Bauchschmerzen können beim Kind viele Ursachen haben

1. Juli 2019
14 Min.

Bauchschmerzen sind bei Kindern keine Seltenheit. Einerseits sind gerade Säuglinge und Kleinkinder noch sehr anfällig für Infekte und Verdauungsprobleme, andererseits können die Bauchschmerzen beim Kind auch ein Symptom für ganz andere körperliche oder seelische Probleme sein. Mehr zum Thema Bauchschmerzen bei Kindern und Babys lesen Sie jetzt.

Alles Wichtige auf einen Blick:

  • Bauchweh gehört bei Kindern zu den häufigsten Beschwerden. Meistens handelt es sich dabei um harmlose Verdauungsprobleme. Bei Säuglingen hängt dies nicht selten mit dem Verdauungstrakt zusammen, der sich erst noch regulieren muss und mitunter mit Bauchweh, Blähungen und auch Verstopfung reagiert. Bei größeren Kindern können neben falschen Essgewohnheiten auch seelische Sorgen wie die Angst vor einer Prüfung verantwortlich sein.
  • Tipps bei Bauchschmerzen sind Ruhe und Wärme. Ferner kann es helfen, den Bauch mit kreisenden Bewegungen sanft zu massieren. Mit größeren Kindern ist es möglich, Gymnastikübungen wie die „Kerze“ durchzuführen, um beispielsweise Blähungen zu lösen.
  • Der Besuch bei einem Arzt ist dann ratsam, wenn sich zu den Bauchschmerzen noch Symptome wie Fieber oder Schmerzen beim Stuhlgang gesellen.


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Babys Magen und Darm: Einstellen auf Nahrung ist angesagt!

Verdauungsprobleme sind bei Babys nicht ungewöhnlich. Magen und Darm beginnen erst nach der Geburt zu arbeiten. Die Darmflora, die für einen gesunden Verdauungsprozess nötig ist, entwickelt sich erst mit der Zeit. Ärzte vermuten daher, dass auch die sogenannten Dreimonatskoliken auf Verdauungsprobleme zurückzuführen sind, wobei das bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen wurde.

Sicher ist jedoch, dass die Verdauungsorgane beim Baby noch sehr empfindsam sind. Die Herausforderungen für Magen und Darm bleiben das gesamte erste Lebensjahr hoch – denn zwischen dem 4. und 12. Lebensmonat bereichert nach und nach immer mehr feste Nahrung den Speiseplan. Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung sind dabei die häufigsten Beschwerden.

Wie lassen sich Blähungen erkennen und lösen?

Da Säuglinge noch nicht in der Lage sind, zu sagen, was ihnen fehlt, fällt es Eltern meist schwer, die genaue Ursache herauszufinden. Was helfen kann: Ein Baby, das Bauchschmerzen hat, zieht meistens die Beine an. Ist die Bauchdecke hart und wirkt aufgebläht, dann handelt es sich wahrscheinlich um Blähungen. Grund hierfür ist häufig das Verschlucken von Luft beim Trinken, aber auch beim Atmen oder Weinen, die den Magen und Darm aufbläht.

Die beste Maßnahme, um Blähungen vorzubeugen, ist ein Bäuerchen nach der Mahlzeit. Darüber hinaus kann eine Bauchmassage helfen, die überschüssige Luft aus dem Darm zu transportieren. Dafür kreisen Sie mit den Fingern im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel. Pupst das Baby daraufhin, verschwindet in der Regel auch das Bauchweh. Lässt sich der Säugling nicht beruhigen oder schreit er schrill, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Er kann durch entsprechende Untersuchungen feststellen, ob eine Krankheit vorliegt.


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Vielfältige Ursachen für Bauchschmerzen

Kind beim Arzt: Bei Babys und Kleinkindern treten Bauchschmerzen häufiger auf

Schmerzen im Bauch zählen in der Regel zu den harmlosen Verdauungsbeschwerden. Gründe für deren Entstehen gibt es viele: So kann ein fehlender Stuhlgang über mehrere Tage verantwortlich sein. Im Kleinkindalter sind auch zu fettiges, zu üppiges oder zu süßes Essen als Auslöser zu nennen.

Leiden Kinder neben Bauchschmerzen unter Symptomen wie Erbrechen, Durchfall und leichtem Fieber, steckt oftmals eine Magen-Darm-Infektion dahinter. Sie wird in der Regel durch Viren ausgelöst, die sich über die Luft oder über kontaminierte Gegenstände verbreiten. In diesem Fall ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder dazu animieren, viel zu trinken. Andernfalls kann durch Erbrechen und Durchfall schnell ein Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) entstehen. Zudem ist ein Arztbesuch sinnvoll, um die Ursachen zweifelsfrei abzuklären und gegebenenfalls mit Medikamenten zu behandeln.

