Ausstülpungen in der Darmwand: Die Zivilisationskrankheit Divertikulitis

9. Juli 2019
21 Min.

Divertikulitis ist eine Krankheit des Dickdarms, die vor allem in westlichen Industrieländern häufig auftritt. Weil sie erst seit einigen Jahrhunderten existiert, liegt ein Zusammenhang zu der Lebens- und Ernährungsweise der heutigen Zeit nahe. Da es sich um eine Alterskrankheit handelt, wird sie in unserer immer älter werdenden Gesellschaft mehr und mehr zur Volkskrankheit.


Überblick

Endlich verständlich: Divertikel, Divertikulose und Divertikulitis

Zugegeben: Die Begrifflichkeiten sind bei der Darmerkrankung im Zusammenhang mit Divertikeln etwas verwirrend. Deshalb soll zu Beginn ein kurzer Überblick über die wichtigsten Bezeichnungen für etwas mehr Klarheit sorgen. Folgende Begriffe werden unterschieden:

  • Divertikel: Ausstülpungen der Darmwand bzw. der Darmschleimhaut
  • Divertikulose: Vorhandensein mehrerer Divertikel (keine Symptome)
  • Divertikelkrankheit: Beschwerden durch Divertikel
  • Divertikulitis: Entzündung der Divertikel; spezielle Form der Divertikelkrankheit

Schätzungsweise ein Drittel aller Menschen in Deutschland entwickeln im Lauf ihres Lebens sogenannte Divertikel im Darm. Darunter verstehen Mediziner Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die an sich harmlos sind. Sind mehrere vorhanden, ist von einer Divertikulose die Rede.

Wie entstehen Divertikel?

Die Ausstülpungen bilden sich vor allem im sogenannten Sigma, dem s-förmig verlaufenden, unteren Teil des Dickdarms. Denn hier ist zum einen der Durchgang enger, zum anderen ist der Stuhl, dem während der Darmpassage immer mehr Flüssigkeit entzogen wird, fester.

Eine genaue Ursache für die Entstehung konnte bisher noch nicht endgültig gefunden werden. Da jedoch Menschen in Entwicklungsländern seltener davon betroffen sind, vermuten Wissenschaftler, dass der westliche Lebensstil inklusive der Ernährung ein wesentlicher Faktor für Bildung von Ausstülpungen ist. Dazu zählen

  • ballaststoffarme Mahlzeiten,
  • das Essen von rohem Fleisch sowie
  • eine mangelhafte körperliche Betätigung.

Aber auch eine erbliche Veranlagung kann dazu beitragen.

Zusammenhang mit dem Alter

Die Wahrscheinlichkeit, Divertikulose (also mehrere Divertikel) zu bekommen, steigt prozentual mit dem Alter. Während die Schleimhautausstülpungen bei Menschen unter 50 Jahren sehr selten (etwa zehn Prozent) auftreten, steigt die Wahrscheinlichkeit bis zu einem Alter von 80 Jahren auf über 50 Prozent an.1

Der Grund dafür ist, dass das Bindegewebe mit der Zeit „ausleiert“ und sich dadurch leichter Ausstülpungen im Darm bilden können. Ältere Menschen leiden außerdem aufgrund von Medikamenten, wenig Flüssigkeitszufuhr und Bewegungsmangel häufiger an Verstopfung. Durch das Pressen bei hartem Stuhlgang erhöht sich der Druck im Darm und die altersschwache Darmwand gibt nach.

Gut zu wissen:

Bei den meisten Ausstülpungen im Dickdarm handelt es sich genau genommen um Pseudodivertikel. Bei echten Divertikeln drückt sich die gesamte Darmwand (also Bindegewebe, Muskeln, Nerven- und Blutbahnen sowie Schleimhautschicht) nach außen, bei Pseudodivertikeln nur die Schleimhaut.

Welche Symptome können bei einer Divertikulitis auftreten?

Die Divertikulose ist in der westlichen Welt der häufigste Befund des Dickdarms. An sich sind die Ausstülpungen der Darmwand harmlos. Erst wenn sie sich entzünden, können sie starke Beschwerden verursachen und sogar zu gefährlichen Komplikationen führen.

