Häufig gestellte Fragen zu Abführmitteln:

Wofür eignen sich Abführmittel?

Sie werden vor allem zur Behandlung von Verstopfungen verwendet. Aber auch vor ärztlichen Untersuchungen wie einer Darmspiegelung oder Operationen im Darmbereich ist manchmal die Einnahme von Abführmitteln notwendig, damit der Darm sauber und frei von Stuhlresten ist.

Wie wirken Abführmitteln im Körper?

Generell fördern die Substanzen die Darmtätigkeit. Dies geschieht beispielsweise durch eine Erhöhung des Wassergehalts im Stuhl, wodurch dieser an Volumen gewinnt und geschmeidiger wird.

Wie schnell wirken Abführmittel?

Dies hängt von den Inhaltsstoffe und der Darreichungsform ab. Während Bisacodyl-Zäpfchen oftmals bereits nach einer halben Stunde wirken, entfalten Zuckeralkohole wie Lactulose und Macrogole ihre Effekte erst nach ein bis zwei Tagen.1

Gibt es natürliche Abführmittel?

Ja, auch Hausmittel wie Trockenobst, Kaffee oder Leinsamen regen die Darmtätigkeit an. Für Menschen, die nur unter gelegentlicher Verstopfung leiden, stellen sie eine natürliche Alternative zu Arzneimitteln aus der Apotheke dar.

Wann kommen Abführmittel zum Einsatz?


Abführmittel (auch Laxativa oder Laxanzien genannt) sind Arzneimittel, die die Darmentleerung fördern und bei Verstopfung eingesetzt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Richtwerte von „normalem Stuhlgang“ von mehrmals täglich bis zu mindestens dreimal pro Woche reichen. Jeder Mensch hat sehr individuelle Stuhl-Intervalle. Von einer Verstopfung sprechen Ärzte jedoch, wenn

  • der Stuhlgang seltener als dreimal pro Woche erfolgt,  
  • der Toilettengang starkes Pressen erfordert, 
  • der Stuhl hart und klumpig ist und 
  • ein Gefühl unvollständiger Darmentleerung bestehen bleibt.2 

Hält dieser Zustand mehr als drei Monate an, ist gar von einer chronischen Verstopfung die Rede.1 Betroffene stehen häufig unter einem hohen Leidensdruck. Zu den Begleitsymptomen gehören Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen oder Appetitlosigkeit.

Bringen eine Ernährungsumstellung, mehr Bewegung oder eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme bei Verstopfung keine Besserung, können sogenannte Abführmittel Erleichterung verschaffen. Daneben kann es aus medizinischer Sicht aber auch aus anderen Gründen sinnvoll sein, Laxativa anzuwenden, etwa: 

  • vor ärztlichen Untersuchungen (zum Beispiel einer Darmspiegelung
  • vor einer Operation, bei der ein entleerter Darm nötig ist 
  • wenn Medikamente (wie Psychopharmaka) Verstopfung verursachen 
  • wenn der Stuhlgang starke Schmerzen verursacht (beispielsweise aufgrund von Hämorrhoiden oder einer Analfissur

Wichtig!

Es gibt Menschen, die Abführmittel zur Gewichtsreduktion oder Entschlackung verwenden. Die Einnahme von abführenden Substanzen sorgt jedoch nicht dafür, dass die Pfunde purzeln. Vielmehr handelt es sich um einen Trugschluss: Denn die Gewichtsreduktion nach der Einnahme von Abführmitteln resultiert überwiegend aus dem Wasserverlust, die Fettzellen bleiben unberührt. Zudem wirken die Arzneimittel erst im Dickdarm, die Nährstoffe werden aber zum Großteil schon im oberen Teil (Dünndarm) aufgenommen. Darüber hinaus kann eine missbräuchliche Anwendung sogar gesundheitsschädlich sein. Denn der Körper verliert mit den Durchfällen Flüssigkeit und Mineralien, wodurch Störungen im Elektrolythaushalt und gravierenden Nebenwirkungen möglich sind.

Wie wirken Abführmittel aus der Apotheke?