Manchmal sind die Bauchschmerzen auch Begleiterscheinung von ernsthafteren Erkrankungen wie einer Blinddarmentzündung oder einer Infektion der Harnwege. Seltener sind dagegen Vergiftungen oder Wurmerkrankungen ursächlich. Bei anhaltenden Beschwerden sowie weiteren Begleiterscheinungen wie Fieber sollte der Nachwuchs einem Kinderarzt vorgestellt werden.

Wenn Sorgen und Ängste auf den Bauch schlagen

Bauchschmerzen müssen nicht immer eine körperliche Ursache haben. Sie können auch dann auftreten, wenn das Kind aufgeregt ist oder unter Stress steht. Ausgelöst wird dies mitunter durch die vielen Eindrücke des Tages, die ein kleines Kind erst noch lernen muss, zu verarbeiten. Bei größeren Kindern kommt Stress in der Schule oder Probleme mit anderen Kindern hinzu.

Da Kindern der Zusammenhang zwischen Sorgen und Bauchweh normalerweise nicht bewusst ist, können Sie versuchen zu beobachten, ob die Schmerzen häufiger auftreten und ob es dabei gewisse Regelmäßigkeiten gibt. Eventuell hilft das Erzählen oder Vorlesen einer thematisch passenden Geschichte dem Kind, sich seiner Sorgen und Ängste bewusst zu machen und diese zu äußern. In jedem Fall sollten Sie die psychisch bedingten Bauchschmerzen – unabhängig vom Alter – ernstnehmen. Sie können ein Hinweis darauf sein, dass das Kind Ruhe und Geborgenheit braucht. In solchen Situationen sind Zeit und Nähe die beste Medizin.

Den Ursachen der Bauschmerzen auf der Spur – Tipps für Eltern

Die meisten Bauchschmerzen sind harmlos und verschwinden nach kurzer Zeit von selbst. Um sich dennoch einen ersten Überblick über mögliche Auslöser zu verschaffen, können Sie Folgendes tun:

  1. Bitten Sie Ihr Kind, Ihnen zu zeigen, wo genau es wehtut. Kinder projizieren Schmerzen, die eigentlich in anderen Körperteilen liegen (zum Beispiel Halsschmerzen oder Rückenschmerzen), manchmal auf den Bauch. Mit dieser Frage können Sie feststellen, ob es sich wirklich um Bauchschmerzen handelt oder ob eine andere Ursache hinter dem Unwohlsein steckt.
  2. Fragen Sie Ihr Kind, ob es gerne seine Lieblingsspeise essen möchte. Bei ernsthaften Bauchschmerzen hat es darauf höchstwahrscheinlich keinen Appetit. Bei sehr schmerzhaftem Bauchweh oder gar Bauchkrämpfen sollten Sie mit Ihrem Kind dringend einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären.
Gut zu wissen:

Je weiter der Schmerz vom Bauchnabel entfernt auftritt, desto wahrscheinlicher ist eine organische Ursache. Dies ist allerdings nur eine ungefähre Aussage und sollte nicht zu voreiligen Schlussfolgerungen führen. Sicherheit kann nur der Besuch beim Arzt bringen.

Sanfte Hausmittel gegen Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme

In der Regel ist Bauchweh harmlos und verschwindet von selbst wieder, meist dann, wenn die Ursache behoben wurde – beispielsweise sich die festgesetzte Luft in Babys Bauch gelöst hat oder der Stuhlgang wieder in normalen Intervallen verläuft. Um ihrem Baby oder Kind im akuten Fall Linderung zu verschaffen, können Eltern einiges tun.

Bei leichten Bauchschmerzen, bei denen nicht erkennbar ist, ob das Kind Verdauungsprobleme oder seelischen Kummer hat, bringen Ruhe und Wärme oft schon Erleichterung. Diese kann zum Beispiel in Form einer Wärmflasche oder eines Kirschkernkissens erfolgen.

Darüber hinaus können Sie folgende Tipps ausprobieren:

  • Bei Verdauungsbeschwerden löst eine sanfte Bauchmassage Blähungen sowie Verstopfung und kann schon beim Baby durchgeführt werden. Dafür wird der Bauch auf Höhe des Nabels ganz sachte im Uhrzeigersinn massiert.
  • Ungesüßter Fencheltee beruhigt Magen und Darm. Der Tee sollte dabei nur lauwarm sein, um keine Verbrennungen zu riskieren.
  • Auch Kümmel hat sich als linderndes Hausmittel bei Bauchschmerzen bewährt. Die Heilpflanze eignet sich ebenfalls für Neugeborene, die gestillt werden. Trinkt die Mutter Kümmeltee, gelangt dessen wohltuende Wirkung über die Muttermilch zum Baby.
  • Sind Sorgen oder Ängste der Auslöser für Bauchschmerzen, ist es wichtig, dass das Kind Methoden zur Entspannung oder zum Umgang mit Ängsten erlernt. Nehmen Sie Ihr Kind doch einmal mit auf eine Fantasiereise oder probieren Sie gemeinsam progressive Muskelentspannung aus.
  • Mit größeren Kindern können Sie kleine Gymnastikübungen durchführen, zum Beispiel eine „Kerze“ machen oder auf dem Rücken liegend „Radfahren“, um die festsitzende Luft zu lösen.