Zu den Symptomen einer Divertikulitis zählen:

Akute Divertikulitis: Wann zum Arzt?

Bemerken Sie Anzeichen wie plötzliche starke Bauchschmerzen, Übelkeit, unregelmäßigen Stuhlgang, Blut im Stuhl oder andere Beschwerden, die auf eine akute Divertikulitis hindeuten, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um schwere Folgen wie einen Darmdurchbruch zu vermeiden.

Schmerzen im linken Unterbauch sind typisches Anzeichen

Oft weisen Schmerzen in der linken Seite des Bauchs  auf Divertikulitis hin

Am häufigsten klagen Betroffene über starke Schmerzen im linken Unterbauch. Diese sind nach dem Essen oft schlimmer und nehmen im Anschluss an den Stuhlgang wieder ab. Hinzu können Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen (wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall) und Fieber kommen. Da die Beschwerden denen einer Blinddarmentzündung stark ähneln, nur dass die Schmerzen meist links und nicht wie bei der Blinddarmentzündung rechts auftreten, bezeichnen Mediziner die Divertikulitis auch als „Linksseiten-Appendizitis“ (linksseitige Blinddarmentzündung).

Hinweis:

Auch wenn die Schmerzen typischerweise auf der linken Seite des Unterbauchs beobachtet werden, können sie theoretisch auch rechts auftauchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schmerzen rechtsseitig liegen, ist jedoch sehr gering.

Überblick: Stadien der Divertikel-Krankheit und Diagnose beim Arzt

Stadium
Bezeichnung
mögliche Symptome
0
Divertikulose (ohne Symptome)
keine, Zufallsfund bei einer Darmspiegelung
I
akute unkomplizierte Divertikulitis
Schmerzen im Unterbauch, eventuell Fieber
II
akute komplizierte Divertikulitis
Druckschmerz, verhärteter Bauch, Fieber
III
chronische Divertikulitis
immer wiederkehrender Unterbauchschmerz, Verstopfung

Für die Diagnose tastet der Arzt in der Regel zunächst den Bauch nach Auffälligkeiten wie Verhärtungen ab. Typische Anzeichen für eine akute unkomplizierte Divertikulitis ist ein Schmerz und harte Stellen im linken Unterbauch. Eine Blutuntersuchung bestätigt, ob erhöhte Entzündungswerte vorliegen. Zudem können eine Untersuchung per Ultraschall und eine CT-Diagnose (Computertomographie, bildgebendes Verfahren) zum Einsatz kommen.

Die Mehrheit der Menschen mit Divertikeln (75 Prozent) zeigt keinerlei Beschwerden. Dieses symptomlose Vorhandensein bezeichnen Mediziner als Divertikulose. Bei etwa 25 Prozent der Divertikel machen sich jedoch Anzeichen wie Schmerzen, Blähungen oder Stuhlunregelmäßigkeiten bemerkbar. In diesem Fall wird von der sogenannten Divertikelkrankheit gesprochen. Da die Symptome unter anderem denen des Reizdarmsyndroms ähneln, ist eine Abgrenzung nicht immer leicht.

Ein Viertel der Betroffenen, bei denen sich die spezifischen Beschwerden zeigen, ist von blutenden Divertikeln betroffen, die nicht von Bakterien besiedelt sind und sich zum Beispiel durch Blut im Stuhl äußern. Bei den restlichen 75 Prozent entzünden sich die Ausstülpungen, meist aufgrund einer Anstauung von Stuhlresten. In diesem Fall handelt es sich um eine Divertikulitis. Sie beschränkt sich meist nur auf die Darmwand, weshalb sie als unkomplizierte Form bezeichnet wird.

Kommt es allerdings zu Komplikationen, wie einem Darmdurchbruch, einer Abszess- oder einer Fistelbildung, handelt es sich um einen komplizierten Fall. Davon ist etwa ein Viertel der Patienten betroffen.3 Ein komplizierter Verlauf erfordert die Versorgung in einem Krankenhaus.

Aufgrund dieser Unterscheidungen wird die Divertikulitis häufig in drei Stadien eingeteilt. Diese Einteilung berücksichtigt die Ausbreitung der Entzündung in und über die Darmwand hinaus.