Wie der Name schon verrät, wirken die Substanzen abführend: Sie beschleunigen die Darmpassage und somit den Stuhlgang. Dabei sind verschiedene Präparate erhältlich, die ihre Wirkung auf unterschiedliche Weise erzielen:

Wasserbindende Abführmittel

Darmstimulierende Substanzen

Rektale Laxanzien

Motilitätsfördernde Inhaltsstoffe

Wasserbindende Wirkstoffe

Sogenannte Osmolaxanzien, stark wasserbindende Substanzen, haben im Prinzip den gleichen Effekt wie Quell- und Ballaststoffe. Sie nehmen – ähnlich wie ein Schwamm – sehr viel Flüssigkeit auf und bewirken, dass das Wasser den verhärteten Stuhlgang im Dickdarm aufweicht. Gängige Vertreter der Gruppe sind Zuckeralkohole wie Lactulose und Macrogole. Letztere gelten als besser verträglich, da sie weniger Nebenwirkungen verursachen. Denn die Lactulosen werden von Bakterien, die natürlicherweise im Dickdarm vorkommen, abgebaut. Dadurch wird der Säure-Basen-Haushalt verändert und die Entstehung von Blähungen begünstigt. Die abführende Wirkung von Lactulose und Macrogolen tritt typischerweise nach ein bis zwei Tagen ein.1

Gut zu wissen:

Osmolaxanzien wie Natriumsulfat (Glaubersalz) oder Magnesiumsulfat (Bittersalz) werden inzwischen nur noch in Ausnahmefällen beispielsweise zur Darmentleerung vor einer Darmspiegelung verwendet. Auch von Rizinusöl als Abführmittel raten Experten mittlerweile ab, da es nicht sehr verträglich ist.1

Stimulierende Laxativa (Darmstimulanzien)

Bei dieser Gruppe von Abführmitteln muss zwischen chemisch definierten Arzneistoffen und pflanzlichen Extrakten unterschieden werden: 

Zu den pflanzlichen Darmstimulanzien gehören beispielsweise Aloe, Faulbaum oder Sennesfrüchte. Die aus den Pflanzen gewonnenen Extrakte fördern die Motilität (Bewegung) des Dickdarms, indem sie die Darmwand reizen, wodurch sie sich häufiger zusammenzieht. Die pflanzlichen Abführmittel sind meist in Form von Tees, Tabletten oder Granulaten zu bekommen. 

Auf demselben Weg entfalten Natriumpicosulfate, Bisacodyle und Sennoside ihre Wirkung. Die chemischen Substanzen stimulieren die Dickdarmbewegung und hemmen gleichzeitig die Wasseraufnahme aus dem Darm. Dadurch wird der Stuhl weicher und gleitfähiger. Sie sind in verschiedenen Darreichungsformen wie Tropfen oder Zäpfchen erhältlich. Bei Sennosiden ist eine Stuhlentleerung nach etwa 8 bis 12 Stunden zu erwarten, bei Bisacodyl und Natriumpicosulfat müssen Sie wahrscheinlich bereits nach 6 bis 8 Stunden die Toilette aufsuchen. Aber auch hier gibt es je nach Darreichungsform erhebliche Unterschiede. Bisacodyl-Zäpfchen wirken beispielsweise schon nach etwa 30 bis 60 Minuten und sind daher gut für die Akutbehandlung geeignet.1

Rektale Laxanzien

Für eine kurzfristige schnelle Darmentleerung werden häufig Zäpfchen, (Mikro-)Klistiere (Quetschbeutel zum Einleiten von Flüssigkeit in den Anus) oder Einläufe verwendet, die zum Beispiel Glycerol enthalten. Sie stimulieren den Dehnungs- und Stuhlreflex, sodass es innerhalb kurzer Zeit zu einer Stuhlentleerung kommen kann.1 Rektale Abführmittel gelten bei kurzfristiger Anwendung als gut verträglich, auch bei Schwangereren und Kindern.1 

Motilitätsfördernde Abführmittel

Erzielen die beschriebenen Wirkstoffe nicht den beabsichtigten Erfolg, besteht noch die Möglichkeit, verschreibungspflichtiger Mittel wie Prucaloprid zur Behandlung von Verstopfungen anzuwenden. Prucaloprid ist ein sogenanntes Prokinetikum, dass die Motilität des Darms erhöht und die Darmpassage beschleunigt. Der Wirkstoff ist nur für Erwachsene zugelassen und sollte nicht bei schweren entzündlichen Darmerkrankungen, Darmperforationen sowie Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. Zudem sind Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Bauchschmerzen möglich.1 

Wie werden Abführmittel eingenommen?


