Die Zivilisationskrankheit Divertikulitis

Divertikulitis ist eine Erkrankung des Dickdarms, die vor allem in westlichen Industrieländern häufig auftritt. Weil die Krankheit erst seit einigen Jahrhunderten existiert, wird ein Zusammenhang zu der Lebens- und Ernährungsweise der heutigen Zeit vermutet. Da die Divertikulitis auch eine Alterskrankheit ist, wird sie in unserer alternden Gesellschaft immer mehr zur Volkskrankheit. Hier erfahren Sie alles über Divertikulitis!

Endlich verständlich: Divertikel, Divertikulose und Divertikulitis

Divertikulose oder Divertikulitis? Zugegeben: Die Begrifflichkeiten sind bei der Darmerkrankung im Zusammenhang mit Divertikeln etwas verwirrend. Deshalb soll zu Beginn ein kurzer Überblick über die wichtigsten Bezeichnungen für etwas mehr Klarheit sorgen. Folgende Begriffe werden unterschieden:

  • Divertikel: Ausstülpungen der Darmwand
  • Divertikulose: Vorhandensein mehrerer Divertikel (keine Symptome)
  • Divertikelkrankheit: Beschwerden durch Divertikel
  • Divertikulitis: Entzündung der Divertikel; spezielle Form der Divertikelkrankheit

Wie entstehen Divertikel im Darm?

Divertikulitis ist eine Erkrankung des Dickdarms, welche vermutlich durch die heutige Lebens- und Ernährungsweise verursacht wird

Schätzungsweise ein Drittel aller Menschen in Deutschland entwickelt im Lauf seines Lebens sogenannte Divertikel im Darm. Darunter verstehen Mediziner Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die an sich harmlos sind. Bei mehreren Divertikeln ist dagegen von einer Divertikulose die Rede. Diese bilden sich vermehrt im sogenannten Sigma, im s-förmig verlaufenden, unteren Teil des Dickdarms. Die genaue Ursache, weshalb Divertikel im Darm entstehen, wurde bisher noch nicht endgültig geklärt. Da jedoch Menschen in Entwicklungsländern seltener Divertikel haben, vermuten Wissenschaftler, dass der westliche Lebensstil inklusive der Ernährung ein wesentlicher Faktor für die Entstehung der Ausstülpungen ist. Dazu zählen eine ballaststoffarme Ernährung, das Essen von rohem Fleisch sowie eine mangelhafte körperliche Betätigung. Aber auch eine erbliche Veranlagung kann zur Bildung von Divertikeln im Darm beitragen.

Divertikulitis – eine Alterskrankheit?

Die Wahrscheinlichkeit, Divertikel zu bekommen, steigt prozentual mit dem Alter. Während die Schleimhautausstülpungen bei Menschen unter 40 Jahren sehr selten auftreten, liegt die Wahrscheinlichkeit im Alter von 60 Jahren bei etwa 30 Prozent. Ab 85 Jahren sind bei 65 Prozent der Deutschen Divertikel zu beobachten. Der Grund dafür ist, dass das Bindegewebe mit dem Alter „ausleiert“ und sich dadurch leichter Divertikel im Darm bilden können. Ältere Menschen leiden außerdem aufgrund von Medikamenten und weil sie weniger trinken und nicht mehr so aktiv sind häufiger an Verstopfung. Durch das Pressen bei hartem Stuhlgang erhöht sich der Druck im Darm und die altersschwache Darmwand stülpt sich nach außen.

Gut zu wissen:
Bei den meisten Ausstülpungen im Dickdarm handelt es sich genau genommen um Pseudodivertikel. Bei echten Divertikeln stülpt sich die gesamte Darmwand (also Bindegewebe, Muskeln, Nerven- und Blutbahnen sowie Schleimhautschicht) nach außen, bei Pseudodivertikeln nur die Schleimhaut.

Unkomplizierte und komplizierte Divertikulitis

Die Mehrheit der Divertikel-Erkrankten zeigt keinerlei Beschwerden. Das symptomlose Vorhandensein von Divertikeln bezeichnen Mediziner als Divertikulose. Bei etwa 25 Prozent der Divertikel machen sich hingegen Symptome wie Schmerzen, Blähungen oder Stuhlunregelmäßigkeiten bemerkbar. In diesem Fall wird als Oberbegriff für symptomatische Divertikel von der sogenannten Divertikelkrankheit gesprochen. Da die Symptome denen des Reizdarmsyndroms ähneln, ist eine Abgrenzung nicht immer leicht.

Bei etwa einem Viertel der Betroffenen, die Symptome zeigen, fangen die Divertikel nur zu bluten an, entzünden sich jedoch nicht. Ein Anzeichen für Blutungen kann auch Blut im Stuhl sein. Bei etwa 75 Prozent entzünden sich die Divertikel, meist aufgrund einer Anstauung von Stuhlresten. In diesem Fall handelt es sich um eine Divertikulitis. Bei dem Großteil der Betroffenen ist diese Entzündung nur auf die Darmwand beschränkt, weshalb sie als unkomplizierten Form der Divertikulitis bezeichnet wird. Kommt es hingegen zu einem Darmdurchbruch, einer Abszess- oder Fistelbildung, handelt es sich um eine komplizierte Divertikulitis.

Einteilung der Divertikulitis in Stadien

Häufig wird die Divertikulitis in drei Stadien eingeteilt. Diese Einteilung berücksichtigt vor allem die Ausbreitung der Entzündung in und über die Darmwand hinaus.

Überblick: Stadien der Divertikel-Erkrankung

Stadium
Bezeichnung
Symptome
0
Divertikulose (ohne Symptome)
keine, Zufallsfund bei einer Darmspiegelung
I
akute unkomplizierte Divertikulitis
Schmerzen im Unterbauch, eventuell Fieber
II
akute komplizierte Divertikulitis
Druckschmerz, verhärteter Bauch, Fieber
III
chronische Divertikulitis
immer wiederkehrender Unterbauchschmerz, Verstopfung

Divertikulitis: Diagnose und Behandlung beim Arzt

Die Behandlung durch den Arzt richtet sich nach Ursache und Fortschreiten der Entzündung. Für die Diagnose tastet der Arzt in der Regel zunächst den Bauch nach Auffälligkeiten wie Verhärtungen ab. Typische Anzeichen für eine akute unkomplizierte Divertikulitis ist ein Schmerz im linken Unterbauch. Eine Blutuntersuchung bestätigt, ob es sich um eine Entzündung handelt. Zudem können eine Untersuchung per Ultraschall und eine CT-Diagnose zum Einsatz kommen.

Während die akute unkomplizierte Divertikulitis meist gut mit Medikamenten behandelt werden kann, wird im zweiten Stadium häufig ein chirurgischer Eingriff durchgeführt.

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