungsmittel, durch welches der Patient in einen kurzen Dämmerschlaf fällt und von der Darmspieglung nicht viel mitbekommt. Bei der Rektoskopie betrachtet der Arzt hingegen nur den Enddarm. Die Untersuchung wird vor allem bei anhaltenden Verdauungsproblemen oder Auffälligkeiten beim Stuhlgang durchgeführt.

Miriam Och
Mail schreiben
Medizinredakteurin und Kommunikations- wissenschaftlerin
Lisa Küffner
Mail schreiben
Medizinredakteurin und Medienwissenschaftlerin