Grundsätzlich sollten Sie nur zu Abführmittel greifen, wenn Maßnahmen wie  

  • eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (etwa 1,5 bis 2 Liter pro Tag)1
  • ausreichende körperliche Aktivität und 
  • eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst, die reich an Ballaststoffen sind, 

keine Besserung bringt. Halten Sie sich bei der Einnahme von Laxativa bitte streng an die Vorgaben der Packungsbeilage und beginnen Sie – wenn möglich – mit der niedrigsten Dosierung. Am besten bleiben Sie zudem in der Nähe einer Toilette, insbesondere Zäpfchen und Einläufe wirken oftmals sehr schnell. Tabletten und Lösungen sollten Sie hingegen abends vor dem Zubettgehen einnehmen. Je nach Präparat und Ziel der Behandlung setzt die Stuhlentleerung dann meist am nächsten Morgen ein.3  

Wichtig!

Zur Selbstmedikation sollten Sie Abführmittel nur nach Bedarf und kurzfristig einsetzen, außer Ihr Arzt verordnet eine längerfristige Einnahme.

Welche Nebenwirkungen können Abführmittel haben?


Bei der Einnahme von Laxantien kann es zu Beschwerden wie Blähungen und Bauchkrämpfen kommen, in der Regel sind die Abführmittel jedoch gut verträglich. Langzeitanwendungen (zum Beispiel bei chronischer Verstopfung) gelten ebenfalls als unbedenklich – vorausgesetzt sie werden nach den ärztlichen Vorgaben oder Anweisungen auf der Packungsbeilage eingenommen. Die Gefahr einer Gewöhnung – wie lange vermutet wurde – besteht nicht.1

Bei missbräuchlichem oder überdosiertem Gebrauch (zum Beispiel bei einer Einnahme zur Gewichtsreduktion) besteht jedoch die Gefahr, dass es aufgrund von Durchfällen zu einem vermehrten Verlust von Wasser und Mineralstoffen kommt. Das kann den Elektrolythaushalt durcheinanderbringen und zu einem Mangel an Natrium oder Kalium führen. Eine Unterversorgung mit diesen wichtigen Mineralstoffen kann auf Dauer ernste Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen hervorrufen.

Hinweis:

Um Wechselwirkungen auszuschließen, informieren Sie bitte den Arzt vor der Einnahme von Abführmitteln über andere Medikamente (zum Beispiel Herzmittel), die Sie einnehmen. Ebenso kann der Schutz der Anti-Baby-Pille bei Durchfall unter Umständen nicht mehr gegeben sein.

Natürliche Abführmittel: Welche Hausmittel gibt es?


Wer Probleme mit dem Stuhlgang hat, muss nicht unbedingt immer gleich zu Arzneimitteln greifen. Oftmals können bereits natürliche Abführmittel und Hausmittel helfen.

Um die Verdauung anzukurbeln, ist es sinnvoll, morgens nach dem Aufstehen ein Glas Wasser auf nüchternen Magen zu trinken. Der Genuss von Kaffee zum Frühstück ist ebenfalls ein guter Tipp, um die Darmaktivität anzuregen.

Eine natürliche abführende Wirkung haben zudem Flohsamen, Flohsamenschalen, Leinsamen und Weizenkleie. Sie sind gewöhnlich in Drogerie- oder Biomärkten erhältlich. Die Lebensmittel quellen im Darm auf, indem sie Wasser binden, und vergrößern auf diese Weise das Stuhlvolumen. Des Weiteren weichen sie den Stuhl auf, wodurch dieser gleitfähiger wird. Allerdings dauert es in der Regel 2 bis 3 Tage, bis sich eine Wirkung bemerkbar macht.1 Zur Akuthilfe sind Quellmittel daher weniger geeignet. 

Bild zeigt Leinsamen, bei denen es sich um ein natürliches Abführmittel bei Verstopfung handelt.

Ein weiterer Tipp bei Verstopfung ist Trockenobst. Pflaumen, Aprikosen und Feigen fördern die Stuhlentleerung und eignen sich daher ebenfalls gut als natürliches Abführmittel. Beispielsweise können Sie zwei bis drei Früchte am Morgen mit einem Frühstücksmüsli verzehren. 

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