Mögliche Komplikationen

Neben der Divertikulitis können die Divertikel auch zu weiteren Beschwerden führen. Dazu gehören:

  • Divertikelblutung: Einige Betroffene leiden im Lauf ihres Lebens an einer Divertikelblutung, die unter Umständen Blut im Stuhl verursacht. Die feinen Blutgefäße in der Darmschleimhaut können zum Beispiel durch Entzündungen angegriffen werden und zu bluten anfangen. Besonders starke Blutungen entstehen dagegen vor allem durch das Platzen kleiner Arterien. Auch wenn die Blutungen in den meisten Fällen von allein wieder aufhören, sollten sie zur Vorsicht im Krankenhaus behandelt werden. Bei starken oder sehr lang anhaltenden Beschwerden dieser Art versucht der Arzt in der Regel mithilfe einer Darmspiegelung (Endoskopie) Ort und Ursache der Blutung herauszufinden.
  • Abszessbildung: In den entzündeten Darmabschnitten besteht eine erhöhte Gefahr, dass sich Abszesse bilden. Bei einem Abszess handelt es sich um eine Ansammlung von Eiter in einem Hohlraum, der starke Schmerzen auslösen kann. Das Sekret wird im Krankenhaus über einen Schlauch durch die Haut abgeleitet und der Hohlraum ausgespült. Patienten bleiben anschließend zur Überwachung ihres Zustandes einige Tage auf der Krankenstation.
  • Fistelbildung: Infolge einer Divertikulitis kommt es außerdem hin und wieder zu Fisteln. Hierbei handelt es sich um unnatürliche, tunnelartige Verbindungen, die sich zwischen dem Darm und anderen Organen wie zum Beispiel der Harnblase entwickeln und so Darmbakterien das Eindringen ermöglichen.
  • Darmverengung oder Darmverschluss: Bei der Abheilung von Entzündungen bleiben Narben zurück. Infolge einer chronischen Divertikulitis kann sich aufgrund der Narbenbildung der Darmdurchmesser verkleinern oder sogar komplett verschließen (Ileus). Der Verdauungsbrei passiert den Darm dann unter Umständen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr. Ein Darmverschluss äußert sich typischerweise durch Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen (zum Teil auch des Darminhalts) und muss meistens operativ behandelt werden.

Ist eine akute Divertikulitis lebensbedrohlich?

Zu einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Komplikation kann es kommen, wenn durch die Entzündungen Löcher in der Darmwand entstehen und der Darminhalt in die Bauchwand gelangt (Darmdurchbruch). Die darin enthaltenen Bakterien verbreiten sich so im Bauchraum und lösen eine Bauchfellentzündung aus, die gefährlich ist und sofort per Notoperation behandelt werden muss. Auch nach der Operation erfolgt eine Überwachung auf der Intensivstation.4 Warnsymptome, die auf einen Darmdurchbruch hinweisen, sind: plötzlich auftretende starke Bauchschmerzen, ein druckempfindlicher und harter Bauch, Übelkeit und Erbrechen sowie gelegentlich Fieber.

Divertikulitis: Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Krankheit. Eine komplizierte Divertikulitis muss in den meisten Fällen chirurgisch behandelt werden. Bei einem unkomplizierten Fall reichen hingegen meist eine vorrübergehende Diät sowie eine Therapie mit Antibiotika aus. Ob letztere bei einem leichten Verlauf tatsächlich notwendig ist, ist unter Experten umstritten.

Überblick über die Behandlungsmethoden

Schwere Behandlung
unkomplizierte Divertikulitis
  • vorrübergehender Nahrungsverzicht
  • eventuell Therapie mit Antibiotika
komplizierte Divertikulitis
(Darmdurchbruch, Fistel- Abszessbildung, andauernde Entzündung)
  • Operation

Welche Medikamente bei unkomplizierter Divertikulitis?