Nicht jedes Hausmittel eignet sich gleichermaßen für jedes Kind. Vor allem bei Neugeborenen sollten Eltern Vorsicht walten lassen. Wer sich unsicher ist, fragt am besten den Kinderarzt um Rat.

Gut zu wissen – Medikamente bei Kindern

In der Regel sind Eltern sehr vorsichtig, was die Gabe von Medikamenten bei Säuglingen und Kindern betrifft, denn viele Wirkungen sind bei den Kleinsten noch nicht ausreichend erforscht. Dennoch gibt es pflanzliche Mittel (Phytotherapeutika), die sich durchaus zur Linderung von Bauchweh, Blähungen und Co. eignen. Welches Medikament in welcher Dosierung und ab welchem Alter zu verabreichen ist, besprechen Eltern am besten sorgfältig mit dem Kinderarzt.

Tipp: Die Ernährung unter die Lupe nehmen

Bei größeren Kindern lohnt es sich, die Ernährungsgewohnheiten zu überprüfen. Ist Ihr Kind viel Süßes? Sind die Portionen zu üppig? Nimmt sich Ihr Kind ausreichend Zeit für das Essen? Trinkt es genügend? All diese Faktoren können die Darmfunktion beeinflussen und dazu führen, dass Bauchschmerzen oder Verstopfung entstehen. Für eine gesunde Darmfunktion und eine ausreichende Nährstoffversorgung ist es wichtig, ausreichend Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte zu essen. Stark blähende Lebensmittel wie Kohl oder Zwiebeln sollten nur in geringen Mengen auf dem Speiseplan stehen. Achten Sie vorbeugend außerdem darauf, dass Ihr Kind sich ausreichend Zeit zum Essen nimmt und die Speisen ausgiebig kaut.

Sollte Ihr Kind trotz angepasster Ernährungsweise noch immer über Schmerzen im Bauch klagen, kann es auch sein, dass es gewisse Lebensmittel wie Milchprodukte nicht verträgt. Um möglichen Intoleranzen oder Allergien auf die Spur zu kommen, können Sie ein Ernährungstagebuch führen. Dieses nehmen Sie beim nächsten Arztbesuch mit, so fällt es dem Mediziner leichter, die richtige Erst-Diagnose zu stellen.

Was essen bei Bauchweh?

Im akuten Fall empfiehlt es sich, auf leichte Kost zu setzen. Gut verdaulich sind beispielsweise Kartoffeln, Reis, Äpfel oder Möhren. Auf fettreiche Speisen sollte lieber verzichtet werden, um den Magen-Darm-Trakt nicht unnötig zu belasten.

Akute oder dauerhafte Bauchschmerzen – ein Fall für den Arzt

Bei folgenden Symptomen sollte das Kind möglichst bald von einem Arzt untersucht werden:

  • Fieber
  • Erbrechen
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
  • starker Durchfall
  • seit drei Tagen kein Stuhlgang (betrifft ältere Kinder und Babys, die Flaschenmilch erhalten; bei Stillkindern sind 6 bis 10 Tage ohne Stuhlgang normal)
  • plötzlich auftretende, starke Bauchkrämpfe
  • sehr hart gespannte Bauchdecke
Wichtig:

Wenn ein Säugling anhaltend und schrill schreit oder das Kind nicht spielt, sondern schlapp und apathisch wirkt, sollten Eltern ebenfalls mit ihm zum Kinderarzt gehen. Grundsätzlich gilt: Lieber einmal zu oft zum Arzt gegangen. Kein Kinderarzt wird es Ihnen verübeln, dass Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen.

Bei manchen Kindern kommt es auch zu sogenannten funktionellen Bauchschmerzen. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine erhöhte Schmerzsensibilität. Solange sich die Kinder im Wachstum befinden, sind die inneren Organe besonders empfindlich. Da kann auch der ganz normale Verdauungsvorgang, die Dehnung des Darms und die Arbeit der Muskeln Bauchschmerzen verursachen. In selten Fällen leiden Kinder aber auch an einer chronischen Darmerkrankung wie Morbus Crohn .

Deshalb ist es empfehlenswert, sowohl bei akuten Bauchkrämpfen als auch bei häufig auftretenden Bauchschmerzen mit dem Kind zum Arzt zu gehen. Bei sehr starken Bauchschmerzen sollten Eltern ihr Kind unverzüglich in die Notaufnahme bringen. Steckt beispielsweise eine Blinddarmreizung oder ein Darmverschluss hinter den krampfartigen Schmerzen (Koliken), ist schnelles Handeln lebenswichtig.

Peggy Richter
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Tanja Albert
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