Welchen Einfluss hat die Ernährung auf unser Verdauungssystem?

„Glück besteht aus einem soliden Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung“ sagte einst der französische Denker Rousseau. Wie wichtig letzteres ist, bemerken die meisten jedoch erst, wenn die Verdauung aus irgendeinem Grund gestört ist. Und das kann schnell passieren, denn so ausgeklügelt das Verdauungssystem ist, so sensibel ist es auch. Welche Speisen und Getränke unser Verdauungssystem negativ beeinflussen, erfahren Sie hier.

Essen, Trinken und das sensible Verdauungssystem

Familie kocht zusammen

Ernährung und Verdauung – diese beiden Begriffe sind unmittelbar miteinander verbunden, denn der Körper gewinnt durch die Verdauung die Energie, die er benötigt. Bis zum Beispiel aus einem Apfel die Nährstoffe gezogen werden können, die der Körper aufnehmen kann, muss dieser viele Stationen im Verdauungssystem durchlaufen. Angefangen mit dem Zerkauen im Mund gelangt der zerkleinerte Apfel über die Speiseröhre in den Magen. Dort wird der Speisebrei weiter verdaut. Durch die Magensäure werden zum Beispiel wichtige Proteine in noch kleinere Bestandteile zerlegt. Im Dünndarm ist der Apfel bereits so verarbeitet, dass die darin enthaltenen Nährstoffe aufgenommen werden können.

Funktionieren kann dieser komplexe Ablauf, der rund um die Uhr stattfindet, durch die Motilität, also durch die ständige unwillkürliche Bewegung von Magen- und Darmmuskeln. Die Magenmuskulatur ist außerdem dafür verantwortlich, dass der Speisebrei im Magen kräftig durchmischt wird. Aus verschiedenen Gründen (zum Beispiel durch die Einnahme bestimmter Medikamente oder Stress) kann es jedoch zu Motilitätsstörungen kommen – die Muskelbewegungen sind in diesen Fall beeinträchtigt. Aber auch die Ernährung kann sich aus verschiedenen Gründen negativ auf unser Verdauungssystem auswirken.

Sauer macht lustig – aber nicht, wenn es um den Magen geht

Wie bereits erwähnt, hat die Magensäure eine zentrale Funktion für die Verdauung. Gerät das saure Milieu jedoch aus dem Gleichgewicht, kann dies zu erheblichen Verdauungsproblemen führen:

  • Ein Mangel an Magensäure entsteht zum Beispiel durch eine Infektion mit Helicobacter pylori Bakterien oder infolge einer dauerhaften Nutzung von Protonenpumpenhemmern, das sind Medikamente, die die Magensäureproduktion hemmen. Durch zu wenig Magensäure gerät die Aufschlüsselung der Nahrung im Magen ins Stocken – die Folge: Blähungen oder Völlegefühl
  • Häufiger ist jedoch ein Zuviel an Magensäure das Problem. Eine Übersäuerung äußert sich in Symptomen wie Magenschmerzen, Übelkeit oder Sodbrennen und kann unbehandelt auf längere Sicht zum Beispiel zu einer Magenschleimhautentzündung führen. Wie Sie dem vorbeugen, können Sie in dem Text Magensäure reduzieren nachlesen.
Wie sauer ist die Magensäure?
Der Magensaft weist bei nüchternem Zustand einen pH-Wert von nahezu 0 auf, wenn wir etwas gegessen haben, steigt er auf den Wert 2 bis 4. Um das etwas besser einordnen zu können: Der pH-Wert von Zitronensaft liegt bei 2,4. Dass wir eine so aggressive Säure im Magen haben ist wichtig, denn dadurch können aufgenommene Bakterien abgetötet werden.

Unverträglichkeiten: Unerwünschte Lebensmittel

Obst, Gemüse, Fleisch; gekocht oder roh – alles, was wir essen, muss das Verdauungssystem durchlaufen. Was wir genau zu uns nehmen, spielt dabei eine zentrale Rolle. Einige Lebensmittel wie Blattgemüse oder Pfefferminze können die Verdauung anregen, sehr fettreiche Speisen bleiben hingegen länger im Magen liegen. Bei manchen Menschen können jedoch auch bestimmte Lebensmittel Beschwerden auslösen. Solche Unverträglichkeiten existieren beispielsweise gegen:

  • Laktose (Milch und Milchprodukte wie Käse)
  • Gluten (zum Beispiel in Weizenmehl)
  • Histamin (Hartkäse, Fertiggerichte, Schokolade)
  • Fructose (Obst)
  • Sorbit (vor allem in industriell hergestellten Lebensmitteln)

Oftmals dauert es lange, bis Menschen mit Unverträglichkeiten die Ursache für ihre Beschwerden (wie Blähungen, Übelkeit oder Bauchschmerzen) herausfinden. Die Therapie zielt in der Regel darauf ab, diese Lebensmittel so gut wie möglich zu meiden.

Salmonellen und Co. – vergiftete Lebensmittel

Zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten zählen übrigens auch Lebensmittelvergiftungen. In diesem Fall werden unterschiedliche Reaktionen wie Fieber, Übelkeit und Krämpfe jedoch von Giften ausgelöst. Neben Chemikalien oder Metallen können diese ebenso durch Stoffwechselgifte von Bakterien, Pilzen oder Parasiten ausgelöst werden. Häufige Lebensmittelvergiftungen sind:

  • Fleischvergiftung (Botulismus)
  • Salmonellen (vor allem durch verseuchtes Fleisch, Eier oder rohe Milch)
  • Fischvergiftung
  • Pilzvergiftung

Eine Magenverstimmung oder ein verdorbener Magen können hingegen vielfältige Gründe haben. Vielleicht haben Sie einfach zu viel oder zu fettig gegessen? Normalerweise erholt sich der Magen nach kurzer Zeit von alleine wieder. Wer etwas nachhelfen möchte, kann zum Beispiel eine Tasse Pfefferminz- oder Kümmeltee trinken; diese können helfen, die Verdauung anzuregen.

Wie wirken Kaffee und Alkohol auf unser Verdauungssystem?

Eine Tasse Kaffee morgens zum Wachwerden trinken die meisten Menschen. Kommen über den Tag verteilt jedoch noch viele weitere Tassen hinzu, und abends noch ein paar Gläschen Wein, kann dieser Lebensstil unser Verdauungssystem ganz schön belasten.

Kaffee und Alkohol fördern die Durchblutung und regen die Verdauung an. Dadurch kann jedoch schnell eine Übersäuerung entstehen, die sich wiederum zum Beispiel in Sodbrennen bemerkbar macht. Besonders bei zu viel Alkohol reagiert der Körper dementsprechend mit Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen. Im schlimmsten Fall führt zu viel Alkohol zu einer Alkoholvergiftung und muss ärztlich behandelt werden.

Was tun bei einem Kater?
Die Stimmung ist gut, die Getränke auch – ein feucht-fröhlicher Abend kann schnell mal aus dem Ruder laufen. Bereuen tut man das erst am nächsten Tag. Hier finden Sie Tipps, was gegen einen Kater hilft und wie Sie einem Kater vorbeugen können.
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