Bei einer unkomplizierter Divertikulitis wird meist mit Medikamenten behandelt

Eine unkomplizierte Divertikulitis wird in der Regel nicht operiert, sondern eine Therapie mit Medikamenten vom Arzt angeraten. Dabei entscheidet der Fachmann im Einzelfall, ob eine ambulante Versorgung infrage kommt oder der Patient zur Vorsicht im Krankenhaus beobachtet werden muss.

Liegt ein unkomplizierter Verlauf vor, empfehlen internationale Leitlinien routinemäßig Antibiotika sowie eine kurze Fastenphase und Bettruhe. Erfahrungsgemäß soll ein Großteil der Patienten nach der Gabe eines Breitbandantibiotikums sogar keine Beschwerden mehr zeigen oder keine weiteren Schübe bekommen5

Jedoch ist die Studienlage bezüglich der Notwendigkeit von Antibiotika in einem unkomplizierten Fall unzureichend. Neuere Studien6 bezweifeln einen signifikanten Nutzen der Antibiotikatherapie. Vielmehr, so die Meinung der Experten, sollten Antibiotika nur bei einem schweren Verlauf zum Einsatz kommen. Anstatt dem Patienten diese Medikamente voreilig zu verabreichen, empfehlen neuere Konzepte, nicht sofort zu dem Wirkstoff zu greifen.

Demnach erfordere eine unkomplizierte Divertikulitis ohne Komplikationen eher eine Kombination aus Schmerzmitteln, entkrampfenden Medikamenten sowie eine spezielle Ernährungsempfehlung. Bei einem schweren Verlauf der Krankheit richtet sich die Dauer der Antibiotikagabe nach der Schwere der Erkrankung.

Auch die Wirksamkeit einer Nulldiät bei einem akuten Schub, um den Darm ruhigzustellen, kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Diese Diät erfordert einen Verzicht auf jegliche feste Nahrung. Da aber durch das Fasten der Körper zusätzlich stark beansprucht wird, ist in einem solchen Fall ein klinischer Aufenthalt unbedingt notwendig.

Wichtig:

Sowohl nach einer Operation als auch der Gabe von Antibiotika sollten Betroffene auf eine sehr leichte, ballaststoffarme Kost und eine genügende Flüssigkeitszufuhr achten. Durch ausreichendes Trinken quellen die Ballaststoffe auf und führen nicht zu einer Verstopfung.

Operation bei kompliziertem und schwerem Verlauf

Nicht immer sind die Ausstülpungen der Darmwand harmlos. Im Extremfall können sie zu einem gefährlichen Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung führen. Machen die Divertikel großen Ärger, kann es sein, dass die Gabe von Medikamenten nicht mehr ausreicht. Aber wann muss operiert werden?

Bei einem Bruchteil derjenigen Menschen, die typische Symptome zeigen, führt die Divertikulitis zu schweren Komplikationen, durch die Betroffene nicht um eine Operation herumkommen. Zu den zwingenden Gründen einer Operation gehören zum Beispiel

  • ein Darmverschluss,
  • eine Fistelbildung (durch die Entzündung entstandene Verbindung zwischen dem Darm und anderen Organen),
  • eine Bauchfellentzündung (zum Beispiel durch das Platzen eines Divertikels) und
  • der Verdacht auf Dickdarmkrebs.

Falls derartige Probleme vermutet werden, ist eine sofortige ärztliche Untersuchung notwendig. Der Arzt entscheidet im Einzelfall, ob eine Operation sofort erfolgen muss, oder nicht. Ohne einen chirurgischen Eingriff können diese Situationen lebensbedrohlich sein. Bei Darmoperationen kommen sowohl ein Bauchschnitt als auch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) infrage. In der Regel werden Darmoperationen unter Vollnarkose durchgeführt.

Künstlicher Darm bei Divertikulitis?

Manchmal muss im Zuge einer Divertikulitis-Operation ein Stück des Darms entfernt und ein Stoma gelegt werden. Ist solch ein künstlicher Darmausgang für immer? Und wie lebt es sich damit? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert Stomatherapeutin Gabriele Hofmann.

Daneben gibt es noch weitere Gründe, bei denen zwar nicht zwingend operiert werden muss, eine Operation in einigen Fällen jedoch durchaus sinnvoll ist. Dazu zählen unter anderem:

  • Der Patient zeigt immer wiederkehrende und anhaltende Divertikulitis-Anzeichen, die trotz der Gabe von Medikamenten nicht besser werden.
  • Tritt immer wieder helles Blut im Stuhl auf, führt dies ebenfalls manchmal zu der Entscheidung für einen operativen Eingriff.
  • Auch anhaltende Beschwerden beim Wasserlassen können ein Grund für eine Operation sein.
  • Es liegen wiederholte Entzündungen der Divertikel vor. Dabei kann es durch die Narben, die beim Abheilen entstehen, zu einer Verengung oder einem Verschluss des Darmes kommen. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Fisteln bilden, steigt mit der Anzahl wiederkehrender Schübe.

Wie oft ein Patient derartige Schübe von Beschwerden hat, ist übrigens individuell unterschiedlich.

Wie verläuft eine Divertikulitis-OP?

Muss bei einer Divertikulitis operiert werden, wird dabei der betroffene Darmabschnitt entfernt

Bei einer Operation wird der betroffene Darmabschnitt (meist das Sigma, der untere s-förmige Teil des Dickdarms) entfernt. Ist dieser sehr klein, normalisiert sich der Zustand des Patienten in der Regel nach der Operation. Muss jedoch ein größeres Stück entfernt werden, kann der Darm dem Nahrungsbrei weniger Wasser entziehen, weshalb es möglich ist, dass Betroffene nach dem Eingriff einen breiigeren Stuhlgang haben. Da es möglich ist, dass sich nach der Operation auch an weiteren Stellen des Darms Divertikel bilden, wird auch in diesem Fall eine Nahrungsumstellung empfohlen.

Divertikulitis: Wie lange arbeitsunfähig?

Im Anschluss an die Operation bleiben Patienten noch etwa eine Woche im Krankenhaus, bevor sie wieder nach Hause entlassen werden. In manchen Fällen ist ein künstlicher Darmausgang notwendig. Meist werden Betroffene nach ihrer Entlassung für die zwei darauffolgenden Wochen krankgeschrieben und müssen sich körperlich schonen. Leichte sportliche Betätigung und Arbeitsfähigkeit sind danach in der Regel wiedergegeben, allerdings ist schweres Heben oder eine Belastung der Bauchmuskeln noch für mindestens drei Monate untersagt.7

Ärzte treffen die Entscheidung für eine Operation immer im Hinblick auf Alter und Gesundheitszustand des Patienten. Bei einem 40-Jährigen, der dreimal im Jahr aufgrund von Divertikulitis-Schüben starke Schmerzen hat, kann eine Operation beispielsweise zu mehr Lebensqualität verhelfen. Bei einem 85-jährigen Pflegeheimbewohner, der nur einmal alle zwei Jahre einen Schub hat und die Antibiotika-Therapie gut verträgt, wird eine Operation hingegen weniger in Betracht gezogen.

Homöopathie und alternative Behandlungsmethoden

Da eine Divertikulitis auch zu lebensbedrohlichen Folgen wie einem Darmdurchbruch führen kann, ist eine ärztliche Versorgung erforderlich. Begleitend können – am besten in Absprache mit dem behandelnden Arzt – jedoch homöopathische Mittel (Streukügelchen mit Wirkstoff, sogenannte Globuli) gegen die Symptome eingenommen werden:

  • Blähungen: Asa foetida D6, Carbo vegetabilis D6, Chamomilla recutita D12, Aloe D6 und Lycopodium clavatum D12
  • Bauchkrämpfe: Carbo vegetabilis D6 und Acidum nitricum D12
  • (Blutiger) Durchfall: Acidum nitricum D12, Aloe D6, Erigeron canadensis D6, Mercurius corrosivus D12 und Podophyllum peltatum D68

Daneben haben auch bestimmte Heilpflanzen einen positiven Effekt auf den Darm. Gerbstoffhaltige Pflanzen wie Eichenrinde und Heidelbeeren kräftigen ihn und wirken Entzündungen der Schleimhaut entgegen. Die Pflanzen können zum Beispiel als Tee getrunken werden. Als weiteres pflanzliches Mittel wird Kamillentee empfohlen. Denn Kamille beruhigt Magen und Darm und hat eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung.

Wichtig: Divertikulitis ist eine schwerwiegende Erkrankung, die meist nicht ohne eine medikamentöse oder sogar operative Behandlung durch die Schulmedizin auskommt. Deshalb sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Welche Ernährung bei Divertikulitis?

Eine sehr ballaststoffarme Ernährung, zum Beispiel aus vielen Fertiggerichten, gilt als eine mögliche Ursache für die Entstehung von Divertikeln. Deshalb raten Mediziner vorbeugend vor allem zu einer ballaststoffreichen Ernährung.

Was essen bei einer unkomplizierten Divertikulitis?

Der Befund von Divertikeln ist erst einmal kein Grund zur Panik: Da sie in den meisten Fällen keine Beschwerden verursachen, werden sie oft gar nicht bemerkt. Bei einem unkomplizierten Verlauf nehmen Ernährungsempfehlungen – sowohl für eine akute Entzündungsphase als auch auf längere Sicht – in der Behandlung eine wichtige Stellung ein.

Menschen, die ständig Probleme mit Divertikeln haben, sollten ihre Essgewohnheiten grundlegend umstellen. Eine ballaststoffreichere Ernährung reduziert zwar nicht bereits bestehende Divertikel, sie schützt jedoch vor der Neuentstehung und verringert das Risiko von Entzündungen. Diese Nahrungsbestandteile sind zum Beispiel in den folgenden pflanzlichen Lebensmitteln enthalten:

  • Vollkornprodukte
  • Obst
  • Gemüse
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse

Außerdem regen sie die Darmtätigkeit an und verhindern – bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr – eine Verstopfung. Erwachsenen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Tagesmenge von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen.9

Tipp: So integrieren Sie Ballaststoffe ganz einfach in den Alltag

  • Mit Müsli (das reich an Getreideflocken wie Hafer, Mais oder Roggen ist) ballaststoffreich in den Tag starten.
  • Bei Brot und Nudeln lieber zu Vollkornprodukten greifen.
  • Zu jeder Mahlzeit als Beilage eine Portion Gemüse oder Obst essen. Feste Sorten wie Möhren oder Paprika haben mehr „Ballast“ als wässrige wie Gurken oder Zucchini.

Ernährungsumstellung bei akuter Divertikulitis

Im Rahmen eines akuten Schubs, der mit Antibiotika oder anderen Medikamenten behandelt wird, muss der Patienten konkrete Nahrungsvorschriften einhalten. Die Ernährungsumstellung erfolgt in drei Phasen:

  • 1. Phase: keine Ernährung

    Während einer akuten, schmerzhaften Entzündung dürfen Patienten nichts essen. Sie werden im Krankenhaus gegebenenfalls künstlich ernährt. In den nächsten ein bis zwei Tagen folgt ein langsamer Kostaufbau. Die Patienten bekommen vor allem Tees, Suppen und Zwieback.

  • 2. Phase: ballaststoff- und fettarme Ernährung

    In der folgenden Woche raten die Mediziner zu ballaststoff- und fettarmen Lebensmitteln. Dazu zählen unter anderem: Zwieback, Wurstwaren, Obstsäfte, Käse, Honig, Milchprodukte und Fleischbrühe.

  • 3. Phase: langsamer Übergang zu ballaststoffreicher Kost

    Ist die Entzündung wieder vollständig ausgeheilt, empfehlen Ärzte und Ernährungsberater eine langfristige Umstellung der Essgewohnheiten. Bereits vorhandene Divertikel können zwar durch eine Ernährungsumstellung nicht mehr rückgängig gemacht werden, es gibt jedoch Hinweise, dass die Aufnahme von vielen Ballaststoffen die Wahrscheinlichkeit von Entzündungen verringert.

  • Wichtig:

    Die Umstellung zu einer ballaststoffreichen Ernährung sollte langsam erfolgen. Bei Menschen, die sich lange Zeit ballaststoffarm ernährt haben, führt die Umstellung eventuell zu Blähungen, die den Darm zusätzlich belasten.

Miriam Och
Mail schreiben
Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!